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"Während die Welt schlief"

Palästina, Westjordanland, Libanon, Israel - vier Begriffe, die für Krieg, Gewalt und viele Tote stehen. Und damit für einen Konflikt, der schon seit 1947 schwelt. Der Roman von Susan Abulhawa "Während die Welt schlief" greift in beeindruckender Weise dieses Thema auf.

Palästina, Westjordanland, Libanon, Israel - vier Begriffe, die für Krieg, Gewalt und viele Tote stehen. Festgemacht an ganz konkreten menschlichen Schicksalen über vier Generationen beginnt ihr Drama 1941. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange, in Palästina aber, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Haifa, ist es ruhig, die Olivenernte in vollem Gange. Susan Abulhawa erzählt von der Freundschaft zwischen einem Palästinenserjungen und einem Juden, dessen Familie vor den Nazis aus Deutschland hatte fliehen müssen.

Sie erzählt von Liebe und Familienleben - und dem Beginn des bewaffneten Konfliktes mit den ersten Bomben und den ersten Toten 1947. Ihre Skizzen der Ereignisse, an dessen Ende die Vertreibung stand, sind schnell und ohne Pathos und führen ohne Umwege in das Leben im Flüchtlingslager. Sie lässt den Leser teilhaben an der zerbrechenden Hoffnung der Palästinenser auf eine Rückkehr in die Heimat - und an der Verzweiflung einer Mutter, der in dem Angriffschaos ihr Kind entführt wird.

Ab 1960 begleiten wir Amal. Das Mädchen ist bereits im Flüchtlingslager Yenin geboren und erlebt hier den 6-Tage-Krieg 1967 mit. Sie erzählt, was Gewalt aus Menschen macht, beschreibt Sieger und Verlierer schonungslos. Wir lesen vom Glück der inzwischen 14-Jährigen, die nun Vollwaise ist, durch einen irischen Flüchtlingsbetreuer einen Platz in einer Schule in Jerusalem zu bekommen - und damit eine Ausbildung, die ihr eines Tages das so genannte "bessere Leben" bieten wird. Und dennoch kann sie sich ihrer Vergangenheit nicht entziehen, kehrt immer wieder in den Nahen Osten zurück und wird am Ende selbst ein Opfer der Gewalt.

Nach 422 Seiten legt man ein Buch beiseite, das spannend ist und emotional - und auf historischen Ereignissen beruht. Die Autorin Susan Abulhawa hat als Kind palästinensischer Flüchtlinge das damit verbundene Elend selbst erlebt, wuchs in Kuwait, Jordanien und Jerusalem auf. Schön, dass es nach der ersten Veröffentlichung diese zweite mit "neuem Leben" gab. Kein Wunder also, dass wegen der direkt erfahrbaren menschlichen Tragödien selbst Krimi-König Mankell urteilte: "Nie zuvor habe ich einen so fesselnden Roman über Palästina und Israel gelesen." Dem kann man sich nur anschließen.

"Während die Welt schlief", Roman von Susan Abulhawa, Diana Verlag, ISBN 978-3-453-35662-7, Taschenbuch 8,99 Euro, natürlich auch als E-Book für 7,99 Euro - und auch in der Bücherstube Lübbecke zu haben. (Cover-Foto: Diana-Verlag)