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Thomas Kielinger: Elizabeth II.

Für Königshäuser habe ich mich bisher nicht groß interessiert, aber bei einem 60. Dienstjubiläum (!) kann man sich doch einmal bemühen, die Dinge intensiver zu betrachten. Ein gelungener Einstieg ist dabei für mich »Elisabeth II.«

Der Autor Thomas Kielinger lebt seit Jahren in England und ist Korrespondent der WELT, daher kennt er sich besonders gut aus und bekam 1995 den »Honorary Officer of the British Empire« verliehen. Kielinger beschreibt ausführlich die Kindheit der 1926 geborenen Monarchin und deren jüngerer Schwester. Beide wuchsen jenseits anderer Kindern auf, hatten auch keinen schulischen Kontakt zu Gleichaltrigen, da die Erziehung zuhause stattfand.

Für Königshäuser habe ich mich bisher nicht groß interessiert, aber bei einem 60. Dienstjubiläum (!) kann man sich doch einmal bemühen, die Dinge intensiver zu betrachten. Ein gelungener Einstieg ist dabei für mich »Elisabeth II.«Ein einmaliges und einziges Erlebnis mit der Öffentlichkeit hatten die beiden königlichen Mädchen bei einer U-Bahnfahrt, die durch reichliche Überredungskunst von der Gouvernante ermöglicht wurde. Auch Gefühle wurden nicht gezeigt – am besten man hat sie erst gar nicht – allerdings war Pflichtbewusstsein gefragt und wurde gestärkt.

Die Krise für das Königreich begann 1936, als Edward VIII. seine amerikanische, geschiedene Wallis Simpson ehelichen wollte und die damit verbundenen familiären und staatlichen Probleme zu extremen Dissonanzen führten. Nach dem frühen Tod des Vaters, der dem abgedankten Onkel auf dem Thron folgte, wurde dieses Pflichtbewusstsein weiter gefordert und auch von der heutigen Queen »geliefert«. Unterstützung kam vom Ehemann Philip, verarmter Abkömmling des griechischen Königshauses (das sich nach einem Putsch 1923 im Exil bei verschiedenen Verwandten aufhielt) und erfolgreicher Offizier der Royal Navi, der in dieser Hinsicht seiner Frau sehr ähnlich ist.

Kielinger lässt auch nicht den Konflikt der Queen und Margaret Thatcher aus, die die Gesellschaft zu spalten schien. Die Queen sah sich in der Pflicht für alle Briten. Das gleiche galt für die Königin bezüglich des Zusammenhalts des Commonwealth.

Queen Elisabeth II., 85 Jahre alt, 60 Jahre in ihrem Amt – das kann nur Disziplin, Pflicht und Standfestigkeit dokumentieren, wozu sie selber einmal sagte: »Man pflanzt die Füße so auf, immer parallel. Sie müssen darauf achten, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt ist.«

Ganz zu meiner Überraschung – eine sehr lesenswerte Lektüre, die einem ein wenig mehr Verständnis ermöglicht - von einem Kenner der britischen Royals. (dbk)

»Elisabeth II.«, Thomas Kielinger,  ISBN 978-3-406-62360-8, Verlag C.H. Beck, 19,95 Euro.