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"Wien, Wien, nur du allein…"

Walzerklänge, Wiener Schmäh und Wiener Schnitzel - natürlich gehört das zu Wien. Doch die Donaumetropole hat ungleich mehr zu bieten. Jede Menge Kultur und Kunst natürlich: Wien ist in großen Teilen ein riesiges Freiluftmuseum. Wer sich das - zumindest in Teilen - erlaufen will, muss ganz einfach gut zu Fuß sein. Und selbst das wird dem strapazierten Körper in aller Regel ein gewisses Maß an Muskelkater oder Erschöpfung nicht ersparen. Besonders dann nicht, wenn man viel ins Besuchsprogramm packen will oder muss, weil die gebuchte Städtetour eben nur drei Tage umfasst.

Wir starten früh morgens vom Flughafen Hannover mit einer eher kleinen Embraer 190 und sind rund 70 Minuten später am Ziel. Eine kurze Frage, wo der Flughafenbus startet, einsteigen, acht Euro pro Person zahlen - und 45 Minuten später steigen wir am Westbahnhof aus, nur wenige Meter vom gebuchten Hotel entfernt.

Das ging ja schnell! Und so haben wir fast noch einen ganzen Besichtigungstag vor uns. Nach einem kurzen Blick in den Reiseführer geht's zum laut Karte nicht weit entfernten Naschmarkt - wir haben inzwischen Hunger und wollen "naschen". Beim Weg dorthin stellen wir fest, wie groß der Unterschied zwischen Karten- und echter Entfernung ist. Das aber steigert nur unsern Appetit. Wir entscheiden uns aus dem riesigen Angebot für "Lecker Asien" - das Wiener Schnitzel genießen wir an anderer Stelle.

So gestärkt, machen gefühlte "ein paar Kilometer" zum Zentrum mit dem Stephansdom nichts aus. Ein kühles Getränk in einem der ebenso zahlreichen wie teuren Cafés zu Füßen des Doms muss einfach sein. Zuvor haben wir das riesige Gotteshaus besucht und natürlich auch ein Kerzlein angezündet; vom sicheren Platz im Café schauen wir dann Restaurateuren bei ihrer Arbeit am Domturm in Schwindel erregender Höhe zu.

Eine Seitenstraße ist Start und Ziel für die Fiaker - Zweispänner, mit denen man sich gemächlich durch die Innenstadt kutschieren lassen kann. 20 Minuten kosten 40 Euro, 40 Minuten - na klar: 80 Euro. Kein unbedingt billiges Vergnügen. Aber wer sich Mitfahrer und damit Mitzahler sucht, reduziert die Kosten drastisch. Die Kutscher kennen natürlich alle Sehenswürdigkeiten und geben auch Hinweise. Aber so richtig verstehen kann man sie als Fahrgast nicht; an das "Wienerisch" muss sich das aufs klare "Norddeutsch" geeichte Ohr erst gewöhnen. Gut, dass es einen Reiseführer gibt…

Den ersten Wientag beschließen wir - ganz wienerisch - in einem Kaffeehaus, dem Café Central. Es ist eines der ältesten und renommiertesten der Metropole - und ausgezeichnet von Gault Millau. Ein Literat hat es sogar als seine Heimatadresse angegeben, weshalb er in einer Nachbildung die Gäste am Eingang begrüßt. Säulen, Lüster, eine reichhaltige Speisekarte, hin und her flitzende Kellner, ab 17 Uhr Klaviermusik, perfekt, aber erkennbar emotionslos vorgetragen - was uns aber nicht stört: Hier kann man tatsächlich Stunden verbringen, wenn man sie denn hat. Und dabei ein Wiener Schnitzel von beeindruckender Größe verzehren. Zurück zum Hotel geht es dann aber nicht mehr per Fußmarsch, sondern schnell und bequem für läppische 4,20 Euro mit der U-Bahn.

Schloss Belvedere, Hofburg, Hofreitschule, Albertina: Das war das Programm für Wien, Tag 2. Jedes Ziel ist an sich gut für einen einzigen Tag. Aber wenn man alles an einem erledigen will, weil eben bei einer Städtereise die Zeit sehr begrenzt ist, ist Geschwindigkeit vonnöten. Wobei das Schloss Belvedere wirklich eine architektonische Schönheit ersten Ranges ist - sowohl die Gebäude selbst wie auch der wundervolle Park, der sogar an einem kahlen Herbsttag noch faszinierend wirkt.


