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Die Coronakrise bietet auch Chancen

VB-Geldtipp
Das Coronavirus wird die Kapitalmärkte noch lange dominieren. Jens Wilhelm, der im Vorstand der Fondsgesellschaft Union Investment für das Portfoliomanagement zuständig ist, sieht die Pandemie als größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. „Der konjunkturelle Einbruch ist doppelt so tief wie in der Finanzkrise und erfolgt in kürzerer Zeit“, ordnet er die Ereignisse ein.

Nach den Prognosen von Union Investment wird das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone 2020 um 8,5 Prozent schrumpfen. Deutschland dürfte die Krise dabei mit Einbußen von 6,7 Prozent vergleichsweise glimpflich überstehen. Besonders gravierend dürften die Folgen in Italien (-11,7 Prozent) und Spanien (-11,3 Prozent) ausfallen. Die Erholung werde im zweiten Halbjahr einsetzen, aber sie werde flach verlaufen, so der Kapitalmarktstratege Wilhelm weiter: „Die Sorge vor einem schnellen Anstieg der Inflation ist unbegründet.“

Nachhaltigkeit immer stärker gefragt

Wie überstehen Unternehmen die Pandemie? „Starke Unternehmen werden gestärkt“, erwartet das Vorstandsmitglied der Union Investment. Gleichzeitig rechnet er damit, dass angeschlagene Unternehmen vermehrt scheitern werden. „Eine höhere Konzentration wird in vielen Branchen die Folge sein“, analysiert Wilhelm. Nachhaltiges Investieren gewinnt seiner Einschätzung nach weiter an Bedeutung. Nachhaltigkeit werde die Geldanlage der Zukunft stark prägen.

Trotz der Unsicherheiten rund um das Coronavirus sieht er die Anlagetrends der vergangenen Jahre bestätigt. „Das Negativ- bzw. Niedrigzinsumfeld verschärft und verbreitert sich sogar“, prognostiziert er. Investoren sieht er mehr denn je von einem Anlagenotstand bedroht. Staatsanleihen würden nach wie vor kaum Verzinsung abwerfen, zu Wilhelms Anlagefavoriten zählen dagegen Unternehmensanleihen.

Aktien bieten größte Anlagechancen

„Die größten Anlagechancen bieten nach wir vor Aktien“, ist der Experte überzeugt. So traut er dem Dax auf Sicht von zwölf Monaten einen Anstieg auf 13.300 Punkte zu. „Es kommt aber mehr denn je auf die sorgfältige Titelauswahl an“, gibt er zu bedenken. Auch Rohstoffe schätzt der Kapitalmarktstratege als attraktiv, wenn auch volatil ein. „Der Ölpreis ist durch Angebotsbeschränkungen und schwache Nachfrage gedeckelt. Edel- und Industriemetalle bieten hingegen noch günstige Einstiegsgelegenheiten“, meint er.

„Corona wird zu einem Dekadenthema, dessen Konsequenzen genauso dauerhaft sein werden wie die Folgen der Finanzkrise“, ist Wilhelm überzeugt.  
(Text: Volksbank Lübbecker Land / Union Investment  / Motivfoto: Kurt Kleemann - Fotolia)