Wo Nachwuchstalente zu Solisten werden
Lübbecke -

Vorfreude auf „Solista“: Beim Pressetermin kamen junge Musiktalente, Orchester und Veranstalter zusammen. Von links: Dirigentin Naoko Grünberg-Sakai, Rotary-Präsident Danyel Tomé, Dirk Stapel (Rotary Club Lübbecke), Stipendiatin Jana Esau, Heinz-Hermann Grube (Mitglied der Auswahljury und des Rotary Clubs Lübbecke), Stipendiat Robert Barahona Astorga, Karin Bußmann-Dörnhoff (Vorsitzende des Sinfonieorchesters Lübbecke), Thomas Beuchel (Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung) und Krystsina Chabrouskaya (stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkassenstiftung).
Ein bis zwei Stunden Geige stehen für Jana Esau an einem gewöhnlichen Tag auf dem Programm. Vor einem großen Konzert darf es auch mehr sein. Robert Barahona Astorga muss ebenfalls täglich zu seinem Instrument greifen – nicht nur, um die richtigen Töne zu treffen. Wer Trompete spielt, braucht eine gut trainierte Lippenmuskulatur. Schon kurze Pausen können sich bemerkbar machen.
Die 18-jährige Geigerin und der 16-jährige Trompeter wissen also, was es heißt, dranzubleiben. Am Sonntag, 27. September, steht für beide der Höhepunkt ihres Stipendiums bevor: Gemeinsam mit dem 15-jährigen Pianisten Jiesen Wang treten sie beim Benefizkonzert „Solista“ als Solisten mit dem Sinfonieorchester Lübbecke auf. Das Konzert beginnt um 18 Uhr in der St.-Andreas-Kirche.
Bei einem Pressetermin stellten Jana Esau und Robert Barahona Astorga jetzt gemeinsam mit den Veranstaltern das Konzert und die Nachwuchsförderung vor.
Viel Übung für den großen Auftritt
Jana Esau spielt seit ihrem fünften Lebensjahr Violine. In ihrer Familie gehörte Musik früh dazu: Die Schwester spielte Cello, der Bruder Klavier, Jana entschied sich für die Geige und lernte später auch Klavier. Inzwischen gehört sie dem Landesjugendorchester NRW an und sammelt bei Konzerten auch außerhalb der Region Bühnenerfahrung. Gleichzeitig steht für die Schülerin des Söderblom-Gymnasiums das Abitur bevor.
Mit dem Sinfonieorchester Lübbecke hat sie bereits auf der Bühne gestanden. Nach einem zweijährigen Stipendium erhielt sie eine Verlängerung um ein weiteres Jahr. Die Möglichkeit, als Solistin mit einem Sinfonieorchester aufzutreten, weiß die 18-Jährige zu schätzen – entsprechend ernst nimmt sie die Vorbereitung auf das Konzert. Beim diesjährigen „Solista“ spielt sie Ludwig van Beethovens Romanze Nr. 2 in F-Dur für Violine und Orchester.
Robert Barahona Astorga hat mit acht Jahren begonnen, Trompete zu spielen. Unterricht erhält er bei David Jarquin an der Musikschule Hüllhorst. Der 16-Jährige besucht die elfte Klasse am Gymnasium in Löhne. Neben der Musik gehört Basketball zu seinen Leidenschaften – trotzdem wird täglich Trompete geübt.
Beim „Solista“-Konzert stellt er sich einer besonderen Herausforderung: dem Konzert für Trompete und Orchester in As-Dur von Alexander Arutjunjan. Sein Lehrer habe ihm das anspruchsvolle Werk vorgeschlagen, berichtete der Jugendliche. Um es gemeinsam mit einem ganzen Sinfonieorchester aufzuführen, braucht es nicht nur Technik, sondern auch Ausdauer und Nervenstärke. Die Vorfreude auf den Auftritt ist Robert anzumerken – ebenso der Respekt vor der Aufgabe, bei der er als Solist vor dem gesamten Orchester stehen wird.
Komplettiert wird das junge Solisten-Trio von Jiesen Wang aus Lübbecke. Der 15-Jährige spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavier und wird von Erik Salvesen an der Musikschule Pro Musica unterrichtet. Bühnenerfahrung sammelte er bereits zweimal beim „Podium junger Künstler“ sowie beim Weihnachtskonzert des Wittekind-Gymnasiums. Besonders interessieren ihn lyrische Stücke mit Tiefgang; am Klavier zeigt er zudem ein ausgeprägtes motorisches Geschick. Beim „Solista“-Konzert spielt Jiesen Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert in f-Moll, BWV 1056.
Sparkassenstiftung fördert junge Musiktalente
Dass die jungen Musiker am Ende ihres Stipendiums mit einem großen Orchester auftreten, gehört zum Konzept der Förderung. Bis zu fünf Nachwuchstalente können jährlich ausgewählt werden und erhalten das Stipendium jeweils für zwei Jahre. Während dieser Zeit übernimmt die Stiftung der Sparkasse Minden-Lübbecke die Unterrichtsgebühren an den Musikschulen. Bei der Auswahl zählen neben dem musikalischen Können auch die Bühnenpräsenz und Fähigkeit zum Zusammenspiel.
