K.O.-Tropfen sind unsichtbare Gefahr
Minden-Lübbecke -
„Aus Sicht der Rechtsmedizin muss nach einem Fall von K.O.-Tropfen sehr schnell gehandelt werden“, sagt Referentin Dr. Britta Gahr auf dem Jugendschutztag in Minden. „Die Nachweisdauer im Blut ist sehr kurz und beträgt nur etwa 6 Stunden, im Urin ist der Nachweis bis ungefähr 12 Stunden möglich.“ Dr. Gahr ist Fachärztin für Rechtsmedizin und leitet die Gewaltopferambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf. Auf dem Jugendschutz sprach sie zum Thema „K.O.-Tropfen als Tat(hilfs)mittel“. Bei Frauen oder Mädchen sind die Folgen oftmals sexuelle Übergriffe, bei Männern oder Jungen Überfälle oder Raub.
„K.O.-Tropfen sind für potentielle Opfer eine unsichtbare Gefahr, die nur schwer zu kontrollieren ist, wenn sie zum Einsatz kommt“, sagte Landrat Dr. Ralf Dr. Niermann zum Beginn der Fachveranstaltung. Er betonte die generelle Bedeutung des Jugendschutzes. Organisiert wird der Fachtag vom Präventiven Rat des Kreises Minden-Lübbecke. Der Präventive Rat beschäftigt sich mit der Vorbeugung von Sucht und Gewalt und der Wahrnehmung des Jugendschutzes im Kreis Minden-Lübbecke. Er besteht aus Fachkräften der Jugendämter der Städte Bad Oeynhausen, Minden, Porta Westfalica, dem Kreisjugendamt, dem Gesundheitsamt, der Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Minden-Lübbecke, Wildwasser Minden e.V. und Kommissariat Prävention und der Schulsozialarbeit des Kreises.
Inselartige Erinnerung
Dr. Britta Gahr erläuterte an einem anonymisierten Fallbeispiel aus der Praxis, wie ein Abend eines Opfers, das K.O. getropft wurde, abgelaufen ist und welche Zeitpunkte und Nachverfolgungsmöglichkeiten es für die Rechtsmedizin und Polizei bei diesem Fall gegeben hat. Oftmals sind die Folgen von K.O.-Tropfen eine fehlende Erinnerung, oder wie es die Rechtsmedizinerin formuliert, „eine inselartige Erinnerung“: An bestimmte Dinge des Abends kann sich das Opfer gar nicht erinnern, an andere wieder sehr klar. Es ist häufig schwierig herauszufinden, was sich überhaupt zugetragen hat. Aus diesem Grund sei die Beweisführung schwierig. „Der Täter ist oftmals nicht der „schwarze unbekannte Mann“, sondern er ist dem Opfer bekannt“, so Dr. Gahr.
Anschließend sprach Astrid Krämer von Wildwasser Minden e.V. über „K.O. Tropfen und psychische Folgen“. Dabei berichtete sie aus den Erfahrungen der Beratungsstelle und schilderte die beklemmende Situation für die Opfer. Hilflosigkeit und Traumatisierung machen oft handlungsunfähig. Oft schämt sich das Opfer und sucht die Schuld bei sich. Deshalb kommt es oft nicht zu einer Anzeige oder einem Arztbesuch, beim dem Beweise gesichert werden könnten.
In drei Workshops suchten die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Lösungsansätzen, es gab praktische Tipps und Handlungsstrategien. Einig war man sich darin, dass es besser sei, einmal zuviel den Rettungswagen zu verständigen, als einmal zu wenig. Wichtig sei, dass bei Vorfällen, bei denen K.O.-Tropfen als Hintergrundmotiv vermutet werden, schnell gehandelt werde. Außerdem müsse über das Thema gesprochen und über die Wirkung und Folgen informieren werden.
Unser Foto zeigt die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion mit von links Jochen van Loh (DRK), Mareike Awolin (Fachstelle für Suchtprävention des Kreises Minden-Lübbecke),
Lutz Kollmeyer (Kommissariat Prävention/Opferschutz), Astrid Krämer (Wildwasser Minden e.V.), Sarah Golcher (Moderatorin / werkstart), Dr. Britta Gahr (Rechtsmedizinerin des Universitätsklinikums Düsseldorf), Baris Devletli (Rechtsanwalt, Betreiber des Clubs EGO in Bad Oeynhausen), Roman Gneiding (Geschäftsführer des Clubs EGO in Bad Oeynhausen). (Text: Oliver Roth / Foto: Dieter Kavermann - Kreis Minden-Lübbecke)