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Schlaganfall: Die Signale ernst nehmen

Es war eine unruhige Nacht im Sommer 2012 für Jörg Behrens. Er wurde wach und hatte ein seltsames Gefühl in der ganzen linken Körperhälfte. Seine Reaktion: Er nahm eine Aspirin-Tablette und legte sich wieder hin. „Ich habe das zunächst überhaupt nicht ernst genommen“, beschreibt der 47-jährige Geschäftsmann diese Erfahrung. Eine typische Reaktion vieler Patienten, weiß Prof. Dr. Peter Schellinger, Chefarzt der Kliniken für Neurologie und Geriatrie am Johannes Wesling Klinikum Minden (JWK). „Gerade Männer neigen dazu, so ein Kribbeln oder auch Taubheitsgefühle in den Armen und Beinen zunächst herunterzuspielen. Dabei sind das sehr ernst zu nehmende Warnsignale für einen Schlaganfall.“

Zwei Tage später konnte Jörg Behrens seine Symptome nicht mehr länger ignorieren. Am Frühstückstisch ging plötzlich gar nichts mehr. „Ich wollte aufstehen, aber meine linke Körperhälfte spielte nicht mit und ich bin einfach vornübergekippt.“ Schließlich ließ er sich in die Notaufnahme des JWK bringen. „Da ging es mir dann schon wieder ganz gut und ich war kurz davor, wieder nach Hause zu gehen.“ Eine tückische Situation, weil Patienten zur Verharmlosung der praktisch immer schmerzlosen Schlaganfall-Symptome neigen“, so die Einschätzung von Professor Schellinger. „Durch unsere Untersuchungen haben wir herausgefunden, dass Herr Behrens einen akuten Schlaganfall im Hirnstamm, dem kritischen Übergangsbereich vom Gehirn zum Rückenmark, erlitten hatte.“

Schlaganfälle haben häufig ein ähnliches Muster: In den Blutgefäßen vor dem Hirn, im Gehirn oder aber im Herzen bilden sich Gerinnsel, die vor Ort einen Verschluss verursachen oder die sich ablösen können und ins Gehirn wandern.Schlaganfälle haben häufig ein ähnliches Muster: In den Blutgefäßen vor dem Hirn, im Gehirn oder aber im Herzen bilden sich Gerinnsel, die vor Ort einen Verschluss verursachen oder die sich ablösen können und ins Gehirn wandern. Wird die Blutzufuhr zu Hirnanteilen durch eine solche Gefäß-Verstopfung unterbrochen, entsteht der akute Schlaganfall.

„Die entsprechenden Hirn-Areale werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt“, erklärt der Schlaganfall-Experte Professor Schellinger. „Zunächst stellen die betroffenen Zellen nur ihren Dienst ein und die Patienten empfinden ein Kribbeln, haben Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle, Sehstörungen oder Sprachstörungen. Dauert die Unterversorgung zu lange, werden die nicht durchbluteten Bereiche irreversibel zerstört.“

Genau darum ist Aufklärung, wie am jährlichen Weltschlaganfalltag am 29. Oktober oder am Deutschen Schlaganfalltag am 10. Mai so wichtig. Die schnelle und richtige Reaktion kann Leben retten und helfen, die langfristigen Folgen insbesondere Behinderungen zu mildern. Schlaganfälle sind zwar in höherem Alter häufiger, können aber in allen Altersgruppen auftreten, fast die Hälfte aller Schlaganfallpatienten ist jünger als 70 Jahre. Die frühe Notfalltherapie in den ersten Minuten und Stunden sowie die direkte Weiterbetreuung auf spezialisierten Einheiten – so genannten Stroke Units – reduziert die Sterblichkeit, vor allem aber den Behinderungsgrad und die Pflegebedürftigkeit nach einem Schlaganfall um 30 Prozent. Mehr als ein Drittel der Betroffenen benötigen nach einem Schlaganfall Unterstützung im täglichen Leben. Nicht selten müssen diese Menschen dann in einem Pflegeheim leben.

