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"Paris-Moskau": besondere kulinarische Reise

Auch wenn sich die Mieten in Berlin mittlerweile an das Niveau anderer deutscher Großstädte angepasst haben, so ist das "Auswärts-Essen" in Berlin nach wie vor im Großen und Ganzen sehr günstig und trotzdem gut. Manchmal gibt es jedoch besondere Anlässe, die man feiern möchte. Oder man möchte sich einfach ein exklusives kulinarisches Erlebnis gönnen. Und auch dann hat man in Berlin die Qual der Wahl. Am Berliner Gendarmenmarkt tummelt sich ein Sternerestaurant neben dem nächsten und auch das benachbarte "Margaux" Unter den Linden ist eine bekannte Adresse für die gehobene Küche.

Etwas abseits gelegen, aber dennoch nicht weniger gut, ist das "Paris-Moskau" in unmittelbarer Nähe zum Berliner Hauptbahnhof, zum Bundeskanzleramt und zum Bundestag. Im Prinzip kann man das Restaurant gar nicht verfehlen, da es in dem einzigen Fachwerkhaus - es erinnert ein wenig an ein kleines Hexenhäuschen - weit und breit untergebracht ist.

Schon bei der telefonischen Platzreservierung, die generell empfehlenswert ist, zu Feiertagen aber ganz besonders, war ich von der Freundlichkeit des Personals überrascht. Ein Blick vorab auf die Karte lohnt sich hingegen weniger, da die Karte monatlich wechselt und generell nur eine sehr begrenzte Anzahl an Gerichten zur Auswahl steht. So entschieden wir uns also, uns überraschen zu lassen und uns einfach auf den Besuch zu freuen.
Die Freundlichkeit des Servicepersonals bestätigte sich auch bei unserem eigentlichen Restaurantbesuch. Zum Aperitif wurde vom Haus ein exzellenter Brotkorb serviert, zu dem verschiedene Pasten und ein qualitativ sehr hochwertiges Olivenöl gereicht wurden.

Die Speisekarte selber war in ihren Beschreibungen sehr abstrakt, weswegen ein Blick vorab auch wenig Sinn gehabt hätte. Wir entschieden uns bei der Vorspeise für die Consommé von der Birne mit Hecht und Germknödel, ohne eine Vorstellung von dem zu haben, was uns erwarten würde. Tatsächlich war die Vorspeise fantastisch zubereitet und ganz und gar nicht das, was man erwarten würde.

Die Hauptspeise las sich auf der Karte dann wie folgt „Dreierlei vom Fasan mit Kürbis“. Auch hier gab's keine Vorstellung, was sich dahinter verbergen würde. Serviert wurde eine Geschmacksvielfalt, denn das dreierlei vom Fasan beinhaltete eine Mini-Roulade, eine Art Miniatur-Pastete und Fasanenbrust; das begleitende Gemüse war auf ansprechende Art und Weise um das Fleisch drapiert. Wer selbst schon ab und zu gekocht hat, der konnte sofort sehen, wie aufwendig und handwerklich anspruchsvoll die Zubereitung dieses Gerichtes gewesen ist.

Natürlich gab es auf der Karte auch eine Auswahl an verschiedenen Desserts, jedoch waren wir alle wieder erwarten nach der Hauptspeise schon so satt, dass ein Espresso reichen sollte. Doch wieder wurden wir vom Hause überrascht. Denn für den "süßen Zahn" wurde zum Kaffee ein kleiner Teller mit verschiedenen hausgemachten Pralines gereicht.

Als Fazit muss festgehalten werden, dass sich ein Besuch im "Paris-Moskau" ohne Frage lohnt und ein besonderes Erlebnis darstellt. Wer Glück hat, der kann vor allem auch unter der Woche einen Blick auf die nationale und internationale Politikprominenz erhaschen, die wegen der Nähe zum Kanzleramt und zum Bundestag des Öfteren gern mal im "Paris-Moskau" einkehrt. Besondere Highlights für mich waren ohne Frage das wunderbare Ambiente, die Freundlichkeit des Service sowie die Kreativität bei den Gerichten.

Besonders hervorzuheben ist vor allem auch die exzellente Getränkeempfehlung des Kellners, der uns nicht nur einen hervorragenden Weißwein nahelegte, sondern auch mich als Schwangere mit außergewöhnlichen nichtalkoholischen Getränken versorgte. Es muss also nicht immer das Vau, Margaux oder Aigner sein sein, denn ein Besuch im Paris-Moskau ist sicherlich ein einzigartiges Erlebnis und auf jeden Fall sein Geld wert. 

Bildergalerie

Die Geschichte des Restaurants PARIS-MOSKAU

Im Jahre 1898 wurde auf dem Land der damaligen preußischen Staatsbahn, unweit der Moltkebrücke und des Reichstages jenes Fachwerkhaus errichtet, das seit 1987 den Namen Restaurant PARIS-MOSKAU führt. 

