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Mehr als nur bohren

Nur wenige Sekunden bleiben meist zwischen dem „Nehmen Sie bitte Platz“ der Assistentin des Zahnarztes und dem Moment, wenn der Zahnarzt den Behandlungsstuhl in die richtige Position bringt. Das genügt nicht, um sich gründlich umzuschauen.

Dabei sind viele Werkzeuge des Zahnarztes rund um eine Untersuchung oder Behandlung ausgesprochen interessant. Franzesco Di Meo (2. Foto von oben), Inhaber der HDM Dentallabor GmbH in Lübbecke, nimmt die Instrumente mal ein wenig genauer unter die Lupe.

Dabei sind viele Werkzeuge des Zahnarztes rund um eine Untersuchung oder Behandlung ausgesprochen interessant. Bevor ein Zahnarzt Patienten untersucht, liegen viele Instrumente sterilisiert und geordnet bereit. Am Anfang stehen drei Instrumente, die das Grundbesteck für eine Untersuchung bilden: Mundspiegel, Sonde und Pinzette.

Mundspiegel: Verborgenes sehen und Kleines vergrößern

Verschiedene Mundspiegel ermöglichen dem Zahnarzt einen Blick auf die Bereiche der Mundhöhle, die mit bloßem Auge verborgen blieben. Spiegel gibt es in verschieden Ausführungen. Flache Spiegel zeigen ein normales Bild der Umgebung. Hohle Spiegel vergrößern das zu betrachtende Gebiet. Eine wärmespeichernde Einlage in den Spiegeln verhindert, dass die Oberfläche beschlägt. Oft wird mit einem Spiegel auch die Wange oder Zunge beiseite geschoben, um eine bessere Sicht zu bekommen.

Sonde: Oberflächen untersuchen

Mit der Sonde wird die Zahnoberfläche vorsichtig untersucht. Die feine Spitze hilft dem Zahnarzt Karies entdecken. Zudem können auch die Kanten von Füllungen oder Kronen daraufhin untersucht werden, ob sie glatt sind oder überstehen. Die klassische Sonde ist nahezu rechtwinklig gebogen. Spezielle Fälle untersucht der Zahnarzt mit Häkchensonden, Messsonden oder biegbaren Sonden. Mit Messsonden wird vor allem der Zahnhalteapparat untersucht.

Pinzette: verlängert die Hand des Zahnarztes

Mit einer Pinzette transportiert oder hält der Zahnarzt Watte in Form von Kugeln oder Rollen. Mit Watte- oder Schaumstoffpallets kann zum Beispiel die Oberfläche eines Zahnes abgewischt oder Speichel abgetupft werden. Zudem werden Fremdkörper, Füllungs- oder Zahnteile mit Pinzetten aus dem Mund entfernt und eingesetzt. Auch Zähne werden manchmal mit Pinzetten angefasst und geprüft, ob sie locker sind.

Gründlich untersucht - und dann?

Jetzt wird der Zahnarzt seinen Patienten darüber aufklären, ob etwas behandelt werden muss. Fast jeder hat dann schon einmal einen Scaler oder Kürette im Einsatz erlebt.

Scharf gegen Zahnstein und Parodontitis

Die Spitzen einer Kürette sind stumpf, doch seitlich befindet sich eine scharfe Kante. Sie ermöglicht, dass Zahnstein in den Zahnfleischtaschen abgeschabt werden kann. Im Gegensatz dazu hat ein Scaler auch eine scharfe Spitze. Zahnstein und andere Beläge sind im wahrsten Sinn des Wortes richtige Härtefälle. Sie zu entfernen erfordert Kraft und Geschick.

Ultraschall

Ultraschallgeräte besitzen vibrierende Spitzen, wodurch. Zahnstein vom Zahn entfernt wird. Die Schallfrequenz liegt über 20.000 Herz. Die Spitze des Utraschallgeräts wird mit Wasser gekühlt, um den behandelten Zahn nicht zu erhitzen. Zähne werden mit Ultraschall im Rahmen der Zahnsteinentfernung bzw. einer professionellen Zahnreinigung behandelt.

Sandstrahler

Während einer professionellen Zahnreinigung wird oft zusätzlich noch mit Hochdruck gereinigt. Ein Mini-Sandstrahler – airflow genannt - spritzt mit Wasser vermischte Salzkristalle, die hartnäckige Verfärbungen von den Zähnen lösen. Die Polierbürste Gummiaufsätze oder Polierbürsten zumeist mit einer Polierpaste glätten die Oberfläche der Zähne wieder. So können sich Kariesbakterien schwerer an die polierten Zähne anheften. Auch Füllungen werden nachdem der Zahnarzt sie eingesetzt hat mit einem Poliergummi geglättet.

