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China: Xi'an

Asien ist für Rainer Fäth und seine Frau Margit schon lange kein unbekannter Erdteil mehr. Bereits mehrere Reisen hat das Lübbecker Ehepaar dorthin unternommen. Die jüngste führte wieder einmal nach China. Hier ihr Erfahrungsbericht:

Nach Schanghai liegt die zweite Station unserer Reise gut 2 Flugstunden (1 600 km) westlich von Peking, wurde vor etwa 3 000 Jahren gegründet und ist heute eine moderne Industriestadt mit 7 Mio Einwohnern: Xi'an war unter der Qin-Dynasie (221 - 206 v.Chr.) die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und von der Fläche und Einwohnerzahl her während der Tong-Dynastie (618 - 907) die größte Stadt der Welt (ca. 80 km² / 1 Mio Einw.).

Im Flughafen begrüßt uns der für die nächsten zwei Tage für unsere Gruppe verantwortliche Reiseleiter Jianjun Yuan, der uns bittet, ihn doch Johannes zu nennen. Er habe ohnehin in Deutschland katholische Theologie studiert und ursprünglich Priester werden wollen. Dann aber sei seine jetzige Frau in sein Leben getreten, und er habe sich beruflich umorientieren müssen. Vom Wesen her empfinden wir Johannes als einen sehr angenehmen Zeitgenossen, der bestens auf die Mentalität der Langnasen eingestellt ist. Auf dem Weg in die Innenstadt lässt er der Bus vor einem Restaurant halten, wo Plätze für uns vorbestellt sind. Serviert werden ausschließlich Nudelspezialitäten, die hier eine lange Tradition hätten, werden wir belehrt. Sogar der venezianische Kaufmann und Weltreisende Marco Polo sei von diesen Speisen begeistert gewesen und habe die Rezepte im 13. Jahrhundert nach Italien exportiert. Uns munden die Teigwaren ausgezeichnet - zur Freude des Personals.

Unsere Herberge, das innerhalb der historischen Altstadt gelegene Hotel "Grand New World", ist eine Adresse zum Wohlfühlen. Die architektonisch geschickt gestaltete Eingangshalle mit Bezug zur Geschichte der Stadt präsentiert sich weitaus anspruchsvoller als die unseres Pekinger Hotels. Deutlich gemütlicher sitzt man auch in der Bar, wo wir uns noch einen Schlaftrunk gönnen. Allerdings ist bei Rainer und François die aufgekommene Müdigkeit ein wenig verflogen - ständig defilieren die bildhübschen Barmädchen in aufregend kurzen Röcken an ihnen vorbei. Schließlich gibt Margit das Kommando zum Aufbruch - am nächsten Tag erwartet uns ein umfangreiches Besichtigungsprogramm.
Das beginnt mit einer Busfahrt in östlicher Richtung, wo uns nach 40 km Fahrt eine der Hauptattraktionen unserer Chinareise erwartet - die berühmte unterirdische Terrakotta-Armee, welche in dem Dorf Xijang während einer Brunnenbohrung im Jahre 1974 von Bauern zufällig entdeckt wurde. Dass uns just an diesem Vormittag Regen überrascht, stört uns keineswegs, denn die Gruben sind von großen Hallen mit lichtdurchlässigen Dächern überbaut. Aufgestellt wurde die Terrakotta-Armee bereits ab 274 v.Chr. durch den Herrscher Qin Shihuang, der mit den Tonkriegern seine Macht auch im Jenseits sichern wollte. Bisher wurden mehr als 3 000 Soldaten und Pferde und mehr als 40 000 Waffen ausgegraben, weitere 5 000 der zwischen 110 und 300 kg schweren Figuren sollen noch im Erdreich verborgen sein. Aus einiger Entfernung können wir die mühevollen und aufwendigen Restaurationsarbeiten der oft beschädigten oder zerstörten Figuren beobachten. Kaum zu glauben - die Gesichtszüge aller Tonkrieger sind durchweg unterschiedlich gestaltet.
In einem Museumsbau mit den hierzulande wohl unvermeidlichen Verkaufsständen findet man einen der Bauern an einem Schreibtisch sitzen, die seinerzeit als junge Männer auf die Terrakotta-Krieger gestoßen sind. Inzwischen ist er ein älterer Herr geworden, der fleißig die in mehreren Sprachen erschienenen Bücher über die Terrakotta-Armee signiert - und offenbar mit dieser Tätigkeit sein gutes Auskommen hat. Natürlich erstehen auch wir ein Exemplar mit einliegender DVD; 200 Renminbi (Yuan) müssen wir dafür hinblättern.
Die Rückfahrt nach Xi'an bietet uns bei inzwischen besserem Wetter die Möglichkeit, die gewaltige Stadtmauer, welche die ursprüngliche Innenstadt in Form eines Rechtecks von insgesamt 13,6 km Länge umschließt, näher in Augenschein zu nehmen. Der während der Ming Dynastie im 14. Jahrhundert erstellte Steinwall wurde in den 1980er Jahren renoviert und ist heute die besterhaltene Stadtmauer Chinas und überdies die längste der Welt. Ihre Höhe beträgt 12 m, ihre Breite am Sockel 18 m und an der Krone 12 m. Vier Stadttore sicherten früher den Zugang, 98 noch vorhandene Wachttürme komplettierten den Schutz der Stadt. Heute ist das Bauwerk Teil moderner Parkanlagen, die das Zentrum umgeben, in dem vielerorts umfangreiche Baumaßnahmen zur Modernisierung der Innenstadt das Straßenbild bestimmen. Auch hier werden neue U-Bahn-Linien den Straßenverkehr entlasten, erklärt uns Johannes.
Am Abend bleiben wir im Zentrum, wo wir in einem Park Asiens größte Wasserspiele bewundern, deren Fontänen an jedem Abend ab 20.30 Uhr für gut 20 Minuten verschiedenen Musikstücken folgen (Mozart, J. Strauß, auch sehr gefällige chinesische Kompositionen). Ein Augenschmaus, zumal die benachbarte Große Wildganspagode, 64 m hohe Rekonstruktion eines Tempels aus dem Jahre 647, eine prächtige Kulisse abgibt. Natürlich besuchen wir auch den bunten Nachtmarkt, auf dem man so ziemlich alles erwerben kann, was europäischen Touristen unter "typisch chinesisch" einfällt. Auch zahlreiche Bettler wollen von dem geschäftlichen Treiben profitieren und haben sich an Stellen niedergelassen, an denen besonders viele Besucher vorbeigehen.
Am nächsten Morgen heißt es schon wieder Koffer packen, was wir bedauern, denn alle Sehenswürdigkeiten der alten Hauptstadt haben wir natürlich nicht besichtigen können, wie z.B. die Große Moschee oder den etwas außerhalb gelegenen Xingjiao-Tempel. "Beim nächsten Mal !" tröstet uns François, und tatsächlich erscheint uns eine Rückkehr zu gegebener Zeit durchaus im Bereich des Möglichen.