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Die Wahl zwischen Wählen und Waschmaschine

Leere Herzen von Juli Zeh

 

 

»Leere Herzen« ist der neue Psychothriller von Juli Zeh. Coverfoto: Luchterhand Literaturverlag

Der Begriff »Roman« an sich macht schon deutlich, war für ein Literatur-Genre man vor sich hat: Fantasie, Fiktion, Utopie. Und der Autor/die Autorin hat es in der Hand, den Leser zu fesseln. Nämlich mit einer so guten Schilderung von Orten, Charakteren und Handlungen, dass Fantasie, Fiktion und /oder Utopie quasi zur Realität werden. Das ist erreicht, wenn man sich nach der letzten Seite fragt: Kann das so wirklich sein? Darf das Wirklichkeit werden?

»Leere Herzen« von Juli Zeh ist ein solches Buch. Die Story ist so fantastisch, dass man sich die bange Frage stellt: Kann das tatsächlich passieren? Ist das überhaupt möglich? Denn darauf muss man auch erstmal kommen: Eine taffe Geschäftsfrau und ihr in Computerdingen versierter Partner bauen die Firma »Die Brücke« auf, die Selbstmordkandidaten an Terrororganisationen vermittelt. Ihren Abgang aus dem Leben verbinden die Kandidaten mit Botschaften, mit denen die Organisationen öffentlich punkten wollen. Dass bei diesen Suiziden Kollateralschäden auftreten, wird billigend in Kauf genommen. Denn schließlich handelt es sich ja nicht um schnöde Terrorattacken. Vielmehr werden mögliche Terroraktivitäten in kontrollierbare/kontrollierte Bahnen gelenkt.

Die Story spielt im »Lange-nach-Merkel«-Deutschland. Juli Zeh, die schon mit »Unter Leuten« für Gesprächsstoff sorgte, hat der Republik in ihrem neuen Buch einen kräftigen politischen Rechtsruck verpasst. Das Sagen hat jetzt die BBB, die »Besorgte Bürger Bewegung« - ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Bekannt kommt auch die öffentliche – und private – Meinung zu dieser Partei daher: Sie sei zwar nicht »besonders demokratisch«, aber »manches ist sicher ok«. Das Demokratieverständnis ist den meisten Menschen in Deutschland und Europa abhanden gekommen, Überzeugungen und Haltung gibt es nicht mehr, Gleichgültigkeit hat sich breit gemacht. Das alles macht Juli Zeh in dem Satz deutlich: Wenn man den Menschen die Wahl lässt zwischen einer Wahl und einer Waschmaschine, nehmen sie die Waschmaschine.

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Und so verfolgt man immer fassungsloser den Kampf ihrer »Brücke« gegen einen Konkurrenten, der es auf dieses lukrative Geschäft mit dem Einsatz von Suizidgefährdeten als terroristische Selbstmörder abgesehen hat. Dass das alles unter dem Schirm von Geheimdiensten abläuft, bleibt nicht verborgen. Aber auch die spielen natürlich mit verdeckten Karten.

Juli Zeh’s Firmenchefin hat sich selbst lange Zeit für »Waschmaschine« entschieden. Im Laufe der Ereignisse kommen ihr aber immer mehr Zweifel an ihrem Tun und den politischen Verhältnissen. Und mit der Erkenntnis, dass sie doch noch so etwas wie Haltung und Gewissen hat, sucht sie den Weg zurück zum eigenen Ich.

»Leere Herzen«, Roman von Juli Zeh, erschienen im Luchterhand Literaturverlag, ISBN: 978-3-630-87523-1 gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 20 Euro, auch als E-Book in Kindle Edition erschienen, 15,99 Euro. Natürlich auch im örtlichen Buchhandel in der Bücherstube Lübbecke.