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Allergien bei Kindern richtig bewerten

Allergien bei Kindern scheinen sich zu einer modernen Plage entwickelt zu haben. Moderne Hygienebedürfnisse, fehlender Erlebnisraum im Freien oder industriell gefertigte Nahrungsmittel - es sind viele Einflussfaktoren, die von Experten für diesen Trend verantwortlich gemacht werden.

Oft hört man Menschen von ihren lästigen Allergien oder Nahrungsunverträglichkeiten sprechen. Egal ob der klassische Heuschnupfen oder eine Unverträglichkeit von Milch, Nüssen oder etwa Hühnereiern: Es scheint unzählige Möglichkeiten und Variationen zu geben und verwirrende Begriffe wie "Kreuzallergie" oder "Antigene" machen es nicht einfacher, da noch den Überblick zu behalten. Klar, dass sich hier oftmals Fehleinschätzungen einschleichen und so manche Intoleranz gegenüber Gräsern oder Obst fälschlicherweise als Allergie abgestempelt wird.

Allergien bei Kindern scheinen sich zu einer modernen Plage entwickelt zu haben.

Unsere Fotos: oben - nicht immer ist der Griff zu Nüssen am Ende mit Genuss verbunden; unten - anlässlich des ersten Dermatologisch-Pädiatrischen Symposiums sind nach Minden gekommen  von links Prof. Dr. Pietro Nenoff, Niedergelassener Laborarzt, Labor für medizinische Mikrobiologie Mölbis, Rötha, Prof. Dr. Ulrich Wahn, Arzt für Pädiatrie und Pneumologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie, Allergologisch-pneumologische Praxis für Kinder und Jugendliche, Berlin, Prof. Dr. Regina Fölster-Holst, Oberärztin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Prof. Dr. Rudolf Stadler, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie, Johannes Wesling Klinikum Minden, Prof. Dr. Rudolf Happle, Gastarzt der Klinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinikum Freiburg, PD Dr. Hagen Ott, Leitender Arzt Pädiatrische Dermatologie und Allergologie, Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult, Hannover und Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, Klinikdirektor der Prof.-Hess-Kinderklinik, Klinikum Bremen-Mitte, Bremen. (Fotos: MKK)

Beispielsweise scheint die Allergie gegen Erdnüssen unter vielen Menschen stark verbreitet zu sein. Die Symptome sind hier auch für Laien eindeutig: geschwollener Hals, Atemnot – klare Sache. Doch viele Menschen wissen nicht, dass es gar nicht Nuss selber ist, die die körperliche Reaktion auslöst, sondern einer der vielen in ihr enthaltenen Inhaltsstoffe: ein so genanntes "Allergen".

Da viele Lebensmittel mitunter eine große Zahl an Allergenen enthalten können, kann es schwierig sein, genau das eine unverträgliche Allergen unter allen anderen herauszufinden. „Aus unserer Expertensicht ist es aber notwendig, dass die Familien mit Ihren Kindern den oft schwierigen und langwierigen Weg einer genauen Bestimmung des Allergens gehen“, betont Prof. Dr. Rudolf Stadler, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie am Johannes Wesling Klinikum Minden.

Er hatte zum Dermatologisch-Pädiatrischen Fachsymposium ins JWK geladen. Über 100 Experten, darunter Kinderärzte, Haut- und Allergieexperten aus ganz Norddeutschland, waren zu der hochkarätig besetzten Veranstaltung gekommen. „Dieser Weg, das Allergen zu finden, lohnt sich aber im Interesse des Kindes. Denn stellen Sie sich vor, Sie sind mit der erstbesten Einschätzung zufrieden. Das kann zur Folge haben, dass Sie Ihrem Kind ganze Nahrungsmittelgruppen wie Milch oder Obst aus Vorsicht vorenthalten. Das kann bis hin zur Mangelernährung führen.“ Stadlers Einschätzung nach ließen sich viele Allergien bei Kindern durch ein möglichst frühzeitiges ärztliches Einschreiten positiv beeinflussen oder sogar ganz verhindern.

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Aufklärung für Eltern

„Viele Allergien können durch Fehlernährung des Kindes begünstigt werden. Deshalb liegt uns auch die frühzeitige Aufklärung ganz besonders am Herzen“, meinte Prof. Dr. Bernhard Erdlenbruch, Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Johannes Wesling Klinikum Minden.

„Fehlernährung“ wirkt zunächst wie ein sperriger Begriff. Doch dahinter verbirgt sich ein wichtiger Faktor für die Gesundheit des Kindes. Wer sein Kind beispielsweise auch noch nach dem 4. Monat ausschließlich stillt für das Kind in Kauf, dass sich eine Sensibilisierung gegenüber einem bestimmten Nahrungsmittel leichter entwickelt.

Auch eine vorbeugende Diät, also der Verzicht auf möglicherweise unverträgliche Nahrungsmittel, ist nicht zu empfehlen. Stattdessen sollten Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder auf eine abwechslungsreiche Beikost und die Vermeidung von Übergewicht achten. Natürlich lassen sich nicht alle Allergien durch eine gesunde Ernährung ausschließen. Dennoch kann eine gute Aufklärung der Eltern dabei helfen, das Risiko einer Allergie bei ihren Kindern zu verringern, was auch Prof. Dr. Stadler verdeutlichte: „Neben Diagnose und Therapie gehört eben auch Prävention zu den Aufgaben von uns Ärzten.“

(Text: Steffen Ellerhoff – Mühlenkreiskliniken AöR)

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