Reiseberichte aus erster Hand von Menschen aus der Region

"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon." Dieses Zitat wird dem römischen Kirchenlehrer Augustinus Aurelius zugeschrieben. Und was für ihn um 400 n. Chr. galt, hat heute nach wie vor Gültigkeit. Neugier auf Fremdes, Außergewöhnliches, der Wunsch nach Ruhe, Abenteuergeist, pure Reiselust - es gibt viele Gründe, der Heimat Tschüss zu sagen, und wenn es nur für wenige Tage oder Wochen ist. Ihr Internet-Portal HALLO LÜBBECKE veröffentlicht an dieser Stelle in Zukunft Berichte über Reisen und dabei gesammelte Erfahrungen. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang ganz besonders auf Ihre Zuschriften, die wir gern mit Text und Bildern veröffentlichen. Welche Erfahrungen haben Sie auf Reisen gemacht? Waren Transport und Unterkunft ok? Lohnt es sich auch für andere, dorthin zu fahren? Oder gilt eher "Einmal und nie wieder?" Lassen Sie die HALLO LÜBBECKE-Freunde von Ihren Erfahrungen, von Ihrem Wissen profitieren.

In Petra auf den Spuren der Ammoniter, Nabatäer, Römer und Kreuzritter

Seit Mario Hofmann in den 1990er Jahren „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gesehen hatte, hatte er den Wunsch, einmal im Leben Petra, die sagenumwobene Hauptstadt der Nabatäer, zu sehen. Durch den Siq - eine teils nur zwei Meter breite, ca. 1,5 Kilometer lange Schlucht mit bis zu 200 Meter hohen Felswänden zu beiden Seiten - auf das „Schatzhaus“ zuzugehen, den 50-minütigen Aufstieg zum Felsgrab Ed-Dair zu machen und die Faszination der bunten Farben der Felsen und die atemberaubende Kulisse einmal erleben. Bei seinem fünftägigen Jordanien-Trip ging für den Büroleiter des First Reisebüro Lübbecke dieser Traum in Erfüllung. Hier lesen Sie seinen Rundreisebericht.

© Mario Hofmann - Reisebericht Jordanien
© Mario Hofmann - Reisebericht Jordanien

Ich habe erfahren, Jordanien hat weit mehr als Petra zu bieten. In Amman, der Hauptstadt des Haschimitischen Königreiches Jordanien, konnte ich von der Zitadelle fast die gesamte Stadt, die sich damals wie Rom auf sieben Hügel erstreckte, überblicken. Auf der Fahrt in den Süden ist das Wadi Mujib, der Grand Canyon Jordaniens, eine Pause wert. Nach einem beeindruckenden Tag in Petra fuhren wir weiter gen Süden nach Wadi Rum. Eine Nacht, wie Lawrence von Arabien, in einem Beduinen-Wüsten-Camp ist sehr empfehlenswert. Nirgendwo ist der Sternenhimmel klarer und die Sonnenauf- und untergänge traumhafter. Die bizarren, rötlichen Felsformationen schimmern dann in der Dämmerung. Am südlichsten Zipfel Jordaniens laden in Aquaba zahlreiche Hotels zu einem entspannten Badeaufenthalt ein. Die heilende Wirkung des Salzwassers konnte ich 300 m unterhalb des Meeresspiegels, am Ufer des Toten Meeres genießen. Schöne, ufernahe Hotels bieten alles für einen erholsamen Aufenthalt.

Fazit: Jordanien ist eine Reise wert. Selten habe ich mich auf Reisen sicherer gefühlt als dort.


Chile-Reise Teil IV: Einmal Osterinsel und zurück nach Santiago

Reisen ist die große Leidenschaft von Peter Witt. Gemeinsam mit seiner Frau Eva hat er im Laufe der Jahre zahlreiche Länder in Südostasien besucht. Auch nach Nord- und Mittelamerika führten die Beiden verschiedene Touren. Dabei ging es auch - aber eben nicht nur - um Erholung. Weil sie Land und Leute kennen lernen wollten, buchten sie so genannte Studienreisen. Und die hatten hohe Berge ebenso zum Wanderziel wie schwül-warme Regenwälder.
Die jüngste Reise unternahm Peter Witt allein: Der seit 24 Jahren in Lübbecke lebende Krankenhausarzt erlebte im Rahmen einer solchen Studienreise mit Chile ein Land, das nicht unbedingt zu den überlaufenen Touristenzielen gehört. Sogar ein Abstecher zu den Geheimnis umwitterten Osterinseln gehörte zum Programm. Begleiten Sie ihn im vierten und letzten Teil seines Reiseberichtes auf die Osterinseln.

Über die Osterinsel oder auch Rapa nui werden ja immer mal wieder Berichte im Fernsehen gesendet. Ich hatte dadurch völlig andere Vorstellungen von dieser Insel, die am Ostersonntag 1722 von Europäern entdeckt wurde. Sie ist bewaldet, besonders im Süden, und es leben im einzigen Ort im Süden, Hanga Roa, rund 5.000 Einwohner. Dort ist auch der Flughafen. Die längste Ausdehnung beträgt 26 Kilometer, es gibt Berge und nicht mehr aktive Vulkane. Die auf der Osterinsel beheimateten Steinstatuen sind ja von Fotos bekannt. Doch als sie dann vor mir standen, kam ich mir doch recht klein vor! Es sind etwa 1000 Statuen oder Moai bekannt, die größte misst 20,65 Meter. Die bekannteste ist sicher die einzeln stehende Statue mit nachgestalteten Augen und Steinhut auf dem Kopf. Doch über die ganze Insel verteilt finden sich, oft in Gruppen aufgestellt, viele Orte an der Küste mit diesen Moai. Sehr Sehenswert ist auch der Steinbruch, aus dem die Figuren geschlagen wurden, und wo noch ca. 70 Moai stehen oder liegen. Wir haben viel über die Historie gehört, auch wenn davon wieder vieles vergessen wird.

© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil IV
© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil IV - Einmal Osterinsel und zurück nach Santiago

Als begeisterter Hobbytaucher konnte ich an einem Nachmittag mit der dortigen Tauchschule einen Tauchgang im klaren und warmen Wasser (Südsee!) absolvieren - es gibt aber leider wenige "spektakuläre" Fische. Die gesamte Küste ist vulkanisch; nur im Norden gibt es einen schönen Strand mit Palmen und Moai`s. Unser Hotel im Ort war in eine malerische Gartenanlage eingebettet, mit schönem Swimmingpool, so dass diese Tage auf der Osterinsel doch auch einen Erholungseffekt hatte, Wir konnten die milden Abende auf der Terrasse gemütlich ausklingen lassen. Der Rückflug nach Santiago dauerte ca. fünf Stunden, und wir waren wieder spät abends im Hotel, unsere letzte Nacht in Chile. Der letzte Tag in Santiago war wieder ein wunderschöner Sommertag, in den wir nach dem Frühstück mit einer Stadtrundfahrt starteten. Die Stadt machte einen sehr positiven Eindruck auf mich, mit vielen Parks and breiten Straßen. Das Zentrum der Stadt, der Regierungspalast - La Moneda - einst als Münze erbaut, ist ein wunderschöner Bau und wird von den gesamten Ministerien umrahmt. Auch das Wachpersonal am Eingang war sehr freundlich, gegen ein Foto mit ihnen zusammen hatten sie nichts einzuwenden.
Der gemeinsame Abschluss mit einem Essen war in der zentralen Markthalle (Mercado Central) und einem großen Steak! Direkt an der Markthalle beginnt auch die Fußgängerzone. Sie war stark belebt, die Geschäfte geöffnet mit einem vorzüglichem Angebot. Chile ist ein wirtschaftlich starkes Land in Südamerika; wir wurden niemals belästigt oder auch angebettelt. Wir konnten uns sicher in diesem Land bewegen, die Menschen waren freundlich und nicht aufdringlich. Die Reise hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen - wenn nur nicht die Flüge wären! Wie auch die Anreise, so war auch der Rückflug mit der Fluggesellschaft LAN wieder eine Katastrophe. Zwei Stunden Verspätung beim Abflug in Santiago und weitere Verspätung beim Weiterflug in Madrid, so dass natürlich die vorgesehenen möglichen Züge bereits abgefahren waren. Trotz alledem, es war ein schöner Urlaub mit vielen neuen Eindrücken!


Chile-Reise Teil III: Patagonien bietet jede Menge fantastische Natur

Unser Flug am kommenden Morgen war anfangs von wolkenlosem Himmel begleitet. Den am Fenster sitzenden bot sich ein ausgezeichneter Blick auf die südlichen Anden und den Campo de Hielo Sur mit seinen Eismassen. Diese stellen nach der Antarktis und Grönland die drittgrößte zusammenhängende Eisfläche der Welt dar. Ich konnte lange und breite Gletscher erkennen mit den Gletscherseen, auf denen abgebrochene Eisberge schwammen. Erst weiter im Süden wurde es wolkig, schade!
Die Stadt Punta Arenas mit ihren 120.000 Einwohnern liegt direkt an der 1520 gefundenen Schiffspassage zwischen Atlantik und Pazifik, der Magellanstraße, und wurde 1848 gegründet. Da sie auf einen Hügel hinaufgebaut wurde, hat man von dort oben einen super Blick über die Stadt, teile des Hafens, die Magellanstraße und das gegenüberliegende, 36 Kilometer entfernte Feuerland. Im Zentrum der Stadt auf der Plaza Munoz Gamero steht ein Denkmal, das den Seefahrer Magellan stehend zeigt.

Über die Osterinsel oder auch Rapa nui werden ja immer mal wieder Berichte im Fernsehen gesendet. Ich hatte dadurch völlig andere Vorstellungen von dieser Insel, die am Ostersonntag 1722 von Europäern entdeckt wurde. Sie ist bewaldet, besonders im Süden, und es leben im einzigen Ort im Süden, Hanga Roa, rund 5.000 Einwohner. Dort ist auch der Flughafen. Die längste Ausdehnung beträgt 26 Kilometer, es gibt Berge und nicht mehr aktive Vulkane. Die auf der Osterinsel beheimateten Steinstatuen sind ja von Fotos bekannt. Doch als sie dann vor mir standen, kam ich mir doch recht klein vor! Es sind etwa 1000 Statuen oder Moai bekannt, die größte misst 20,65 Meter. Die bekannteste ist sicher die einzeln stehende Statue mit nachgestalteten Augen und Steinhut auf dem Kopf. Doch über die ganze Insel verteilt finden sich, oft in Gruppen aufgestellt, viele Orte an der Küste mit diesen Moai. Sehr Sehenswert ist auch der Steinbruch, aus dem die Figuren geschlagen wurden, und wo noch ca. 70 Moai stehen oder liegen. Wir haben viel über die Historie gehört, auch wenn davon wieder vieles vergessen wird.

© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil III
© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil III - Patagonien bietet jede Menge fantastische Natur

Mit dem Bus fuhren wir dann weiter Richtung Norden, vorbei am Hafen, wo ein Kreuzfahrtschiff ankerte. Hier starten die Antarktisfahrten von Chile aus. Der andere Hafen ist Ushuaia auf der argentinischen Seite von Feuerland. Unsere Busfahrt führte uns durch die unendlichen Weiten Patagoniens, vorbei an nicht endenden Einzäunungen der Landgüter (Estanzias) mit Rindern und Schafen. Unterwegs am Seno de Otway - schon einem Meer vergleichbar, da kein gegenüberliegendes Ufer erkennbar, fotografierten wir Magellanpinguine, die Ende März nach Aufzucht der Jungtiere diesen Platz wieder verlassen. Ein im Gelände liegende totes Schaf lockte ca. 20 Andenkondore, die zu den größten flugfähigen Vögeln der Erde mit ca. zwölf Kilogramm Gewicht zählen, und deren Flugmanöver zu beobachten (Flügelspannweite ca. drei Meter) war schon etwas besonderes. Ein gutes Teleobjektiv war da schon sehr sinnvoll!
Unser Endziel Puerto Natales erreichten wir am frühen Abend und wurden in einem vorzüglichen Hotel untergebracht, Hotel Altiplanico Sur. Dieses liegt am Fjord Ultima Esperanza (letzte Hoffnung) und die Namensgebung soll von dem Finder der West- Ost- Passage der Magellanstraße stammen, der alle möglichen Zufahrten absuchte und letztendlich hoffte, dieser Fjord sei die Gewünschte. Er war leider wieder im falschen Fahrwasser! Am folgenden Morgen wurden wir und 6 Uhr geweckt, und nach einem Frühstück begann ein weiterer Höhepunkt unserer Reise: Die Fahrt in den Nationalpark Torres del Peine. Das Schiff startete gegen 8.00 Uhr, und wir fuhren den Fjord nordwärts, vorbei an steilen Felswänden mit Wasserfällen, Kormoranen und teilweise starkem Wellengang. Endziel war erst einmal der Serrano-Gletscher. Noch nie habe ich an der Abbruchkante eines Gletschers (mit schon etwas Abstand) gestanden! Es war schon beeindruckend, bei Sonnenschein die unterschiedlichen Blaufärbungen des Eises zu fotografieren.
Nach einem Mittagessen nahe des Gletschers bekamen wir Schutzkleidung und Schwimmwesten, und unsere Gruppe fuhr mit zwei Zodiacs weiter gen Norden zum Eingang des Nationalparkes. Unterwegs konnten wir einen weiteren riesigen Gletscher von Fern sehen, der sich aus der Eismasse de Campo de Hielo Sur entwickelte, der Glaciar Tyndall. Und immer uns voraus, als Ziel weithin sichtbar, der Monte Almiante Nieto, 2500 Meter hoch, mit seinen drei Torres, der höchste 2850 Meter. Diese Berggruppe ist das Ziel vieler Touristen - die zum Teil das Gebirgsmassiv umwandern - und von Bergsteigern. Auf uns wartete wieder unser Bus (er war auf der Straße vorausgefahren) der uns, entlang von Seen, Bergen und Tälern auf befestigter und staubiger Straße zu unserem Hotel Las Torres im östlichen Teil des Parks brachte.
Der Ort unseres Hotels ist ein riesiges Privatgelände und beginnt am Fluss Paine. Hier wurde in den 30er Jahren eine Brücke gebaut, die auch die Grenze zum Nationalpark hier am Fluss darstellt. Der Bus war zu breit und musste hier parken, d.h. wir mit Gepäck wurden in kleinere Fahrzeuge umgeladen. Die Lenker dieser Fahrzeuge hatten beidseits zum Brückenpfeiler nur wenige Millimeter Spielraum, um das Auto da hindurch zu bekommen; wir waren jedes Mal darüber erstaunt. Eine neuer Brückenbau scheitert an der Zuständigkeit (Privat oder Nationalpark??). Jedenfalls diente uns das Hotel für zwei Nächte als Basislager nach den Besichtigungsfahrten.
Wir waren an der Laguna Azul mit ihrer herrlichen Wasserfärbung, sahen Guanakos, Füchse, Flamingos, Caracaras, Gürteltiere, Magellangänse sowie herrliche Landschaften. Wir waren an zwei großen Wasserfällen und bekamen Mittagessen in einem netten Restaurant auf einer Insel im Lago Pehoe. Noch einen weiteren Gletscher konnten wir besichtigen, kamen durch den großen Gletschersee jedoch nicht so dicht an die Eismasse heran (Glaciar Grey). Große Teile des Nationalparks in der Nähe unseres Hotels wurden im Februar 2005 durch ein Großfeuer vernichtet, viele verbrannte Bäume sind jetzt noch zu sehen. In einem Monat verbrannten ca. 15.000 Hektar Buschlandschaft, wie uns unsere Reiseleiterin erklärte. Viele Touristen, auch aus unserem Hotel, mussten damals ausgeflogen werden. Für uns jedenfalls waren die Tage im Nationalpark Torres del Paine wunderschön bei bestem Wetter bis 30 Grad! Während der Rückfahrt mit dem Bus nach Puerto Natales waren wir dann aber fast alle geschafft, und wohl die meisten sind eingeschlafen.
Unseren letzten Abend in Puerto Natales verbrachten wir in einem netten Restaurant bei gutem Essen und Wein. Am folgenden Morgen ging es zurück nach Punta Arenas zum Rückflug nach Santiago. Auch dort wurden wir wieder im schon von uns bewohnten Hotel untergebracht und kamen erst gegen 23.00 Uhr zur Ruhe. Auch der folgende Tag war wieder anstrengend aber voller freudiger Erwartungen: Wir flogen zur Osterinsel!


Chile-Reise Teil II: Deutsche prägen eine ganze Region

Begleiten Sie Peter Witt im zweiten Teil seines Reiseberichtes in den von deutschen Siedlern geprägten Landesteil.

Wieder mit der LAN und wieder mit Verspätung flogen wir von Calama mit einem kurzen Zwischenstopp in Santiago Richtung Süden nach Puerto Montt und von da mit dem Bus ca. 30 Minuten nach Norden nach Puerto Varas, gelegen am zweitgrößten See Chiles, dem Lago Llanquihue. Wir bezogen unser Hotel direkt an der Uferpromenade. Diese Gegend, an der Grenze vom "Kleinen Süden" zum "Großen Süden", 32° südlicher Breite, wurde einst von deutschen Siedlern kultiviert und der Ort selbst 1854 von deutschen Siedlern gegründet. Man sieht hier noch viele Zeugnisse der einst deutschen Einwanderer (z.B. Gasthäuser mit "Kaffee und Apfelstrudel"). Es gibt deutsche Schulen (übrigens 25 in ganz Chile) und deutsche Krankenhäuser, die in der Bevölkerung hoch angesehen sind. Es sei jedoch schwierig, deutsche Lehrer zu bekommen - und diese seien dann im eigenen Lande meist schon Pensionäre.

© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil II
© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil II - Deutsche prägen eine ganze Region

Der wirtschaftliche Schwerpunkt dieser Region liegt in der Fleischproduktion, gefolgt von der Lachszucht, in deren Gefolge sich die Einwohnerzahl der letzten 20 Jahre verdoppelte und erst an dritter Stelle der Tourismus. Aufgrund seiner Seelage herrscht hier ein recht mildes Klima: Es gibt keinen Schnee und im Winter keinen Frost, so dass die Tiere ganzjährig auf der Weide bleiben können.
Am folgenden Tag begann unsere Busrundreise am See entlang mit dem Ziel Vulkan Osorno an der Nordostseite gelegen. Der 2652 Meter hohe Berg hat eine Schnee- und Eiskuppe und kann bis etwa zur Hälfte mit dem Bus befahren werden. Leider war dieser eine Tag regnerisch und nebelig, so dass wir den Gipfel nicht mit den Sesselliften befahren konnten. Übrigens war der letzte Ausbruch 1835 und somit keine Gefahr für uns Touristen. Ab Fuße des Vulkans befindet sich der erste Nationalpark Chiles, gegründet 1926 mit seinen Saltos Rio Petrohue. Diese Wasserfälle über Lavagestein-Felsformationen sind romantisch gelegen inmitten ca. 800 Meter hoher Berge der Anden-Kordilleren und auch bei Niedrigwasser recht sehenswert. Das Wasser dieser Fälle kommt aus dem 200 Meter tiefen Lago Todos los Sandos - auch Allerheiligensee genannt, da er am 01.11.1636 entdeckt wurde und wegen seiner blaugrünen Farbe auch Lago Esmeralda heißt. Wir konnten hier eine Bootsfahrt durchführen und haben uns gut amüsiert. Sehr interessant waren auch die Ausführungen unserer ortsansässigen Reiseleiterin über die Geschichte der Region, die ja sehr stark durch die deutschen Siedler geprägt wurde. Es sollen noch 4000 Deutsche in dieser Region leben. Der letzte Abend hier am See wurde dann in einem guten Steakhaus bei chilenischen Weinen und Bier genossen - mit Blick auf unser nächstes Ziel Punta Arenas in Patagonien.


Chile-Reise Teil I: Heißes Bad im kalten Wind auf 4500 Metern Höhe

Begleiten Sie Peter Witt im ersten Teil seines Reiseberichtes in die Atacamawüste und zum größten Kupfertagebau der Welt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Chile, dieses Land im Westen Südamerikas, das sich in Nord-Süd-Richtung über 38 Breitengrade ausdehnt, von den Anden, den Kordilleren sowie der Atacamawüste geprägt wird und im Süden zahlreiche Gletscher, Nationalparks und Inseln aufweist, hat sich als wunderbares Reiseland präsentiert.