Der Bohrer

Der Begriff Bohrer erfasst eigentlich kaum die vielen Funktionen dieses rotierenden Instruments. Die Turbine kann sich bis zu 420.000 mal pro Minute drehen. Mit Diamanten besetzte Bohrer können aus Titan oder Spezialstahl bestehen und durchdringen Zahnschmelz. Da durch Reibung Hitze entsteht, sprühen diese Bohrer zugleich Wasser, um den Zahn zu kühlen. Mit einer eingelassenen Lampe wird die betreffende Stelle angeleuchtet. Doch wenn Karies entfernt werden muss, wird mit Winkelstücken gearbeitet, die mit weitaus niedrigeren Umdrehungen arbeiten.

Wohin mit der Spucke?

Ob der Zahnarzt untersucht oder behandelt: Der Speichel – im normalen Leben wichtig für eine gesunde Mundhöhle – kann stören. Dafür steht dem Zahnarzt-Team der große Absauger und der kleinere „Schlürfi“ zur Verfügung. Ersterer saugt das durch den Bohrer versprühte Wasser auf. Der Speichelzieher – häufig in der Praxis „Schlürfi“ genannt – „zieht“ Speichel und Wasser ab. Beide Instrumente halten die behandelte Region im Mund trocken und übersichtlich. Doch Trockenheit spielt auch bei vielen anderen Schritten eine große Rolle. Die Watterollen saugen den Speichel zum Beispiel beim Legen von Kunststofffüllungen auf. Das ist wichtig, denn Nässe stört den Aushärtungsprozess des Kunststoffes, der mittels Licht in Gang gesetzt wird.

Nicht sauber, sondern rein

Die Instrumente des Zahnarztes werden nach jeder Behandlung desinfiziert und sterilisiert. Hat der Zahnarzt Karies entfernt, desinfiziert er das Loch im Zahn bevor die Füllung gelegt wird. Mit Alkohol werden beispielsweise Kronen gereinigt bevor der Zahnarzt sie einsetzt. Der Patient kann während oder nach der Behandlung einen Becher Wasser nutzen, um Krümel auszuspülen.

Es werde Licht

Die kleine Lampe im Winkelstück des Bohrers ist natürlich nicht die einzige Beleuchtung im Behandlungszimmer. Eine OP-Leuchte leuchtet zielgerichtet in die Mundhöhle.Eine Blende verhindert, dass die Augen der Patienten vom Licht getroffen werden. Ein Lichtkasten dient dazu, konventionelle Röntgenbilder zu betrachten. Daneben können weitere Lichtquellen für spezielle Behandlungen eingesetzt werden. So kann der Zahnarzt mit dem blauen Licht der Polymerisationslampe Füllungen aus Kunststoff aushärten.

Manchmal bewaffnet

Bevor Pistolen zum Einsatz kommen, benötigt man eine Matrize und einen Matrizenspanner. Er zieht ein Stahlband um den Zahn, der eine Füllung erhalten soll. Das Stahlband konturiert die Füllung und verhindert, dass Füllungsmaterialien in die Zahnzwischenräume gerät. Richtig gelesen – auch Pistolen gehören zum Instrumentarium des Zahnarztes. Eine Silikonpistole mischt zwei Silikonkomponenten und spritzt das entstandene Abformaterial in einen Abdrucklöffel. Mit einer Applikationspistole füllt der Zahnarzt zahnfarbenen Kunststoff in das vorab präparierte Loch. Im Anschluss kann der Zahnarzt mit einem Heidemann-Spatel , einem Kugelstopfer oder anderen Instrumenten die Füllung modellieren. Abschließend beißt der Patient mit Ober- und Unterkiefer auf eine farbige Folie. Die Folie färbt die Bereiche der Zähne, die Kontakt miteinander haben. Der Zahnarzt überprüft so die korrekte Höhe der Füllung und kann gegebenenfalls störende Kontakte entfernen.

Tschüss Zahn

Man kann es nicht verschweigen: Es gibt den Fall der Fälle. Man muss sich von einem Zahn verabschieden. Es gibt verschiedene Extraktionszangen für die unterschiedlichen Zähne, zum Beispiel für die einwurzeligen Front- oder die mehrwurzeligen Seitenzähne. Manchmal kommt auch der sogenannte Bein´sche Hebel zum Einsatz. Mit seinem hohlgeschliffenen Ende wird der Zahn oder ein abgebrochenes Wurzelstück erst gelockert und anschließend angehoben. Wie gut, dass Zahnärzte und Zahntechniker für diesen Fall, eine vielfältige Auswahl kaum erkennbaren Zahnersatzes herstellen und einfügen können. (Quelle: Prodente)

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