• Lübbecke
  • Espelkamp
  • Rahden
  • Pr. Oldendorf
  • Hüllhorst
  • Stemwede

Es ist gut zu wissen, woher das Fleisch kommt

Lübbecke/Stemwede -

Meisterhof Wehdebrock
Landwirtschaftsmeister Rainer Wehdebrock (links) bewirtschaftet seinen Familienbetrieb "Meisterhof Wehdebrock" schon in der siebten Generation in Stemwede. Zusammen mit Fleischermeister Jörn Brinkmeier, Geschäftsführer der Reinköstern GmH & Co.KG in Lübbecke-Blasheim wollen sie ihren Kunden beste Fleischqualität anbieten.

Die jüngsten Lebensmittelskandale haben einmal mehr bewiesen, welche Bedeutung regional produzierte und vertriebene Nahrungsmittel haben. „Sehr viele Menschen verfahren mittlerweile beim Kauf ihrer Produkte nach dem Motto ‚Da weiß ich, woher sie kommen‘ und greifen auch nach Obst, Gemüse und Fleisch aus der Region, wenn es ein paar Cent mehr kostet“, weiß Jörn Brinkmeier, seit Januar 2018 Geschäftsführer der traditionsreichen Reinköster GmbH & Co. KG an der Hauptstraße 69 in Lübbecke Blasheim. Seine Handlungsmaxime ist einfach, aber effektiv: „Wir wollen immer gleich gute Fleisch- und Wurstqualität anbieten von Tieren, die nicht aus Massentierhaltung stammen.“

Nach dem Blasheimer Markt 2019 nahm seine Idee, Tiere aus der Region von heimischen Landwirten anzukaufen und zu verarbeiten, Gestalt an. Und wie das häufig so ist, war dafür ein privater Kontakt ausschlaggebend. „Auf der Jagd kam ich mit dem Sohn von Rainer Wehdebrock ins Gespräch, der in Stemwede Tierhaltung betreibt, wie sie früher auf kleinbäuerlichen Höfen oder Gesellschaften der Fall war. Der Sohn erzählte mir, dass seine Eltern noch so einen ‚alten‘ Hof betreiben mit Schweinen, die draußen frei rumlaufen können, wenn sie es wollen. Das interessierte mich, und auch Rainer Wehdebrock war von einer Zusammenarbeit angetan. So bekamen wir ein Probeschwein zur Verarbeitung – und wir waren von der Fleischqualität begeistert.“

Der Meisterhof Wehdebrock ist zwar kein Biobetrieb, doch sind für ihn ökologische Grundsätze und tierschutzrelevante Arbeitsweisen unumgänglich. Das bedeutet den Verzicht auf Antibiotika, soweit dies möglich ist. „Dies und der kurze Transportweg vom Hof zur Schlachterei tragen dazu bei, dass die Tiere keine bzw. kaum Stresshormone ausschütten, was wiederum zur hohen Qualität des Fleisches beiträgt“, erklärt Jörn Brinkmeier. Und weist darauf hin, dass er selbst die Tiere vom Meisterhof holt – was sehr selten geworden ist – und zur Schlachterei Schmidt nach Diepenau bringt: „Auf unserem Transporter gibt’s keinen Platzmangel, der Weg ist kurz, und so entwickeln die Tiere keinen Stress.“ 

Neben der Fleischerei Reinköster arbeitet der Meisterhof noch mit der Landschlachterei Engelke zusammen. Das allein schließt Massentierhaltung in großem Stil aus. Und so müssen sich beide verarbeitenden Handwerksbetriebe mit jeweils 600 Tieren pro Jahr begnügen. Insbesondere Sauen und Jährlinge können ihre Zeit dank offener Haltung genießen. Denn ihnen stehen mit Eichen umstandene Weiden und Wiesen zur Verfügung, auf denen sie gerade im Herbst fleißig nach Eicheln, Wildkräutern und Gräsern suchen und zum Schluss in einem großen Suhlbereich ein Schlammbad nehmen können. Dank der Möglichkeit für Bewegung und Aktivität sind die Muskeln der Tiere größer und fester, und sie entwickeln auch mehr Abwehrstoffe, was dazu beiträgt, dass auf dem Meisterhof keine oder nur wenig Medikamente nach Bedarf eingesetzt werden müssen.

Jörn Brinkmeier ist stolz und froh, mit dem Meisterhof Wehdebrock einen Hof gefunden zu haben, auf dem die Schweine Zeit haben, groß zu werden: „Hier laufen sie länger, werden aber auch größer. Als Leiter einer mittelständischen Fleischerei bin ich von dem Konzept der Zusammenarbeit überzeugt. Tiere sollten meiner Meinung nach ein gutes Leben haben; und wenn das so ist, merkt man es später auch ihrem Fleisch an.“ 

Bildergalerie

Unsere Fotos zeigen den Meisterhof Wehdebrock aus der Vogelperspektive, Impressionen vom Hoffest mit Führungen 2019 und Schweine auf der Weide und im Suhlbereich. Alle Fotos: Peter Götz

Wild – vom Hobby zur Spezialität

Ein zweites Standbein von Fleischermeister Jörn Brinkmeier ist die Verarbeitung und der Verkauf von Wildfleisch. Dafür machte er Anfang 2019 den Jagdschein, unabdingbar für die EU-Wildzulassung. Diese „Investition“ hat sich ausgezahlt. Denn was anfangs als Hobby und Nebengeschäft ging, ist seit Sommer 2019 fester Bestandteil der Produktion: „Die Jäger aus dem Mühlenkreis und darüber hinaus kommen mit ihren geschossenen Tieren zu uns. Und wir zerlegen nicht nur, sondern stellen auch Wildspezialitäten her. Dazu kaufen wir gezielt Wild an und experimentieren, um immer wieder andere und neue Geschmacksrichtungen zu kreieren. Sogar aus Dachsfleisch haben wir schon Mettwurst, Schinken und Griebenschmalz hergestellt – sehr lecker übrigens. Die Jäger selbst können ihre Wünsche äußern, und wir versuchen dann, sie in hochwertige Produkte umzusetzen.“ 

Gebracht wird Wild, wie es in der Region vorkommt, derzeit insbesondere viel Schwarzwild, aber auch Reh- und Rotwild. Gerade die Reduzierung des Schwarzwildes ist wichtig, um der drohenden afrikanischen Schweinepest entgegenzuwirken. Natürlich wird das Fleisch, wie üblich, vor der Verarbeitung labortechnisch auf Krankheiten untersucht. Das verstärkte Angebot an Wild macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar: So gibt es im Fleischerei-Fachgeschäft Reinköster inzwischen Wild auch beim Mittagstisch, in der Fleischtheke und im Partyservice. 

Jörn Brinkmeier denkt unternehmerisch – und damit in die Zukunft. Und in der ist sein Ziel, einen All-Inclusive-Service für Drück- und Treibjagden anzubieten. Als Hobbyjäger ist er ganz nebenbei auch begeisterter Hundeführer mit derzeit zwei Terriern. Seine Idee: „Ich bin als Hundeführer bei der Drückjagd dabei, versorge nach Jagdende die Strecke, d.h. ich bearbeite das geschossene Wild fachgerecht und verarbeite das Wild anschließend in unseren Räumen. Damit biete ich Jagdgesellschaften einen Rund-Um-Service, wie er kompletter nicht sein kann.“