Schnelle und qualifizierte Hilfe

“Wir setzen alles daran, das zu verhindern“, stellt der Chefarzt der Klinik für Neurologie fest. “Uns ist es im Johannes Wesling Klinikum Minden in den vergangenen Jahren gelungen, unsere bundesweit beachtete Kompetenz in diesem Bereich weiter auszubauen.“ Als eines der ersten Häuser in Deutschland setzte das JWK auf eine hohe Spezialisierung im Bereich der Schlaganfallbehandlung.

Bereits 1996 wurde hier eine der seinerzeit ersten drei deutschen „Stroke Units“ aufgebaut und von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert. Eine „Stroke Unit“ ist ein Bereich auf einer Intensivstation, in dem gewährleistet ist, dass speziell geschultes ärztliches, pflegerisches und therapeutisches Personal rund um die Uhr zur Verfügung steht. Sollte es zu Komplikationen kommen, kann mit Hilfe technischer Überwachungsmöglichkeiten und speziellen Therapien eine optimale und schnelle medizinische und pflegerische Versorgung des Patienten gewährleistet werden.

Die im Frühjahr frisch rezertifizierte „Stroke Unit“ am Johannes Wesling Klinikum Minden wurde diesen Sommer von 10 auf 14 Spezialbetten erweitert und ist somit eine der größten ihrer Art in Deutschland. „Durch die enge Vernetzung am JWK mit den hoch spezialisierten Nachbardisziplinen, wie Geriatrie, Radiologie, Neurochirurgie und der Kardiologie können wir hier eine hervorragende Schlaganfallpatientenversorgung anbieten“, betont der Chefarzt der Klinik für Neurologie. Jährlich werden mehr als 1200 Patienten mit Schlaganfällen am JWK betreut.

Auch Jörg Behrens wurde nach seinem Schlaganfall auf der „Stroke Unit“ im JWK behandelt. Geblieben ist ihm von seiner Erkrankung nur eine selten auftretende Überempfindlichkeit in der linken Körperhälfte. „Heute kann ich wieder Tennisspielen, Skifahren, und auch die vorübergehende Sprachstörung ist komplett verschwunden.“ Auch bei einer Routinenachuntersuchung stellte Professor Schellinger jetzt fest, dass alles so weit in Ordnung ist. „Herr Behrens hat damals auch Glück gehabt, dass trotz seines Zögerns nach den ersten Symptomen, keine Beeinträchtigungen zurückgeblieben sind.“ „Das ist mir bewusst“, bestätigt Behrens. „Ich bin sehr dankbar für mein Glück und auch die gute medizinische Versorgung nach dem Schlaganfall. Aufgrund meiner Erfahrung kann ich nur alle Menschen auffordern: Nehmen Sie die ersten Symptome sehr ernst und suchen Sie ärztliche Hilfe auf.“

Schlaganfalltest - F – A – S – T 

F – A – S - T steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Der Test gehört mittlerweile auch in Deutschland zur Grundausbildung von Rettungspersonal. Die meisten Schlaganfälle lassen sich so innerhalb weniger Sekunden feststellen.



  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln.
Ist das Gesicht einseitig verzogen? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sinken oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen.
Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Unsere Fotos zeigen oben von links Prof. Dr. Peter Schellinger, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Johannes Wesling Klinikum Minden, Claudia Bartel, Leitende Medizinische Technische Assistentin im Johannes Wesling Klinikum Minden und Schlaganfall-Patient Jörg Behrens bei einer Ultraschall-Untersuchung, darunter links Jörg Behrens, der seinen Schlaganfall gut überstanden hat mit Prof. Dr. Peter Schellinger, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Geriatrie. (Text: Steffen Ellerhoff - Mühlenkreiskliniken AöR / Fotos: MKK)

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