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Lebensgefahr durch Erdnüsse

Es soll Eltern geben, die mehrmals in der Nacht aufstehen, um nach dem Kind zu sehen. Die Angst raubt ihnen den Schlaf. Atmet das Baby noch? Diese Furcht hat einen Namen: Plötzlicher Kindstod, ein weitgehend ungeklärtes Versterben von Säuglingen oder Kleinkindern, zumeist im ersten Lebensjahr. 

Plötzlicher Kindstod, ein weitgehend ungeklärtes Versterben von Säuglingen oder Kleinkindern, zumeist im ersten Lebensjahr. Eltern können vorbeugen
Erforscht und besiegt ist der Krippentod nicht. Aber Eltern können vorbeugen. „Kinder im Bett auf den Rücken oder die Seite legen“, rät Nagel und fährt fort: „Schnuller, Ketten und Spielzeug haben im Kinderbett nichts zu suchen. Gebrauchte Matratzen mit Pilzbefall können den plötzlichen Kindstod begünstigen. Die ideale Zimmertemperatur beträgt 16 bis 18 Grad Celsius. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Risiko.“ Marcel Fiestelmann und seine Frau Inga haben den Kurs des Institutes für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin belegt. „Wir wollen Sicherheit gewinnen“, sagen sie. Beruhigend findet das Paar, dass Atemstillstand eher selten vorkommt. „Aber wir haben auch etwas über Gefahren gelernt, die uns nicht so bewusst waren.“

Eine davon: Erdnüsse. An dieser Hülsenfrucht verschlucken sich Kleinkinder am häufigsten. Erdnüsse können in die Atemwege gelangen und akute Erstickungsgefahr auslösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt sogar zu dem Schluss, dass jeder zweite Erstickungsanfall bei Kleinkindern auf Nüsse zurückzuführen ist. „Ich würde ihnen gar keine Erdnüsse geben“, sagt Ingrid Kröger. Gelernt haben die Kursteilnehmer auch, dass Ertrinken bei Kleinkindern zu den häufigsten Todesursachen gehört. Sogar das Planschbecken im Garten kann zur tödlichen Falle werden. Kinder, die gerettet werden, können trotzdem geistige Behinderungen davontragen. „Schnelle Hilfe ist entscheidend“, betont Michael Nagel. „Nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff kommt es zu irreversiblen Hirnschäden.“

Kinder haben wenig Sauerstoffreserven
Grundsätzlich gilt bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung: „Kinder haben wenig Sauerstoffreserven. Deshalb beginnt man mit fünf initialen Beatmungen.“ Mund zu Mund oder Mund zu Nase, das ist egal. Zuvor müssen die Atemwege durch eine leichte Überdehnung des Kopfes nach hinten freigemacht werden. Kinder können an ihrer Zunge ersticken. Bei der anschließenden Herzdruckmassage wird der Brustkorb zu einem Drittel eingedrückt. „Keine Angst, der kindliche Brustkorb ist sehr elastisch“, beruhigt der Fachkrankenpfleger die Zuhörer. „Sie können nichts falsch machen. Es sei denn, sie tun nichts.“ Zur Herzdruckmassage werden Säuglinge und Kleinkinder am besten auf einen Tisch gelegt. Nach den fünf initialen Beatmungen sollten 30 Kompressionen des Brustkorbs folgen, und zwar mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute, danach zwei Beatmungen. Zur besseren Orientierung: Die Popsongs „Staying Alive“ und „Yellow Submarine“ haben jeweils einen 100er Beat. Erst mindestens eine Minute lang wiederbeleben, dann über 112 den Rettungswagen rufen - das ist die richtige Reihenfolge.

Bei Vergiftungen ist ebenfalls keine Zeit zu verlieren. Ob Giftpflanzen, Medikamente oder Zigaretten - schon Paracelsus wusste: Die Menge macht das Gift. Auf keinen Fall dürfen Kinder jetzt zum Erbrechen gebracht werden. Milch zu verabreichen wäre ähnlich falsch, Nachtrinken von Wasser, Säften oder Tee dagegen richtig. „Keine übereilten Maßnahmen“, rät Michael Nagel. „Rufen Sie die Vergiftungszentrale an.“

Tipps von Michael Nagel und Ingrid Kröger:

Was ist die richtige Reihenfolge?
- Prüfen, ob das Kind reagiert
- Um Hilfe rufen
- Atemwege freimachen
- Keine normale Atmung? Fünf Beatmungen
- Keine Lebenszeichen? 30 Herzdruckmassagen, zwei Beatmungen
- Nach einer Minute Rettungsdienst unter 112 anrufen

Wie wird die Atmung überprüft?
Kopf des Kindes überstrecken, ein Ohr direkt über Mund und Nase halten, dabei auf Bewegungen des Brustkorbs achten.

Wieviel Luft braucht ein Säugling beim Beamten?
Etwa ein kleines Glas pro Atemhub, der deshalb fein dosiert werden muss. Erwachsene benötigen bis zu einem Liter.

Wie schnell schlägt der Puls im Normalzustand?
Neugeborene und Säuglinge haben eine Pulsfrequenz von etwa 120, Erwachsene von 70.

Was tun bei Kreislauf- und/oder Atemstillstand?
Sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.

Wie erkennt man Bewusstlosigkeit?
Das Kind ist nicht ansprechbar und kann nicht mehr erweckt werden. Ursachen können Krampfanfälle, Kopfverletzungen oder epileptische Anfälle sein. Bei Herz-/Kreislaufstillstand muss sofort eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung mit Herzmassage durchgeführt werden. Der Ausfall lebenswichtiger Schutzreflexe wie Schluck-, Husten oder Würgereflex droht. Fremdkörper können in die Atemwege geraten. Bewusstlosigkeit bei Kindern ist allerdings ein seltener Notfall.

Unsere Fotos zeigen oben Krankenpfleger Michael Nagel, der den Kursteilnehmern eine stabile Seitenlage mit überstrecktem Kopf demonstriert; in der Mitte: Um die Atmung zu überprüfen, wird ein Ohr über Mund und Nase des Kindes gehalten, gleichzeitig dessen Brustkorb beobachtet; unten: Vor der Herzdruckmassage stehen die ersten fünf Beatmungen - Mund zu Mund oder Mund zu Nase. (Text: Steffen Ellerhoff - Mühlenkreiskliniken AöR / Fotos: MKK)

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