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Schulanfänger werden schlaue Fußgänger

Minden-Lübbecke -

Mehr Sicherheit für Schulanfänger ist das Ziel der Schulanfangsaktion von Landrat Dr. Ralf Niermann, Polizei, Kreisverkehrswacht und das Straßenverkehrsamt Minden-Lübbecke. Um die Kinder auf die Gefahren auf dem Schulweg hinzuweisen und das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu üben, wird an jeden der ca. 3.000 Schulanfänger das Übungsheft „Der schlaue Fußgänger“ verteilt.

Alle Jahre wieder nach den Sommerferien beginnt für die Schüler der ersten Klassen ein neuer spannender Lebensabschnitt. Im Kreis Minden-Lübbecke sind es in diesem Jahr ca. 3.000 Schulanfänger in allen Grund- und Förderschulen, die mit Schultüte, Stift und Heft antreten um lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Die Schulzeit bedeutet aber auch eine aktive und regelmäßige Teilnahme im Straßenverkehr.

Mehr Sicherheit für Schulanfänger ist das Ziel der Schulanfangsaktion von Landrat Dr. Ralf Niermann, Polizei, Kreisverkehrswacht und das Straßenverkehrsamt Minden-Lübbecke. Die Übungen im Heft „Der Schlaue Fußgänger“ sind in eine Rahmengeschichte eingebettet und sollen die Schüler ansprechen und motivieren. Ziel der Aktion ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit unserer schwächsten Verkehrsteilnehmer, die mit der Vielzahl der Eindrücke und dem Abschätzen von Geschwindigkeiten im Straßenverkehr noch überfordert sind. Landrat Dr. Ralf Niermann sagt: „Diese Aktion soll helfen, Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Kindern deutlich zu reduzieren. Kinder sind den schwierigen Situationen des Straßenverkehrs oft nicht gewachsen und daher besonders gefährdet“.

Die Schulwegunfälle im Jahre 2013 sind gegenüber 2012 um über 60 Prozent gesunken. Die Zahl der auf Schulwegen im Kreis Minden-Lübbecke verunglückten Kinder sank auf 14 – im Vorjahr waren es 36. Drei der Kinder waren zu Fuß und elf Kinder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.

Die Hauptunfallursache der Schüler als Fußgänger waren das falsche Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn, bzw. das plötzliche Hervortreten auf die Straße. Sowohl intensive Verkehrsüberwachung als auch eine forcierte Verkehrssicherheitsberatung an Schulen ist somit erforderlich. Deshalb werden auch die Autofahrer gebeten, sich auf die neue Situation nach den Sommerferien einzustellen. Die Polizei wird insbesondere die Schulwege beobachten und ebenso wie das Straßenverkehrsamt die Geschwindigkeiten der Kraftfahrzeuge überwachen.

Michael Langer, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Minden-Lübbecke, sagte: „Gleichzeitig können auch Eltern dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden, wenn sie darauf achten, dass insbesondere in der dunklen Jahreszeit die Kinder nicht nur auf dem Schulweg, sondern auch auf dem Weg zu Freunden oder zum Spielen reflektierende Kleidung tragen und bei Nutzung eines Fahrrades einen Helm tragen. Eltern sollten immer wieder auf ihr Kind einwirken, sich richtig im Straßenverkehr zu verhalten. Sie sollten mit dem Kind die Wege zur Schule, zum Verein und zu den Freunden per Bus, dem Rad oder zu Fuß trainieren und die Kinder auf mögliche Gefahrenstellen hinweisen.“

Nur durch das stetige Verkehrssicherheitstraining von der ersten bis zur vierten Klasse der Grundschulen im Kreis Minden-Lübbecke, die Präventivarbeit der Verkehrswacht und des Straßenverkehrsamtes, sowie die bewusste Vorbildfunktion aller Erwachsenen werden aus Kindern in Zukunft sichere und schlaue Fußgänger.

