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Ränkespiel: „Der Präsident“ trifft auf „Patrioten“

Zwei Bücher sozusagen »in einem Abwasch« unter die Lupe zu nehmen ist eher unüblich. Der amerikanische Thriller »Der Präsident« von Sam Bourne und sein österreichisches Pendant »Patrioten« von Eva Rossmann bieten sich dafür aber in geradezu perfekter Weise an.

Ränkespiel: „Der Präsident“ trifft auf „Patrioten“

»Der Präsident«, Thriller von Sam Bourne, Juli 2017, Verlag Bastei Lübbe AG, 479 Seiten, ISBN: 978-3-404-17658-8, Taschenbuch 10,00 Euro, E-Book 8,99 Euro, Hörbuch 12,00 Euro und Audio-Download 8,99 Euro (Coverfoto: Verlag Bastei Lübbe AG)

Beide Romane spielen im Hier und Jetzt. »Der Präsident« weist so starke Bezüge zur gerade laufenden Trump-Ära auf, dass man fast schon fragen könnte: Was war zuerst: der Roman oder die Wirklichkeit? Er wie auch »Patrioten« thematisieren das, was politische Rechtsausleger charakterisiert: nämlich Ablehnung, ja Hass auf alles Fremde. Wobei sie dieses »Fremde« instrumentalisieren, um sich selbst Macht zu sichern oder an die Macht zu kommen – und/oder sich sogar selbst zu bereichern.

Dem »Präsidenten« samt hörigem Team und den Ösi-Patrioten sind dabei alle Mittel recht. Lügen, Fake-News, Manipulation – alles setzen sie ein, um ihre angeblich »hehren« Ziele zu erreichen.

Glücklicherweise gibt’s im Weißen Haus der Nach-Obama-Zeit noch einige wenige, die sich der Menschen verachtenden Art des Redens und Handelns der neuen Administration nicht beugen wollen und sie letztlich sogar zu Fall bringen. Wie das passiert, hat Sam Bourne höchst spannend beschrieben. Erinnerungen an die Watergate-Affäre werden unwillkürlich wach, und auch zum Intrigen- und Ränkespiel der Netflix-Serie »House of Cards« gibt’s jede Menge Parallelen.

Dass die Patrioten ein falsches Spiel spielen, ahnt der Leser früh.

»Patrioten«, Roman von Eva Rossmann, August 2017, Folio Verlag Wien, 344 Seiten, ISBN 978-3-85256-725-9, gebundene Ausgabe 22,00 Euro, Kindle-Edition 16,99 Euro (Coverfoto: Folio Verlag Wien)

Sind diese 479 Romanseiten übelster US-amerikanischer Präsidentschaft verschlungen, warten schon die österreichischen »Patrioten«. Sie stehen dem »mächtigsten Mann der Welt« in Trickreichtum und Manipulationsfähigkeit in Nichts nach. Und nutzen dafür natürlich ebenfalls die einschlägigen sozialen Medien.

Dass die Patrioten ein falsches Spiel spielen, ahnt der Leser früh. Es aber zu entlarven, bleibt – mal etwas anderes – einem betagten Liebespaar vorbehalten. Lotte (83) und Richard (92) haben sich im Spätherbst ihres Lebens kennengelernt. Lotte trifft in ihrer Pfarrei eine dreiköpfige syrische Flüchtlingsfamilie. Als der Mann mit anderen Asylbewerbern plötzlich verschwindet, nachdem der Patrioten-Vorsitzende tot – sehr öffentlichkeitswirksam sogar gekreuzigt – am Leitungsmast auf einem Weinberg gefunden wird, beginnt das Paar mit aufregenden Recherchen, die sie bis in die EU-Zentrale nach Brüssel führen. Und am Ende die Patrioten-Machenschaften entlarven.

Die Autorin verarbeitet geschickt die Themen Asyl und Terror(angst) zu einer komplexen Story. Allerdings greift sie in ihrem Roman zu einem eher ungewohnten Stilmittel: Sie verzichtet auf die übliche Kennzeichnung wörtlicher Rede und setzt dafür Bindestriche ein. Außerdem benutzt sie vielfach nur Begriffe und sehr kurze Sätze, um die Spannung zu steigern und /oder die Aussagen/Emotionen zu vertiefen. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber eben auch schriftstellerische Freiheit, an die man sich erst gewöhnen muss.

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