Heinz-Hermann Grube ist dabei das Bindeglied zwischen dem Sinfonieorchester und dem Rotary Club Lübbecke. Viele Jahre leitete er das Orchester als Dirigent und gehört zugleich dem Rotary Club Lübbecke an. Der Nachwuchsförderung ist er bis heute eng verbunden: Gemeinsam mit der heutigen Dirigentin Naoko Grünberg-Sakai gehört er der Auswahljury für die Stipendiaten an.
In mehreren gemeinsamen Proben bereiten sich die Solisten mit dem Orchester auf den Konzertabend vor. Für Naoko Grünberg-Sakai ist es das erste „Solista“-Konzert. Anfangs war sie unsicher, ob das Zusammenspiel in der kurzen Probenzeit funktioniert. Die Zweifel haben sich schnell aufgelöst. „Schon nach der ersten Probe war klar, wie toll sich die jungen Musiker in das Orchester einfügen. Die gemeinsame Arbeit macht einfach großen Spaß“, so Grünberg-Sakai begeistert.
Bemerkenswert am Konzept von „Solista“ ist auch das Miteinander der Generationen. Die jüngste
Bewerbung für ein Stipendium kam in diesem Jahr von einem Zwölfjährigen, im Sinfonieorchester musizieren zugleich Menschen im Alter von über 80 Jahren. „Diese große Altersspanne ist etwas ganz Besonderes“, sagte Karin Bußmann-Dörnhoff, die erste Vorsitzende des Sinfonieorchesters Lübbecke. Dass Nachwuchsmusiker und jahrzehntelang erfahrene Orchestermitglieder gemeinsam an einem Programm arbeiten, macht für sie das Besondere an diesem Konzert aus.
Die Verbindung hält mitunter weit über das Stipendium hinaus. Ehemalige Stipendiaten bleiben in Kontakt, kehren als Gastspieler zurück oder finden später ihren Weg in einen professionellen Musikberuf. Ob Jana Esau und Robert Barahona Astorga ihre Leidenschaft einmal zum Beruf machen, haben beide noch nicht entschieden. Neben der Musik gibt es weitere Interessen – und beiden ist bewusst, dass eine berufliche Laufbahn in der Musikbranche nicht einfach ist.
Musik – und die Menschen dahinter
Am Konzertabend lernen die Besucher die jungen Solisten nicht nur über ihre Instrumente kennen. Kurze Videos, die während des Abends gezeigt werden, stellen die drei Jugendlichen und ihren musikalischen Weg vor. Das Sinfonieorchester unter der Leitung von Naoko Grünberg-Sakai ergänzt das Programm außerdem mit Werken von Leonard Bernstein und Giuseppe Verdi.
Die Stiftung der Sparkasse Minden-Lübbecke und der Rotary Club Lübbecke veranstalten das Benefizkonzert in diesem Jahr zum 13. Mal. Seit 2014 richten beide Partner das Konzert gemeinsam aus.
Hervorgegangen ist „Solista“ aus der früheren Sommerserenade. Diese fand zunächst in der St.-Andreas-Kirche in Lübbecke statt, ehe das Konzert mit Beginn der Zusammenarbeit in die Stadthalle wechselte. Da die Stadthalle derzeit umgebaut wird, kehrt die Veranstaltung nun an ihren früheren Spielort zurück.
Ein Licht für den Frieden
Der Erlös fließt in diesem Jahr in das Projekt „Wir bringen das Friedenslicht in die Welt“ des Rotary Clubs Lübbecke. Gemeinsam mit einem Künstler aus Bremen hat der Club ein eigenes Friedenslicht gestaltet. Die Idee dahinter erinnert an einen Kettenbrief – allerdings einen, der Hoffnung verbreiten soll: Ein Licht wird weitergegeben, erreicht einen neuen Ort und soll von dort aus erneut auf die Reise gehen. Ein erstes Licht aus Lübbecke ist bereits weitergetragen worden.
Rotary-Präsident Danyel Tomé stellte das Projekt vor dem Hintergrund einer von Kriegen, Unsicherheit und Ängsten geprägten Zeit vor. Er erklärte, man wolle über Frieden sprechen und die Menschen daran erinnern, dass jeder Einzelne ein Zeichen setzen kann. Das Licht soll nicht in Lübbecke bleiben, sondern seine Botschaft Schritt für Schritt in die ganze Welt weitertragen.
Vorfreude auf einen besonderen Konzertabend
Auch bei Thomas Beuchel und Krystsina Chabrouskaya, den Vertretern der Sparkassenstiftung, ist die Vorfreude auf das Konzert deutlich zu spüren. Besonders beeindruckt zeigen sie sich davon, mit welcher Selbstverständlichkeit und welchem Können die Solisten mit dem großen Orchester zusammenspielen. Thomas Beuchel, Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung, hebt hervor, welche musikalische Erfahrung „Solista“ direkt hier in der Region ermöglicht. Auch für Menschen, die sonst eher selten ein klassisches Konzert besuchen, ist der Abend ein mitreißendes Erlebnis.
Zum Konzert gehören auch ein Rahmenprogramm und ein gastronomisches Angebot. Eintrittskarten für Erwachsene kosten 20 Euro und sind in der Bücherstube Lübbecke, Lange Straße 46, erhältlich. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre haben freien Eintritt.