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Die Liebe bleibt, wenn die Erinnerung geht

Zugegeben – es gibt zweifelsohne spannendere Romanthemen als Demenz und Alzheimer. Aber: Man muss angesichts der Alterspyramide in der westlichen Hemisphäre zur Kenntnis nehmen, dass uns und vermutlich noch zahlreichen Generationen diese Krankheitsformen in starkem Maße begleiten werden. Somit sind sie Teil unseres Lebens und damit Teil auch unserer Kultur und Literatur.

In ihrem neuen, dem mittlerweile schon elften, Roman hat sich Rowan Coleman dieses Themas angenommen. „Einfach unvergesslich“ ist der im Piper Verlag erschienene deutsche Titel; für die Originalausgabe hat die mit ihrer Familie – fünf Kinder, darunter höchst lebhafte Zwillinge - in Herfordshire lebende Britin „The Memory Book“ gewählt.

„Einfach unvergesslich“ ist der im Piper Verlag erschienene deutsche Titel

Genau darum geht es – um Erinnerungen, und wie man sie vor einer Krankheit rettet, an deren Ende ihr Verlust steht. Und damit nach allgemeinem Verständnis auch der Verlust eines großen Teils dessen, was Individualität und Persönlichkeit eines jeden Menschen ausmachen. 

Claire ist eine Frau in den 40ern, sozusagen in den besten Jahren, als sie die niederschmetternde Nachricht bekommt, unter frühmanifestem Alzheimer zu leiden; und das auch noch erblich bedingt. Sozusagen die Höchststrafe für eine Frau mit einem Kleinkind als Nachkömmling und einer erwachsenen Tochter, die schwanger ist. 

Wie geht man mit einer solchen Diagnose um – als Betroffene, aber auch als Familie? Aus dieser Frage entwickelt Rowan Coleman ihren Roman, der erfreulicherweise gar nicht auf die Tränendrüsen drückt, ohne aber die Betroffenheit aller Beteiligten nicht außer Acht zu lassen. 

Die Autorin lässt Claire selbst, Mutter, Mann und Tochter Ereignisse aus unterschiedlichsten Lebenszeiten in ein Erinnerungsbuch schreiben. Das verbindet sie geschickt mit den durch die Krankheit auftretenden Problemen im Hier und Jetzt: vergessen, verlaufen, verzweifeln.

Natürlich ist das durchaus nicht spaßig. Aber bei aller Trauer und Wut, die sich angesichts der Unausweichlichkeit der Krankheit immer wieder Bahn bricht, schafft Rowan Coleman humorvolle Situationen, die lächeln lassen. Und Überraschungen, die durchaus ins Kitschige abgleiten. Aber das ist letztlich die „Freiheit des Künstlers“, die jeder Leser – ganz nach persönlichem Geschmack – gut finden oder ablehnen kann. Eines aber ist „Einfach unvergesslich“ keinesfalls: langweilig. Was sicher auch dem modernen, „zupackenden“ Sprachgebrauch von Übersetzerin Marieke Heimburger zu verdanken ist.

„Einfach unvergesslich“, Roman von Rowan Coleman, Verlag Piper 2016, übersetzt von Marieke Heimburger, 416 Seiten, ISBN: 978-3-492-30802-1, Taschenbuch 9,99 Euro, auch als Paperback und E-Book zu haben - natürlich auch in der Bücherstube Lübbecke

(Coverfoto: Piper Verlag)

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