Nachdem wir mit der chilenischen Fluggesellschaft LAN über Madrid mit eintägiger! Verspätung in Santiago de Chile landeten, ging es nach einer kurzen Nacht am kommenden Morgen weiter in den Norden in die Atacamawüste, die als trockenste Wüste der Welt bezeichnet wird, und landeten in Calama. Unser Reiseziel San Pedro de Atacama erreichten wir mit einem modernen Reisebus. Dieser Ort diente als Basis für Ausflüge in die weitere Umgebung. Früh am Morgen brachen wir am folgenden Tag in eine Höhe von ca. 4500 Meter auf, um die Geysire el Tatio, die nur zum Sonnenaufgang zischen und dampfen, zu bestaunen. Das es zu dieser Zeit noch recht kalt war, war wetterfeste Kleidung dringend notwendig. Aber was macht das schon - als die Sonne über den schneebedeckten Gipfeln der Andenkette aufging, die leichten Wolken rötlich einfärbten und das Plateau der Hochebene sich sehr schnell erhellte, so dass die kleinen Vikunjaherden erkennbar waren, entschädigte der Blick die morgendlichen Mühen. Eine Entspannung gab es anschließend für die weniger Wetterempfindlichen bei kaltem Wind mit einem Bad in heißen Thermalquellen – eine Wohltat! Außerdem besuchten wir am Nachmittag den riesigen Salzsee mit seinen Flamingos und badeten in einer Salzlagune (Laguna Ceja), die immer mit dem Toten Meer verglichen wird. Auch das war für mich eine neue und sehr angenehme Erfahrung.

Ein besonderes Highlight in dieser Region war zweifelsfrei der Besuch des größten Kupfertagebaus der Welt in Chuquicamata mit einer Ausdehnung von 3 x 4 Kilometern und einer Tiefe von jetzt ca. 1000 Metern. Gegen die riesigen Kipper mit ihrer Erzladung und ihren 3000 PS Leistung erscheint der Fahrer fast als Winzling. Allein ein Reifen kostet ca. 30.000 Dollar - 100 dieser Lkw sind ständig im Einsatz. Aus gesundheitlichen Gründen wurden alle Arbeiter mit ihren Familien aus dem Dorf an der Mine, wo sie unentgeltlich wohnen konnten und wo alle Sozialleistungen sowie Nebenkosten gratis waren, in einen neuen Ort abseits der Mine umgesiedelt, jetzt jedoch gegen eine leichte finanzielle Mitbeteiligung an ihren neuen Häusern. Der alte Ort ist abgesperrt, kann jedoch besichtigt werden und wird auch für spätere Generationen erhalten.

Mit dem Besuch der Kupfermine war auch unsere Zeit in der Atacamawüste abgelaufen. Wir haben sehr schöne Landschaftsgebiete gesehen mit durchaus reichlich Pflanzenwuchs, denn hier im Norden herrscht kein Wassermangel, wie uns die Reiseleiterin erklärte. Die umliegenden Berge geben reichlich Wasser ab, und es regnet auch oft, wie am Tage vor unserer Ankunft.

© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil I
© Peter und Eva Witt - Chile Reise Teil I - Heißes Bad im kalten Wind auf 4500 Metern Höhe

Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Asien ist für Rainer Fäth und seine Frau Margit schon lange kein unbekannter Erdteil mehr. Bereits mehrere Reisen hat das Lübbecker Ehepaar dorthin unternommen. Die jüngste führte wieder einmal nach China und beinhaltete auch einen Abstecher zur Weltausstellung nach Shanghai. "Es waren anstrengende 14 Reisetage, aber voller großartiger Eindrücke und Erlebnisse" ist ihre einhellige Meinung. Ihr letzter Aufenthalt im Reich der Mitte liegt fünf Jahre zurück, doch durch die Medien und von einer befreundeten Familie in Schanghai wurden sie laufend informiert, in welchem rasanten Tempo die Entwicklung der chinesischen Städte voranschreitet. Das hat ihre Neugier beflügelt und sie beschlossen, sich vor Ort vom Stand der Dinge überzeugen. Heute lesen Sie den letzten Teil ihres überaus interessanten Reiseberichtes, in dem es noch einmal um Schanghai und natürlich auch die Weltausstellung EXPO 2010 geht.

Hier der fünfte und letzte Teil ihres Reiseberichtes in ein für viele unbekanntes Land - Schanghai (2) und EXPO 2010

Das neue China mit seinen scheinbar ungebremst wachsenden Wirtschaftmetropolen ist nur eine Seite des bevölkerungsreichsten Landes der Erde, das sich aus einer Jahrtausende alten Hochkultur entwickelt hat, wie wir ja schon in Peking und Xi'an eindrucksvoll demonstriert bekamen. Das noch junge Schanghai verfügt zwar nicht über vergleichbare historische Gemäuer, aber am nächsten Tag sorgt Yi-min dafür, dass wir auch Eindrücke des alten China mit nach Hause nehmen können. In einer Langversion des AUDI A6 (bei den Chinesen sehr beliebt) rollen wir in Richtung Süden, wobei wir feststellen können, dass diese Region kaum noch über intakte Natur verfügt. Das Land wirkt zersiedelt und ist nur stellenweise kultiviert, Wälder sieht man überhaupt nicht. Der Preis für Industrialisierung und Fortschritt?

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Nach 140 km erreichen wir unser erstes Tagesziel: Wuzhen, ein großes Dorf im Yangtze-Delta, das heute 45000 Einwohner zählt und aus einem Fischerort hervorgegangen ist - und das ist Wuzhen mit seinen zahlreichen Kanälen bis heute geblieben. Erste Spuren Wuzhens sollen 6 000 Jahre alt sein, aber erst im 19. Jahrhundert konnte es sich zu einem Handelszentrum entwickeln. Heute versucht das idyllische Großdorf offenbar erfolgreich, sich als "Zentrum chinesischer Kultur und traditionellen Handwerks" zu vermarkten, wie es ein Reiseführer formuliert. Und die Voraussetzungen dafür sind gegeben - alles ist so, wie man sich als europäischer Tourist das alte China vorstellt. Sogar einen Kormoranfischer gibt es hier, wobei wir rätseln, ob der Mann sein Brot tatsächlich mit den Fischen verdient, welche die Vögel fangen oder sich durch Zuwendungen der Besucher über Wasser hält. Wir besuchen ein Bettenmuseum, eine historische Destille, diverse Teestuben und das Wohnhaus von Mao Dum, einem der berühmtesten Schriftsteller Chinas aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die besten Fotomotive finden wir beim Überqueren der insgesamt 30 Steinbrücken, welche die Ufer der Kanäle miteinander verbinden.
Wir fahren weiter und erreichen bald Tongli, ein weiteres Wasserdorf etwa 20 km von Suzhou, das in der Songdynastie (960 - 1279) gegründet wurde. Die Kanalufer in Tongli sind weitgehend mit Bäumen bewachsen, unter denen zahlreiche Restaurants ihre Tische aufgestellt haben. Für das Herzstück der Stadt, den berühmten Tuisi Garten (Garten der tiefen Gesinnung), der in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, bleibt leider nicht viel Zeit, denn wir müssen die Rückfahrt antreten.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf und frühstücken ausgiebig (wie immer bestellen wir ein Omelett nach Wahl), denn Yi-min, der uns abholt, hat Karten für die EXPO 2010 besorgt. Nein, Geld will er dafür nicht haben. Natürlich nehmen wir die U-Bahn und freuen uns, einen für die EXPO idealen Tag mit Temperaturen um 25°C erwischt zu haben. Das macht längere Laufstrecken erträglicher - und die muss man in Kauf nehmen, denn das Ausstellungsgelände, das sich zu beiden Seiten des Huangpu-Flusses (Stadtteile Pudong und Puxi) erstreckt, die durch Fähren verbunden sind, umfasst ein Gebiet von 5,28 m², auf dem 192 Nationen und 50 internationale Veranstalter ihre Pavillons errichtet haben, um dem Motto der Ausstellung, "Bester City, Bester Life", gerecht zu werden. Dahinter steht das Ziel, die Lebensqualität in Städten zu erhöhen und gleichzeitig Umweltbelastungen zu reduzieren.
Weil er gerade in der Nähe liegt und uns die Wartezeit erträglich erscheint, reihen wir uns in die Schlange vor dem finnischen Pavillon ein, dessen Hülle aus umweltfreundlichem Verbundmaterial zu einer bemerkenswerten marmorweißen Optik in Form einer Schale geformt wurde. Margits Ausruf "toll" signalisiert einen gewissen Stolz auf ihre Heimat.
Da möchte François nicht nachstehen - 35 Minuten müssen wir bis zum Einlass in den französischen Pavillon warten, dann dürfen wir eintreten in den quadratischen Bau mit seinen 70 m langen Seitenwänden (Höhe: 30 m). Das Gebäude bietet dem Besucher einen typisch französischen Garten, dessen Ausgestaltung an einen Mikrochip erinnert. In dem Pavillon, der auch nach der EXPO bestehen bleiben soll, sind als Leihgaben des Muse d'Orsay sieben Meisterwerke französischer bzw. in Frankreich wirkender Künstler zu sehen - u.a. Werke von Cézanne, Gauguin, Rodin und van Gogh. Weitere Pavillons, die wir besuchen, sind die von Estland, der Slowakei, Dänemark, der Niederlande, Kanada, Luxemburg, Belgien und Großbritannien, dem mehr als 60 000 nach außen ragende Acrylstäbe von 7,5 m Länge das Aussehen eines Seeigels verleihen. Die Stäbe enthalten Pflanzensamen - eine Kampagne zur Erhaltung der Artenvielfalt, weshalb diese Konstruktion auch "Seed Cathedral" genannt wird.
Es ist dunkel geworden, und wir verspüren Hunger. Den stillen wir auf dem Messegelände in einem riesigen chinesischen Schnellrestaurant, das für wenig Geld durchaus schmackhafte Speisen anbietet. Eine halbe Stunde später sitzen wir in der U-Bahn, nach zweimaligem Umsteigen erreichen wir den Hauptbahnhof. Auch der letzte Tag unseres China-Aufenthalts ist für die EXPO reserviert. Petrus hat die Sonne freigegeben, und so bewegen sich heute die Temperaturen jenseits der 30°C - Marke. Betreut werden wir an diesem Tag von einen jungen Mann aus Yi-mins Verwandtschaft, der soeben an der Universität Würzburg (Rainer bestens bekannt) sein Examen als Geologe abgelegt hat und im Herbst seine Ausbildung in Jülich als Doktorand fortsetzen will. Jiayun Zhu, so heißt unser netter Begleiter, lotst uns auf das etwas kleinere EXPO-Gelände in Puxi auf der Ostseite des Huangpu, wo auch einzelne Städte (wie Freiburg oder Schanghais Partnerstadt Hamburg) und Regionen über eigene Pavillons verfügen.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Im Elsass-Haus machen wir eine Pause bei einem Glas gut gekühltem Riesling. Nachmittags bringt uns eine Fähre auf die Pudong-Seite, wo wir den deutschen Pavillon ansteuern, eine imposante, phantasievoll-futuristische Konstruktion, vor der sich Wartende in einer langen Schlange in Geduld üben, denn es dürfte an die drei Stunden dauern, ehe ihnen Einlass gewährt wird. Jiayun ist jedoch über einen Trick an VIP-Karten gelangt, mit deren Hilfe wir durch einen separaten Eingang ins Innere der "Balancity" gelangen, wie der Pavillon offiziell bezeichnet wird. Das Projekt propagiert die Vereinbarkeit von Natur und Urbanität, von Tradition und Fortschritt, von Kollektivität und Individuum und bietet hierfür Lösungsansätze "Made in Germany". Wir verlassen "Balancity" in der Gewissheit, einen der wohl anspruchsvollsten Pavillons der EXPO besucht zu haben.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Nach weiteren zwei Stunden EXPO-Atmosphäre treten wir den Rückzug an, denn um 18.00 Uhr erwartet uns Yi-min an unserem Hotel, um uns zu einem Abschiedsessen einzuladen. Margit drückt er gar einen großen Blumenstrauß in die Hand - welche Aufmerksamkeit und Fürsorge! In einem nahe gelegenen Lokal genießen wir noch einmal Spezialitäten der chinesischen Küche, die man in Europa normalerweise nicht bekommt. Wenigstens gelingt es uns heute, die Rechnung für unser Mahl abzufangen und selbst zu begleichen. Wohlgesättigt und zufrieden bedanken wir uns bei Yi-min für seine Gastlichkeit und persönliche Zuwendung, die unsere Tage in Shanghai zu einem tollen Erlebnisurlaub auf hohem Niveau werden ließen. Auch François weiß jetzt: Wir haben in dieser Stadt einen wirklich guten Freund. Für sieben Uhr ist am folgenden Tag der Fahrdienst unseres Reiseveranstalters GEBECO zum Hotel bestellt, um uns zum Flughafen zu bringen - und kommt auf die Minute. In aller Ruhe tätigen wir nach der Abfertigung mit den übriggebliebenen Yuan-Scheinen noch einige (eher unnütze) Einkäufe, bevor wir im Airbus verschwinden. Das für die Chinesen so wichtige Gefühl der Harmonie hat sich nach unserem Empfinden während der letzten zwei Wochen auch auf uns übertragen - ein durchaus angenehmer Begleiter für den Weg nach Haus.

