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Schanghai – eine Stadt auf der Überholspur

Wer nachts auf dem weit draußen entfernten Flughafen ankommt, ist mit dem Taxi eine gute Stunde unterwegs – und so ein Taxifahrer in Schanghai gibt gern mal Gas, wenn die Straße frei ist. Wir haben ihm die in chinesisch ausgedruckte Hoteladresse am Flughafen in die Hand gedrückt. Und er bringt uns, ohne Navi und ohne sich zu verfahren, direkt ins Zentrum des 15-Millionen-Molochs. Hier ist, obwohl längst 2012, erstaunlicherweise noch viel weihnachtlicher Schmuck vorhanden – und das in einem Land bzw. einer Stadt, die Weihnachten eigentlich gar nicht kennt.

Am anderen Morgen stellen wir beim Blick aus dem Hotelzimmer fest, dass wir im Geschäftszentrum Pudong residieren; Hochhäuser rundherum sozusagen in „Griffweite“. Weil die Zeit drängt, geht es gleich zum Huangpu-Fluß, den wir unterirdisch „überqueren“: in einem von den Franzosen gebauten Tunnel saust in knapp drei Minuten eine Bahn durch eine Welt aus Licht und Farben, Videos und Cartoons. Man erlebt sozusagen eine Kurzreise durch die Erde – ein wunderbares Abenteuer, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Auf der anderen Flussseite wartet der Bund, die berühmteste Uferpromenade Chinas mit jeder Menge bestens restaurierter Bauwerke. Es ist die koloniale Prachtstraße der Metropole. Aber aufpassen: Wer sich auf eine der Holzbänke stellt, um ein besseres Fotomotiv zu haben, wird von der überall präsenten Polizei schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht.

Die meisten Eindrücke sammelt man auf dem Fußweg in die Altstadt am Yu-Garten. Dieses Viertel wurde abgerissen und neu aufgebaut. Trotz seiner modernen, auf Tourismus ausgerichteten Infrastruktur wirkt es typisch chinesisch mit der Neun-Biegungen-Brücke und dem Teehaus als Mittelpunkt. Im Yu-Garden aus 1559, einem der wenigen kulturellen Highlights der Stadt, entflieht man ihrer Lautstärke.  Er vereint auf kleinstem Raum alles, was eine typisch chinesische Gartenlandschaft ausmacht. Konsumangebote aber auch hier: Ein Tee-Spezialist lädt zur Probe ein, erklärt unterschiedliche Sorten – und man nimmt ganz bestimmt die eine oder andere mit…

French Quarter ist das nächste Ziel. Das Quartier hat seinen Namen aus der Zeit, als die Behörden dieses Areals der französischen Kolonialverwaltung in Hanoi unterstanden. Man trifft auf typisch französische Architektur sowie Straßen- und Geschäftsnamen und ein bisschen französisch anmutende Gastronomie. Man muss aber schon genau hinschauen, um noch französisches Flair in dem großen chinesischen Angebot zu fühlen. Zurück geht’s durch  eine „Fressgasse“ mit Paulaner & Co: Deutschland ist halt überall.

Am nächsten Tag geht’s ganz hoch hinaus. Wir gehen ins Schanghai World Financial Center, wegen seiner architektonischen Besonderheit auch „Flaschenöffner“ genannt. Nach den wie in allen öffentlichen Gebäuden intensiven Sicherheitskontrollen durchqueren wir einen Informationstunnel mit Ansichten, wie Schanghai einmal werden soll – wir haben den Eindruck, dass man schon ganz nah dran ist –, und dann geht es so schnell im Aufzug 435 Meter aufwärts, dass der Druck auf den Ohren nur nach mehrmaligen Schlucken verschwindet. Mit einem zweiten Aufzug wird dann die Beobachtungsbrücke auf 474 Metern erreicht. Der Ausblick hier ist atemberaubend – und ebenso der durch dickes Glas auf die 474 Meter tiefer wie Ameisen wirkenden Menschen und Autos.

Nach einem Abstecher zum Kultur- und Musikzentrum sowie zum Technologiemuseum mit angeschlossenem unterirdischen Chinesenmarkt, der das Klischee in Sachen Plagiate und Feilschen voll erfüllt, geht’s zurück zum abendlichen Shoppen zum „Timessqare“ – einem Einkaufstempel in weihnachtlichem Dekor. Wer Gold liebt: Hier findet er jede Menge kleiner wie großer Barren, wer Süßigkeiten liebt, glaubt sich ins Schlaraffenland versetzt.

Schanghai verlassen wir mit einem Transportmittel, das es in Deutschland leider nicht aus der Versuchsphase geschafft hat: Maglev Train heißt er hier, Transrapid heißt er hier. Die 30 Kilometer lange Strecke vom Messezentrum zum Flughafen durchrast er in nur acht Minuten mit einer Geschwindigkeit bis zu 301 km/h. Das ist ganz schön schnell – und man merkt es kaum. Schade, dass es diese Bahn in Deutschland nicht gibt, denken wir, als unser Air-China-Flieger auf dem Flughafen Pudong abhebt. Wir verlassen eine Metropole, in der nach wie vor Wolkenkratzer und Bruchbuden ebenso eng beieinander  liegen wie enormer Reichtum und extreme Armut: Sozusagen im Schatten des „Flaschenöffners“ sortiert ein Chinese unbeeindruckt von Hochhaustürmen Plastikflaschen, und ein Mann bettelt inmitten des Fußgängerstroms unter Tränen um Geld für seine offensichtlich krank unter einer Decke liegenden Frau… (Text und Fotos: HALLO LÜBBECKE / Sabine und Wilfried Mattner)

 

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