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"Der Boxer"

„Wunderbar albern, gnadenlos böse“, skizziert die FAZ das Erstlingswerk von Ned Beauman. Und eine andere Kritik bezeichnet es als „den schrägsten Roman des Jahres“. Ohne den FAZ-Kritikern zu nahe treten zu wollen: Wunderbar albern und gnadenlos böse ist „Der Boxer“ aber nun beileibe nicht. Näher schon liegt die Bewertung „schrägster Roman des Jahres“ an der Wirklichkeit. Und man möchte die Frage hinzufügen: Ist das der – oder ein – Krimi, auf den die Leserschaft dieses Genres tatsächlich gewartet hat?
Wir sagen mal ganz einfach „Nein“ – in dem Bewusstsein, dass eine solche Antwort natürlich ausschließlich subjektiv geprägt ist und der nächste Leser zu einem ganz anderen Schluss kommen kann. Misst man Spannung – und die will und soll ja ein Krimi vermitteln – aber daran, ob man die Nacht durchlesen will, um den Buchdeckel mit leichtem Schaudern endlich schließen zu können, so dürfen wir für den „Boxer“ festhalten, dass wir dafür nicht auf unseren Schlaf verzichten würden.

„Wunderbar albern, gnadenlos böse“, skizziert die FAZ das Erstlingswerk von Ned Beauman. Und eine andere Kritik bezeichnet es als „den schrägsten Roman des Jahres“. Ohne den FAZ-Kritikern zu nahe treten zu wollen: Wunderbar albern und gnadenlos böse ist „Der Boxer“ aber nun beileibe nicht.Eine der wichtigsten Fragen in diesem Buch – und sie hat das Zeug zur 1-Mio-Euro-Frage bei Jauchs Millionen-Ratespiel – wird auf Seite 47 beantwortet. Da nämlich wird erklärt, was Trimethylaminurie ist. Wer diesen Begriff nicht sofort bei Google eintippen will, hier die Erklärung: Das ist eine seltene Stoffwechselkrankheit, die den „Besitzer“ nach verfaulendem Fisch stinken lässt. Folgerichtig heißt ihr Besitzer „Fishy“, der in eine reichlich skurrile Geschichte hinein gezogen wird, die Ned Beauman rund um das Thema „Sammlung von Nazi-Memorabilien“ strickt.
Dabei macht er jede Menge Baustellen auf, für deren sprachliche Überwindung man Sophie Lorentzfel, die den „Boxer“ aus dem Englischen übersetzt hat, hohe Anerkennung zollen muss. Da ist „Der Boxer“ selbst, Sinner bzw. mit richtigem Namen Seth Roach, dessen kurze Lebensgeschichte damit endet, dass er auf einer Mülldeponie Nahrungsmittelgrundlage für eine besonders aggressive Spezies Käfer wird. Die wiederum hat Philip Eskine, englischer Landadliger und Anhänger national-sozialistischen Rassenwahns, aus Käfern gezüchtet, von denen er einige bei einer Expeditionstour nach Polen entdeckte. Ihre Besonderheit: ein Hakenkreuz auf den Flügeln.
Dann ein Ausflug ins Sprachwissenschaftliche und die ebenso langatmige wie überflüssige Darstellung, wie englischer Landadel Zeit und Geld ver(sch)wendet – Beiträge, die in diesem Krimi weder Rolle spielen noch ihn interessanter oder gar spannender machen.

Fazit: Ned Beauman hat mit seinem Erstling keinen schriftstellerischen „Kracher“ gezündet. Aber er zeigt, dass er gut recherchieren kann. Und er verfügt über viel Fantasie, die er als Chefredakteur eines Magazins für Comics und Graphic Novels sicher auch haben muss. Deshalb hat er eine zweite Chance verdient. Mal sehen, ob er sie nutzen kann…

“Der Boxer” von Ned Beauman, Dumont-Buchverlag, Oktober 2011, ISBN 978-3-8321-6167-5, Taschenbuch, 9,99 Euro

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