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Zirkus total im Chaoyang Theater Peking

Peking ist – gar keine Frage – ein Moloch. Raus wie rein kommt man nur über fast ein halbes Dutzend Verkehrsringe, bis zu zwölf Spuren breite Verkehrsadern, auf denen aber tagsüber meist genauso wenig geht bzw. fährt wie rund um Köln oder München. Wer es geschafft hat, einem ausgebufften Taxifahrer am Hotel zu erklären, dass man eine Zirkus-Show im Chaoyang Theater erleben will, kommt dann mit viel Geduld und einfach „Augen zu“ tatsächlich rechtzeitig an diesem bekannten und beliebten Zirkustempel in der chinesischen Hauptstadt an. Er liegt – natürlich – an einer achtspurien Magistrale, die man entweder unterirdisch per Tunnel oder, viel einfacher, zwischen den auf der riesigen Kreuzung in Theaternähe stehenden und hupenden Autoschlangen überqueren kann – wenn man denn muss.

Das Chaoyang-Theater an der  Dongsanhuan Beilu 36 in Peking gehört zu den renommiertesten Zirkustempeln im Riesenreich. Zirkus hat in China eine rund 2000-jährige Geschichte und beinhaltet immer die für uns fast unvorstellbare Körperbeherrschung, die Überwindung von Erdanziehung und einen phänomenalen Gleichgewichtssinn. Trotz Fernsehen und anderer vielfältiger Unterhaltungsmöglichkeiten sind die Vorstellungen stets gut besucht. Kein Wunder bei dem Programm, das beispielsweise im Chaoyang Theater geboten wird. Nicht umsonst trägt es den bezeichnenden Beinamen „Heaven & Earth Theatre“, also Himmel-und-Erde-Theater. Hier treten die besten Ensembles aus ganz China auf und zeigen hier ihre preisgekrönten Nummern.

Auch bei unserem Besuch – Beginn war pünktlich um 19.15 Uhr an einem Wochentag – stockte so manchmal der Atem angesichts der Höchstleistungen auf der Bühne. Aber nicht nur das: Zirkus in China, hier Peking, ist immer auch eine beeindruckende Show von Farben und Kostümen; manchmal werden gleichzeitig ganze Geschichten „erzählt“. In unwirkliches Licht getaucht, dazu Eisnebel, gibt so manchem Aufritt einen höchst mystischen Charakter, hervorgehoben durch äußerst präzise Tanzdarbietungen. Spielerisch leicht wirkt es, wenn eine zierliche Akrobatin – von der Statur her eher einem Kind als an einer jungen Frau gleichend – meterhoch auf einem auf Kipp stehenden Stuhl balanciert, gesichert lediglich mit einem dünnen Seil. Oder wenn mehrere Akrobatinnen einen Turm bilden und dabei noch jede Menge Bälle mit sich „rumschleppen“. Teller balancieren und dabei den Körper unglaublich „verbiegen“, allerdings hochgestemmt von einem kräftigen männlichen Partner: Spielend leicht sieht das alles aus, weil die Akrobatinnen immer lächeln – es wirkt angesichts der Anstrengung natürlich wie eingemeißelt. Und wenn sie sich dann an einer Art Baum „festbeißen“ und in luftiger Höhe den Körper einmal komplett über den Kopf nach hinten klappen, fragt man sich mit offenem Mund: „Wie geht das denn?“ Genauso wie der Balanceakt von elf!!!! jungen Damen auf einem Rad. Und auch hier: immer lächen, immer vergnügt.

Der „Hammer“ kommt dann, wie könnte es im Zirkus anders sein, auch im Chaoyang Theater zum Schluss. Auf der Bühne wird in kürzester Zeit eine Art ovaler Stahlkäfig aufgebaut – und hinein fahren nacheinander sechs Motorradfahrer. In Atem beraubender Geschwindigkeit rasen sie auf engstem Raum kreuz und quer, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt, alles geht gut. Vor dem Schlussapplaus noch einmal ein Fest in rauschenden Kostümen und Farben – und dann geht es hinaus in die raue Pekinger Verkehrswirklichkeit.

Die Rückfahrt treten wir nach vielen vergeblichen Versuchen, ein Taxi zu ergattern, schließlich in einer überfüllten U-Bahn an. Jede Menge Taxifahrer haben uns einfach ignoriert; vermutlich gefielen ihnen unsere westlichen „Langnasen“ nicht.

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