Hier der vierte Teil ihres Reiseberichtes in ein für viele unbekanntes Land - Schanghai (1)

Gegen Mittag sitzen wir guter Dinge im Flugzeug, das bei klarem Himmel abhebt und Kurs auf Schanghai nimmt, Chinas Wirtschaftszentrum am Ostchinesischen Meer, südlich der Mündung des Yangtze-Flusses gelegen. Wir sind sicher, dass sich hier in den letzten fünf Jahren einiges verändert hat. Nach gut zwei Stunden setzt der Pilot zur Landung an, und wir können bereits erkennen, wie damals freie Areale mit unzähligen Wohnblocks besiedelt sind. Tatsächlich zählt die Mega-Stadt inzwischen 18 Mio. Einwohner und ist die mit Abstand größte Metropolregion Chinas.
Der internationale Flughafen Pudong, auf dem wir landen, wurde am 01. Oktober 1999 anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung der Volksrepublik China eröffnet. Er verfügt derzeit über zwei riesige Abfertigungshallen - Glaspaläste von je einem Kilometer Länge, zwei weitere Hallen sind geplant. Auch hier ist ein chinesischer Reisebegleiter pünktlich zur Stelle und lotst seine Schäflein in einen Bus, der uns in gut einer Stunde in das etwa 30 km entfernte Zentrum von Schanghai bringt. Unterwegs überqueren wir das Gelände, auf welchem in diesem Jahr die universelle Weltausstellung EXPO 2010 stattfindet, die selbstverständlich Teil unseres Programms ist.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Am späteren Nachmittag erreichen wir unser Hotel und erkennen sogleich, dass wir ausgesprochen verkehrsgünstig untergebracht sind, denn nur 200 m entfernt sehen wir den Hauptbahnhof und den Hinweis auf die darunter liegende U-Bahn-Station. 17 Stockwerke trägt uns der Hotelaufzug nach oben, dann öffnet uns ein Bediensteter die Zimmertüren. Wir sind überrascht - so großzügig dimensioniert hatten wir die Gemächer in unserem 4-Sterne-Hotel nicht erwartet, mit perfekt ausgestattetem Bad und Blick auf den Bahnhofsplatz. François hat auch schon bemerkenswerte zur Zimmerausstattung gehörende Details ausgemacht - neben den Apparaturen zur Teezubereitung ein diskretes Schälchen mit einer "Gummimischung für alle Fälle". "Das gibt es nicht mal in Paris", murmelt er.
Nach zwei Stunden meldet sich die Rezeption - "somebody is waiting for you !" Natürlich wissen wir auch diesmal, wer uns erwartet - es ist unser Freund Prof. Wu Yi-min, emeritierter Hochschullehrer für Ingenieurwissenschaften, Songs Vater, den wir zuletzt vor drei Jahren in Deutschland getroffen hatten. Wir folgen ihm durch den zu dieser Tageszeit besonders intensiven Verkehrslärm, bis er in den Eingang eines großen Restaurants einbiegt, das seine Spezialität schon auf dem Bürgersteig mittels einer großen, von innen beleuchteten Ente kundtut. Unsere leichten Jacken, die wir über die Stühle hängen, werden vom Personal sogleich mit einer Schutzhülle überzogen. Befleckte Kleidung nach dem Mahl möchte man dem Gast nicht zumuten. Fast drei Stunden werden wir verwöhnt, wobei Variationen von der Ente (nicht unbedingt etwas für Kalorienzähler) im Vordergrund stehen.
Derart gestärkt sehen wir erwartungsvoll dem nächsten Morgen entgegen, an dem Yi-min uns zu einem Ausflug vom Hotel abholt. Wir folgen ihm zum Bahnhof, wo wir uns in eine Schlange von Fahrgästen einreihen, die an einem Kontrollpunkt ihre gültigen Fahrkarten vorzeigen müssen, ohne die der Zutritt ins Bahnhofsgebäude verwehrt wird. Alsdann passieren wir eine Sicherheitskontrolle ähnlich wie in den Flughäfen; die chinesische Regierung möchte Terroranschläge wie in Madrid oder London unter allen Umständen vermeiden, zumal dann auch der Ablauf der EXPO empfindlich beeinträchtigt wäre. Uns stören die genauen Kontrollen nicht - im Gegenteil. Eine Info-Tafel zeigt an, dass unser Zug nunmehr bereitsteht, und so wir marschieren zum Bahnsteig, wo ein moderner Hochgeschwindigkeitsexpress wartet, dessen Endstation das etwa 300 km entfernte Nanjing ist.
Yi-min hat natürlich Plätze in der 1. Wagenklasse reserviert, aber bevor wir uns so richtig an den Komfort gewöhnt haben, ist nach 40 Minuten der erste Halt erreicht, und wir müssen aussteigen. Wir sind in Suzhou, einer 6-Millionen-Stadt, gut 100 km von Schanghai gelegen, die von zahlreichen Kanälen durchzogen ist und deshalb auch Venedig des Ostens genannt wird.
Vor dem Bahnhof wartet (von Yi-min organisiert) ein geräumiger Kombi mit Fahrer, der die Aufgabe hat, uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu chauffieren. Als erstes steuert er den berühmten Tigerhügel an, ein nur 38 m hohes Plateau, das sich über eine Fläche von 14 000 m² erstreckt und heute als Parkanlage ausgebaut ist. In den Jahren 959 - 961 (zur Zeit der Song-Dynastie) wurde darauf eine 48 m hohe, steinerne Pagode errichtet, die sich im Laufe der Zeit beträchtlich zur Seite geneigt hat.
Nächstes Ziel ist eine weitere "Grünoase", diesmal mitten im Stadtkern von Suzhou, der berühmte Lingering-Garten, erstmals angelegt 1593 in der Ming-Dynastie, 1997 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgewiesen. Wir erfreuen uns an den bizarren Steinformationen und an den großartigen Bonsai-Kulturen. In einem Pavillon werden Szenen aus einer traditionellen China-Oper aufgeführt, in die hineinzufinden dem Europäer nicht ganz leicht fällt. Noch einen dritten, diesmal modernen Park möchte Yi-min uns zeigen und lässt unseren Fahrer am Stadtrand in eine kleine Straße einbiegen, wo wir einen uniformierten Wachposten passieren, der uns salutiert. Zu unserer Verwunderung scheinen wir die einzigen Besucher des sehr gepflegt wirkenden Geländes zu sein, das von einem See mit phantasievollen Brückenkonstruktionen geprägt wird. Am Rande der Anlage steht eine Reihe von Villen größerer Bauart, die wir fotografieren, als sich ein weiterer Uniformierter auf einem Motorrad nähert und uns erklärt, dass wir uns auf regierungseigenem Gelände aufhalten und dieses sofort verlassen müssten. Da ist Widerspruch wohl zwecklos, und so suchen wir das Weite in der Vermutung, auf das Territorium hochrangiger Politfunktionäre geraten zu sein. Suzhou ist berühmt für seine Seide - was also liegt näher, als sich in einer der zahlreichen Fabriken einen Einblick in die Herstellung dieses seit 5 000 Jahren bekannten Gewebes zu verschaffen, das einst als große Kostbarkeit über die Seidenstraße in Richtung Westen transportiert wurde? Margit möchte diese Tradition beleben und kauft (Kreditkarten werden selbstverständlich akzeptiert) eine Garnitur Bettwäsche aus dem edlen Tuch - man gönnt sich ja sonst nichts!
Dass der kommende Tag auf einen Sonntag fällt, merkt man in China mit seinen ganz anderen kulturellen Traditionen nicht - es herrscht geschäftiges Treiben wie an jedem Tag. Auch heute Morgen holt uns Yi-min ab, ein Taxi bringt uns zu einem Restaurant der gehobenen Kategorie, wo ein separater Raum für uns reserviert ist, in welchem Yi-mins Schwester mit Ehemann sowie ein älterer Herr aus der Verwandtschaft uns zum einem chinesischen Frühstück erwarten. Dieser ältere Herr steht bereits im 88. Lebensjahr, er hat in seiner Jugend eine französische Schule in China besucht, und seine Französischkenntnisse sind immer noch bemerkenswert gut. Natürlich lässt François es sich nicht nehmen, an seine Seite zu rücken. Wiederum tafeln wir nach allen Regeln der Kunst, die im Märchenbuch beschriebenen gebratenen Tauben - hier liegen sie auf unseren Tellern, und weitere zahlreiche Köstlichkeiten, die wir bis dato nie gesehen bzw. nie zuvor geschmeckt hatten, werden uns liebevoll angerichtet serviert. Und wiederum zahlen wir für dieses außergewöhnliche kulinarische Vergnügen keinen Yuan.
