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Warum ist die Nacht mit ihrer Dunkelheit notwendig?

Lübbecke -

Zu einem spannenden Vortrag über Lichtverschmutzung hatte der NABU Minden-Lübbecke Dr. Andreas Hänel ins NABU Besucherzentrum Moorhus nach Lübbecke-Gehlenbeck eingeladen.

Dr. Hänel bei seinem Vortrag im Moorhus. (Foto: Meckling)

Zu einem spannenden Vortrag über Lichtverschmutzung hatte der NABU Minden-Lübbecke Dr. Andreas Hänel ins NABU Besucherzentrum Moorhus nach Lübbecke-Gehlenbeck eingeladen.

„Die Nacht ist zunächst ein faszinierendes Naturereignis und für die Betrachtung des Sternenhimmels absolut notwendig. Früher bestimmte der Wechsel von Tag und Nacht die Zeit und den Kalender, die Seefahrer navigierten nach den Sternen. Heute wissen wir: Die Artenvielfalt und unsere Gesundheit werden von der Nacht mitbestimmt.“ Dr. Andreas Hänel forscht seit 20 Jahren zur Lichtverschmutzung der Nacht. Der Astronom und Physiker leitet seit 1986 das Planetarium am Schölerberg in Osnabrück.

„Es gibt immer auch eine natürliche Aufhellung der Nacht. Das Mondlicht, Polarlichter und der Sternenhimmel erhellen die Nacht.“ Dabei ist die natürliche Nacht im Frühling dunkler als im Herbst. „Im Frühling fehlt die Milchstraße, diese ist bei uns im Herbst zu sehen und erhellt dann die Nächte“, berichtet Dr. Hänel. Allerdings bemerken wir das nicht, da wir die natürliche Dunkelheit mit künstlichem Licht überlagern und sie „verschmutzen“ – wir sehen weniger Sterne.

Das künstliche Licht kommt aus verschiedenen Quellen: Straßenbeleuchtungen, Gebäudebeleuchtungen, Werbetafeln, Flutlichtanlagen, Lichtsmog über den Städten durch individuelles an den Himmel gestreutes Licht.

„Die Folgen dieser Lichtverschmutzung sind groß. Die nachtaktive Tier- und Pflanzenwelt leidet unter künstlichem Licht. 50 % unserer Tiere sind Insekten. 85 % dieser Insekten sind nachtaktiv, werden vom Licht wie von einem Staubsauger „angesaugt“ und verenden in den hellen Lichtquellen. Sie fehlen dann in der Nahrungskette für Vögel, Fledermäuse, Igel & Co. sowie als Bestäuber nacht- und dämmerungsaktiver Pflanzen wie der Linde und dem Holunder.

Das Aussterben und Abwandern von Arten droht

Insekten am Bach wie Eintagsfliegen, Zuckmücken, Kriebelmücken werden aus Entfernungen von bis zu 1,3 km vom Licht angezogen.“ Auch Vögel sind von der Lichtverschmutzung unmittelbar betroffen. Der sogenannte ‚Towerkill‘ von Vögeln zeigt einen erschreckenden Zusammenhang von Gebäudebeleuchtung und Vogeltod. „Die Vögel werden durch illuminierte Gebäude abgelenkt und kommen an der Fassade um. Über 3 000 Milliarden Vögel kommen nach Schätzungen in den USA an beleuchteten Gebäuden zu Tode.“

Unseren Fledermäusen zerschneiden die künstlichen Lichtquellen ihre Flugwege und die Beleuchtung von Einfluglöchern verändert das Verhalten: Sie fliegen später aus oder geben die Quartiere gänzlich auf.

Aber auch der Mensch leidet unter der künstlichen Beleuchtung. Licht gilt als Taktgeber unserer „inneren Uhr“. Das Schlafhormon Melatonin wird nur im Dunklen produziert. Wird die Produktion gehemmt, kommt es zu Schlafstörungen, das Krebsrisiko erhöht sich und psychische Erkrankungen nehmen zu. Licht mit hohem Blauanteil wirkt sich besonders negativ aus. „Einige Hersteller von Mobiltelefonen, Tablets und Bildschirmen haben schon reagiert. Bei den modernen Geräten reduziert sich der Blauanteil bei Dunkelheit von selbst.

Bei Beleuchtung im öffentlichen Raum oder auf Grundstücken kann optimierte Lichtlenkung dazu führen, dass Licht nicht blendet oder möglichst wenig streut. Optimale Leuchten sind vollabgeschirmt, mit flachem Schutzglas und waagerecht montiert. Eine ideale Straßenbeleuchtung beleuchtet somit nur Straßen und Gehwege und streut nicht in die Umgebung. Bodenstrahler und nach oben gerichtete Scheinwerfer verschwenden Energie und erzeugen sehr viel Lichtverschmutzung.

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Ebenso wichtig ist die Lichtfarbe. Lampen sollten nur mit einer warmweißen Farbtemperatur bis max. 3000 Kelvin verwendet werden, zum Beispiel warmweiße LEDs.

Das Dimmen der Beleuchtung oder die Nachabschaltung bzw. Bedarfsschaltung gehört zur Beleuchtungssteuerung und spart nicht nur Energie, sondern dient dem Schutz der Tiere und unserer Gesundheit.

Ausgewiesene „Sternenparks“ ermöglichen in Europa das Erleben einer weitgehend natürlichen Nachtlandschaft. Der Naturpark Havelland, der Nationalpark Eifel und das Biosphärenreservat Rhön sind gehören zu diesen Sternenparks. „Der Schutz der Natur besonders in der Nacht, die Reduzierung des Energieverbrauches durch eine verantwortungsvolle und umweltverträglichere Beleuchtung, die Reduzierung der Lichtverschmutzung sowie Umweltbildung und –forschung sind die vorrangigen Ziele der Sternenparks“, so Dr. Andreas Hänel, der zur Fachgruppe Dark Sky gehört – der Vereinigung der Sternfreunde, die die Anerkennung zum Sternenpark mit vorbereitet und vergibt.

Übrigens – einige Kommunen wie Petershagen und Preußisch Oldendorf schalten nachts die Straßenbeleuchtung ab und sparen damit nicht nur 80 % Energiekosten, sondern bieten einen wunderbaren Nachthimmel. Ein gutes Vorbild für andere Kommunen, findet der NABU Minden-Lübbecke.

Mehr Informationen und Anregungen zu einem energiesparenden Umgang mit Beleuchtungsmitteln im eigenen Garten, auf Zuwegungen und im öffentlichen Raum bekommen die Besucher zurzeit im NABU Besucherzentrum Moorhus in Lübbecke-Gehlenbeck. Hier zeigen zwei Ausstellungen, wieso Lichtverschmutzung immer mehr zum Problem für Mensch und Natur wird und wie mit sinnvoller, ökologischer Beleuchtung gearbeitet werden kann. Die Ausstellungen sind noch bis Ende Mai während der Öffnungszeiten des Moorhus (Mi-Sa. 14-18 h, So. und feiertags 11-18h) zu sehen.
(Text: Sandra Meier – NABU Minden-Lübbecke)

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