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Dem Sommer auf der Spur auf Korfu

Immer, wenn der Sommer in unseren Breitengraden „Ferien macht“ vom Sommer, wächst in der Regel das Bedürfnis nach Sonne, Wärme, lauschigen Abenden in einer kuscheligen Loungeecke unter einem freien purpurfarbenen Nachthimmel. Wer noch keinen Urlaub gebucht hat, wird bei sommerlichem Dauerregen und schlappen 15 bis 18 Grad dann vermutlich schnell mal bei einem Last-Minute-Angebot in Richtung Süden zugreifen. 

Die griechische Insel Korfu ist eine echte Alternative zum „Sommer“ in Deutschland. Sie ist eine der Ionischen Inseln und gilt als die grünste Griechenlands. Wir können nach sieben Juli-Tagen Aufenthalt bestätigen: Sie ist sehr grün, es ist wunderbar warm an Land und im Wasser, und die Nächte sind genau so, wie man sie sich für den Sommer in Deutschland wünscht. 

Wir wollten Strandurlaub und die Insel entdecken – und hatten deshalb als Standort ein Mittelklassehotel direkt am Strand von Moraitika gebucht. Das bot sich ideal an für einen abendlichen Bummel von Taverne zu Bar zu Restaurant bei frischer Luft – deutlich erholsamer jedenfalls als ein Bummel an der stark befahrenen Durchgangsstraße im Ort selbst. 

Auto mieten

Korfu kann man idealweise selbst im Mietwagen erleben. Den kann man von Deutschland aus mieten, sehr gut aber auch direkt vor Ort. Es gibt jede Menge Anbieter. Achten sollte man vor allem darauf, dass man „Kilometerfreiheit“ hat und Versicherungsschutz ohne Selbstbeteiligung. Das ist meist zwar ein paar Euro teurer, zahlt sich im Falle eines Falles aber sicher aus. Wer „Spasss“ haben will, bucht einen Jeep mit aufklappbaren Verdeck. Das garantiert immer Frischluft und ermöglicht abwechslungsreiche Abstecher auch auf schlechte Straßen. 

Straßen

Korfu ist nicht sehr groß: Rund 90 Kilometer sind es von der Südspitze bis ans „Nord-Cape“. Allerdings gibt es keine Autobahnen, und auch die größeren Straßen führen immer wieder durch enge Ortschaften. Das ist zwar interessant, macht eine Tour aber zeitaufwändiger. Doch man ist ja im Urlaub und nicht auf der Flucht... Empfehlenswert sind Abstecher rechts und links der Hauptstraßen. Dann erlebt man kleinste Dörfer, engste Gassen, wunderbare Olivenhaine und Weinberge und kann unvergesslichen Ausblicke aufs Meer und in grüne Täler mit den charakteristischen dunklen, schlanken Zypressen genießen. Die Ausschilderung ist manchmal abenteuerlich, die Entfernungsangaben sind es auch, und auf die Genauigkeit des mitgegebenen Kartenmaterials sollte man nicht unbedingt vertrauen. Wer nach Tagen der Erholung Stadtluft braucht, ist in Kerkira (Korfu-Stadt) goldrichtig mit Staus, Hitze, Benzingeruch und Parkplatznot.

Strände

Wasserfreunde haben auf Korfu jede Menge Gelegenheit, sich auszutoben. Es gibt flache Sandstrände und kleine Buchten, in denen man auf Kieseln ins glasklare Wasser gleiten kann, das im Süden sogar bis Badewannen-Temperatur haben kann. Sonnenliegen und Schirme kann man mieten; selbst in der Hauptsaison herrschte daran kein Mangel. Wer nicht so gut zu Fuß ist, dürfte im südlichen Inselbereich am besten aufgehoben sein. 

Sehenswürdigkeiten

Nun hat ja jede unbekannte Region für Besucher eine Menge Neues parat. Tipps aus dem Reiseführer sind da hilfreich, aber nicht unbedingt ein Muss. Das wird einem spätestens klar, wenn man bei schwülen 35 Grad in einer langen Schlange vor der Kasse des Achilleion steht. Die legendäre Kaiserin „Sissi“ ließ sich das Schlösschen bauen, später war der deutsche Kaiser Wilhelm II. hier Hausherr. Kunsthistorisch wird Achilleion zwar als „belanglos“ beschrieben. Aber Geschichte, wirklich schöner Garten und tolle Aussicht machen es zur meistbesuchten Sehenswürdigkeit der Insel – auch „dank“ der Besuchermassen, die von den in Korfu-Hafen anlegenden Kreuzfahrtschiffen hierher gefahren werden. 