Ein solches "Frühstück" will natürlich verdaut werden. Die dafür nötige Bewegung verschaffen wir uns in Schanghais weitläufigem botanischen Garten, dessen Bäume uns an diesem heißen Tag willkommenen Schatten spenden. Im gläsernen Kakteenhaus, das Margits besonderes Interesse findet, werden wir allerdings einem Hitzeresistenztest unterzogen.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Der aktiven Bewegung lassen wir passive folgen - die aber in Höchstgeschwindigkeit. An der etwas außerhalb er Innenstadt gelegenen Long-Yang-Straße steigen wir in ein Verkehrsmittel, das zwar in Deutschland konstruiert wurde, aber auf kommerzieller Basis bisher nur in China fährt. Es ist der Magnetzug Transrapid, hier Maglev genannt, der den Stadtkern Schanghais mit dem Flughafen Pudong verbindet. Für die knapp 31 km lange Strecke benötigt der auf einem Magnetkissen schwebende Zug etwas mehr als 7 Minuten, wobei er eine Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h erreicht - Schanghai im Tiefflug! Mehrere deutsche Passagiere auf dem Weg zu ihrem Flieger fragen sich, warum die Politik dieser Technologie in Deutschland keine Chance gibt. Das fragen wir uns auch. Am Flughafen steigen wir in die S-Bahn um, die uns in den neuen Stadtteil Pudong bringt. Noch vor 20 Jahren war das Areal östlich des Huangpu-Flusses ein Sumpfland, unstrukturiert bebaut mit ärmlichen Behausungen und ohne nennenswerte Infrastruktur. Aber Pudong hat, wohl auch dank seiner Einstufung als Sonderwirtschaftszone, einen rasanten Aufstieg genommen, deutlich sichtbar an den etwa dreitausend Hochhäusern, die vielfach in Rekordtempo errichtet worden sind. Ohne die Heere schlecht bezahlter Wanderarbeiter, die zumeist vom Lande gekommen sind, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen, erklärt uns Yi-min. Aus dem Häusermeer heraus ragen - der "Jin Mao Turm" (421 m), dessen eigenwillige Form mit aufwendiger Fassadenfläche einer historischen Pagodenform nachempfunden ist. Bis zum 50. Stock beherbergt der Gigant Büros, die Stockwerke 53. - 87. Stock nimmt das Hotel "Grand Hyatt Shanghai" in Anspruch; - der markante Fernsehturm Oriental Pearl (468 m), in dessen kugelförmigen Segmenten ein weiteres Luxushotel untergebracht ist; - das gerade erst fertig gestellte "Shanghai World Financial Center", mit 492 m und 101 Stockwerken Chinas höchstes Gebäude, dessen eigenwillige Form ihm auch die Bezeichnung "größter Flaschenöffner der Welt" eingebracht hat. Die Aussichtsplattform mit Glasboden in 474 m Höhe ist die höchste der Welt, die Fundamente des mächtigen Turms reichen 78 m tief ins Erdreich. Diese Perspektive wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und lösen für stolze 150 Yuan (derzeit 17 Euro) Eintrittskarten für den schnellen Fahrstuhl. Der Blick, der sich uns von oben bietet, ist atemberaubend. Bei guter Sicht erkennen wir jetzt auch die Dimensionen der Stadt. Ehrfurchtsvoll blicken wir auf den Jin Mao Turm herunter, der noch vor wenigen Jahren neben dem Fernsehturm das Maß der Dinge war. Eine Bar im oberen Turmbereich mit relativ großzügigen Fenstern veranlasst uns, dort an einem Tisch Platz zu nehmen, der uns eine optimale Sicht auf die alten Kolonialgebäude am "Bund", der berühmten Uferpromenade auf der Westseite des Huangpu-Flusses, gewährt. Da es inzwischen dunkelt und dieser Bereich bestens erleuchtet ist, bietet sich uns ein Szenarium, wie man es beeindruckender auf der Welt kaum findet. Erfreut nehmen wir zur Kenntnis, dass unser spanischer Tischnachbar seinen Durst mit einem "Erdinger Weißbier" stillt. Das würde auch unser Glück perfekt machen, signalisieren unsere durstigen Kehlen, so bestellen und bezahlen wir sofort, damit Yi-min uns nicht wieder zuvorkommt. Dass der Blick auf Pudong nicht nur von oben, sondern auch vom Ostufer des Huangpu-Flusses, genauer gesagt vom "Bund" aus, ein beeindruckendes Panorama bietet, wissen offenbar auch die zahlreichen Besucher, die hier promenieren und vor allem fotografieren. Der Hintergrund könnte dafür geeigneter nicht sein - irgendwie majestätisch wirkt der an dieser Stelle einer Krümmung folgende, etwa 450 m breite Hunagpu, dessen Wassermassen sich in Richtung Yangtze-Fluss bewegen. Der dichte Schiffsverkehr, darunter zahlreiche Passagierboote, zeigt uns, dass der Huangpu als wichtige Verkehrsader Schanghais eingestuft werden muss. Unmittelbar hinter dem Ostufer baut sich eine imposante Kulisse auf, deren funkelndes Lichtermeer hunderte von Metern in die Höhe reicht. Wir sind überrascht, dass komplette Flächen einiger Wolkenkratzer, die eben noch weißes Licht ausstrahlten, im nächsten Augenblick in kräftiges Rot oder in andere Farben getaucht sind. Der Eindruck, den die Lichtorgie bei den Touristen hinterlässt, rechtfertigt nach Meinung der Chinesen offenbar den damit verbundenen äußerst großzügigen Umgang mit Energie. Hier setzt eine neue Wirtschaftsmacht ihr Potential eindrucksvoll in Szene. Wir verlassen den "Bund" und bummeln über die Nanjing-Road, eine von Schanghais bekanntesten Einkaufsstraßen, zu einer U-Bahn-Station, in deren Eingangsbereich wie überall Sicherheitskontrollen durchgeführt werden, die uns aber überhaupt nichts ausmachen, denn alles läuft ruhig und in entspannter Atmosphäre ab. Überhaupt haben wir nie das Gefühl, uns könnte uns im Gewimmel der vielen Menschen unter Tage etwas passieren, kein Vergleich zu Berlin oder Frankfurt, wo man jederzeit damit rechnen kann, angepöbelt zu werden. Der ganze U-Bahn-Bereich präsentiert sich blitzsauber, Graffiti-Schmierereien sind hier völlig unbekannt; würde sich jemand daran versuchen, hätte er mit drakonischen Strafen zu rechnen. Wir haben keinerlei Schwierigkeiten, uns in dem 12 Linien umfassenden, hochmodernen U-Bahn-System zurechtzufinden. Überdies hat uns Yi-min vorsorglich mit Netzkarten ausgestattet - natürlich unentgeltlich. (Fotsetzung folgt)

Hier der dritte Teil ihres Reiseberichtes in ein für viele unbekanntes Land:

Die zweite Station unserer Reise liegt gut 2 Flugstunden (1 600 km) westlich von Peking, wurde vor etwa 3 000 Jahren gegründet und ist heute eine moderne Industriestadt mit 7 Mio Einwohnern: Xi'an war unter der Qin-Dynasie (221 - 206 v.Chr.) die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und von der Fläche und Einwohnerzahl her während der Tong-Dynastie (618 - 907) die größte Stadt der Welt (ca. 80 km² / 1 Mio Einw.).
Im Flughafen begrüßt uns der für die nächsten zwei Tage für unsere Gruppe verantwortliche Reiseleiter Jianjun Yuan, der uns bittet, ihn doch Johannes zu nennen. Er habe ohnehin in Deutschland katholische Theologie studiert und ursprünglich Priester werden wollen. Dann aber sei seine jetzige Frau in sein Leben getreten, und er habe sich beruflich umorientieren müssen. Vom Wesen her empfinden wir Johannes als einen sehr angenehmen Zeitgenossen, der bestens auf die Mentalität der Langnasen eingestellt ist. Auf dem Weg in die Innenstadt lässt er der Bus vor einem Restaurant halten, wo Plätze für uns vorbestellt sind. Serviert werden ausschließlich Nudelspezialitäten, die hier eine lange Tradition hätten, werden wir belehrt. Sogar der venezianische Kaufmann und Weltreisende Marco Polo sei von diesen Speisen begeistert gewesen und habe die Rezepte im 13. Jahrhundert nach Italien exportiert. Uns munden die Teigwaren ausgezeichnet - zur Freude des Personals.

