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Dublin: Stadt - nicht nur - der Pubs

Günstig einen Flug buchen, dann mal eben für 48 Stunden in eine europäische Metropole jetten: Diese Art zu reisen liegt voll im Trend. Wir folgen ihm ebenfalls und entscheiden uns für einen Kurztrip nach Dublin.

Von Köln-Bonn aus geht es in einer Stunde und 35 Minuten in die irische Hauptstadt. Auf der Suche nach einem Bett für zwei Nächte sind wir auf einem Internetportal für Anbieter von Privatzimmer fündig geworden. Wir haben uns diesmal also gegen einen Hotelaufenthalt und für privaten Kontakt entschieden - ein kluger Entschluss, denn so profitieren wir vom Wissen und der Kenntnis unserer Gastgeber über alles, was Dublin angeht.

So haben uns Hans und Deidre zuvor genau geschrieben, wie wir vom Flughafen günstig und gut in die City zu ihnen kommen. Deshalb haben wir jeweils 3,30 Euro passend parat, steigen am Flughafen in den Local Bus 16 und bekommen in gut einer Stunde Fahrzeit einen ersten Eindruck von der irischen Hauptstadt. Nach einigem Suchen - der Stadtplan im Reiseführer ist recht grobkörnig im Hinblick auf die manchmal kleinen Gassen - stehen wir vor unserem Ziel: einem Reihenhaus, wie es tausende von ihnen in Dublin gibt, viele mit den charakteristischen farbenfrohen Türen und der "Schornstein-Parade" auf den Dächern. Sie wirken, als duckten sie sich für dem allgegenwärtigen scharfen Wind. Und wir wundern uns über mediterrane Pflanzenwelt und viele, schon blühende Blumen. Geschuldet ist dies dem Golfstrom, der Frost und Schnee meist von Irland fernhält.

Unsere Gastgeber sind überaus freundlich, das Zimmer im Souterrain warm und sauber, und mit den ersten Tipp, wo man gut essen und trinken kann, machen wir uns auf Erkundungstour. Probleme mit der Sprache gibt es bei unseren Gastgebern keine: Sie sprechen langsam und akzentuiert, so dass wir mit unserem erweiterten Schulenglisch bestens klarkommen.

Wer 5-Sterne-Luxus haben will, wird mit dieser Art Unterkunft eher unzufrieden sein. Wer aber ein bisschen Familienanschluss auch bei einer Kurzreise haben will und gute Tipps von Einheimischen erhofft, ist mit "Bed & Breakfeast", also Bett und Frühstück, bestens bedient. Und der bekommt dann vielleicht sogar noch tolle Familiengeschichten zum Frühstück serviert. Wie wir von unserem Gastgeber mit deutschem Vor- und Nachnamen, der von seinen deutschen Wurzeln erzählt, davon, wie sich Irin und Deutscher kennenlernen und nach dem Krieg eine gemeinsame Zukunft aufbauen, davon, dass ein Familienmitglied nach dem Mauerbau in Berlin 1961 beruflich bedingt der vermutlich Erste war, der den Checkpoint Charlie von Westen nach Osten passierte. Danke, Hans und Deidre, für Eure Gastfreundschaft.

Unsere Erkundungstour endet natürlich in einem der gefühlten 5.000 Pubs. Hier fließt das Guinness in Strömen, wird starkbierselig gesungen, und am späten Abend gibt's echt irische Musik im Obergeschoss des Pubs. Hier treffen sich ganz spontan Musiker, um ganz spontan gemeinsam zu spielen. Die Stimmung ist blendend, die Bar brechend voll, obwohl überall - das sei ausdrücklich erwähnt - Rauchverbot besteht und alle Raucher vor die Tür müssen: "Don't Smoke" scheint in der irischen Metropole kein Grund dafür zu sein, in der Gastronomie kein Geld zu verdienen.

Bildergalerie

Dem einzigen vollen Tag in Dublin ist weitgehend der Kultur gewidmet. Auf unserem Programm stehen selbstverständlich die St. Patrick's Kathedrale, Dublin Castle mit der angeschlossenen unvergleichlichen Beatty-Sammlung von Kunstwerken und alten Schriften aus Asien, das moderne, aber noch seltsam seelenlos wirkende Smithfield-Areal, in dem zumindest die historischen Jameson-Whiskey-Distillery für Atmosphäre sorgt, die Party-Meile Temple Bar und die Universität Trinity College mit dem berühmtesten aller irischen Bücher, dem Book of Kells. Wer das sehen will, muss aber bis spätestens 16.15 Uhr sein Ticket gelöst haben, denn danach ist der Eintritt nicht mehr möglich, und um 17 Uhr ist endgültig "Schicht".

Auf dem Weg zu den verschiedenen Zielen - es gibt natürlich noch eine ganze Menge anderer - kann man in den Stadtbezirken rechts und links des Flusses Liffey, der die Stadt teilt, in modernen Malls shoppen und selbstverständlich in Pubs relaxen.

Abgesehen von der Tatsache, dass an jedem Wochenende rund 65.000 meist junge Menschen Dublin "erobern", um hier Party zu machen, sollte man beim Buchen zumindest einen Termin beachten: den St. Patrick's Day 17. März. Wer prallvolle Pubs mit vielfach in Grün gekleideten Menschen mag und Party ohne Ende, ist an dem mit diesem Ereignis verbundenen mehrtägigen Festival in Dublin richtig. Wer etwas wenige Aktion liebt, kann durchaus auf andere Zeiten ausweichen.

Der Touristenblick sollte aber nicht nur den Sehenswürdigkeiten gelten, sondern auch dem weiteren Umfeld. Und da fallen bei genauerem Hinsehen zwei Dinge auf: ein enormer Renovierungsbedarf bei den Immobilien und ein unübersehbares Armutspotenzial; Bettler und Obdachlose gehören überall zum Straßenbild. Sie rekrutieren sich, so erfahren wir, meist aus Zuwanderern insbesondere aus Osteuropa, machen die Situation aber dadurch auch nicht besser. Insgesamt haben wir den Eindruck, dass der Zustand Dublin 2015 die gerade überstandene Wirtschaftskrise widerspiegelt. Wobei es - und das soll nicht unterschlagen werden - Luxusgeschäfte wie in jeder Großstadt ebenso gibt wie beeindruckende Firmenneubauten.

Vergessen werden darf ebenfalls nicht, dass die Preise in Dublin ganz normalen europäischen Level haben. Geschenkt gibt es hier nichts, im Gegenteil. Für ein Pinnt Guinness muss meist 5 Euro und etwas mehr hinblättern, ein Zweigänge-Menü kostet gern mal ab 25 Euro aufwärts, wenn es nicht in einer Angebotskarte mit günstigeren Preisen gelistet ist, eine Flasche Wein gibt es meist ab 30 Euro aufwärts.

Ein bisschen Dublin haben wir uns für einen weiteren Besuch aufgespart; und dann soll es mit einem Mietwagen auch hinaus ins Land gehen zu den Wind und Wellen umtosten Klippen, zu Schlössen, Gärten und Ruinen, die für die Geschichte dieses Landes stehen.