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Eng, warm und gar nicht sicher: Leben im Bunker

Es gibt unterschiedliche Wege in die Vergangenheit. Ausgrabungsstätten sind beliebt, kann man sich da meist unter freiem Himmel auf die „Suche nach den Wurzeln“ machen. Doch auch der Weg nach unten ins Dunkle ist meist spannend und oft auch ein bisschen abenteuerlich. „Dunkle Welten“ heißt ganz passend eine von sieben Touren, die der Verein Berliner Unterwelten anbietet. Eine der zeitgeschichtlichen Führungen beginnt am U-Bahnhof Gesundbrunnen.

Mit Fahrgästen geht es zunächst ein paar Stufen hinunter. Dann aber teilt sich der Weg. Während die einen dem Bahngleis entgegen streben, verschwinden die anderen mit einem Experten und weiterem Vereinspersonal hinter einer unscheinbaren Tür. Dahinter aber wartet viel Geschichte – für die meisten in aller Regel Unbekanntes aus der jüngeren und eher unerfreulichen deutschen Vergangenheit. Denn diese Räume gehörten zu dem Bunkersystem, in dem die Menschen während des Zweiten Weltkrieges Schutz suchen – und finden – sollten vor dem Bombenhagel bei gegnerischen Fliegerangriffen.
Es ist eng dort unten zwischen den grauen Betonwänden, während man langsam und vorsichtig die Treppen hinabsteigt und – in diesem Fall eine Führerin erzählt, dass es damals bei Fliegeralarm deutlich schneller gehen musste. Und weil es niemand in der kleinen Gruppe weiß, beantwortet sie gleich auch selbst ihre Frage danach, wann in der Nazizeit mit den Kriegsvorbereitungen begonnen wurde: „Im April 1933 mit der Gründung des Reichsluftschutzbundes.“
Während sie erzählt, dass die Luftschutzwarte damals Unterhaltungen im Bunker verboten, merkt man selbst, dass einem sozusagen „die Sprache wegbleibt“ auf dem Weg durch die drei Bunkerebenen, die in Nebenräumen der zwischen 1928 und 1930 entstandenen U-Bahnlinie 8 eingerichtet worden waren. Sie wurden den Menschen als „bombensicher“ verkauft. Aber mit etwa 80 Zentimetern dicken Wänden waren sie es nicht. Und auch die Hinweise auf Gasschleusen waren lediglich eine „Beruhigungspille“; derartige Schutzvorrichten gab es überhaupt nicht.
Mehrere Meter unter der Brunnenstraße wird es schnell ziemlich warm. In den Bombennächten herrschten hier wegen der vielen Schutzsuchenden hohe Temperaturen, die den Menschen zusetzten und sie regelrecht auslaugten. Stundenlang bei Hitze und Dunkelheit hier auszuharren ging so manchen an die Psyche. Kein Wunder also, dass es in dem Bunker zahlreiche Selbstmorde gab. Um sich auch bei Dunkelheit orientieren zu können, waren die Wände mit phosphorisierenden Farben gestrichen; die Wirkung hat zwar im Laufe der Jahre nachgelassen, ist heute aber immer noch vorhanden.
Mit welcher Schicksalsergebenheit die Menschen damals die 1.100 Quadratmeter Bunkerfläche wieder verließen, wird auch daran deutlich, dass sie nicht „Auf Wiedersehen“ sagten, sondern „Bleib übrig“ – eine Formulierung, die die meisten Besucher „unter Tage“ schlucken lässt...

Weitere Infos und Öffnungszeiten sowie Termine für Führungen gibt es hier

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Es geht durch eine Ausstellung mit Exponaten aus jener Zeit. Zu sehen ist eine komplette Schutzausrüstung, wie sie sich nach Vorstellung des Reichsluftschutzbundes alle Familien zulegen sollte – natürlich auf eigene Kosten. So kostete eine Gasmaske 5 Reichsmark, was einem heutigen Wert von 50 Euro entspricht. Man kommt durch Schlafräume, in denen – welch Luxus – Betten von der Westfront an der Wand befestigt sind, teils Originale, teils neue Nachbauten. Und am Ende steht man in der totalen Zerstörung Berlins und dem von den alliierten Siegern verlangten nationalen Aufbauwerk. Dafür standen die Trümmerfrauen, die auf Anordnung der Alliierten die Trümmer mit der Hand abtransportieren und zur Wiederverwertung säubern mussten.
Erst 2000 gefunden wurde ein ganz besonderes Exponat: ein Karteikasten mit 12.000 Plaketten. Dabei handelte es sich um eine metallene Personalkartei aller Angestellter, darunter auch Zwangs- und Fremdarbeiter, der Firma Lorenz, die später in den Konzern Alcatel über ging. Der Fund war sogar Grundlage für die Zahlung von Entschädigungen.
Zum Schluss gibt es noch etwas „Nettes“, damit man den Berliner Untergrund nicht völlig niedergeschlagen verlässt. Die Vereinsführerin berichtet, dass Berlin einmal eine Stadt mit vielen Brauereien war. Zur Kommunikation wurde eine Rohrpostanlage aufgebaut. Das gesamte öffentliche Netz, 1865 in Betrieb genommen, war schließlich 400 Kilometer lang war. Eine Rohrpost brauchte durch das Röhrensystem etwa zwei Stunden. Teilweise ist sie heute noch in Betrieb. Der Grund ist ein ganz einfacher: Rohrpost ist – Spione dürften da ein wenig traurig sein – abhörsicher. (Fotos: www.hallo-luebbecke.de / 5 Fotos aus der Ausstellung von Dietmar Arnold, Stefan Gier, Reiner Janick, Stefan Lehmann und Frieder Salm/Berliner Unterwelten e.V)

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