Unsere Herberge, das innerhalb der historischen Altstadt gelegene Hotel "Grand New World", ist eine Adresse zum Wohlfühlen. Die architektonisch geschickt gestaltete Eingangshalle mit Bezug zur Geschichte der Stadt präsentiert sich weitaus anspruchsvoller als die unseres Pekinger Hotels. Deutlich gemütlicher sitzt man auch in der Bar, wo wir uns noch einen Schlaftrunk gönnen. Allerdings ist bei Rainer und François die aufgekommene Müdigkeit ein wenig verflogen - ständig defilieren die bildhübschen Barmädchen in aufregend kurzen Röcken an ihnen vorbei. Schließlich gibt Margit das Kommando zum Aufbruch - am nächsten Tag erwartet uns ein umfangreiches Besichtigungsprogramm.
Das beginnt mit einer Busfahrt in östlicher Richtung, wo uns nach 40 km Fahrt eine der Hauptattraktionen unserer Chinareise erwartet - die berühmte unterirdische Terrakotta-Armee, welche in dem Dorf Xijang während einer Brunnenbohrung im Jahre 1974 von Bauern zufällig entdeckt wurde. Dass uns just an diesem Vormittag Regen überrascht, stört uns keineswegs, denn die Gruben sind von großen Hallen mit lichtdurchlässigen Dächern überbaut. Aufgestellt wurde die Terrakotta-Armee bereits ab 274 v.Chr. durch den Herrscher Qin Shihuang, der mit den Tonkriegern seine Macht auch im Jenseits sichern wollte. Bisher wurden mehr als 3 000 Soldaten und Pferde und mehr als 40 000 Waffen ausgegraben, weitere 5 000 der zwischen 110 und 300 kg schweren Figuren sollen noch im Erdreich verborgen sein. Aus einiger Entfernung können wir die mühevollen und aufwendigen Restaurationsarbeiten der oft beschädigten oder zerstörten Figuren beobachten. Kaum zu glauben - die Gesichtszüge aller Tonkrieger sind durchweg unterschiedlich gestaltet.
In einem Museumsbau mit den hierzulande wohl unvermeidlichen Verkaufsständen findet man einen der Bauern an einem Schreibtisch sitzen, die seinerzeit als junge Männer auf die Terrakotta-Krieger gestoßen sind. Inzwischen ist er ein älterer Herr geworden, der fleißig die in mehreren Sprachen erschienenen Bücher über die Terrakotta-Armee signiert - und offenbar mit dieser Tätigkeit sein gutes Auskommen hat. Natürlich erstehen auch wir ein Exemplar mit einliegender DVD; 200 Renminbi (Yuan) müssen wir dafür hinblättern.
Die Rückfahrt nach Xi'an bietet uns bei inzwischen besserem Wetter die Möglichkeit, die gewaltige Stadtmauer, welche die ursprüngliche Innenstadt in Form eines Rechtecks von insgesamt 13,6 km Länge umschließt, näher in Augenschein zu nehmen. Der während der Ming Dynastie im 14. Jahrhundert erstellte Steinwall wurde in den 1980er Jahren renoviert und ist heute die besterhaltene Stadtmauer Chinas und überdies die längste der Welt. Ihre Höhe beträgt 12 m, ihre Breite am Sockel 18 m und an der Krone 12 m. Vier Stadttore sicherten früher den Zugang, 98 noch vorhandene Wachttürme komplettierten den Schutz der Stadt. Heute ist das Bauwerk Teil moderner Parkanlagen, die das Zentrum umgeben, in dem vielerorts umfangreiche Baumaßnahmen zur Modernisierung der Innenstadt das Straßenbild bestimmen. Auch hier werden neue U-Bahn-Linien den Straßenverkehr entlasten, erklärt uns Johannes.
Am Abend bleiben wir im Zentrum, wo wir in einem Park Asiens größte Wasserspiele bewundern, deren Fontänen an jedem Abend ab 20.30 Uhr für gut 20 Minuten verschiedenen Musikstücken folgen (Mozart, J. Strauß, auch sehr gefällige chinesische Kompositionen). Ein Augenschmaus, zumal die benachbarte Große Wildganspagode, 64 m hohe Rekonstruktion eines Tempels aus dem Jahre 647, eine prächtige Kulisse abgibt. Natürlich besuchen wir auch den bunten Nachtmarkt, auf dem man so ziemlich alles erwerben kann, was europäischen Touristen unter "typisch chinesisch" einfällt. Auch zahlreiche Bettler wollen von dem geschäftlichen Treiben profitieren und haben sich an Stellen niedergelassen, an denen besonders viele Besucher vorbeigehen.
Am nächsten Morgen heißt es schon wieder Koffer packen, was wir bedauern, denn alle Sehenswürdigkeiten der alten Hauptstadt haben wir natürlich nicht besichtigen können, wie z.B. die Große Moschee oder den etwas außerhalb gelegenen Xingjiao-Tempel. "Beim nächsten Mal !" tröstet uns François, und tatsächlich erscheint uns eine Rückkehr zu gegebener Zeit durchaus im Bereich des Möglichen.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Hier der zweite Teil ihres Reiseberichtes in ein für viele unbekanntes Land:

Zeitig am nächsten Tag steuert unser Bus den Platz an, der seit 1641 das Zentrum der Stadt markiert. Es ist der Tian'an Men - Platz (Platz des Himmlischen Friedens), benannt nach dem 1417 auf seiner Nordseite errichteten Tor des Himmlischen Friedens, Haupteingang zur "Verbotenen Stadt", dem Kaiserpalast von Peking. Den meisten Zeitgenossen dürfte dieses Tor vor allem wegen des großen Mao-Porträts, das dort angebracht ist, bekannt sein.

