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MKK-Ärzte warnen vor Lauflernwagen

Sie gelten als praktisch und hilfreich für frisch gebackene Eltern: Baby-Lauflernwagen, auch „Gehfrei“ genannt. Einfach das Kind reinsetzen, und schon kann es sich selbständig bewegen. Doch immer wieder passieren damit schlimme Unfälle. Etwa 3.000 sind es pro Jahr bundesweit. In die Kinderklinik des Johannes Wesling Klinikums (JWK) in Minden kommen deswegen alle zwei bis drei Wochen besorgte Eltern mit ihren Sprösslingen. Die immer wiederkehrende Ursache: Ein Sturz mit einem „Gehfrei“.

Wenn Katharina Stobbe aus Stemwede ihren zehn Monate alten Sohn Alexander in seinen „Gehfrei-Wagen setzen will, fängt er sofort an zu schreien. Er will dort einfach nicht mehr rein. Kein Wunder, nach allem, was damit vor wenigen Wochen passiert ist. Katharina Stobbe und ihr Mann Dimitri wollten eigentlich nur schnell zum Getränkemarkt, wie die junge Mutter erzählt: „Das war alles ein bisschen stressig. Wir haben die Kisten aus dem Keller hoch geholt und dabei vergessen, das Sicherheits-Gatter vor der Kellertreppe wieder zu schließen. Alexander saß in seinem „Gehfrei“, rollte auf einmal auf die Treppe zu und stürzte hinunter. Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen, als ich mein Kind dort runter fallen gesehen habe. Ich bin ganz schnell hinterher gelaufen, schreiend und weinend, aber da war er schon auf den Kopf gefallen.“

Sie gelten als praktisch und hilfreich für frisch gebackene Eltern: Baby-Lauflernwagen, auch „Gehfrei“ genannt.Alexander kam sofort in die Kinderklinik

Die Familie ruft sofort einen Rettungswagen, der das Kind nach Minden in die Kinder-Notaufnahme bringt. Hier stellen die Ärzte eine schwere Gehirnerschütterung fest. „Alexander ist leider kein Einzelfall“, erläutert Prof. Dr. Bernhard Erdlenbruch, Chefarzt der Kinderklinik im Eltern-Kind-Zentrum im JWK. „Das Problem ist, dass die Kinder in einem Gehfrei regelrecht gefangen sind. Dadurch fallen sie nicht nur eine oder zwei Stufen, sondern direkt die ganze Treppe hinunter. Hinzu kommt, dass sie sich in dem festsitzenden Geschirr überhaupt nicht selbst reflexartig schützen können“, so Erdlenbruch weiter. „Gehfrei-Wagen sind höchst unfallträchtig. Wir lehnen sie deshalb rigoros ab.“

Bei einem Sturz kann es neben lebensgefährlichen Kopfverletzungen auch zu starken inneren Verletzungen kommen. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, werden die Kinder nach einem solchen Unfall für mindestens eine Nacht stationär aufgenommen. Bei Alexanders Nachuntersuchung im ELKI kann der Chefarzt aber nach ein paar Tests und prüfenden Blicken erklären: „Alles in Ordnung, Alexander scheint den Sturz ohne bleibende Folgen überstanden zu haben.“

Familie Stobbe hat durch den Unfall dazugelernt. Den Lauflernwagen werden sie bei nächster Gelegenheit entsorgen. Alexander lernt das Laufen jetzt sowieso viel lieber an der Hand seiner Mutter. Katharina Stobbe ist überglücklich und dank ar, dass es ihrem Sohn wieder gut geht. „Wir haben richtig Glück und einen echten Schutzengel gehabt.“ Unser Foto zeigt Alexander, der schon wenige Tagen nach seinem schweren Unfall quietschfidel ist und jetzt an der Hand seiner Mutter laufen lernt. (Text: Steffen Ellerhoff – Mühlenkreiskliniken AöR / Fotos: MKK - Privat)

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