Wenn jede Sekunde zählt: Sichere Versorgung Schwerverletzter
Minden-Lübbecke -

Der European Trauma Course (ETC) bietet ein intensives Training zur Verbesserung der interdisziplinären Traumaversorgung und lebensrettenden Notfallmaßnahmen. Führende Spezialisten vermitteln praxisnah Fähigkeiten für die moderne Schockraumversorgung.
„Verunfallter Motorradfahrer mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma sowie Thoraxtrauma. Patient in kritischem Zustand. Bitte Schockraumalarm auslösen.“, meldet die Rettungsleitstelle beim Traumaleader der Klinik an. Für das Team in der Notaufnahme zählt jetzt jede Sekunde, jede Entscheidung, jeder Handgriff muss sofort sitzen.
Solche realistischen Szenarien standen im Fokus des European Trauma Course (ETC), der bereits zum dritten Mal am Universitätsklinikum Minden stattfand. Drei Tage lang übten 24 Mediziner*innen und zwölf Pflegefachpersonen des Uni-Klinikums Minden sowie des Evangelischen Klinikums Bielefeld intensiv die strukturierte Versorgung schwer verletzter Patientinnen und Patienten unter praxisnahen Bedingungen.
Der Kurs wurde auch dieses Jahr von Sören Homm, Michael Neumann und Dr. Jan Persson, alle Anästhesisten und Notärzte am Universitätsklinikum Minden, organisiert. Ein großes Team von 20 Instruktoren wurde aus Ärzt*innen des Klinikums Minden, dem EVKB Bielefeld sowie mit internationaler Unterstützung aus der Schweiz, Belgien, Großbritannien, den USA und durch die Abteilung MKK Simulation und Team-Training der Mühlenkreiskliniken gestellt.
„Es freut mich sehr, dass wir diese anspruchsvolle Fortbildung erneut an unserem Haus durchführen konnten. Der European Trauma Course trägt maßgeblich dazu bei, die Zusammenarbeit unserer Teams zu stärken und die Qualität in der Versorgung von Schwerverletzten kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gerade in kritischen Situationen zahlt sich ein solches Training unmittelbar aus“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Gerrit Jansen, Kommissarischer Klinikdirektor und Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin in Minden.
Während des Kurses absolvierten alle teilnehmenden Pflegefachpersonen und Ärzt*innen ein intensives, szenarienbasiertes Schockraumtraining, bei dem die Versorgung schwerverletzter Patienten realitätsnah geübt wurde. Die Teilnehmenden arbeiten dabei sowohl mit Simulationspuppen als auch mit speziell geschulten Schauspielpatienten und wurden mit einer Vielzahl möglicher Verletzungsmuster konfrontiert – von Schädel-Hirn-Traumata über Thorax- und Bauchverletzungen bis hin zu komplexen Extremitäten- und Beckenverletzungen, Verbrennungen oder Amputationen.
An insgesamt sechs Stationen wurden zudem wichtige praktische Fertigkeiten trainiert, etwa im Atemwegsmanagement, beim Legen einer Thoraxdrainage oder bei Notfalleingriffen wie der Koniotomie. „Jedes Szenario dauerte etwa 10 bis 15 Minuten. Jedes Team bestand dabei aus sechs Personen (vier Ärzt*innen und zwei Pflegekräften), es liefen immer drei Notfallszenarien parallel“, erklärt Instruktor Sören Homm. Nach jedem Szenario folgt ein strukturiertes Debriefing mit erfahrenen Instruktoren, um Abläufe zu reflektieren, die Teamarbeit zu stärken und die Behandlungsqualität gezielt weiterzuentwickeln.