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Jugend braucht besonderen Schutz

Minden-Lübbecke -

Stadtfest, Vatertag, Konzerte und Diskos – hier feiern Jugendliche und junge Menschen gerne und ausgelassen. Bei solchen Anlässen, aber auch in vielen anderen Bereichen haben Behörden die Aufgabe, Jugendliche zu schützen: Was bedeutet Jugendschutz? Wie sieht Jugendschutz konkret aus und wer ist dafür zuständig?

Mit Fragen wie diesen befassten sich Experten auf einem Fachtag unter dem Titel „Effektiver Jugendschutz im Kreis Minden-Lübbecke“ im Kreishaus in Minden. Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter von Ordnungsbehörden, Jugendämtern und Jugendförderungen der Städte, Gemeinden und des Kreises sowie die Kreispolizeibehörde haben hier Auslegung und Handhabung von Jugendschutzbestimmungen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.

„Kinder und Jugendliche benötigen den besonderen Schutz unserer Gesellschaft“, sagte Landrat Dr. Ralf Niermann zu Beginn der Veranstaltung. „Dabei ist besonders die konsequente Auslegung und Umsetzung des Jugendschutzgesetzes wichtig.“ Zahlreiche Beispiele würden zeigen, dass die Umsetzung von Jugendschutzmaßnahmen im Kreisgebiet gut funktioniere, so Dr. Niermann.

Zum fachlichen Austausch eingeladen hatte der „Präventive Rat des Kreises Minden-Lübbecke“, ein Arbeitsgremium aus Fachkräften der Jugendämter der Städte Bad Oeynhausen, Minden, Porta Westfalica, des Kreisjugendamtes, des Gesundheitsamtes, der Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Minden-Lübbecke, Wildwasser Minden e.V., des Kommissariats Prävention/Opferschutz und der Schulsozialarbeit des Kreises. Der Präventive Rat beschäftigt sich seit Jahren mit der Vorbeugung gegen Sucht und Gewalt sowie der Wahrnehmung des Jugendschutzes im Kreis Minden-Lübbecke.

Stadtfest, Vatertag, Konzerte und Diskos – hier feiern Jugendliche und junge Menschen gerne und ausgelassen.

Unser Foto zeigt von links Claudia Bonn - Schulsozialarbeit des Kreises Minden-Lübbecke, Mareike Awolin - Fachstelle für Suchtprävention, Ilka Gerhold - Kreisjugendamt, Astrid Krämer - Wildwasser Minden e.V., Daniela Thoring - Jugendamt der Stadt Minden, Jürgen Münch - Jugendamt der Stadt Bad Oeynhausen, Doreen Evans - Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke, Lutz Kollmeyer – Kreispolizeibehörde unnd Olaf Böhne - Jugendamt der Stadt Porta Westfalica. Es fehlt Melanie Kruse - Jugendamt der Stadt Minden. Foto: Mareike Awolin / Kreis Minden-Lübbecke

„Wir wollen das kulturelle Leben für junge Menschen hier im Kreisgebiet attraktiver und vor allem sicherer gestalten“, sagt die Vorsitzende des Präventiven Rates, Mareike Awolin von der Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Minden-Lübbecke. Auf dem Fachtag wurden Synergien deutlich, Zusammenarbeit und Vernetzung gestärkt. Konkrete Beispiele für Jugendschutz vor Ort lieferten unter anderem die Stadt Porta Westfalica, die ihr einheitliches Vorgehen bei Jugendschutzkontrollen zum Stadtfest vorstellte, und die Stadt Bad Oeynhausen.

Dort versammeln sich am Vatertag seit vielen Jahren bis zu zweitausend Jugendliche und junge Erwachsene mit alkoholischen Getränken im Sielpark. Seit vier Jahren arbeiten Ordnungsbehörden, Polizei und Jugendamt zusammen mit sogenannten Peers, also gleichaltrigen, jungen Menschen, aus dem Projekt „Generationen grenzenlos“ vom Diakonischen Werk. Diese jungen Menschen sind geschult, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und deeskalierend zu wirken. In der Stadt Minden wurde am Vatertag der Weserstrand als Treffpunkt für Jugendliche zum Familienfest umfunktioniert. Auch hier hat das Vorgehen die Situation vor Ort entspannt. Diese und weitere Beispiele aus den Kommunen zeigten, wie Jugendschutz im Kreisgebiet umgesetzt wird.

Wie gehen Jugendämter, Polizei und Ordnungsbehörden generell mit ihrer jeweiligen Aufgabe um? – diese Frage wurde auch aus fachlicher Sicht diskutiert im Zusammenhang mit einem Referat über Jugendschutz von Sebastian Gutknecht (Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V.). Er ging dabei auf den erzieherischen, strukturellen und gesetzlichen Jugendschutz ein. Beim erzieherischen Jugendschutz sollen junge Menschen lernen, sich selbst vor gefährdenden Einflüssen zu schützen. Sie sollen so erzogen werden, dass sie kritik- und entscheidungsfähig werden, eigenverantwortlich handeln und Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen übernehmen.

Mit diesem Jugendschutz befasst sich schwerpunktmäßig die Jugendhilfe und insbesondere die Jugendämter. Struktureller Jugendschutz soll die Lebensverhältnisse und Lebensbedingungen junger Menschen verbessern. Für den gesetzliche Jugendschutz sind in NRW die örtlichen Ordnungsbehörde und in dringenden Fällen auch die Polizei zuständig. Sie überwachen und kontrollieren zum Beispiel durch Jugendschutzkontrollen in Gaststätten oder in Diskos, dass das Jugendschutzgesetz eingehalten wird. (Text: Sabine Ohnesorge - Kreis Minden-Lübbecke)