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Spannendes Leben mit dem "Pubertier"

Biologen entdecken ja - erstaunlicherweise - immer noch Neues: neue Pflanzen, neue Tiere. Eine Spezies allerdings ist ihnen bisher offenbar entgangen: das "Pubertier". Jan Weiler, Journalist, Buchautor und - in einem weiteren Leben - Familienvater hat diesem "Tierchen" in seinem Buch "Das Pubertier" 122 amüsante Seiten gewidmet.

Was Jan Weiler und sein "Pubertier" mit Namen Carla so lesenswert-sympathisch macht, sind die eingeschobenen Erinnerungen an die eigene Kindheit. Die Google-Fans werden spätestens jetzt herausgefunden haben, dass es das "Pubertier" im Tierreich gar nicht gibt. Aber speziell Mütter und Väter von Heranwachsenden wissen, was Jan Weiler meint: ein Geschöpf, das quasi über Nacht von einem liebenswerten Fan von Barbie und Ken in ein Wesen mutiert, dessen Frustrationsschwelle niedrig, dessen Ansprüche aber umso höher sind. Das nennt man dann Pubertät.

Was Jan Weiler und sein "Pubertier" mit Namen Carla so lesenswert-sympathisch macht, sind die eingeschobenen Erinnerungen an die eigene Kindheit. Und die wiederum erinnern die lesenden Mütter bzw. Väter daran, wie sie selbst "damals" waren: "stinkig" auf Gott und die Welt, manchmal sogar auf sich selbst, faul bis superfaul, frech und zickig. Natürlich würde man das dem eigenen pubertierenden Nachwuchs gegenüber niemals zugeben. Aber diese Erinnerungen tragen dazu bei, die Launen der "Pubertiere" mit Gelassenheit und einer gewissen Portion Leidensfähigkeit zu ertragen.

Das sind einfach unverzichtbare Eigenschaften, ohne die ein Zusammenleben mit einem "Pubertier" nahezu unmöglich wird. Ganz gleich, ob es sich um seit Tagen (Wochen?) unaufgeräumte Zimmer handelt, das morgendliche Wecken für das weckende Elternteil einer Tätigkeit in einem Straflager gleicht, nur mit zäher Mühe offenbar Schweigegelübde durchbrochen werden können oder um eine ebenso sinn- wie erfolglose Diskussion übers Picknicken. Jn Weiler zitiert sein "Pubertier" mit dem Satz: "Warum soll ich zehn Kilometer mit dem Rad fahren, um etwas zu essen, was ich genauso gut in der Küche zu mir nehmen könnte?" Noch Fragen?

Und weil ein "Pubertier" selten allein kommt, endet das kleine Büchlein mit der Autorenhoffnung, dass Carla komplett fertig ist, bevor es bei Sohn Nick losgeht: "Sonst stehe ich das hier nicht durch." Wie ihm kann man allen Eltern nur zurufen: Nur Mut, das wird schon, das geht vorbei - bei einem "Pubertier" schneller, beim anderen später.

"Das Pubertier" von Jan Weiler, mit Illustrationen von Til Hafenbrak, Sammlung von Kolumnen, erschienen unter dem Titel "Mein Leben als Mensch" in der "Welt am Sonntag", 11. Auflage, Rowohlt Verlag GmbH, ISBN 978 3 463 40655 8, 12,00 Euro im Buchhandel, natürlich auch in der Bücherstube Lübbecke, ab 7,99 Euro als Download.

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