• Lübbecke
  • Espelkamp
  • Rahden
  • Pr. Oldendorf
  • Hüllhorst
  • Stemwede

„Lorenz Spiel & Freizeit“ schließt mit Radikal-Ausverkauf

Lübbecke -

Lorenz
Alles hat bekanntlich seine Zeit – und für das Fachgeschäft „Lorenz Spiel & Freizeit“ endet sie am 31. Dezember 2020. Für Geschäftsführerin Uta Bracke (Foto oben), die das seit Generationen im Bewusstsein von Kindern, Eltern und Großeltern im Lübbecker Land fest verankerte Spielwarengeschäft seit dem 1. August 1985 verantwortlich führt, steht fest: „Wir schließen Ende dieses Jahres.“

Totalausverkauf vom 15. Oktober bis 15. Dezember 2020

Bevor aber der Schlüssel zum letzten Mal umgedreht wird, muss das Lorenz-Team noch den Ausverkauf des kompletten Sortimentes abwickeln. Weil das immerhin rund 20.000 Produkte umfasst - vom Schmusetier und Buntstift bis zum Elektronik-Spielgerät -, bleibt das Spielwaren-Fachgeschäft zur Vorbereitung des Schlussverkaufs von Montag, 12. Oktober bis Mittwoch, 14. Oktober 2020, geschlossen. Der Schlussverkauf beginnt dann an diesem

Donnerstag, 15. Oktober 2020 und soll planmäßig am 15. Dezember 2020 enden.

In dieser Zeit heißt es "Alles muss raus!" Und dafür gibt es Rabatte von 20 bis maximal 50 Prozent, auf die sie alle freuen können, die ein Mitbringsel für sofort suchen oder schon mal nach einem Weihnachtsgeschenk schauen wollen.

Geschäftsaufgabe - warum?

Ausschlaggebend für die Geschäftsaufgabe sind in erster Linie wirtschaftliche Gründe, sagt Uta Bracke. Schon seit Jahren seien Umsatzrückgänge zu beobachten, die auf die zunehmende Internet-Konkurrenz zurückzuführen seien. „Den Rest hat uns aber die Corona-Pandemie von Anfang dieses Jahres an gegeben. Dadurch ist unser gesamtes Ostergeschäft weggebrochen. Wir im Fachhandel mussten schließen, aber Super- und Drogeriemärkte durften weiterhin verkaufen, beispielsweise Spielwaren, Bücher, Textilien Geschenkartikel, Schuhe und vieles mehr. Natürlich waren und sind die Hilfsprogramme wichtig, an der Stelle aber wurde nicht ausreichend auf Chancengleichheit geachtet; das hat Österreich beispielsweise deutlich besser hinbekommen“, kritisiert die Geschäftsfrau Teile des deutschen Krisenmanagements.

Als dann der Lockdown endete, hätten viele Familien wohl aus Sicherheitsgründen auf Kindergeburtstage verzichtet. Und damit seien auch nur wenige Geburtstags-Geschenkekisten gepackt worden: „Sie haben einen beträchtlichen Anteil am Gesamtumsatz, und dieser Ausfall hat uns zusätzlich schwer getroffen.“

Lorenz

Angesichts dieser Gesamtsituation ist Uta Bracke „sogar ein bisschen froh darüber, das Kapitel Lorenz Spiel & Freizeit am 31. Dezember 2020 beenden zu können“. Und räumt gleichzeitig ein gutes Stück Wehmut ein: „Wenn ich an unsere vielen treuen Stammkunden denke, an die Kinder, die über mehrere Generationen hinweg in unser Geschäft kamen und sich mit glänzenden Augen Geschenke aussuchten, dann bin ich schon ein wenig traurig. Es ist schade, dass es offenbar keine Möglichkeit mehr gibt, ein Geschäft, in dem Kinder, Eltern und Großeltern in Jahrzehnten gern gestöbert haben zu erhalten.“ Uta Bracke arbeitet aber daran, zumindest einige Sortimente aus ihrem Angebot in der Lübbecker Innenstadt zu erhalten: Ihre Idee ist, dass diese Sortimente von anderen Geschäften übernommen werden...

