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Auch Lippe ist durchaus keine gewaltfreie Zone

Buch Wolfsspiel
Bunte Spielfiguren, wie man sie vom »Mensch-Ärgere-Dich-Nicht« kennt, sind in »Wolfsspiel« lange Zeit die einzigen Indizien, die die Mordopfer miteinander verbinden. Cover: Gmeiner Verlag

Krimis, die im eigenen Lebensumfeld spielen oder zumindest in einer Region, die man kennt, haben eine ganz eigene Aura. Sie wirken irgendwie unwirklich, irgendwie »konstruiert«, weil man eben »Land und Leute« kennt und Verbrechen hier nicht passieren. Oder doch? Naja, vielleicht bzw. bestimmt nicht genauso oder ähnlich – oder aber so denkbar. Denn das Leben lehrt uns bekanntlich, dass es nichts gibt, was es nicht gibt.

Und so ist das, was Christian Jaschinski in seinem Premierenthriller »Wolfsspiel« entwickelt, durchaus möglich. Auch in Lippe, auch in der Senne. Denn wer hätte vor Monaten überhaupt gedacht, dass diese Region zwischen Teutoburger Wald und Emmerstausee mal durch einen massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde auf sich aufmerksam machen würde. Und Behörden (Jugendamt, Polizei) durch – wie vermutet wird – grandioses Versagen, sogar von Verschleiern und Verschludern ist die Rede, massiv öffentlich kritisiert werden... 

Christian Jaschinski spart in seinem Krimi nicht an Blut und Tod, um Spannung zu erzeugen. Und platziert die Opfer bildwirksam sehr öffentlich, z.B. im idyllischen Kurpark in Bad Salzuflen oder auf einem Wanderparkplatz im Extertal bei Horn-Bad Meinberg. Die Kommissare – einer überarbeitet, einer familiär gestresst – rätseln lange über Mörder, Motive und Zusammenhänge. Vom Täter an den Opfern hinterlassenen Spielfiguren wie aus einem Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel geben weitere Rätsel auf, sind aber die lange einzige Verbindung zwischen den Mordopfern. Die Ermittler bedienen sich bei der Jagd nach dem spurenlos agierenden Täter der Hilfe von Freunden: eines Psychologen und einer Richterin, die allerdings selbst traumatisiert ist, nachdem Hamburger Killer ihr den Mann vor dem Altar sozusagen vom Arm geschossen haben.  

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Und so entwickelt Jaschinski – wie längst üblich – eine zweigleisige Story, deren Hamburger Aspekt beim Leser schon mal Fragen hinsichtlich des Zusammenhanges und damit ihrer Notwendigkeit aufwirft. Aber das ist wohl so beabsichtigt. Denn wer dranbleibt, bekommt sie natürlich beantwortet. Und auch die Mordserie, als die sich die Todesfälle in Lippe letztlich entpuppen, wird gestoppt – überaus dramatisch übrigens...

Zur Motivlage und Person des Täters wollen wir zwecks Erhaltung der Spannung natürlich nichts verraten. Doch so viel sei gesagt: Vergleiche mit »Ein Mann sieht rot« oder ähnlichen Werke dieses Genres lassen sich durchaus ziehen, passen in die Dramaturgie und sorgen so für ein sehr gelungenes Krimidebüt von Christian Jaschinski, der Lippe kennt: 1965 in Lemgo geboren, ist er literarisch in Sachen Krimi und Comedy unterwegs und gestaltet mit dem Singer/Songwriter Jonas Pütz gemeinsam Text-Konzerte. 

»Wolfsspiel«, Kriminalroman von Christian Jaschinski, Gmeiner Verlag, 314 Seiten, 1. Auflage 2019, ISBN 978-3-8392-2388-8, als Taschenbuch im Buchhandel 13 Euro, als E-Book 9,99 Euro.