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Diagnostik und Hilfe für Kinder und Familien

Fröhlich steckt Greta abwechselnd eine Sockenspitze oder ein Stück eines Holzklotzes in den Mund. Der acht Monate alte Säugling liegt auf dem Schoß von Physiotherapeutin Kerstin Modrach. Während sie mit dem Kleinkind spielt und es beobachtet, lauscht sie der Unterhaltung zwischen Armin Pampel, dem Ärztlichen Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) und Gretas Mutter, Nina Gülcher. 

„Wie klappt es mit dem Füttern?“, fragt Pampel. „Ich stille noch“, antwortet die Mutter. „Manchmal bekommt Greta auch ein kleines Stückchen Gurke oder etwa Ähnliches. Dann kommt es schon mal vor, dass sie sich ein bisschen verschluckt.“ „Ganz normal in dem Alter“, beruhigt der Kinderarzt und Kinderneurologe. „Achten sie darauf, Gretas Mund nach dem Essen immer gründlich zu reinigen. Sie wird immer wieder Probleme damit haben. Darum ist es gut, wenn sie sich auch schon von vornherein an diese Reinigungsprozedur gewöhnt.“

Fröhlich steckt Greta abwechselnd eine Sockenspitze oder ein Stück eines Holzklotzes in den Mund.

Mutter Nina Gülcher (l.) guckt gespannt zu, wie sich das interprofessionelle Team des SPZ im Johannes Wesling Klinikum Minden ein Bild machen vom Entwicklungsstand ihrer Tochter Greta. (v. r.) Logopädin Lara Timmermann, Physiotherapeutin Kerstin Modrach und der Leiter des SPZ, Kinderarzt und Kinderneurologe Armin Pampel. (Foto: MKK)

Es ist eine spielerische Atmosphäre im Untersuchungsraum des SPZ, im Erdgeschoss des Eltern-Kind-Zentrums, im Johannes Wesling Klinikum Minden. Physiotherapeutin Modrach und Logopädin Lara Timmermann beschäftigen sich mit dem Kind. Der Mediziner Pampel spricht mit der Mutter, immer wieder schaltet sich mal die eine, mal der andere ins Spiel oder ins Gespräch ein. „Oh, sie rollt sich immer wieder über die linke Seite auf den Bauch, das ist wohl ihre Schokoladenseite“, stellt die Physiotherapeutin fest. Mittlerweile spielt sie mit dem Säugling auf einer Matte auf dem Boden. „Alleine sitzen geht noch nicht“, erklärt die Mutter. „Bisher setzen wir sie auch noch nicht in einen Kinderstuhl, wenn, dann sitzt sie auf dem Schoß.“ 

Gemeinsam entwickeln die Fünf ein Gesamtbild von Greta und ihrer aktuellen Situation. Greta hat das Down-Syndrom. Eine genetische Mutation ist dafür verantwortlich, dass sich das Mädchen in vielen Bereichen langsamer entwickelt hat und auch in Zukunft langsamer entwickeln wird als andere Kinder. Pampel hört die Herztöne ab, anschließend misst er Körperlänge und Kopfumfang, so, wie bei einer ganz normalen Untersuchung eines Kinderarztes. „Hier im SPZ behandeln und untersuchen wir Kinder, bei denen der behandelnde Kinderarzt eine Auffälligkeit festgestellt hat, die der besonderen Beobachtung und Diagnose bedarf. Das kann aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen oder neurologischen Erkrankungen der Fall sein.“ 

In einem Team aus Ärzten, Psychologen, Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden, Heil- und Sozialpädagogen und EEG-Assistenten werden die Kinder zusammen mit ihren Familien zunächst untersucht und beobachtet. „So wie bei Greta nehmen wir uns sehr viel Zeit, die Kinder und Jugendlichen im Team zu sehen. Jeder erkennt aus seinem professionellen Blickwinkel einen anderen Aspekt des Kindes und seines Verhaltens zu den Bezugspersonen. Das ist ein sehr spannender Prozess, in dessen Verlauf wir zu einer Diagnose und Therapieempfehlungen kommen.“

Gemeinsam entwickeln die Fünf ein Gesamtbild von Greta und ihrer aktuellen Situation. Greta hat das Down-Syndrom.

Auch eine ganz normale Kinderärztliche Untersuchung gehört zur Behandlung im Sozialpädiatrischen Zentrum im Johannes Wesling Klinikum Minden. (Foto: MKK)

Fordern und Fördern

Oft kommen die Eltern mit einem Rucksack voller Angst ins SPZ. Sie treibt vor allem eine plakative Frage um: „Ist mein Kind behindert?“ Die Antwort darauf kann ganz unterschiedlich ausfallen“, erklärt der Experte Pampel. „Ich habe es schon erlebt, dass Mütter vor Erleichterung geweint haben, weil wir Ihnen sagen konnten, dass Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung häufig sind, aber in den meisten Fällen gut von den Kindern kompensiert werden. Doch es gibt natürlich auch andere Diagnosen, die eine größere Tragweite haben. Auch dabei können wir den Eltern immer Hilfestellung geben, wie sie ihr Kind weiter fördern können und welche Hilfsmittel oder Therapien sinnvoll sind.“ 

Das Spektrum ist sehr weit gefächert. Je nach Krankheits- oder Behinderungsbild können die Mediziner im SPZ Medikamente verschreiben, langfristige Logo-, Physio- oder Ergotherapie empfehlen. Manchmal können es auch weitere Termine bei einem Psychologen oder Familientherapeuten sein, die in dem individuellen Fall Sinn machen. In Abständen von sechs Monaten bis zu einem Jahr kommen die Familien mit ihren Kindern wieder ins SPZ. So können die Experten die Entwicklung ihrer Patienten verfolgen und ihre Therapieempfehlungen anpassen. 

Greta und ihre Mutter werden in einem halben Jahr wieder ins SPZ im Johannes Wesling Klinikum Minden kommen. Bis dahin werden sie die Tipps und Empfehlungen beherzigen, die Pampel und sein Team ihnen mit auf den Weg gegeben haben. Während der Verabschiedung gibt der Kinderneurologe noch einen Hinweis mit auf den Weg: „Mir ist aufgefallen, dass Greta ganz charmant lächelt, wenn man etwas von ihr verlangt. Das ist typisch für Kinder mit Down-Syndrom. Das machen sie gerne und das Gegenüber vergisst darüber, was er eigentlich von dem Kind wollte. Da sind sie sehr geschickt. Ich kann Ihnen nur den Rat geben: Fallen Sie nicht darauf rein – Bleiben Sie dran, fördern und fordern Sie Ihre Tochter.“

(Text: Steffen Ellerhoff - Mühlenkreiskliniken AöR)

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