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Das "Max und Moritz" zieht Lübbecker magisch an

Wirtshaus - diese Bezeichnung war lange der Inbegriff urdeutscher Kneipengemütlichkeit, was immer man darunter verstehen mag. Kaum einem Gastronomen würde es heute aber einfallen, diesen Begriff für die eigene Lokalität zu wählen. Ganz anders dagegen Michael Kuhlmann. Der gebürtige Alsweder ist Chef im "Max u. Moritz", Wirtshaus seit 1902 im Berlin-Kreuzberger Kiez. Und er legt gesteigerten Wert darauf, dass das auch so bleibt.

"Don Michele", wie Kuhlmann auch gern mal genannt und geneckt wird, hat sich hier eingerichtet. Und will hier auch keinesfalls wieder weg. Was aber am 17. Juni 1987 überhaupt noch nicht absehbar war. An jenem Tag stand der "gelernte Lehrer" ganz einsam und verlassen allein auf einem Bahnsteig im Bahnhof Zoo, nicht so recht wissend, wie es für ihn in der damals noch geteilten Stadt weitergehen sollte. Wobei er eines aber wusste: Als Lehrer wollte er jedenfalls nicht arbeiten. Im Jahre 2001 trat er über die Schwelle des "Max u. Moritz", arbeitete zunächst als "Treser" und im Service - und wartete geduldig auf seine Chance. Die kam, als es mit dem Wirtshaus wirtschaftlich nicht mehr so gut lief.

Wirtshaus - diese Bezeichnung war lange der Inbegriff urdeutscher Kneipengemütlichkeit, was immer man darunter verstehen mag. Kaum einem Gastronomen würde es heute aber einfallen, diesen Begriff für die eigene Lokalität zu wählen. Ganz anders dagegen Michael Kuhlmann. Der gebürtige Alsweder ist Chef im "Max u. Moritz", Wirtshaus seit 1902 im Berlin-Kreuzberger Kiez. Und er legt gesteigerten Wert darauf, dass das auch so bleibt. Am 1. April 2006 schlug dann die Stunde von "Don Michele" und seinem Kompagnon David Ryan. An diesem Tag übernahmen sie das Wirtshaus im Kreuzberger Kiez. "Und seitdem ist der Laden explodiert", macht Michael Kuhlmann aus seinem Erfolg keinen Hehl. Dabei ist der Alsweder nach wie vor "bekennender Ostwestfale", dem es eine Herzensangelegenheit ist, seine Gäste mit Spezialitäten aus OWL zu verwöhnen. Was gehört in einem Wirtshaus in erster Linie dazu? Richtig - das passende Bier. Das bekommt er aus der heimischen Privatbrauerei Barre. Insgesamt fünf Bierspezialitäten hat Kuhlmann im Anstich; Barres Pilsener belegt im Beliebtheits-Ranking seit ewigen Zeiten unangefochten Rang 2.

"Als ich vor Jahren mal wieder im Lübbecke war, bin ich einfach ins Barre-Stammhaus marschiert und habe dort gefragt, ob Barre schon reif ist für die deutsche Hauptstadt. Diese Frage kam wohl etwas überraschend - aber man fing sich schnell. Und noch während meines Besuches wurden die Weichen dafür gestellt, dass es im ‚Max u. Moritz' das leckere Barre geben würde", erzählt Kuhlmann. Und weist in der ihm eigenen humorvollen Sprachregelung, aufgepeppt mit ein wenig Theatralik, darauf hin, dass er mit "Barre vom Fass" im gesamten Großraum Berlin ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.
Wer aber nicht nur ein "kühles Blondes vom Wiehen" genießen, sondern auch gut, reichlich und dabei sogar preiswert essen will, kommt ebenfalls am Kreuzberger "Max u. Moritz" nicht vorbei. Der Blick in die mit Szenen aus Wilhelm Buschs gleichnamiger "Bubengeschichte in sieben Streichen" garnierte Speisekarte lässt das Wasser im Munde zusammen laufen. Und wenn man dann noch hört, dass Würstchen aus Lübbecke verarbeitet werden, bestellt man gern eine Eintopf-Terrine.