Es wurde von Gustav Jahn, dem vormaligen Limonadenbudenbetreiber auf dem Hamburger Bahnhof (bis zu dessen Umwandlung in Preußens erstes Eisenbahnmuseum 1897), als Gaststätte mit Wohnräumen im 1. Obergeschoß eingerichtet. Die Lokalität hieß "Kindl Stube". 

Nach dem 1. Weltkrieg übernahm Familie Tees das Lokal. Tees betrieben auch die Gastronomie "in den Zelten" neben der Krolloper, heute das Haus der Kulturen der Welt. In den zwanziger Jahren baute die zweite Besitzerfamilie eine Kegelbahn hinterm Haus an, die noch bis 1985 aktiv betrieben wurde und im Jahre 2010 dem geplanten Bau des Bundesministerium des Innern weichen musste. 

1945 ging das Haus in neue Hände über, nachdem es fast als einziges Gebäude der Umgebung, den erbitterten Kampf um den Reichstag unbeschädigt überstanden hatte. 

Die dritte Besitzerin, die legendäre "Mutter Busch", betrieb die Kneipe bis 1975 als "Schultheiss-Klause". Zu den Gästen zählten Fernfahrer und Monteure, aber auch Ostberliner Kunden, die sich die günstigen Preise noch leisten konnten, bis der Mauerbau 1961 dieser Art Ost-West-Begegnungsstätte ein Ende setzte. 

Nach Mutter Buschs allzu frühem Tod verkam die Kneipe. Die wunderschöne rustikale Holztäfelung wurde zerstört, Resopal und Billigdekoration zogen 1965 ein. Nur das wuchtige Gründerzeit-Rückbüffet überlebte. 

Im März 1984 kaufte Wolfram Ritschl das Haus. Nach umfänglicher Modernisierung und Neugestaltung eröffnete er das Lokal am 10. August 1984 als russisches Restaurant "JOSEF". Die Innengestaltung der Räume lag bei der Malerin Anke-Paula Gentner, die heute in den Cevennen, Südfrankreich, lebt und arbeitet (www.cevenne.info). Der klare, weiße Raum wird durch konstruktivistische Wand- und Deckenmalerei gegliedert. Die puristische Auffassung, ja die "Kunst des Weglassens" war Anke-Paula Gentners Motto. 

Die erste Etage des Restaurants hat drei kleine diskrete Räume, die besonders für Feiern geeignet sind. 

Schon im Juli 1985 endete jedoch die rein "russische Phase" in der Geschichte des Hauses. Mit dem Namenswechsel 1987 zu PARIS-MOSKAU spürten wir 1987 die neue Freiheit in Russland als Möglichkeit für den Westen und kreierten den Haus-Cocktail "Glasnost" (Kir Royale und Vodka Gorbatschow). 

Die Maueröffnung am 09. November 1989 überfüllte das bis dahin völlig einsame Lokal noch in dieser denkwürdigen Nacht mit feiernden Gästen aus dem östlichen Teil Berlins. Das Haus entsprach, inmitten der enttäuschenden Einöde endlich ihrer Idee vom "goldenen Westen". PARIS-MOSKAU ist bis heute der Idee verpflichtet, das ganze Berlin als den Bindestrich zwischen Ost und West zu sehen. 

Marc Bierstedt führt die Küche. Das fünfköpfige Team der PARIS-MOSKAU-Küche sorgt täglich für ein exquisites kulinarisches Angebot. Alle Speisen werden frisch zubereitet. Ständig wechselnde Menüs und eine feine, saisonale Tageskarte sind das Programm der Küche. Besonderen Wert wird auf die Zubereitung von Fisch- und Meeresgerichten gelegt.

Alle Speisen werden frisch zubereitet. Wechselnde Menüs und eine feine, saisonale Karte sind das Programm der Küche.

Die Weinkarte bietet rund 300 Positionen aller Preislagen aus vierzehn Ländern, darunter 27 offene Weine und 25 halbe Flaschen. Ein feines Berliner Pilsener vom Fass wird auch sehr gerne serviert. Das umfangreiche Angebot an Digestifs rundet jeden Abend vortrefflich ab. 

Die umfassenden Bauarbeiten für den Neubau des Bundesinnenministerium haben auch dem PARIS-MOSKAU einige Zumutungen auferlegt. Seit Juni 2010 stehen nur noch wenige Terrassensitzplätze zur Verfügung und erstmals muß der breite Bürgersteig vor dem Haus für die Gartentische genutzt werden. 

Der bisherige Sommergarten steht in einer neuen Form aber voraussichtlich in der Saison 2013 wieder zur Verfügung. (Text und Fotos: www.paris-moskau.de/)

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