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Réunion: Rohdiamant an Afrikas Zipfel

Wer weißen Pudersand und Palmen am Meer erwartet, der ist auf der Insel "Réunion" leider falsch. Die Insel im Südosten Afrikas, die seit 1946 ein Département Francais d’Outre-Mer (DOM: französisches Übersee-Département) und als solches im französischen Parlament vertreten ist, ist alles andere als ein Paradies für Strandgänger und Romantiker. Strände findet der Urlauber lediglich an der Westküste – die Ostküste wird stattdessen von Felsen und steilen Küstenabgängen gesäumt, an denen die Wellen zerbrechen. Zerklüftete Buchten säumen ihre Küste. Regelmäßig warnen Schilder vor gefährlichen Strömungen, und auch Haie gehören zu den Küstenstreifen der Insel.

Wem diese Umstände bewusst sind – und so viel sei an dieser Stelle bemerkt: Mir waren sie es nicht! – der wird seinen Urlaub auf der Réunion unter einem anderen Stern vorbereiten. Statt zu baden und in der Sonne zu brutzeln, rufen dann die unzähligen Freizeitaktivitäten, die dieses Fleckchen Erde zu bieten hat.

Als Vulkaninsel beherbergt die Réunion den aktivsten Vulkan weltweit. Ausbrüche erfolgen auf der Insel regelmäßig – zuletzt in 2009 – und führen zu unglaublichen Naturspektakeln. In ruhigen Zeiten ist die Landschaft um den Piton de la Fournaise (der Vulkan) eine der Touristenattraktionen der Insel. Diverse Wanderwege, die für jedes Fitnesslevel etwas zu bieten haben, führen den Besucher bis zum Rande des Kraters.

Wie auf dem Mond

Wer lediglich einen Tagesausflug begehen möchte, nähert sich dem „Piton“ mit dem Auto. Nach einer kurvenreichen Anfahrt, die auf den letzten zehn Kilometern nur noch aus einer Schotterpiste besteht, eröffnet sich im Tal eine mondähnliche Landschaft. Während der rote Sandboden links und rechts der Straße eingangs noch von grüner trockener Vegetation gespickt ist, ist der Boden am Fuße des Vulkans nur noch mit einer dicken Schicht erkalteter Lava bedeckt, die - so scheint es -, keinen Raum für eine Vegetation bieten möchte.

Die leichteste der Wanderungen auf den „Piton“ beginnt mit unzähligen anderen Touristen auf dem großen Parkplatz zum Eingang der Tiefebene. Von dort begibt sich der Besucher eine enge, steile Treppe und sagenhafte 572 Stufen hinab, bis er in der Einöde angekommen ist. Von dort heißt es immer geradeaus, den Blick fest auf den Vulkan gerichtet, der bei frühzeitigem Beginn der Wanderung noch klar zu sehen ist. Später am Tag wird er in tiefen Wolkendecken verschwinden. Die Wanderung führt über ungleichmäßiges Geröll und nach gut 1,5 Stunden Fußmarsch steil den Vulkan hinauf. Nach 2,45 Stunden erreicht der durchschnittliche Wanderer die Spitze des Vulkans.


Bildergalerie

UNESCO-Weltnaturerbe

Doch so klein die Insel ist – vier bis fünf Stunden Autofahrt führen den Besucher einmal um die Insel herum –, so vielfältig ist sie auch. Neben einer atemberaubenden Vulkanlandschaft ist die Réunion ein unerwartet grüner Fleck Erde. 40 Prozent ihrer Landesfläche gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und sind Herberge für eine unvorstellbare Anzahl an Vegetation und Arten. So sind allein 30 Prozent des Inselgebietes noch mit heimischen Bäumen bedeckt.

Nur ein kurzes Stück hinter der Küste geht es bereits steil in die Berge hinauf. Die Insel ist gesäumt von Hügeln und Bergen, die wiederum durch steile Schluchten voneinander getrennt sind. Hier haben sich Wasserfälle ihren Weg gesucht, ergießen sich Bäche und Bassins, die einen ehrwürdigen Ersatz für die fehlende Strandpracht bieten.

Ihre Kulisse bietet Outdoor-Fans unzählige Möglichkeiten. Paragliding ist eine davon. An guten Tagen zählt man allein in dem kleinen Ort St. Leu an der Westküste der Insel stetig 10 bis 15 Schirme am Himmel. Außerhalb der Regensaison, die zwischen November und Februar liegt, gehört auch das Canyoning zu den beliebten Aktivitäten, bei der meterhohe Sprünge ins kalte Nass sowie das Abseilen in Schluchten oder entlang eines Wasserfalls dazu gehören. Für die etwas ruhigeren Gemüter gibt es unzählige Wanderstrecken, die sich über mehrere Tage erstrecken können und von Hütte zu Hütte führen.

Doch neben all ihren Naturwundern und ihrer landschaftlich atemberaubenden Schönheit bleiben die Bewohner der Insel unvergessen. Bei einer Arbeitslosenquote von knapp 30 Prozent und einer städtischen Kulisse, die eindeutig zeigt, dass das Geld rar ist, gibt es nur selten einen Ort auf der Welt, an dem seine Bewohner eine solch aufrichtige Herzlichkeit ausstrahlen wie hier.

Für die Réunionesen steht die Familie im Mittelpunkt der freizeitlichen Aktivitäten. Familien treffen sich vor allem an den Wochenenden zu zahlreichen Picknicken am Strand oder entlang der Bäche und Wälder. So scheint das Rezept für absolute Zufriedenheit nicht der Reichtum und Eifer nach Karriere und Aufstieg zu sein, sondern das Miteinander in der Familie und mit Freunden. Und gutes Essen in der Natur zu genießen bei ganzjährig 30 Grad und strahlendem Sonnenschein.

Bei dem Gedanken zurück an die Zufriedenheit und Herzlichkeit der Réunionesen wird dem deutschen Ex-Touristen selbst nach der Rückkehr in den kalten deutschen Winter noch einmal warm ums Herz. (Text und Fotos: Britta Mattner)

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