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Südkorea: Kia, Kimchi und Kommunisten im Norden

Im Jahre 2008 bot sich Lübbeckerin Svenja Mattner als Bachelor-Studentin an der Universität Maastricht die Möglichkeit, ihr Austauschsemester in Südkorea zu verbringen. Die Universität Maastricht und die Ajou University in Suwon wollten als Zeichen einer engeren Kooperation im Bereich der Forschung erstmalig einen Studentenaustauch organisieren. Erfahrungsberichte gab es keine; insgesamt durften sie und vier weitere Studenten das erste Mal im Namen unserer Fakultät ein Semester als Austauchstudenten in einer für uns fremden Umgebung verbringen. Hier lesen Sie ihren Erfahrungsbericht.

Meine Freude war natürlich groß, ein Austauschsemester an Universitäten wie Bordeaux, Prag oder der nur 30km entfernten RWTH Aachen konnte ich mir nicht vorstellen. Die Möglichkeit hingegen knapp ein halbes Jahr in einer komplett unterschiedlichen Kultur mit ihren eigenen Heraus-forderungen zu meistern reizte mich dagegen sehr.  Stolz verkündete ich nun im Bekanntenkreis meinen zukünftigen Aufenthalt in Korea. Die Reaktionen waren durchgehend positiv, nachdem ich die Frage ob ich denn nach Süd- oder Nordkorea gehen würde, mit Republik Korea, dem offiziellen Namen von Südkorea, beantworten konnte. Abgesehen davon das der Norden seit dem Korea-Krieg und der Trennung vom Süden kommunistisch-autoritär regiert wird und sich leider hauptsächlich durch Hungersnöte, seinem Atomprogramm oder Provokationen hervorhebt, gibt es nur erschwerte Einreisemöglichkeiten in das Land, ganz abgesehen von einem studentischen Austauschprogramm mit westlichen Universitäten.

Im Jahre 2008 bot sich Lübbeckerin Svenja Mattner als Bachelor-Studentin an der Universität Maastricht die Möglichkeit, ihr Austauschsemester in Südkorea zu verbringen. Um meinen zukünftigen Aufenthalt in Südkorea vorzubereiten fing ich nun zeitig an mich mit der Kultur, den Gepflogenheiten und der Sprache auseinanderzusetzen. Sehen die Schriftzeichen für einen Laien nicht bedeutend anders aus als jene von Chinesen oder Japanern, unterscheiden sich die Koreanischen Schriftzeichen ganz bedeutend: Das so genannte Hangeul ist eine Alphabetenschrift und erleichtert dem Ausländer das Erlernen von Lesen und Schreiben und somit auch stückweit die Integration. Muss man in China und Japan bedeutend länger aufwenden um lesen und schreiben zu können, ist das Erlernen des Hangeul in maximal zwei-drei Wochen zu bewältigen. 
Mit gewissen Grundkenntnissen ausgestattet begann nun mein Abenteuer an der Ajou University in Suwon, einer Millionenstadt im Süden der Metropole Seoul. Ab meiner Ankunft am Flughafen in Seoul begannen nun durchgehend positive Erfahrungen: Alle Austauschstudenten wurden am Flughafen empfangen, zum Universitäts-Bus geführt und nach ca. 1,5h Fahrt erreichten wir die Heimatstadt der Weltmarke Samsung, Suwon. Unsere von der Ajou University bereitgestellten Doppelzimmer waren klein, aber absolut ausreichend, sauber und umsonst. Nebst dieser sehr erfreulichen Überraschung befanden wir uns in einem Campus der durch kurze Fußwege die Fakultäten, Mensen und Sportanlagen innerhalb einer Parkanlage verband. Da unser Wohnheim nur für Ausländer reserviert war, kam der Kontakt zu Koreanern nur über die Kurse oder eine große Auswahl von außeruniversitären Kursen, wie z.B. Kochen, Sport oder das künstlerische Gestalten von Schriftzeichen zustande. Dabei war anfangs bemerkenswert das sich koreanische Studenten zwar wahnsinnig für ausländische Studenten, deren Geschichten und Erfahrungen aus den Heimatländern interessierten, aber der Kontakt doch weitgehend distanziert blieb. Wird man in Deutschland oder in Europa relativ schnell warm miteinander, tauscht Nummern aus und trifft sich auch mal nach der Uni, dauerte dies in Südkorea bis zu zwei Monate. Hat man dieses Level allerdings einmal erreicht und wurde in den Kreis des Vertrauens einbezogen, folgen Essenseinladungen, Trinkgelage (das Asiaten angeblich weniger Alkohol vertragen, hindert noch lange nicht am exzessiven trinken) und Besuche bei den Familien der jeweiligen Freunde. Diese Besuche sind besonders einprägsam, da man hier die Möglichkeit hat sich ins traditionelle Korea einzuleben. Aspekte wie ein absoluter Respekt den Älteren gegenüber, die Nicht-Nutzung des „Nein“ (fatal wenn es an den Verzehr von Massen an Essen und des Soju, eines koreanischen Branntweins, geht) und die Perfektion des Kibun, das Verständnis für andere Personen, konnten hierbei eingeführt, geübt oder perfektioniert werden. Wer die koreanische Herzlichkeit kennengelernt hat, verzeiht die anfängliche Reserviertheit nur allzu gerne.

Besonders gute Erfahrungen habe ich mit dem koreanischen Essen machen dürfen. Erscheint das Essen anfangs meist undefinierbar und eigentlich nicht schmackhaft, revidieren Ausländer diese Meinung meist nach kurzer Zeit, da die koreanische Küche doch für fast jeden Geschmack etwas bietet. Als besondere Renner gelten die zahlreichen Nudelsuppen, Kimbap (obwohl für den Laien ähnlich wie Sushi, sollten Sie den koreanischen Nationalstolz nicht degradieren in dem Sie Kimbap mit dem japanischen Sushi vergleichen), das ohne Zweifel Weltruhm erlangte Korean-Barbecue (am eigenen Tisch gegrillte Fleischspezialitäten, eingerollt in Salatblätter mit einer großen Anzahl an Nebengerichten) und natürlich das Elixier der Koreaner, das Kimchi. Was den Deutschen ihr Brot, ist den Koreanern ihr traditionell scharf eingelegter Chinakohl. Kimchi, oftmals als gesündestes Lebensmittel der Welt bezeichnet, wird zu jeder Speise gereicht, entweder als Nebengericht oder als Basis für Suppen und Saucen. Die Schärfe variiert dabei von nicht-essbar zu nahezu mild (weiterhin nicht essbar für den ungeübten Gaumen).
Einen Besuch in Südkorea kann ich nur empfehlen. Aufgrund der doch sehr überschaubaren Größe und der grandiosen technischen Entwicklung des Landes kann Südkorea sehr gut bereist werden. Dabei sind besonders die Demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea, wo auch heutzutage noch UN-Blauhelme den Waffenstillstand überwachen und die Region Seoul, nach Tokyo der zweitgrößte Ballungsraum der Welt, mit dem einzigartigen Zusammenspiel zwischen moderner Entwicklung und traditioneller Bauweise und Lebensführung besonders gut touristisch erschlossen. Wer es ein bisschen ruhiger mag und das koreanische Gebirge genießen will, findet im Zentrum des Landes wunderschöne Ausflugsziele. Im Süden des Landes sind vor allem die Hafenstadt Busan (mit täglichen Fährverbindungen nach Japan) und die Ferieninsel Jeju, auch Love Island aufgrund der hohen Anzahl an frisch verheirateten Paaren genannt, empfohlene Ziele.