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Als Löcher noch Musik produzierten...

Espelkamp -

Die neue Sonderausstellung »Gut aufgelegt – Meisterwerke der mechanischen Musik« im Deutschen Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen ist höchst sehenswert

Zu den besonders eindrucksvollen mechanischen Musikinstrumenten gehört in diesem Kontext zweifelsohne das Geigen-Piano „Hupfelds Phonoliszt-Violina“. Der kreisförmige Geigenbogen ist mit Rosshaar bespannt. Die Geige wird je nach Bedarf durch ein fein reguliertes, pneumatisches System schwächer oder stärker gegen den rotierenden Geigenbogen gedrückt. Kleine, gummistoffbezogene Bälgen betätigen Finger, die auf der Geigensaite die entsprechenden Töne abgreifen. „Von enthusiastischen Bewunderern wurde die Phonoliszt-Violina auch als das 8. Weltwunder bezeichnet“, weiß Museumsleiter Sascha Wömpener zu berichten. 

Ein Klavier, dessen Tasten sich bewegen wie von Geisterhand gespielt, Geigen, gespielt wie von Udo Lindenbergs »Wahnsinnsmacker Rudi Ratlos« – und das alles in Automatenform: Wer wissen will, was alles vor der Vinyl-Schallplatte, der Compakt-Kassette, CD, MP3  und Musik-Streaming in Sachen Musikwiedergabe existierte, darf sich die Sonderausstellung »Gut aufgelegt – Meisterwerke der mechanischen Musik« keinesfalls entgehen lassen. Sie wurde jetzt im Deutschen Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen in Espelkamp-Gestringen eröffnet und ist hier bis zum 16. Juni 2019 zu sehen.

Es geht um die Entwicklungsgeschichte der automatischen Musikwiedergabe, um faszinierende Automaten und ihre Datenträger, die im Zusammenspiel breiten Bevölkerungsschichten ermöglicht haben, Musik zu »konsumieren«. Museumsleiter Sascha Wömpener und sein Team haben für diese Ausstellung zusätzlich zu Exemplaren aus dem eigenen umfangreichen Fundus wertvolle Leihgaben anderer Museen in Deutschland erhalten.

Dafür bedankte sich Armin Gauselmann als Vorstandsmitglied der Gauselmann AG und für die Sammlung Verantwortlicher ausdrücklich bei den Leihgebern und Repräsentanten der Museen, die zur Eröffnung sogar von weither gekommen waren. Armin Gauselmann, seit 1999 verantwortlich für das Automatenmuseum, das 1985 von seinem Bruder Michael gegründet wurde, lobte auch die große Leidenschaft, mit der sich jeder einzelne Museumsmitarbeiter engagiere. Neben dem sechsköpfigen Stammpersonal mit Sascha Wömpener als Leiter des Museums, Jessica Midding und Heike Bohbrink sowie den Technikern Ingo Rosenbrock, Matthias Dieckmann und Josef Herb dankte er auch den insgesamt sieben Aushilfen, die an den Wochenenden und Feiertagen als Ansprechpartner für die Besucher zur Verfügung stehen für ihren Einsatz.

Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Espelkamp, Christel Senckel, bezeichnete in ihrem Grußwort die Sonderausstellung als weiteren wichtigen Schritt, um Schloss Benkhausen mit all seinen Angeboten zum kulturell-touristischen Zentrum der Region zu machen. Im Deutschen Automatenmuseum werde wichtiges Wissen und Technik für die nachfolgenden Generationen gesichert.

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Erstmals stehen den Besuchern Hörstationen zu Verfügung, an denen die Pioniere der Musikwiedergabe den Zuhörern ihre Geschichte erzählen. So ermöglichten Paul Ehrlich, Erfinder der Lochscheibe aus Pappe, Thomas A. Edison, Urheber der Wachswalze, sowie Emil Berliner, Entwickler der Schellackplatte, Millionen von Menschen mit ihren revolutionären Erfindungen den Zugang zur mechanischen Musik. Ob Stiftwalze, Lochplatte, Kammzungen, Wachswalze, Schellack oder Vinyl – von Erfindung zu Erfindung wurde die Technik immer raffinierter und brachte immer neue, immer brillanter klingende Musikautomaten hervor.

Zusammen mit den zahlreichen außergewöhnlichen Exponaten bilden sie eine einzigartige Einheit. Beispielhaft sei erwähnt die »Phonoliszt-Violina«, eine Leihgabe des Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett GmbH & Co Museum KG, Rüdesheim am Rhein, Jens Wendel. Gebaut wurde sie um 1920 bei der Ludwig Hupfeld AG in Leipzig; Hupfeld-Klaviere wurden bis zur Insolvenz des Nachfolgeunternehmens 2009 produziert. Das »Violano Virtuoso« aus den USA ist ein echtes Wunderwerk der Technik. Und auch das „Ariston“, eine kleine mechanische Tischorgel, hat in der Sonderausstellung einen besonderen Stellenwert. Das Instrument wurde zwischen 1880 und 1910 von der Fabrik Leipziger Musikwerke (vormals Paul Ehrlich & Co) hergestellt. Der Erfinder des Ariston mit seiner Lochplatte aus Pappe war Paul Ehrlich, der zugleich ein Vorfahre von Unternehmergattin Karin Gauselmann ist!

Das Deutsche Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen in Espelkamp-Gestringen, Schlossallee 1, ist geöffnet Dienstag bis Freitag von 10:00 bis 17:00 Uhr
Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 11:00 bis 18:00 Uhr. (Text: www.hallo-luebbecke.de / Deutsches Automatenmuseum)

 

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