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Vom Ex-Kinderheim zur Orthopädieklinik

Etwa 3.000 Patientinnen und Patienten suchen jedes Jahr die Hilfe der Experten in der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Oeynhausen. Manche kommen, weil sie unerträgliche Schmerzen in den Gelenken haben, andere haben eine Fehlstellung der Wirbelsäule, wieder andere können sich aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung kaum noch bewegen. 200 Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Physiotherapeuten und auch Orthopädietechniker sind hier heute im Einsatz, um Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit wieder herzustellen und den Menschen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, sei es durch konservative oder operative Therapien.

„Wir bewegen Sie - Sie bewegen uns“, das ist darum das selbstgewählte Motto des Jubiläumsjahres 2013. „Wir haben dieses Motto sehr bewusst ausgewählt“, erklärt Dr. Olaf Bornemeier, Geschäftsführer der Auguste-Viktoria-Klinik GmbH. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben jeden Tag persönliche Schicksale von Menschen, die kaum noch ihr Zuhause verlassen können oder die nicht einmal mehr daran denken können, ihre Schuhe selber zu schnüren. Dies bewegt uns und wir möchten mithelfen, dass sie ihre Bewegungsfähigkeit weitestgehend zurück erlangen können.“

Etwa 3.000 Patientinnen und Patienten suchen jedes Jahr die Hilfe der Experten in der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) in Bad Oeynhausen. Bewegende Geschichte

Die AVK oder „die Auguste“, wie sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liebevoll genannt wird, hat auch selbst eine bewegte Geschichte hinter sich. Eröffnet wurde sie 1913 als Kinderheilanstalt. Die in Bad Oeynhausen erscheinende Zeitschrift „Der Kurgast“ schrieb damals: „Etwas Schöneres als diese licht- und luftdurchfluteten Schlafsäle mit ihren schneeweißen Bettchen, die mit köstlichen bunten Märchenfliesen geschmückten Spielräume, der prachtvolle Badesaal mit seinen 16 Emaillewannen gibt‘s gar nicht.“ Kinder, die an einer Skrofulose erkrankt waren, einer weit verbreitete Haut- und Lymphknotenerkrankung, die die Kinder als Folge einer Infektion mit Tuberkelbazillen befiel, wurden hier aufgenommen. Dazu kamen Kinder mit Schmier- und Schmutzinfektionen, die durch die damaligen unhygienischen Wohnverhältnisse entstanden waren. Das Auguste Victoria Kinderheim war vor allem für Kinder aus minderbegüteten Familien ohne Rücksicht auf deren Konfession, vorzugsweise jedoch aus dem Regierungsbezirk Minden da. Ihren Namen hatte sie von der damaligen deutschen Kaiserin, der Frau Wilhelms II erhalten, die „huldvollst“ ihre Zustimmung für die Namenspatronage gab.

Bürgerschaftliches und soziales Engagement

Der Verband der Vaterländischen Frauenvereine des Kreises Minden hatte bereits 1912 den Trägerverein „Kinderheilanstalt Bad Oeynhausen“ zur Bekämpfung von Kinderkrankheiten gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren aufgrund eines Aufrufes bereits rund 150.000 Mark gespendet worden. Für 25.000 Mark konnte ein 15.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Kanalstraße in Bad Oeynhausen erworben werden. Hier steht die AVK noch immer – heute allerdings in stark erweiterter Form. Zwischen 1914 und 1920 diente das Haus als Lazarett für im ersten Weltkrieg verwundete Soldaten, danach wieder als Kinderheim und im zweiten Weltkrieg wieder als Lazarett und schließlich sogar als britische Kaserne. 1954 begann ein Neuanfang. Aus „der Auguste“ wurde eine Einrichtung zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die an Kinderlähmung und ihren Folgen litten. Etwa zehn Jahre währte diese Phase, dann setzten sich die positiven Folgen der Polio-Prophylaxe durch. Es gab immer weniger Patienten, die an Kinderlähmung litten und die Auguste-Viktoria-Klinik wandelte sich zu einem orthopädischen Fachkrankenhaus mit eigener Operationsabteilung, Physiotherapie  und einer eigenen Technischen Orthopädie. 1970 betraten die Mediziner Neuland: Das erste künstliche Hüftgelenk wurde in der AVK implantiert. „Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Kraft und mit welcher Weitsicht unsere Vorgänger handelten“, stellt Dr. Michael Vahldiek, Ärztlicher Direktor der AVK und Chefarzt der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, fest. „Dass es ihnen dabei gelang, stets das Patientenwohl in den Mittelpunkt zu stellen, ist für uns heute Ansporn und Verpflichtung zugleich.“ Pflegedirektorin Janin Tacke ergänzt: „Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Pflegerische und medizinische Innovationen und ökonomische Zwänge mussten auch schon vor 100 Jahren in Einklang miteinander gebracht werden. Und das macht uns in der AVK aus, dass wir uns immer wieder neu, zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten, erfinden können.“

Zukunft fest im Blick

Mit dem alleinigen Anteilseigner, der Mühlenkreiskliniken AöR, hat die AVK heute einen der größten kommunalen Krankenhausträger Deutschlands als Gesellschafter. Der enge medizinische Austausch mit den Spezialisten der anderen Häuser der Mühlenkreiskliniken und die Vernetzung im ärztlichen und pflegerischen Bereich sichern auch für die Zukunft die enorm hohe Behandlungs- und Versorgungsqualität der AVK.

Der ständige Erneuerungsprozess bei der AVK geht weiter. In den zurückliegenden Jahren wurden über sechs Millionen Euro in einen erheblichen Ausbau und eine grundlegende Modernisierung der Klinik investiert. „Wir haben mehrere Großprojekte hintereinander realisieren können“, fasst Geschäftsführer Holger Stürmann zusammen. „Unser Sanitätshaus und die Technische Orthopädie haben ein sehr modernes und der Patientenversorgung angemessenes Zuhause bekommen. Der OP-Bereich wurde auf den neuesten Stand der Technik komplett neu gebaut und erweitert, auch unsere Intensivstation haben wir verlegt und dabei auf die modernsten Anforderungen an die Patientensicherheit angepasst.“

Unsere Fotos zeigen oben die Auguste-Viktoria-Klinik, die in den ersten Jahren eine Kinderheilanstalt war - auch für Kinder mit körperlichen Fehlstellungen. Schon 1913 gehörten Bäder und Bewegungselemente mit zum Therapieangebot; Mitte die Kaiserin Auguste Viktoria, die „huldvollst“ ihren Namen zur Verfügung gestellt hatte, als das Auguste-Viktoria Kinderheim 1913 gegründet wurde. Auf dem Foto ist sie mit einem ihrer Enkelsöhne zu sehen; unten Dr. Michael Vahldiek, Ärztlicher Direktor der AVK und Chefarzt der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie, Holger Stürmann, AVK-Geschäftsführer, Prof. Dr. Christian Götze, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Orthopädie, Janin Tacke, Pflegedirektorin der AVK, Wilhelm Henneking, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichrates der AVK, Dr. Olaf Bornemeier, Geschäftsführer der AVK und Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken, im Jubiläumsjahr 2013. (Text: Ulrike Meyer auf der Heide – Mühlenkreiskliniken AöR / Fotos: MKK und AVK

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