Wer das Schlösschen dennoch sehen will, sollte möglichst früh am Morgen da sein – und bewegt sich dann nicht nur auf blaublütigen Spuren, sondern auch auf denen von James Bond. Denn das Schlösschen, das in den 1960er Jahren mal Spielcasino war, wurde in genau dieser Funktion als Schauplatz im Bond-Streifen „In tödlicher Mission“ genutzt. Auf Korfu gab es für diesen Film noch weitere Drehorte. Das Bergdorf Pagi im Nordwesten gehört dazu. Vor dem Café kippte damals die gelbe Ente um, in der Roger Moore als Bond flüchtete. Heute heißt sie „Spiros – Bond 007 – Café – Bar“. Jimmy und Eleni servieren Snacks und Getränke, an den Wänden hängen Bilder von Filmszenen und auf der Leinwand läuft „In tödlicher Mission“ in Dauerschleife.

Bildergalerie

Nicht weit entfernt, aber nicht leicht zu finden ist das Kloster Pantokrátoras Chamiloú. Es ist eine überaus sehenswerte Anlage, die von den hier lebenden und arbeitenden Nonnen gehegt und gepflegt wird. Höchst interessant ist gerade auch die Wandmalerei, die von den Schwestern selbst gestaltet wurde. Fragen zu Geschichte von Kloster und Bildern werden kompetent und sehr freundlich beantwortet. 

Wer Sonnenuntergänge liebt, muss einfach nach Pelekas. Hier wartet oben auf dem Berg „Kaisers Throne“, benannt nach Kaiser Wilhelm II., der hier schon der untergehenden Sonne zuschaute. Von seinem Ausblick aus hat man einen unvergleichlichen Blick auf die Insel, im benachbarten Hotel-Restaurant kann man der sinkenden Sonne bei einem „Sun-Downer“ zusehen.

Einen Abstecher in jedem Fall wert ist Paleo Perithia etwas unterhalb des Berges Pantokrátoras. Erstens ist die Anfahrt wegen der Vielzahl an Kurven und Ausblicken ebenso anspruchsvoll wie beeindruckend. Und zweitens warten oben die Reste eines venezianischen Dorfes, in das allerdings langsam wieder gastronomisches Leben einzieht. Zwischen den verfallenden Häusern fühlt man sich unweigerlich wie „im Film“ und erwartet jederzeit Westernhelden und Gangster – diesen spannenden Ruinen-Rundgang sollte man sich nicht entgehen lassen. 

Gastronomie

Der griechischen Küche eilt nicht gerade der Begriff „Gourmet“ voraus. Aber: Sie ist viel mehr als Gyros und Souflaki. Getestet und für sehr gut befunden haben wir „The Village Taverna“ im alten Teil von Moraitika. Hier den Wirt nach Spezialitäten fragen – und man hat eine „Explosion“ an Geschmack und Qualität zu vergleichsweise günstigem Preis auf dem Teller. Fischfans sollten die kleine Küstenstraße von Messonghi nach Petriti nehmen und im Bereich Boukaris speisen. Hier kann man direkt am oder über dem Meer frischeste und exzellent zubereitete – und sogar selbst ausgesuchte - Meeresfrüchte genießen. Dazu kommen frisches Gemüse und Salate auf den Tisch. 

Resümée

Korfu bietet Sehenswürdigkeiten und Erholung gleichermaßen. Unverkennbar ist leider die Tatsache, dass die Insel wie das gesamte Land wirtschaftlich leidet. Viele Bauprojekte sind angefangen, mittendrin aber aufgegeben worden, es stehen ganze Ladenzeilen leer, Häuser verfallen, der Sanierungsstau ist unübersehbar. Warum sich gerade in touristischen Zentren stinkender Müll massenhaft am Straßenrand stapelt und nicht entsorgt wird, hat sich uns nicht erschlossen. Das gilt auch für die Tatsache, dass Strandabschnitte, die sich zum Flanieren bestens eigenen würden, nicht entsprechend gestaltet werden. Wie und dass das besser geht, haben Spanien, Portugal, Frankreich und auch die Türkei längst - und erfolgreich - bewiesen.

Sicher: Griechenland braucht Geld, viel Geld. Was es aber insbesondere braucht - auch mit Blick auf den so wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus -, sagte uns der Wirt der „Village Taverna“: „Griechenland braucht Menschen, die mit Herz und Freude arbeiten. Daran fehlt es besonders.“ Wer dem Land und seinen Menschen helfen will, sollte - wenn es geht - auf All-Inclusive verzichten. Denn Restaurants und Bars leiden spürbar unter ausbleibenden Gästen.

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