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Sim-Mom hilft, Krisen zu meistern

Die Stimmen gehen durcheinander, werden lauter, dazu das Stöhnen der werdenden Mutter. Das Behandlungsteam ist sich offenbar nicht ganz einig. „Müssen wir noch Wehenmittel verabreichen?“, fragt jemand aus dem geburtshilflichen Team. „Nein, auf keinen Fall!“, ruft der Geburtshelfer.

Krise und Reaktion

Die „Sim-Mom“, wie die Simulationspuppe meist in der englischen Kurzform genannt wird, ist mit einem Rechnersystem verbunden. Der Anästhesist und der Kindsvater gucken betroffen, ängstlich und ratlos. Die werdende Mutter bekommt von all dem nichts mit. „Stop, stop, stop!“, klingt es da plötzlich aus dem Hintergrund. „Hier muss ich eingreifen.“ Sofort hört die werdende Mutter auf zu stöhnen und alle an der Geburt Beteiligten blicken zu Martina Höfel, Leiterin der Hebammenschule an der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken – auch der nicht ganz echte Kindesvater.

Martina Höfel hat soeben eine Simulation abgebrochen und per Knopfdruck die Simulationspuppe zum Schweigen gebracht. Jetzt müssen die Trainingsteilnehmer sich kurz zusammensetzen. Gemeinsam entwickeln sie eine Strategie, wie sie die simulierte Krise besser hätten lösen können. In dieser Übung in der Hebammenschule ging es um die angemessene Dosis des Wehenmittels. Mit der neuen „Sim-Mom“ können aber auch hochkomplexe Szenarien für interdisziplinäre Teams trainiert werden.

Möglich geworden sind solche Übungseinheiten für werdende Hebammen und für gestandene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken und Instituten durch die Hilfe des Fördervereins des Eltern-Kind-Zentrums. Etwa 25.000 Euro konnte er aus den Spenden seiner Mitglieder und Förderer aufbringen, um diese Simulationspuppe anzuschaffen. „Für uns ist das eine ganz neue Dimension in der Aus- und Weiterbildung“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Cirkel, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Johannes Wesling Klinikum Minden. „Die Puppe ist so gut, dass unsere interdisziplinären Teams aus Gynäkologen, Anästhesisten und Hebammen immer wieder fast vergessen, dass es nur ein Training ist. Das verdanken wir der tollen Unterstützung des ELKI-Fördervereins.“

Die „Sim-Mom“, wie die Simulationspuppe meist in der englischen Kurzform genannt wird, ist mit einem Rechnersystem verbunden. Hier sind bestimmte Szenarien hinterlegt und weitere können programmiert werden. Ganze Krankengeschichten von werdenden Müttern lassen sich abspeichern. Über einen Computer und ein Mikrofon im Nachbarzimmer können die Simulationsleiterinnen dann die Geburtssimulation starten. Der Brustkorb der Puppe hebt und senkt sich mit Hilfe eines Kompressors, per Mikrofon und Lautsprecher kann sie sogar sprechen. Außerdem haben die Trainingsteilnehmer die normalen Überwachungsmonitore zur Verfügung, auf denen die Vitalparameter der Mutter und des Kindes angezeigt werden.

Lernerfolg im Mittelpunkt


Martina Höfel, die Leiterin der Hebammenschule in der Akademie für Gesundheitsberufe ist noch immer ganz begeistert. „Schulterdystokie, Blutung oder Beckenendlage - wir können die Trainingsteilnehmer mit fast jeder kritischen Geburtssituation konfrontieren. Sie müssen dann entscheiden, welche Medikamente verabreichen sie, muss eine Umlagerung der Mutter vorgenommen werden, oder, oder, oder.“

Je nachdem, welche Entscheidung getroffen wurde oder wie viel Zeit verstrichen ist, geht das Szenario weiter. „Hier können wir unseren Teilnehmern in interdisziplinären Weiterbildungen deutlich klarmachen, welche Konsequenzen eine Fehlentscheidung oder mangelnde Kommunikation im Team haben kann“, erläutert Höfel. „Das ist dann manchmal ein richtiger Schock, aber einer ohne echte Folgen. Das ganze Team hat dann die Möglichkeit, die Szene nachzubesprechen, Fehler zu analysieren, Missverständnisse aufzudecken und Lösungen zu finden. Je nach Fehler kann die Situation auch wiederholt werden.“

Videoanalyse

Zusätzlich wird so eine Trainingsgeburt auf Video aufgenommen und anschließend gemeinsam analysiert. Neben den fachlich medizinischen und pflegerischen Aspekten können die Teilnehmer auch überprüfen, wie sie in der Situation mit Mutter und Vater umgegangen sind. Wurden diese mit einbezogen in das Geschehen und wurde ihnen erklärt, was gerade passiert? „Das Tolle an dieser Puppe ist, dass wir, nachdem ein Fehler passiert ist, die gleiche Situation noch einmal durchspielen können. Unsere Schulungsteilnehmer gehen also nicht nach Hause mit dem Gefühl, sie hätten etwas falsch gemacht, sondern sie haben gelernt, was das Richtige ist.“

Und tatsächlich: Auch eine Säuglingspuppe gehört mit zu der Simulationsanordnung. Wie sollte es anders sein – Wenn die „Sim-Mom“ ihr Kind auf die Welt gebracht hat, sind alle Teilnehmer erleichtert und berührt und ein Lächeln liegt auf fast allen Gesichtern. Auch bei Pascalle Fahrenkamp, der ersten Vorsitzenden des ELKI-Fördervereins. „Das ist wirklich faszinierend, wie echt die Fachleute hier mit dieser Puppe arbeiten können. Ich freue mich sehr, dass wir helfen konnten, die Ausbildung des kompletten geburtshilflichen Teams vom Anästhesisten über die Hebammen, den Gynäkologen bis zum Kinderarzt weiterzuentwickeln."

In der Akademie für Gesundheitsberufe, die die neue Heimat der „Sim-Mom“ geworden ist, freut man sich auch über die neue Bewohnerin, die auch über die Grenzen des Mühlenkreises hinaus interessierte Fachleute anlocken wird. Erste Trainingskurse für Mitarbeiter anderer geburtshilflicher Abteilungen sind bereits in Planung. (Text: Steffen Ellerhoff - Mühlenkreiskliniken AöR)

Förderverein ELKI e.V.


Kontakt
:Prof. Dr. Ulrich Cirkel

Chefarzt der Klinik für

Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Tel. 0571 / 790 - 41 01

Fax 0571 / 790 - 29 41 00


frauenklinik-minden@muehlenkreiskliniken.de

www.muehlenkreiskliniken.de

www.foerderverein-elki.de
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