Die Geschichte von „Lorenz Spiel & Freizeit“

Der Kupferschmied Christian Lorenz kaufte im Jahr 1832 das Haus Lange Straße 44 in Lübbecke und betrieb im Anbau eine Kupferschmiede, in der er Pumpen, Lampen, Leuchter und Hausrat aus Kupfer fertigte. Seine Frau Juliane führte zur Straße hin ein Ladengeschäft, in dem sie u.a. Dinge aus der eigenen Schmiede vertrieb. Einige Gegenstände davon befinden sich noch heute im Familienbesitz.

1863 übernahm sein Sohn Carl mit seiner Frau Hermine die Firma. Carl Lorenz spezialisierte sich auf die Fertigung und Montage von Pumpen und Brunnen, während seine Frau das Geschäft wie bisher weiter betrieb. Sie bauten 1912 gegenüber in Lange Straße 43 ein neues und größeres Geschäfts- und Wohnhaus für ihren Sohn Emil Lorenz, der darin unter seinem Namen ein eigenes Geschäft eröffnete. Er vertrieb darin Glas, Porzellan, Hausrat und während der Saison auch Spielwaren. Trotz wechselvoller Entwicklung, gestört durch zwei Kriege, die Inflation, die Weltwirtschaftskrise und eine Währungsreform behauptete sich Emil Lorenz mit seiner Frau Johanna gegen starke Konkurrenz am Platz.

Lorenz

1952 heiratete ihre Tochter Margarethe Claus Bracke, der sein Studium aufgegeben und in Celle ein Betriebspraktikum absolviert hatte. Beide traten als Teilhaber in die Firma ein, die dann als OHG geführt wurde. Aus der Erkenntnis heraus, dass ein Gemischtwarengeschäft am Platz nur noch geringe Marktchancen hat, strukturierten die Eheleute Bracke die Firma um. Das großelterliche Haus Lange Straße 44 gehörte der Erbengemeinschaft Lorenz. Nach einem Umbau lagerten die Eheleute Bracke ihr Spielwarensortiment am 15.5.1965 dorthin aus. Das in Haus 43 verbleibende Sortiment wurde gestrafft und mit Schwerpunkt auf hochwertigem Porzellan und Glas als reines Fachgeschäft weitergeführt. Im Laufe der Jahre wurden nach Rosenthal mit allen führenden Herstellern der Porzellanbranche Exklusivverträge abgeschlossen und dem Trend der Zeit entsprechend hochwertige Geschenkartikel hinzu genommen.

Nach dem Tod von Emil Lorenz führte Margarethe Bracke die Firma als Einzelfirma weiter. Sie leitete das Stammgeschäft, während sich Claus Bracke um das Spielwarengeschäft kümmerte. Diese Trennung erwies sich als sehr sinnvoll, denn nun nahm die Firma einen überdurchschnittlichen Aufschwung und es gelang, zahlreiche Kunden aus dem gesamten Kreisgebiet anzuziehen. Im Haus 43 musste daher durch mehrere Um- und Erweiterungsbauten zusätzlichen Platz geschaffen werden. Am 03.04.1968 wurde die Firma Mitglied bei der VEDES, ein Einkaufsverbund für Spiel und Freizeitartikel.

Lorenz

Bald reichte auch der Raum im Haus 44 für Spielwaren nicht mehr aus. Es gelang, im Haus Lange Straße 50-52 den Laden zu mieten und am 01.07.1971 zog das Spielwarengeschäft dorthin um. Im Januar 1978 stand das Haus Lange Straße 50-52 zum Verkauf und Claus Bracke erwarb es.

Nach ihrer Ausbildung trat Uta Bracke am 01.08.1973 in die Firma Lorenz ein. Ihrer Neigung entsprechend befasste sie sich mit Spielwaren. Margarethe Bracke gab zum 31.03.1987 aus Altersgründen das Porzellangeschäft auf. Es wurde ab 01.04.1987 von dem Ehepaar Hannig als Pächter weiter geführt. Uta Bracke übernahm am 01.08.1985 das Spielwarengeschäft von ihrem Vater und führt es bis heute.
(Text Geschichte: Uta Bracke)