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Die schönen Lügen meiner Mutter

Es waren Tänze in der Nacht einer Familienfeierlichkeit – am nächsten Tag kam die Familie des Tänzers und bat um die Hand der Tänzerin. Die Tänzerin war die Mutter der Autorin, Nezhat Nafisi, die ihren Saifi schließlich heiratete, aber nicht lange mit ihm leben konnte, da dieser früh an einer Krankheit starb. Die Mutter trauert ewig ihrer Liebe Saifi nach und verherrlicht das nicht gelebte Zusammensein mit ihm.

Das ist die Grundtendenz von Azar Nafisis Mutter, einer eindrucksvollen, wunderschönen aber hochkomplizierten Frau, die in zweiter Ehe mit dem Vater Ahmad Nafisi verheiratet ist. Das in der Familie gerne und viele Geschichten erzählt werden, erwähnt Azar Nafisi gleich zu Anfang.

Diese Geschichten hat vor allem die Mutter immer parat, nämlich »Ihre Geschichte«. Der Vater, zeitweilig Bürgermeister von Theran und lange Zeit zu Unrecht in Haft, bringt seinen beiden Kindern die Literatur sehr nahe und erklärt mit der Zeit seine Tochter zu seiner Verbündeten gegen die Mutter. Die Familie lebt sehr westlich orientiert, so dass die Kinder ihre Schul- und Studienausbildungen im westlichen Ausland verbringen können. Azar geht nach England und später zum Studium in die USA und doch geht sie eine erste überstürzte Ehe mit einem Landsmann ein, den sie nicht liebt und der sie einschränkt. Nach der Scheidung, nach der islamischen Revolution und nach der Rückkehr in den Iran beginnt sie eine Lehrtätigkeit an der Universität in Teheran. Eine zweite Heirat mit ihrem Mann Bijan Naderi, einem Ingenieur, und zwei Kindern bewegt die Familie nun endgültig, in die USA auszuwandern.

Azar Nafisi schildert ihre nicht unproblematische Kindheit in einem ebenso nicht unproblematischen Land, wo Autoritäten der Inbegriff des Regimes war. 1981 erhielt sie Lehrverbot, da sie sich weigerte, den Schleier zu tragen. Aber gleichzeitig wird uns auch das alte Persien unter dem Schah nahegebracht, wie auch die Geschichte dieser zerrissenen unglücklichen Familie. (dbk) »Die schönen Lügen meiner Mutter«, Azar Nafisi, ISBN 978-3-421-04428-0, DVA, 22,95 Euro.

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