Kirchliche Jugendarbeit: Vier Fachkräfte und eine gemeinsame Vision
Lübbecke -

Das neue Quartett der Jugendreferenten (vorne, v. l.) Lucas Liebske, Anna Schwarze, Sarah Pätzold und Michel Meier wurde offiziell in den Dienst im Kirchenkreis Lübbecke eingeführt. Mit ihnen freuten sich (hinten, v. l.) Jugendreferent Oliver Nickel, Jugendpfarrer Benjamin Tinz sowie die Jugendreferentinnen Cornelia Kirchner und Kerstin Böger-Fischer.
Während kirchliche Strukturen an vielen Orten schrumpfen, geht der Kirchenkreis Lübbecke einen erfreulichen Gegenweg. „Wir haben das große Glück, gleich vier neue Fachkräfte auf einmal in den Dienst einzuführen. Das ist in der heutigen Zeit etwas ganz Besonderes“, betonte Jugendpfarrer Benjamin Tinz angesichts der spürbaren Aufbruchstimmung.
Mit Sarah Pätzold, Anna Schwarze, Lucas Liebske und Michel Meier nehmen vier Persönlichkeiten die Arbeit auf, die zwar sehr unterschiedliche Lebensläufe mitbringen, aber ein gemeinsames Ziel verfolgen: Sie wollen die Kirche so lebendig und selbstverständlich im Alltag junger Menschen verankern, wie es sonst nur der örtliche Sportverein tut.
Ein Gottesdienst voller Gänsehaut und Interaktion
Wie viel Energie in dem neuen Team steckt, wurde bereits beim Einführungsgottesdienst deutlich. Das musikalische Duo Sabrina und Florian Dresa aus Stemwede berührte die Gäste mit emotionalen Momenten , während das neue Quartett das Eingangsgebet direkt selbst gestaltete.
In seiner Ansprache zog Pfarrer Tinz einen bildhaften Vergleich zum menschlichen Körper: Jedes Glied erfüllt eine wichtige Funktion und gehört untrennbar dazu – auch die Teile, die man gerne versteckt. Passend dazu verdeutlichte er später anhand von bunten, verschiedenartigen Flummis, dass jeder Mensch mit all seinen Facetten von Gott gewollt und genau richtig ist. „Das gilt auch für euch als Jugendreferenten. Ihr seid mit euren unterschiedlichen Talenten genau am richtigen Platz“, so Tinz vor der feierlichen Einsegnung.
Zuvor konnten die zahlreichen Besucher den Gottesdienst an vier interaktiven Stationen aktiv mitgestalten: Sie schrieben Wünsche auf, legten Sorgen im Gebet ab, feierten das Abendmahl oder diskutierten darüber, was moderne Jugendarbeit heute leisten muss.
Vier Profile – Ein Team
Obwohl die feierliche Einsegnung gemeinsam stattfand, verlief der Start der vier Fachkräfte individuell – zwei von ihnen sind intern bereits etwas länger aktiv:
Sarah Pätzold (Planungsraum Süd(: Nach sieben Jahren im Ruhrgebiet und dem Bergischen Land kehrte die ausgebildete Erzieherin und Gemeindepädagogin mit ihrer Ehefrau in ihre Heimat Minden zurück. Aus dem „Pott“ bringt sie eine unbeschwerte Offenheit und Gelassenheit mit. Die westfälische Direktheit schätzt sie inzwischen sehr. Ihre Prägung erhielt sie im CVJM Isenstedt/Frotheim; ein Schlüsselmoment war für sie eine eigene Predigt bei einer Konfirmation.
Anna Schwarze (Planungsraum Süd): Sie ist im Nachbarkirchenkreis großgeworden und fest mit der ländlichen, bodenständigen Struktur der Region verwurzelt. Wichtige Impulse sammelte sie bei einem FSJ im Jugendtreff „Fo(u)r C“ Nord, geprägt durch ihre damalige Mentorin Bärbel. Sie schätzt das langfristige Engagement der Menschen vor Ort und sieht darin das ideale Fundament für neue Entwicklungen.
Michel Meier (Region Stemwede): Als gEinheimischer schätzt er die entspannte Arbeitsweise und die enorme Hilfsbereitschaft auf dem Land. Den Weg in den Beruf fand er durch den Rat eines befreundeten Jugendreferenten, der ihm die Ausbildung an der Malche in Porta Westfalica empfahl, um sein intensives Ehrenamt zum Hauptberuf zu machen.
Lucas Liebske (Region Preußisch Oldendorf): Der 34-jährige Diakon und Erzieher bezeichnet sich scherzhaft selbst als echten „Frankfurter Bubb“ und startete im Oktober 2025 mit Dienstsitz in der Jugendetage Bad Holzhausen. Nach Stationen u. a. in Warburg und Vlotho stellte er erfreut fest, dass die Westfalen keineswegs humorlos sind. Seine kirchlichen Wurzeln reichen von der klassischen Gemeindearbeit in der Kindheit bis zu einem prägenden FSJ auf dem Kirchberghof Warburg.
Der symbolische Werkzeugkoffer für die Praxis
Für ihre zukünftige Arbeit haben die Vier symbolisch unterschiedliche Werkzeuge eingepackt: Sarah Pätzold setzt auf ein „Ohr“ für echtes Zuhören auf Augenhöhe. Anna Schwarze wählt den Schlüssel, um neue Räume und kreative Erlebnisse für Jugendliche zu öffnen. Lucas Liebske packt seine Basisbibel sowie handwerkliche Utensilien zum gemeinsamen Kochen und Backen ein , während Michel Meier eine Uhr symbolisch für das bewusste Schenken von Zeit beisteuert. Er setzt auf niederschwellige, bedürfnisorientierte Arbeit – am liebsten direkt mit den Jugendlichen auf dem Sofa. Es gab auch eine Einladung an alle Jugendlichen: „Du musst nichts mitbringen, außer dich selbst. Komm einfach so, wie du bist“, lädt Anna Schwarze ein. Lucas Liebske ergänzt: „Glaube kann verändern!“ , und Michel Meier verspricht: „Komm, es lohnt sich.“
Zukunftschancen und privater Ausgleich
Das Team sieht in einer von Leistungsdruck und sozialen Medien geprägten Welt eine riesige Sehnsucht der Jugendlichen nach echter Zugehörigkeit. Liebske möchte dem gesellschaftlichen Egoismus das Konzept der „Agape“ – der uneigennützigen Nächstenliebe – entgegensetzen. Beim Thema Digitalisierung herrscht Einigkeit: Social Media ist wichtig für den Kontakt, aber das reale Erlebnis am Lagerfeuer bleibt unersetzlich. Zudem wollen Meier und Liebske verstaubte Kirchensprache abbauen und Traditionen alltagsnah erklären.
Ihren privaten Ausgleich finden die vier in der Natur oder beim Handwerk: Pätzold entspannt im Schrebergarten und beim Renovieren , Schwarze zieht es mit Kindern und Hunden ins Grüne , Meier tankt bei Familienzeit auf und Liebske reist leidenschaftlich gern spontan mit dem Deutschlandticket.
Das gemeinsame Ziel für das erste Jahr steht fest: Die Jugendlichen sollen spüren, dass sie bedingungslos gesehen und angenommen werden – und Lucas Liebske hofft scherzhaft, bis dahin auch das Chaos in seinem Büro besiegt zu haben. Mit diesem kompetenten Quartett blickt die evangelische Jugend im Kirchenkreis Lübbecke in eine vielversprechende Zukunft.