Verkehrssicherheitstipps zum Schulanfang

So können Eltern dazu beitragen, Unfälle und Gefahren für ihre Kinder zu vermeiden:

• Legen Sie den Schulweg gemeinsam mit Ihrem Kind fest. Achten Sie darauf, dass der kürzeste nicht immer der beste Schulweg ist. Nutzen Sie nach Möglichkeit Ampeln und Zebrastreifen.
• Damit Ihr Kind sicher zur Schule kommt, sollten Sie darauf achten, dass es nur an der Hausseite auf dem Gehweg geht. Erklären Sie Ihrem Kind, dass bei Garagen und Ausfahrten Fahrzeuge ausfahren können.
• Zeigen Sie ihrem Kind das Überqueren der Straßen nur an den sicheren Stellen und üben Sie mit ihm verkehrsgerechtes Verhalten. Erklären Sie ihm, dass die Straße nicht zwischen parkenden Autos überquert werden soll.
• An Zebrastreifen sollten Schulanfänger erst Blickkontakt zu den herannahenden Autofahrern aufnehmen, bevor der erste Schritt auf die Straße erfolgt. Kinder überschätzen die Sicherheitswirkung von Zebrastreifen. Sie glauben, dort automatisch geschützt zu sein.
• Halten Sie Ihr Kind dazu an, auch bei wenig Verkehr erst an der Bordsteinkante stehen zu bleiben, vor dem Losgehen soll es erst nach links, dann nach rechts und dann wieder nach links schauen, und sich so zu vergewissern, dass es die Fahrbahn gefahrlos überqueren kann.
• Üben Sie mit Ihrem Kind, links und rechts zu unterscheiden.
• Einen leichten, kurzen Weg sollten Sie mindestens drei- bis viermal, einen langen, schwierigen Weg etwa zehnmal zusammen proben. Lassen Sie sich dabei von Ihrem Kind führen, damit Sie sehen, in welchen Situationen es noch unsicher ist.
• Unter keinen Umständen sollten Erstklässler allein mit dem Rad zur Schule fahren.
• Schicken Sie Ihr Kind am besten mit heller Kleidung zur Schule. Ab Herbst verlässt Ihr Kind morgens bei Dunkelheit das Haus. Reflektoren an Kleidung und Schulranzen sind ebenfalls sehr wichtig, denn dadurch können auch Autofahrer Ihr Kind besser erkennen.
• Wenn Sie Ihr Kind mit dem Auto zur Schule bringen, ist es wichtig, den passenden, zugelassenen Kindersitz parat zu haben und das Kind bei jeder Fahrt anzuschnallen.
• Bringen Sie Ihr Kind aber möglichst nicht mit dem Auto zur Schule. Sie verringern dadurch den Autoverkehr rund um die Schule und machen den Weg auf diese Weise weniger gefährlich für alle Kinder, sondern Sie fördern auch die Entwicklung Ihres Kindes.
Auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, gerade Autofahrer sollten immer daran denken:
• Kinder sind ungeübte Teilnehmer am Straßenverkehr. Sie reagieren spontan und sind voller Tatendrang.
• Kinder haben ein deutlich kleineres Blickfeld als Erwachsene. Das Sichtfeld ist links und rechts jeweils um ca. 20 % eingeschränkt. Fahrzeuge werden aus diesem Grund wesentlich später wahrgenommen.
• Kinder können weder Entfernungen noch Geschwindigkeiten richtig einschätzen, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Kinder kennen keinen Anhalteweg. Sie glauben, dass ein Auto sofort zum Stehen gebracht werden kann.
• Kinder gehen davon aus, dass die Autofahrer sie sehen, da sie selbst das Auto sehen.
• Kinder sind nicht von sich aus in der Lage, abstrakte und isoliert gelernte Regeln und Vorschriften in Verhalten umzusetzen.
(Text: Oliver Roth - Kreis Minden-Lübbecke)