Der bis 1911 öffentlich nicht zugängliche Tian'an Men - Platz soll mit 40 ha Fläche der größte befestigte Platz der Welt sein. Umrahmt wird er nicht nur von historischen Gemäuern, sondern auch von rund um die Uhr bewachten Zeugnissen stalinistischer Architektur wie der Großen Halle des Volkes ("Parlament") oder dem Mausoleum, in dem die Wachshülle des früheren Revolutionsführers und Massenmörders Mao Zedong in einem Glassarg aufbewahrt wird. Tatsächlich sollen durch Maos radikalpolitische "Maßnahmen" an die 60 Mio Menschen umgekommen sein. Am 4. Juli 1989 wurden auf dem Platz des Himmlischen Friedens Studentenproteste vom Militär blutig niedergeschlagen - ein Datum, an das sich die chinesische Führung nicht gern erinnern lässt.
Wir wenden uns der "Verbotenen Stadt" zu, mit deren Bau Yongle, der dritte Ming-Kaiser, im Jahr 1406 begonnen hatte. Im einzelnen auf die Gebäude des 720 000 m² großen Komplexes einzugehen würde den Rahmen dieses Berichts sprengen; gut drei Stunden bleiben uns, die wichtigsten Bauten in Augenschein zu nehmen - stets fachkundig kommentiert von Herrn Meng. Vollgestopft mit Wissen über die Dynastien chinesischer Kaiser und mit müden Beinen gönnen wir uns am Nachmittag im Hotel eine kurze Rast.
Dann bringt uns ein Taxi zu einer der neuen Pekinger Fußgängerzonen, in der sich exklusive Geschäfte wie auf einer Perlenschnur aneinanderreihen, Namen wie Gucci, Louis Vuitton oder Calvin Klein sind hier inzwischen ebenso zu Hause wie in Rom oder Berlin, nur scheinen uns die Preise ihrer Auslagen hier noch weiter oben angesiedelt. Der breite Boulevard wirkt ausgesprochen gepflegt, zahlreiche Straßenbistros verkaufen angesichts der Hitze vorwiegend kalte Getränke. Da wir Angebote für Kaffee vergebens suchen, lassen wir uns zu einem Bier nieder und beobachten die zahlreichen gut gekleideten Besucher dieser Einkaufs- und Flaniermeile bester kapitalistischer Prägung.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
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Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
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© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Aber nur wenige Schritte entfernt in kleinen und engen Nebengassen (viel zu eng für Autoverkehr) finden wir den chinesischen Durchschnittsbürger, der an einem bunten Textilstand um ein Hemd feilscht, die junge, salopp gekleidete Frau, die sich die Vorzüge eines neuen Mobiltelefons erklären lässt oder ein Liebhaber traditioneller chinesischer Küche, der an einer Imbissbude die dort aufgespießten (noch lebenden !) Seepferdchen und Skorpione begutachtet.
Margit möchte sich in einem liebevoll dekorierten Geschäft für Damenbekleidung umsehen, wo wir sofort in eine Diskussion mit den immer lächelnden Verkäuferinnen verwickelt werden, die unbedingt wissen wollen, wo wir denn herkommen. Mit chinesischen Sentenzen können wir freilich nicht dienen, aber ein wenig Englisch und Französisch untermalt mit entsprechender Gestik führen auch zum Ziel. Die charmant-resolute Inhaberin versteht es bestens, François ein wenig zu umgarnen, und schon baumelt eine Tüte mit einem schicken Kostüm für Enkeltochter Alissia an seinem Handgelenk. Mittlerweile ist es dunkel geworden, und unser Magen knurrt. Ein Enten-Restaurant lockt uns mit einer Menükarte, auf der die angebotenen Speisen zwar in chinesischer Schrift, aber auch auf Fotos dargestellt sind. So werden wir schnell fündig, und die dargereichten Platten räumen wir weitgehend ab. Der hohe Gemüseanteil der chinesischen Speisen lässt nach dem Mahl kaum ein Völlegefühl aufkommen und ist wohl auch dafür verantwortlich, dass wir während der Reise von Verdauungsproblemen weitgehend verschont bleiben.
Auf der Suche nach einem Taxi werden wir von einer jungen, recht gut aussehenden Dame in passablem Englisch angesprochen, die sich als Studentin der Betriebswirtschaft ausgibt. Sie lädt uns ein, mit ihr oder bei ihr einen Kaffee zu trinken. Ein neuer Trick, der unweigerlich auf Abzocke hinauslaufe, hatte uns Herr Meng gewarnt. Höflich aber bestimmt lehnen wir das Angebot der Dame ab, die sich schimpfend zurückzieht.
Am nächsten Morgen verlässt der Bus die Hauptstadt in nordwestlicher Richtung, denn heute wollen wir das wohl bekannteste Wahrzeichen Chinas besichtigen, die Große Mauer. Auf dem Weg dorthin halten wir (keineswegs zufällig, sondern entsprechend einer Weisung des chinesischen Tourismusministeriums, wie wir hören) an einer Zuchtanlage für Süßwasserperlen. Dort bekommen wir anschaulich erklärt, wie solche Perlen entstehen, welche Zeit sie für ihre Entwicklung brauchen und welche Kriterien ihren Wert ausmachen. Selbstverständlich werden diese Kostbarkeiten in ausgedehnten Verkaufsräumen auch an den Mann bzw. an die Frau gebracht. Und tatsächlich, Margit wird alsbald fündig und verlässt die Perlmuttfabrik mit zwei zugegebenermaßen gefällig gearbeiteten Perlenketten. Dann endlich geht es weiter zur Großen Mauer beim Berg Badaling, etwa 80 km von Peking. Dieser Mauerabschnitt war der erste, der nach seiner Restaurierung 1957 von Touristen besucht werden konnte, die hier normalerweise sehr zahlreich anzutreffen sind. Heute aber scheinen ihnen die relativ hohen Tagestemperaturen nicht zu behagen, wir sind jedenfalls froh, weitgehend ungestört die an diesem Abschnitt etwa 6 m breite Mauer weitgehend für uns zu haben und wählen von zwei möglichen den steileren Aufstieg. Der verlangt uns bei 32°C Mittagshitze tatsächlich eine gehörige Portion an Stehvermögen ab. Nass geschwitzt erreichen Rainer und François den höchsten zugänglichen Punkt - und werden durch einen unvergleichlichen Blick auf das nicht enden wollende steinerne Wunderwerk, dessen Bau bereits vor 2 500 Jahren begann und das sich durch eine grandiose Berglandschaft schlängelt, bestens entschädigt.
Beim Rückweg über die unterschiedlich hohen (15 - 40 cm) und oft schmalen Stufen ist große Vorsicht geboten, denn die durch den anstrengenden Aufstieg stark beanspruchte Beinmuskulatur muß auch beim Abstieg den Körper sicher tragen. Ein Wegknicken der Beine an ungünstiger Stelle kann einen gefährlichen Sturz die Steiltreppe hinunter bedeuten. Aber unsere Beine machen heute nicht schlapp, und ein gutes Stück weiter unten im Schatten eines Wachtturms erwartet uns Margit, die den Weg nach "ganz oben" diesmal noch ausgelassen hat. Fasziniert genießen wir gemeinsam für eine weitere halbe Stunde das überwältigende Panorama. Jetzt sind wir uns der Bedeutung des Sprichworts "Wer die Große Mauer nicht gesehen hat, kennt China nicht", bewusst. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel registrieren wir nach 10 Minuten Fahrt bei zahlreichen Mauerwanderern geschlossene Augenlider und bei uns noch viel müdere Beine als am Vortag. Dankbar nehmen wir daher kurz vor Erreichen der Pekinger Innenstadt die Gelegenheit zu einer Fußmassage an, deren Technik die Bediensteten des Massagezentrums perfekt beherrschen. Nach der 30-minütigen Prozedur - natürlich mit voraufgehendem Fußbad - fühlen wir uns wie neugeboren. Trotzdem legen wir im Hotel noch eine Rast ein, bevor uns Song am frühen Abend wieder abholt.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Unser Plan, per Taxi ein bestimmtes Geschäftsviertel zu erreichen, bleibt im Verkehrsstau stecken. Kurzerhand verlassen wir die Droschke und tauchen in eine U-Bahn-Station ein. Nach 15 Minuten sind wir fast am Ziel, erreichen nach einem kurzen Spaziergang ein Spezialitätenrestaurant der offensichtlich gehobenen Kategorie, wo Song einen Tisch für uns reserviert hat. Das war wohl auch notwendig, denn im Eingangsbereich warten schon zahlreiche andere Gäste, die ohne Reservierung gekommen sind. Eine Vielzahl von geschickt platzierten Antiquitäten verleihen dem Gasthaus ein originelles Ambiente. Ein dienstbarer Geist geleitet uns über eine Treppe zu unserem Tisch auf einem Innenbalkon der ersten Etage, von wo aus wir die üppig gedeckten Tafeln des Innenhofs überblicken können. Die Mauertour hat uns doch spürbar ausgetrocknet - wir kompensieren dieses Defizit mit reichlich Bier aus 0,7 Ltr.- Flaschen. Die Bedienung ist erstaunt, wie schnell wir Nachschub verlangen, aber das Gebräu passt auch gut zu den von Song nach Rücksprache mit uns ausgewählten Speisen - pikant gewürzt und sehr schmackhaft. Song gibt uns keine Chance, die Rechnung für diese leiblichen Wohltaten zu begleichen. Er begleitet uns noch zum Hotel, bevor er sich verabschiedet. Unser nächstes Zusammentreffen wird wohl in Europa stattfinden, wo er an der englischen Salford-Universität (Manchester) als Dozent für Informatik tätig ist.

Hier der erste Teil ihres Reiseberichtes in ein für viele unbekanntes Land:

Gute Erfahrungen bei früheren Touren lassen uns wiederum beim Reiseveranstalter GEBECO buchen, zumal diese Gesellschaft eine Städtetour anbietet, welche die Metropolen Peking, Xian und Schanghai einschließt und auch die Möglichkeit einer Aufenthaltsverlängerung in Schanghai bietet.
Um die üblicherweise große Hitze in den Monaten Juni - August zu umgehen, buchen wir rechtzeitig schon im Januar (die am 01. Mai beginnende Weltausstellung in Schanghai lässt eine hohe Nachfrage nach China-Reisen erwarten) als Abreisetermin die vorletzte Maiwoche. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte, denn idealeres Wetter hätten wir uns für die beiden Wochen in China nicht wünschen können.
Die Beschaffung der Visa (durch GEBECO) verläuft ohne Hindernisse, das uns mit den Reiseunterlagen zugeschickte Info-Heft enthält alle für unsere Reise notwendigen Informationen - von den Flugverbindungen über die Beschreibung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der einzelnen Etappen bis zur Vorstellung der Reisebegleiter, die vor Ort unsere Betreuung übernehmen werden. Sogar Reisegutscheine für die Bahnfahrt zum Frankfurter Flughafen und zurück ("Zug zum Flug") sind beigefügt. Und so machen wir uns auf den Weg.
Wir - ein Trio unterschiedlicher Nationalitäten: Rainer, mit einem deutschen Pass ausgestattet, seine finnische Ehefrau Margit und François Schneberger, ein befreundeter Jurist aus Frankreich mit guten deutschen Sprachkenntnissen und noch ohne Erfahrung mit Fernreisen. Kurz vor Frankfurt verabreicht Margit (sie ist Krankenschwester) jedem eine subkutane Heparin-Injektion zur Thromboseprophylaxe. Schließlich sind wir nicht mehr die Jüngsten, und während des 10-stündigen Fluges nach Peking im fast ausgebuchten Airbus der China Airlines sind die Möglichkeiten, sich die Beine zu vertreten (wenigstens in der Economy-Klasse) sehr eingeschränkt.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Nach einer kurzen Nacht - wir fliegen der Sonne entgegen - landen wir gegen 07.00 Uhr morgens auf dem Internationalen Flughafen Peking, etwa 27 km nordöstlich vom Stadtzentrum gelegen. Das im Februar 2008 eingeweihte Terminal 3, an dem wir anlegen, ist nach Angaben des für den Bau verantwortlichen Architektenbüros Foster + Partners mit einer Grundfläche von 1.3 km² (3,25 km lang) das derzeit größte Gebäude der Welt. Kein Wunder, dass wir den Weg von der Passkontrolle zur Gepäckausgabe in einen Bus zurücklegen müssen.
Nach zügigem Passieren des Zollbereichs erwartet uns am Ausgang unser örtlicher GEBECO-Reisebegleiter Qinglong Meng, der seine guten deutschen Sprachkenntnisse einem Germanistikstudium an der Fremdsprachenhochschule in Peking und einem dreijährigen Aufenthalt in Deutschland verdankt. Er lässt unsere Koffer sogleich mit einem bereitstehenden Transporter zum Hotel verfrachten, während unsere mit 32 Personen ausgebuchte Reisegruppe in einen Bus gebeten wird.
Der Uhrzeiger hat inzwischen die "10" überschritten, und da wir keine Zeit zu verschenken haben (schließlich zählt Peking mit zu den größten Städten weltweit), beginnt Herr Meng sogleich, uns mit Wissenswertem über die Hauptstadt zu versorgen. Die Einwohnerzahl gibt er mit 16 Mio an, wobei sich diese Zahl auf die Provinz Peking mit einer Gesamtfläche von gut 16 000 km² beziehen dürfte. Täglich 1 500 neue Kraftfahrzeuge würden hier zugelassen, was die enorme Verkehrsdichte mit zahlreichen Staus im Innenstadtbereich erkläre, bemerkt er.
Aber schließlich könne Peking (der Name bedeute Nördliche Hauptstadt) auf eine mehr als 3000 Jahre währende Geschichte zurückblicken und dürfe sich zu Recht als kulturelles Zentrum Chinas betrachten. Zu den bei Peking-Besuchern beliebtesten Sehenswürdigkeiten gehöre ganz sicher der im Nordwesten der Stadt gelegene Neue Sommerpalast, von den Chinesen "Garten des Friedens und der Harmonie im Alter" genannt, der Name Sommerpalast sei von westlichen Diplomaten geprägt worden. Da er fast auf dem Weg zu unserem Hotel liege, wolle er ihn unserer Gruppe unbedingt zeigen. Die 290 ha große, vom Kaiser Qianlong 1751 - 1764 erbaute Anlage mit Berg und See wurde mehrfach zerstört und diente gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Kaiserwitwe Cixi als Sommerresidenz. Für die Besichtigungen der zahlreichen Gebäude reicht unsere Zeit nicht, so promenieren wir gemächlich durch den 728 m langen Wandelgang am Ufer des Kunming-Sees. Das Gebälk dieser prächtigen Holzkonstruktion ist mit über 8000 Bildern versehen, deren Motive zumeist der Geschichte und der Natur entstammen. Am westlichen Ende des Wandelganges fällt unser Blick auf das Marmorboot, ein origineller, auf den See gebauter Aussichtsort.
Am frühen Nachmittag erreicht unser Bus das am Rande der Pekinger Altstadt gelegene Beijing Oriental Culture Hotel, wo wir für drei Nächte einquartiert werden. Unsers Reisepässe müssen wir zunächst abgeben, bekommen sie aber am nächsten Tag zurück. Zum Ausruhen bleibt nicht viel Zeit - gegen 16.00 Uhr klingelt das Telefon, eine Dame der Rezeption teilt uns in holprigem Englisch mit, dass wir erwartet werden. Natürlich kennen wir den Besucher - es ist Dr. Wu Song aus der anfangs erwähnten befreundeten Familie in Schanghai.