Wie aber kommen Lübbecker Würstchen in die Hauptstadt. Ganz einfach - per Kurier, aber auf rein privater Basis. Ein solcher ist Rolf Haake aus Lübbecke, seit vielen Jahren "bekennender Berlin-Fan". Er schaute irgendwann mal ins "Max u. Moritz" rein, fand schnell die gemeinsame Herkunft heraus und versorgt Michael Kuhlmann mit heimischen Würstchen, wenn Not am Mann ist. Wie kürzlich, als der Gastronom anrief und fragte, ob er nicht beim nächsten Besuch eine Ladung mitbringen könnte. Gebeten - getan. Gemeinsam mit seinem Begleiter Wolfgang Hanke aus Hüllhorst fuhr Rolf Haake auf den Hof der Fleischerei Reinköster, lud 1.450 vorbereitete Würstchen ein und lieferte sie noch am gleichen Tag ohne Unterbrechung der Kühlkette im "Max u. Moritz" ab. "Das reicht für sechs bis acht Wochen. Und dann kommt wieder jemand, der Würstchennachschub aus der alten Heimat mitbringt", freut sich der Gastronom. "Diese Qualität bekommt man in ganz Berlin nicht", betont er und ist froh, seinen Gästen so hochwertige Zutaten anbieten zu können. "Was jetzt noch fehlt, sind Säfte, wie sie z.B. Regine Brinkmann ‚Up'm Blasheimer Dorfplatz' anbietet. Aber man kann eben nicht alles haben", setzt er hinzu.

Rolf Haake und Wolfgang Hanke jedenfalls fühlen sich, wie alle anderen Gäste auch, im "Max und Moritz" pudelwohl. Wie gut der Ruf ist, kann man auch daran sehen, dass man einen Tisch für abends vorbestellen muss, will man nicht Stunden auf einem Barhocker verbringen. "Hier wird der Begriff Wirtshaus noch gelebt", fasst Haake seine Erfahrung in die richtigen Worten. "Das ist keine Touristenfalle. Hier ist bewirten gleich verwöhnen. Und das wird mit jeder Menge Herzblut getan." Sagt's und freut sich im gleichen Atemzug auf einen Besuch im Quatsch-Comedy-Club im Keller des Friedrichstadt-Palastes - diesmal mit Sprücheklopfer Oliver Pocher.

Im Jahr 2012 feiert "Max u. Moritz" 110-jähriges Bestehen. Gefeiert werden soll schon, bloß das "Wie" steht noch nicht fest, sagt "Don Michele". Doch hat er bereits in diesem Jahr dafür die letzten Weichen gestellt. Vor einigen Wochen, im "Sommer", wurden der Schankraum und die kleine Bibliothek grundlegend renoviert. Dabei wurde die Zahl der Bücher von 6000 auf 1000 "wichtige" verringert und ein schickes Ambiente für Vorträge und Lesungen geschaffen. Hier steht auch eine der ältesten elektrischen Schreibmaschinen als Blickfang. Promis sind dem Gastronomen aus Alswede egal. "Hier waren schon Schauspieler und Politiker. Aber im ‚Max u. Moritz' bin ich Gott", gibt sich Michael Kuhlmann überaus selbstbewusst. Täglich zwischen 17 und 1 Uhr dirigiert er sein je nach Bedarf bis zu 25 Personen starkes Team, steht dabei selbst hinter dem Tresen und zapft, bis der Schweiß tropft…

Bis zu 260 Personen finden im "Max u. Moritz" auf originalen Tourneestühlen oder in Sesseln Platz, hier treffen sich Tango-Freunde ebenso wie Fans von Modell-Eisenbahnen, hier gibt es Live-Musik und Lesungen unter originalen Stuckdecken und Fenstern mit Bleiglas, die während des Krieges im Keller vor Zerstörungen in Sicherheit gebracht wurden. Wer vom Wiehen in die Hauptstadt fährt, sollte neben Kudamm, Friedrichstraße und Unter den Linden auch das "Max u. Moritz" auf seine Besuchsliste setzen. Es lohnt sich…

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