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Gutes Graffiti ist wirklich echte Kunst

Lübbecke -

Irgendwann in 2012 hatte Gitta Meyer "die Nase voll", wie es im Volksmund heißt. Und zwar davon, dass ständig eine lange Wand an ihrem Kosmetikstudio im Bereich des Durchganges zwischen Niedernstraße und dem Hof/Spielplatz am Alten Amtsgericht in Lübbecke mit dicken Eddings und Spray beschmiert wurde. Gemeinsam mit Peter Angene, Inhaber eines Malerfachbetriebes und Restaurator im Handwerk, sammelte die Inhaberin des Kosmetikstudios zunächst Ideen, wie das Mauerstück - und damit der gesamte Pattweg - schicker gestaltet werden könnte. Angene brachte Dennis Herb ins Gespräch, einen jungen Spezialisten für Airbrush und Design. Er entwickelte einen Vorschlag zur künstlerischen Gestaltung der Mauer als "echtes Graffiti". Jetzt ist sein Wandbild fertig - und zu bewundern. Denn in der Tat ist Graffiti entstanden, die diesen Namen tatsächlich auch verdient. 

Gleichzeitig wurde der bislang eher trostlose Durchgang deutlich aufgewertet und so wieder verstärkt ins Bewusstsein der Bürger gerückt, meint Martin Pöttker, im Bauamt der Stadt Lübbecke zuständig für derartige Objekte und Vorhaben. Denn diese Wandgestaltung gehört nach Einschätzung der Lübbecker Verwaltung zum Fassadenprogramm, mit dem das "Gesicht" der Wiehengebirgsstadt verschönert werden soll. Realisiert wurden bereits einige Objekte, wozu auch die Gebäude Kolck und Meyer gehören. Das Fassadenprogramm ist Teil des "Integrierten städtebaulichen Entwicklungs-Konzeptes" (ISEC) des Landes NRW, über das verschiedene Maßnahmen in Städten und Gemeinden finanziell gefördert werden.

Wobei die Kommunen im Rahmen eines Innenstadtfonds über die Förderung selbst entscheiden können. Wichtige Kriterien: Das Projekt muss erkennbar positiv für die Stadt sein - und es muss einen privaten Investor geben. Für jeden von ihm für das Projekt ausgegebenen Euro gibt es jeweils einen Euro Steuergeld - also eine 50-prozentige Förderung. So wurden bereits zwei Bildhauer-Symposien auf diese Weise gefördert sowie die Begrünung von Bäckerstraße und Lange Straße mit Pflanzkübeln. Und jetzt die Graffiti-mäßige Wandgestaltung im Durchgang zwischen Niedernstraße und Amtsgerichts-Hof.

Geplant ist darüber hinaus, Wasser in Lübbecke wieder erlebbar zu machen. Dafür soll der Brunnenring an der Bergertorstraße in der Nähe des GBSL als eines der letzten sichtbaren Zeichen für die öffentlichen Wasserversorgung in Lübbecke baulich auffälliger als bisher in den Blickpunkt der stadtgeschichtlichen Entwicklung gerückt werden.

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Ein Vergabegremium begutachtete zunächst den ersten Graffiti-Entwurf von Dennis Herb, war mit einer modifizierten Version - abgestimmt mit Gitta Meyer und Peter Angene - einverstanden und "spendiert" deshalb die Hälfte der Kosten von rund 6.200 Euro. Pöttker ist überzeugt, dass "Dennis Herb sein Handwerk versteht und gleichzeitig eine private Initiative zur Verschönerung des Stadtbildes belohnt werden muss".

Der Meinung ist auch Peter Angehen; der Fachmann reinigte zunächst die "wenig einladend wirkende Wand", grundierte sie und bereitete sie mit weiß deckender Fassadenfarbe für Herb's Grafffiti-Kunstwerk vor.

Mit der Neugestaltung erfährt der Durchgang wieder mehr Aufmerksamkeit; gleichzeitig werden Mauer und Wand im Wert erhalten. Angene freut sich dass in Lübbecke etwas möglich war, was in großen Städten auf großen Wandflächen längst üblich ist. Und er ist begeistert davon, dass Gitta Meyer bei dem Wunsch, ihr Eigentum zu schützen und zu verschönern, seine Graffiti-Idee gleich aufgegriffen hat.

Dennis Herb war einer von drei Kontakten zur Graffiti-Szene; sein Vorschlag, die "Evolution mit dem Endpunkt Model" dazustellen, war der beste. Auch, weil er nicht knallig-bunt war, sondern angenehme Naturfarben verwendete und sogar die echte Mauer in der anschließenden Wand optisch fortsetzt. "Ich bin begeistert," sagt Angene, "besonders wegen der Bewegung im Bild durch Wellen, fast spürbarem Wind im Baum, die Tiere."

Dennis Herb skizzierte zunächst die Figuren als Bleistiftzeichnung auf der Grundlage von echten Fotografien, übertrug dann die Umrisse auf die Wand und gestaltete den Hintergrund anschließend freihändig. Wobei er ihn wellenförmig anlegte als Zeichen für Bewegung und Veränderung, die sich als "Metamorphose" durchs gesamte Bild zieht. Dabei räumt er ein, dass es überaus schwierig war, eine realisierbare Idee zu finden. Die aber hatte er nach einem Besuch in einem Schmetterlingspark: "Als ich dort die Schönheit der Schmetterlinge gesehen habe, war die Grundzeichnung ganz einfach!"

Eine Herzensangelegenheit war ihm, die Mauer als Bestandteil des Bildes ins Bild zu integrieren - was ihm hervorragend gelungen ist. Zum Schluss folgte die detaillierte farbliche Ausgestaltung. In Lübbecke hat Dennis Herb das zweite Bild dieser Größe nach einem Projekt im Waldfreibad Espelkamp realisiert. Davor arbeitete er mit Jugendlichen insbesondere an Projekten zur Umgestaltung von z.B. Bushaltestellen.