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Wenn Kaffeeduft die Nase kitzelt

Morgens zum Frühstück gefiltert, nach dem Essen als Espresso, nach Feierabend im Latte macchiato und zwischendurch literweise aus der Büromaschine: Kaffee ist unser beliebtestes Getränk. Der Kaffeegenuss ist uns sehr wichtig. Schon vom Duft frisch gerösteter Bohnen geht ein gewisser Zauber aus. Getrübt wird der Genuss jedoch oft durch die Sorge, der Konsum von zu viel Kaffee könne der Gesundheit schaden. Dazu passt der Spruch, der Addi Darboven zugeschrieben wird: „Kaffee ist nur schädlich, wenn Ihnen ein ganzer Sack aus dem fünften Stock auf den Kopf fällt.“

Um diesen „Satanstrank“, wie ihn Papst Klemens VII bezeichnete, geht es beim Kaffeefest in Bad Holzhausen am kommenden Sonntag. Dazu gibt es im Haus des Gastes ein buntes Programm rund um den Kaffee und natürlich auch in den Cafés rund um Bad Holzhausen.

Die ursprüngliche Heimat des Kaffees sind die Gebirgswälder Äthiopiens und des Sudans. Im Südwesten Äthiopiens in der Region Kaffa wurde der Kaffee bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Von dort gelangte er im 14. Jahrhundert nach Arabien. Der Kaffeeanbau brachte Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum war die Hafenstadt Moscha, auch Mokka genannt, das heutige Mukka im Jemen. Der Augsburger Arzt Rauwolf lernte schon 1573 in Aleppo den Genuss des Kaffees kennen und berichtete darüber. Weitere Nachrichten gelangten nach Italien. Dort verfügte Venedig 1645 über das erste Kaffeehaus, Wien 1685. In Bremen stand schon eines 1673.

 Kaffee ist unser beliebtestes GetränkDer Kaffee war ursprünglich sehr teuer. Deshalb konnten sich nur gut situierte Bürger und Aristokraten das aromatische Getränk leisten. Schon bald nach seiner Einführung galt der Kaffee als Mittel zur „Beförderung der Dichterkraft“. Zum Beispiel trank Honoré de Balzac stets sehr viel starken Kaffee, um wach zu bleiben, da er meistens 12 Stunden am Tag arbeitete. Ludwig van Beethoven hatte es ich angewöhnt, genau 60 Kaffeebohnen abzuzählen, um daraus seinen Mokka zu brauen. Auch Goethe verschmähte den Muntermachen Kaffee nicht. Früh wurde auch Kritik am Kaffeekonsum laut. In der „Kaffeekantate“ aus dem Jahr 1734 von Johann Sebastian Bach wird dieser Kritik mit Humor begegnet. Dennoch komponierte Carl Gottlieb Hering (1766 – 1853) den bekannten Kanon „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee, nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank. Sei doch kein Muselmann, der das nicht lassen kann!“

Waren die Kaffeepflanzen zunächst nur in Afrika und Arabien verbreitet, so kam man bald auf die Idee, sie in anderen geeigneten Regionen zu kultivieren. Heute gibt es weltweit rund 400 Anbaugebiete. Die Sträucher gedeihen besonders gut im Schatten größerer Bäume. Durchlässige, saure Böden, ein Wechsel von langer Trockenheit und starkem Regen, kein Frost und geschickter Rückschnitt - dann bildet der Strauch in zehnmonatiger Reifezeit rote, zwei Zentimeter große Steinfrüchte. Je nach Herkunftsregion entwickeln die Bohnen unterschiedliche Inhaltsstoffe. Diese sind die Basis für das spätere Aromaprofil der gerösteten Bohnen. Erst die perfekte Röstung macht das Aroma des Kaffees aus. Aus rund 800 Einzeldüften besteht das Aroma eines Röstkaffees, darunter nussige, schokoladige und blumige Stoffe. Aber auch unerwartete Duftnoten kann man mit etwas Übung erriechen: Pfeffer, Nelke, Aprikose oder Gurke sind Teile des Bouquets.

Manche Wirkungen von Kaffee in unserem Körper lassen sich wissenschaftlich erklären. Das Getränk steigert die Wachsamkeit, verkürzt die Reaktionszeit, verbessert das Gedächtnis und hebt die Stimmung. Diese Wirkungen gehen vor allem auf das Koffein zurück. Es fördert im Gehirn die Bildung von Dopamin, einem Motivations- und Glückshormon. Während der Konsum von Kaffee lange Zeit mit diversen möglichen gesundheitlichen Nachteilen in Verbindung gebracht wurde, so werden ihm in den letzten Jahren aufgrund wissenschaftlicher Studien zahlreiche positive Effekte zugeschrieben. Kaffeetrinker leben länger! Aufsehen erregte eine Untersuchung, die 14 Jahre lang die Gesundheit von Menschen zwischen 50 und 71 Jahren verfolgt. Männer, die sechs oder mehr Tassen am Tag tranken, besaßen ein um 10 % geringeres, Frauen ein um 15 % niedrigeres Risiko als Kaffee-Abstinenzler, in dem Beobachtungszeitraum zu sterben.

Noch weiß man nicht, welche Substanzen im Kaffee für die möglichen Gesundheitswirkungen verantwortlich sind. Zumindest scheint Kaffee – entgegen früherer Meinung - nicht ungesund zu sein. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann Kaffeetrinken sogar einen Schutzeffekt haben, auch bei Schlaganfall und Krebs. Der Verdacht, Kaffeetrinken erhöhe dauerhaft den Blutdruck und damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, lässt sich nicht mehr halten. Bei gesunden Menschen erhöht sich der Blutdruck zunächst etwas, normalisiert sich jedoch schnell. Wenn Menschen regelmäßig Kaffee trinken, tritt selbst diese kurzfristige Erhöhung nicht mehr auf. Eine positive Auswirkung hat Koffein auf das Gehirn. Dort steigert es die geistige Leistungsfähigkeit und stärkt das Gedächtnis – mit Langzeitwirkung. Studien haben gezeigt, dass langjährige Kaffeetrinker im Alter einen deutlich geringeren Abbau der geistigen Fähigkeiten und des Gedächtnisses aufweisen. (Text: Annina Pietza, Senioren Journal / Fotos: Cornelia Pithart; Marco Mayer; ram69; contrastwerkstatt; Fotolia)

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