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Als ob’s gestern wäre: „Silvio“ gibt’s seit 40 Jahren

Lübbecke -

Manchmal wird aus einer Urlaubsreise mehr – viel mehr – als eine flüchtige Begegnung mit einem anderen Land.

Manchmal wird aus einer Urlaubsreise mehr – viel mehr – als eine flüchtige Begegnung mit einem anderen Land. Genau so ist es Silvio Armeli gegangen, der in diesen Tagen auf das 40-jährige Bestehen seines „Silvio – Il Restaurante“ zurückblicken kann. „Sogar ein bisschen wehmütig“, wie er offen zugibt und fragt, „wo sind bloß diese 40 Jahre geblieben?“

Anfang der 1970er Jahre wollte er mehr sehen von der Welt als sein Sizilien – und machte sich auf den Weg gen Norden. Deutschland mit seinen vielen unterschiedlichen Gegenden und kulturellen Eigenheiten war sein Ziel. Auf der Route des jungen Sizilianers lagen der Harz, Minden, Bünde – und auch Lübbecke. In Bünde traf er auf die Pacinis, die dort damals eine Eisdiele betrieben. Man kam ins Gespräch und tauschte sich aus. Heraus kam, dass es in Bünde zu der Zeit keine Pizzeria gab und Pacinis einem solchen Restaurant keine Erfolgsaussichten einräumten: „Sie sagten mir, dass sich so etwas in Bünde nicht lohne und die Leute zum Essen eher nach Löhne fahren oder nach Lübbecke.“

Wenigstens anschauen wollte sich Silvio Löhne, bog aber mit seinem damaligen grünen VW-Käfer nach Lübbecke ab – und daraus sind 40 Restaurant-Jahre geworden. Denn ein Objekt – das in der Gerichtsstraße 3 – war frei, der erste 10-Jahres-Vertrag schnell gemacht: „Aber ich hatte niemals vor, so lange zu bleiben. Denn diese zehn Jahre erschienen mir damals wie eine Ewigkeit.“ Das von ihm mittlerweile erworbene Gebäude hat er inzwischen zweimal vom Keller bis zum Dach umgestaltet und dabei auch die überaus gelungene und im Sommer so beliebte Außengastronomie im Hof des Alten Amtsgerichtes erfolgreich installiert.

Schon seit vier Jahrzehnten gibt es in Lübbecke das italienische "Silvio - Il Restaurante".

Zweifel an seinem Erfolg hatte Silvio nicht. Er wollte selbst etwas machen und lernen, „denn Essen war und ist meine Leidenschaft.“ Bei seinem Abstecher in die deutsche Gastronomie entdeckte er aber sehr schnell einen entscheidenden Unterschied: „Es fehlten Brot und Nudeln.“ 

Das wollte er ändern. Silvio war und ist sehr optimistisch und davon überzeugt, sich einen Kundenstamm aufbauen zu können: „Das ist mir gelungen, und darauf bin ich sehr stolz. Diejenigen, die damals zu mir kamen, kommen heute noch, und mittlerweile kommen auch deren Kinder, worüber ich mich ganz besonders freue.“ Er ist sehr stolz auf seine Gäste – und verwöhnt sie alle: Senioren und Kinder, Menschen mit kleinem und solche mit großem Portemonnaie. Sie alle können sich darauf verlassen, beste Silvio-Qualität zu bekommen. Und alle werden mit einem Mango-Prosecco begrüßt oder einem Getränk ohne Alkohol. Silvio hat viele gute Erinnerungen an zahlreiche Gäste, die sich oft und gern von ihm und seinem Team verwöhnen ließen – und denkt mit Wehmut an die zurück, von denen er mittlerweile hat Abschied nehmen müssen.

Aber: Die 40 Jahre Lübbecke waren nicht nur rosig, räumt er in der Rückschau ein, es gab auch schwierige Zeiten. Insbesondere die Umstellung auf den Euro habe Probleme gemacht. Dennoch habe man fleißig weitergearbeitet, sich durchgebissen – und dann besserte sich die Situation ja auch wieder. 

Insbesondere einem Ereignis ist dies, meint Silvio, zu verdanken: seinem Streit mit der Stadt Lübbecke über die Vergabe eines Standes für seine Pizzabude auf dem Blasheimer Marktplatz. „Viele Lübbecker unterstützten mich damals und kamen aus Solidarität zu mir. Seitdem habe ich viele Kunden gewonnen, die mich und meine Pizzabude – mittlerweile habe ich zwei – auch für private Feiern mieten.“

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Macht ihm Gastronomie, macht ihm das Kochen auch nach 40 Jahren noch Spaß? „Ja, ich mache das gern und mit Liebe, auch wenn es mal Frustmomente gibt. Aber wo gibt es die nicht?“ sagt Silvio und weist auf seinen „Renner“, die selbst gemachten Nudeln hin, die auf Bestellung frisch zubereitet werden. Wer etwas Besonderes „auf die Gabel“ will, sollte fragen. Dann kreiert Silvio etwas, das nicht auf der Karte steht. Und serviert seit Jahren dazu auf Wunsch Wein bzw. Posecco vom Fass.

Dass er das Restaurant- und Kneipensterben überstanden hat, hält Silvio auch seinem Team zugute. „Ich arbeite gern im Team und fasse mit an, um etwas schnell zu erledigen. Ein Team ist wie ein Orchester: Alle Instrumente müssen stimmen, alle Abteilungen müssen funktionieren: Kellner und Theke, Kellner und Küche, Küche und Pizzabäcker. Bei uns fliegen keine Töpfe, und es wird auch nicht gebrüllt.“

Nach 40 Jahren „Silvio – Il Restaurante“ ist die Frage nach der Zukunft des „Lübbecker Italieners“ erlaubt. Silvio-Fans können sich darauf freuen, weiter von ihm verwöhnt zu werden. Und Gedanken an eine Nachfolge schiebt er weit von sich. „Abgesehen davon, dass die auch nicht in Sicht ist“, sagt er und schiebt schmunzelnd nach: „Wenn mich der Liebe Gott braucht, muss ich hin. Sonst mach ich eben nochmal 40 Jahre...“

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