Bildergalerie

Nach weiterer Geschichte in der Hofburg, der Hofreitschule und Kunst in der Albertina entlasten wir unsere mittlerweile schmerzenden Füße mit einer rund halbstündigen Tramfahrt auf der Ringstraße. Das Ticket für die Vienna Ring Tram hat unser Hotel spendiert - also immer nachfragen, ob es dieses schöne Geschenk gibt. Da erlebt man die bedeutendsten Sehenswürdigkeit wie an einer Perlenschnur aufgereiht im Vorbeifahren, bekommt über Kopfhörer noch so manches bis dato unbekanntes Detail und Schmankerl zu hören und kann auch fotografieren.

Wien ohne Sacher-Torte im Hotel Sacher? Geht gar nicht! Aber mit dieser "Sehenswürdigkeit" geht es wie mit so manch anderen: kann man, muss man aber nicht!

Zu Fuß geht es an Tag 3 zum Museumsquartier. Und zwar auf der "Straße der Sieger", im Stadtplan als Mariahilferstraße genannt. Die auf der einen Gehwegseite ins Pflaster eingelassenen Platten fallen nicht sehr auf. Und so läuft man Gefahr, Hand- und Fußabdrücke von Sportassen wie Thomas Morgenstern, Felix Gottwald oder Nicole Hosp zu verpassen. Keinesfalls aber übersieht man die zahlreichen Bettler, die mitten auf dem Gehweg sitzen. Es sind gefühlt viele - ebenso erstaunlich wie erschreckend für eine Metropole wie Wien. Oder eben doch nicht?

Über Treppen erreicht man alte Höfe mit Wohn- und Geschäftshäusern, ein wunderbares Ambiente zum Bummeln und Schauen - und der absolute Gegensatz zu den Shopping-Centern aus Glas und Edelstahl. Dann sind wir im Museumsquartier, ehemals Heimstatt für 600 kaiserliche Pferde und 200 Kutschen. Massive Bürgerproteste begleiteten seine Restaurierung, die 2001 mit der Eröffnung des seitdem unter dem Kürzel MQ bekannten Areals. Es ist eines der zehn größten Kulturareale der Welt, beherbergt Museen, Ausstellungsräume, auch die "engste Galerie der Welt", Kulturlabors, Ateliers und Produktionsstudios für unterschiedlichste Genres - und ganz viel Gastronomie. Wer hier nichts Passendes findet, braucht nur noch ein paar Meter den Spittelberg hinauf. Und da gibt's garantiert für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas.

K.u.K.-Zeit springt einen regelrecht an in der bestens erhaltenen K. u. K. Hofzuckerbäckerei Ch. Demel's Söhne in der Wiener Innenstadt. Wer keinen Platz findet - was oft der Fall ist -, wartet eben an der ebenso alten wie voluminösen Theke oder schaut den Zuckerbäckern durch Glasscheiben bei ihrer filigranen Arbeit zu.

Wien entfaltet, wie alle Metropolen, seinen wirklichen Charme nur bei gutem Wetter. Dann sitzt man gern in Cafés und Restaurants unter freiem Himmel oder unter Schirmen - bei kühleren Temperaturen gern auch mit Heizpilzen - bis spät in den Abend, plaudert mit Freunden oder genießt als Tourist den weltstädtischen Rummel bei z.B. einem Wein, einem österreichischen Tropfen natürlich. Und der schmeckt hervorragend auch dann, wenn man zuvor schon "im Stehen" gespeist hat.

Nein, nicht an einer Frittenbude, sondern im oder am "Trzesniewski". Dieses kleine Lokal in einer Seitengasse der Fußgängerzone in Wiens Mitte wirbt mit dem Slogan "Die Unaussprechlich Guten Brötchen". Und in der Tat: Was da in der Küche zubereitet und hinter einer eher kleinen Glastheke präsentiert wird, ist nicht nur eine Gaumenfreude mit unterschiedlichsten pikanten Noten, sondern sieht auch noch toll aus. Mehr Infos zu diesem kleinen, aber feinen Gourmettempel gibt es unter www.speckmitei.at.

Nicht gesehen haben wir bei diesem Wien-Kurz-Trip die "schöne blaue Donau", den Prater, und, und, und... Aber es heißt nicht umsonst "Wien, Wien, nur du allein…" Wiederkommen ist deshalb Pflicht. Versprochen!!!