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Honecker privat: Ein Personenschützer berichtet

Kellner können ganz bestimmt viele Geschichten erzählen, denn in seinem Berufsleben trifft er stets viele fremde und unterschiedliche Menschen. Wenn man jedoch als Kellner auch gleichzeitig Personenschützer einer hohen politischen Persönlichkeit ist, sind die Geschichten nicht anders, beziehen sich allerdings in der Regel auf diese eine Person und das dazugehörige Umfeld.

Lothar Herzog wird nach seiner Ausbildung als Kellner von der Staatssicherheit zur Betreuung von Erich Honecker abgestellt und erwirbt sich nach und nach das Vertrauen durch seine Zuverlässigkeit in der Zeit von 1971 bis 1984. Dann ist es allerdings schlagartig vorbei, denn der Angestellte hat sich über den unsäglich unerzogenen und agressiven Cockerspaniel der Honeckers “beschwert”, was seine unverzügliche Versetzung nach sich zog.

Kellner können ganz bestimmt viele Geschichten erzählen, denn in seinem Berufsleben trifft er stets viele fremde und unterschiedliche Menschen. Herzog (Foto) verbrachte mit den Honeckers deren über dreiwöchigen Urlaub auf der Insel Vilm im Bodden bei Greifswald, die keiner sonst betreten durfte. Aber auch Reisen ins Ausland machte er mit und nach einer gewissen Zeit war er auch im Vorkommando zur Vorbereitung von Reisen vertreten. Es ging um Reisen vor allen in afrikanische Länder, nach Kuba, Manila, Japan, Lybien, Österreich, Finnland, Indien und viele andere. Die Reisetätigkeit Honeckers war nie intensiver als in den 70er Jahren, obwohl er immer »lieber zuhause« war.

Herzog und seine Kollegen ermöglichten seinem Chef und anderen der SED-Führung bei den Jagden und am Wohnsitz in Wandlitz was immer sie wollten. Als es bei der Anlieferung der Wochenendbestellungen in die jeweiligen Wohnhäuser mit dem üblichen Wartburg Beschwerden wegen der Lautstärke gab, wurde eben unverzüglich ein VW-Transporter angeschafft. Auch ging es um die westlichen Getränkewünsche, von denen niemand etwas mitbekommen durfte oder die Hausmannskost auf Reisen, wie Braten, Buletten, Bratkartoffeln, Würste und immer wieder Kasseler. Auch die obligatorischen Erfrischungstücher lagen immer bereit, da Honecker am liebsten das Bad in der Menge hatte, allerdings Händeschütteln verabscheute. Alles vollzog sich überwiegend ohne Worte, denn der Staatschef hat in den ganzen Jahren nicht ein persönliches Wort an seinen engen Mitarbeiter gerichtet.

Leicht zu lesen und es zeigt ein Bild des Staatschefs, wie man es sich sicherlich so oder ähnlich vorgestellt hat. (DBK)

»Honecker Privat - Ein Personenschützer berichtet«, Lothar Herzog, ISBN 978-3-360-02143-4, Das Neue Berlin 12,95 Euro.