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Endoprothetikzentrum hilft bei Erhalt der Lebensqualität

„150 Meter, weiter schaffte ich es nicht zu Fuß.“ Das, woran sich Gisela Samson da erinnert ist ein Zustand, der noch vor wenigen Wochen ihren Alltag bestimmte. „Ich konnte mich trotz entsprechender Medikation nur unter extremen Schmerzen bewegen.“ Das rechte Knie war es, das der 90-Jährigen so zu schaffen machte. Nur drei Wochen nach einer Operation, bei der ihr ein künstliches Kniegelenk implantiert wurde, sieht man Samson lachend über die Flure des Johannes Wesling Klinikums Minden (JWK) spazieren gehen. Den Rollator hat sie lediglich aus alter Gewohnheit dabei. Dank modernster Operations- und Narkoseverfahren und der interdisziplinären Zusammenarbeit der beteiligten Kliniken und Abteilungen war es möglich, Gisela Samson so effektiv zu helfen.

„Ich erlebe es immer wieder, wie betagte Patienten zu mir kommen, ihr Leiden beschreiben und im nächsten Atemzug äußern, dass sich eine Operation doch nicht mehr lohnen würde“, berichtet Professor Dr. Johannes Zeichen, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie, aus seinen Erfahrungen. „Das war bei Frau Samson ganz ähnlich.“ „Das stimmt“, pflichtet ihm die Seniorin zu. „Ich dachte auch, mit den Schmerzen muss ich leben. Vor einer Gelenkersatzoperation hatte ich einfach Angst.“

Unmittelbar nach einer solchen Kniegelenkersatzoperation werden die Patientinnen und Patienten intensiv überwacht

Schon kurze Zeit nach der Implantation eines künstlichen Kniegelenks konnte Gisela Samson wieder schmerzfrei gehen. Hier geht Sie ein paar Schritte mit Prof. Dr. Johannes Zeichen (l.), Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Lakomek, Chefarzt der Klinik für interdisziplinäre Geriatrie  im Schwerpunkt Innere Medizin und Alterstraumatologie im Johannes Wesling Klinikum Minden. (Foto: MKK)

Grundsätzlich ist an solchen Bedenken auch ein wahrer Kern. Je älter ein Patient ist, desto belastender ist eine Operation für den Gesamtorganismus und auch die anschließende Heilungsphase ist länger. Doch die Behandlungsmethoden der beteiligten Disziplinen und das Wissen der Experten, wie sie mit älteren Patientinnen und Patienten umgehen müssen, haben sich in letzter Zeit rasant entwickelt.

„Das fängt an bei der Narkose durch unsere Spezialisten im Institut für Anästhesie und führt uns weiter zum eigentlichen Eingriff“, verdeutlicht Chefarzt Zeichen, dessen Klinik auch von unabhängigen Experten als Endoprothetikzentrum (EPZ) zertifiziert ist. „Bei älteren Menschen ist der Knochen weicher als bei jüngeren Patienten. Wenn wir sägen, bohren und schrauben, müssen wir deshalb sehr vorsichtig und behutsam vorgehen, damit es keine Risse oder Brüche gibt, die den Therapieerfolg gefährden könnten.“

Medizin des Alters macht enorme Fortschritte

Unmittelbar nach einer solchen Kniegelenkersatzoperation werden die Patientinnen und Patienten intensiv überwacht, dabei werden die Vitalparameter wie Puls, Atmung und Blutdruck ständig überprüft. Sollten Auffälligkeiten auftreten, können die Spezialisten aus dem Ärzte- und Pflegeteam sofort reagieren. Anschließend folgt die Verlegung des Patienten auf die Normalstation.

„Frau Samson war zehn Tage hier. In dieser Zeit beginnen wir mit der Mobilisation, das heißt, die Patientin kann von einem Physiotherapeuten unterstützt aufstehen und erste Übungen machen“ verdeutlicht der Gelenkspezialist Zeichen. „In dieser Zeit werden die Patienten auch noch sehr intensiv von der operierenden Klinik betreut, um auch den Heilungsverlauf der Wunde und das erste Einwachsen des neuen, ca. 400 Gramm leichten, künstlichen Gelenkes genau begleiten und notfalls reagieren zu können.“

Bei Gisela Samson verlief die erste Heilungsphase vollkommen komplikationslos.

Prof. Dr. Johannes Zeichen, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie im Johannes Wesling Klinikum Minden erklärt das Modell eines künstlichen Kniegelenks. Ein ähnliches Gelenk implantierte er bei der 90-jährigen Gisela Samson. (Foto: MKK)

Bei Gisela Samson verlief die erste Heilungsphase vollkommen komplikationslos. Das Besondere während ihrer Behandlung im Johannes Wesling Klinikum Minden: Im Anschluss an ihren Aufenthalt in der Unfallchirurgie erfolgte eine akutstationäre geriatrische Frührehabilitation im gleichen Haus. „Das war für mich ein ganz wichtiger Punkt, um mich für die Knieoperation entscheiden zu können“, betont die Mindenerin. „Ich wollte meine Rehabilitation unbedingt in der Nähe meiner operierenden Ärzte machen.“

Möglich wurde das durch das geriatrische Angebot im Johannes Wesling Klinikum Minden. „Wir sind hier spezialisiert auf die Medizin des Alters und des Alterns“, verdeutlicht Prof. Dr. Heinz-Jürgen Lakomek, Chefarzt der Klinik für interdisziplinäre Geriatrie  im Schwerpunkt Innere Medizin und Alterstraumatologie: „Der Patient im fortgeschrittenen Alter bedarf einer besonderen Behandlung und Rücksichtnahme. Sein Körper und auch seine Psyche reagieren langsamer auf Therapien oder Medikamente. Hier hat die medizinische Forschung in den zurückliegenden Jahren viele Fortschritte gemacht. Dieses Wissen setzen wir im JWK sehr erfolgreich für das Patientenwohl ein.“

Bei der Altersmedizin geht es auch um das Thema Begleiterkrankungen. Je älter ein Mensch ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er nicht nur ein gesundheitliches Problem oder eine chronische Erkrankung hat, sondern mehrere. Hier gilt es im fachübergreifenden Team, die einzelnen Diagnosen und Therapieansätze  sowie die verabreichten Medikamente möglichst optimal aufeinander abzustimmen.

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„Gerade in einem Fall wie bei Frau Samson ist es da unendlich wertvoll, dass wir hier im Johannes Wesling Klinikum Minden das gesamte Spektrum der medizinischen Fachgebiete vorhalten und zu jeder möglichen Erkrankung die Expertise einer spezialisierten Abteilung, sei es die Kardiologie, die Gastroenterologie oder die Nierenheilkunde hinzuziehen können“, verdeutlicht Lakomek. Vier Wochen dauerte der Aufenthalt von Frau Samson insgesamt mit der geriatrischen Frührehabilitation. In dieser Zeit guckte auch der Operateur immer wieder nach seiner Patientin. „Ich lass mir doch nicht die schönste Narbe Nordrhein-Westfalens entgehen“, scherzt Prof. Dr. Johannes Zeichen bei der letzten Untersuchung mit Frau Samson während des stationären Aufenthaltes und kneift verschmitzt das linke Auge zu.

„Herr Professor, Sie sollen nicht immer so übertreiben“, wehrt die Patientin Samson mit einem Lächeln ab, um gleich darauf wieder ernst zu werden. „Ich habe mir das insgesamt aber genauso vorgestellt. Vier Wochen Aufenthalt in einem Krankenhaus, alle Spezialisten dabei und ich kann anschließend schmerzfrei nach Hause gehen. Das sollten viel mehr Menschen wissen, dass es auch für über 80-Jährige diese tolle Möglichkeit der Behandlung gibt.“

(Text: Steffen Ellerhoff – Mühlenkreiskliniken AöR)

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