© Rainer und Margit Fäth - Zwei Lübbecker im Reich der Mitte
© Rainer und Margit Fäth
Zwei Lübbecker im Reich der Mitte

Der Zufall will es, dass Song just in diesen Tagen dienstlich in Peking zu tun hat, und so nutzt er natürlich die Gelegenheit zu einem Treffen mit uns, gemeinsam mit seinem Schwiegervater, der 120 km außerhalb von Peking wohnt. Man bittet uns in eine große wohltemperierte Limousine mit Chauffeur, der uns die Türen öffnet. Welche Sehenswürdigkeiten Pekings denn unser Reiseprogramm einschließt, möchte man wissen. Wir geben Auskunft und der Wagen setzt sich in Bewegung. Nach einer halben Stunde Fahrt tauchen am Horizont die Bauten des Olympiaparks auf, die uns von den Fernsehübertragungen vor zwei Jahren noch bestens in Erinnerung sind. Jetzt können wir sie aus der Nähe bewundern, insbesondere das "Vogelnest" genannte Nationalstadion, wo gerade ein Hochseilartist einige hundert Zuschauer in Atem hält. Auch in dieser zweiten Tageshälfte absolvieren wir bei wolkenlosem Himmel ein ansehnliches Laufpensum, das uns allmählich ein wenig müde und auch hungrig werden lässt - schließlich war das kärgliche Bordfrühstück im Airbus bisher unsere einzige Tagesmahlzeit. Dem tragen unsere Freunde Rechnung und laden uns in ein traditionsreiches Restaurant ein, wo wir uns an einer Vielzahl erlesener Spezialitäten laben, an deren Geschmack zu gewöhnen uns überhaupt nicht schwer fällt. Auch auf Rotwein (Cabernet Sauvignon "Große Mauer" - gar nicht übel) und einen Digestif brauchen wir nicht zu verzichten.
Natürlich fühlen wir uns blendend, als man uns zum Hotel zurückbringt. Song werden wir in zwei Tagen noch einmal treffen; von seinem Schwiegervater, der ein Wiedersehen in Europa nicht ausschließt, verabschieden wir uns sehr herzlich. Der "Absacker" in der Hotel-Bar, ein sehr leichtes chinesisches Bier (Marke: Yan Jing) entspricht nicht unseren Vorstellungen von einem gepflegten Gerstensaft, aber eines alkoholischen Schlafmittels bedarf heute niemand von uns, wie wir im Bett rasch feststellen.

(Fortsetzung folgt)

Auf den Spuren des "Winzerkönigs"

Wenn immer montags um 20.15 Uhr im "Ersten" die Geschichten um Liebe und Intrige unter der Überschrift "Der Winzerkönig" gesponnen werden, ist bei allem Glück und Leid in dieser Seifenoper eines gewiss: Es ist immer schönes Wetter in der Weinbauregion Burgenland am Neusiedler See in Österreich, wo sich Hauptdarsteller - und Winzerkönig - Harald Krassnitzer als Chef des Stickler-Clans gegen Widerstände und Widerlinge aller Art behaupten muss. In der Freistadt Rust am Neusiedler See wurden zahlreiche Szenen eingespielt.

Freistadt Rust am Neusiedler See
Freistadt Rust am Neusiedler See

Und tatsächlich: Wer in diese Region kommt und wird auch noch von Sonnenschein empfangen, der dürfte sich sofort wohlfühlen. Heurigen-Gaststätten, die eine Vielzahl unterschiedlicher, aber hervorragender Weine führen, landestypische Spezialitäten und ein Freizeitangebot von Faulenzen bis Fitness. Dafür kann man fast ohne Anstrengungen eine Menge tun. Denn rund um den Neusiedler See führt der genauso genannte und ausgezeichnete Radweg. 133 Kilometer ist er lang. Ganz fitte Radler schaffen das an einem Tag. Aber man kann auch Etappen daraus machen und die Seefähren für den Rückweg benutzen.
Ein überaus interessanter Abschnitt, der kaum jemandem den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte, führt von Podersdorf in die Freistadt Rust und zurück. Das geht entweder vollständig auf zwei Rädern - oder man nutzt die Fährverbindungen von Illmitz nach Mörbisch und von Rust zurück nach Podersdorf.
Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas und zugleich der größte See Österreichs. Er ist inklusive Schilfgürtel 320 Quadratkilometer groß und hat mit rund 178 Quadratkilometern den zweitgrößten zusammenhängenden Schilfbestand Europas. Vier Fünftel des Sees liegen auf österreichischem, ein Fünftel auf ungarischem Gebiet. Das Wasser stammt größtenteils aus Niederschlägen, was immer wieder zu starken Schwankungen des Seespiegels bis hin zur völligen Austrocknung geführt hat. Die Region Neusiedler See gehört seit 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie ist ein grenzüberschreitend, gebildet von den beiden Nationalparks Neusiedler See/Seewinkel auf österreichischer und Fertö-Hanság auf ungarischer Seite. Dazu kommen einige österreichische Gemeinden. Und zu denen gehört auch Rust, selbst Unesco-Welterbestadt. Wer sie besucht, weiß auch sofort warum. Denn die einzigartige, bestens erhaltene Architektur nimmt alle Gäste gefangen, sorgt für Staunen und dafür, dass man beim Stadtrundgang nicht hetzt, sondern vor vielen schönen alten Häusern stehen bleibt, sich beim Betrachten Zeit lässt und auf Details achtet.
Die Minden-Lübbecker Storchenfreunde würden sich hier ganz heimisch fühlen. Denn auf zahlreichen Häusern gibt es Storchennester - 15 Paare haben in diesem Jahr rund 40 Junge großgezogen. Kein Wunder also, dass der Storch Wappenvogel von Rust ist. Und wie im Mühlenkreis gibt es hier auch einen Storchenverein, der sogar eine Storchenpflegestation betreibt.
Doch nicht nur Natur und Architektur haben Rust einen hohen Bekanntheitsgrad verschafft. Einen zusätzlichen Schub hat sicherlich die TV-Gemeinschaftsproduktion von ORF und ARD gebracht, bekannt als "Der Winzerkönig". Und tatsächlich findet man an zahlreichen Gebäuden die entsprechenden Drehort-Hinweise. So kann man sich, ob Winzerkönig-Fan oder nicht, getrost auf die Suche nach den kleinen Schildern mit den Hinweisen auf die jeweiligen Motive machen. Und lernt gleichzeitig das malerische kleine Städtchen und einen kleinen Teil seiner bemerkenswerten Architektur kennen. Da gibt es natürlich den Gasthof Stickler, der in Wirklichkeit Mooslechners Wirtshaus Rusterhof heißt und das älteste Haus der Stadt ist. Hier entstanden viele Szenen, und hier schmeckt nach Rad- und Fährentour beispielsweise das "Hendl im Heu" besonders gut. Das Rathaus ist ebenfalls ein Blickfang, ebenso wie der Buschenschank Kicker oder das Haus Seehof, das die Kulisse für das Haus von Dr. Thaler gibt.
In einem Touristenzentrum wie Rust gibt es selbstverständlich auch zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten unterschiedlicher Kategorie - von günstig in Privatzimmern bis luxuriös im 4-Sterne-Seehotel Rust. Und auch hier wandelt man auf den Spuren des Winzerkönigs. Denn Stars wie Krassnitzer genießen nach anstrengendem Dreh gern die Annehmlichkeiten dieses Hauses in ebenfalls bester Lage.


Mein Haus, mein Pferd, mein Auto … "Mein Schiff"

Kreuzfahrten haben einen ganz eigenen Charakter. Und deshalb teilt sich die Urlauberschar wohl in glühende Anhänger dieser Reiseform - und in Verweigerer. Bei zwei Touren war jetzt das TUI-"Mein Schiff" auch unser Schiff. Die Nördlichen Antillen in der Karibik sollten unser Ziel sein. Von La Romana ging es über Martinique in das tropische Domenica. Am folgenden Tag erreichten wir das Einkaufsparadies St. Maarten, von wo aus wir auf die Schmetterlingsinsel Guadeloupe fuhren. Endstation war wieder La Romana.
Individualität und Freiraum prägen "Mein Schiff" bei einer Kapazität von fast 2000 Passagieren. Ein weitläufiges Sonnendeck und zwei Pools bieten viel Platz für Sonnenanbeter. Vom Balkon der eigenen geräumigen, mit einer Nespressomaschine ausgestatteten Kabine genießt man bei einem Espresso den Ausblick auf die karibische Inselwelt.

TUI Mein Schiff - © (Text und Fotos: /Reisebüro Hermsmeier/Debora Knost und Alexander Sannwald)
© (Text und Fotos: /Reisebüro Hermsmeier/Debora Knost und Alexander Sannwald)

In Gesellschaft kann man dieses Panorama in großen Kuschelkissen auf Deck 12 in der "Himmel und Meer Lounge" durch die riesigen Fenster genießen. Oder man erlebt eine gemütliche Straßencafe-Atmosphäre in der "Naschbar", einen Champagner-Cocktail in der "Blaue Welt Bar", einen Wellness-Drink in der "Überschaubar", oder zu guter Letzt liest man die neuesten Nachrichten in der "Netzbar".
Ein absolutes Highlight in dem 1700 Quadratmeter großen Wellnessbereich "Spa und Meer" ist die größte Sauna auf See mit 54 Plätzen und einer zehn Meter langen Fensterfront.
Genauso schweißtreibend ist die Wahl des Restaurants. Neben dem Buffetrestaurant "Anckelmann" mit einer asiatischen Frontcooking-Zeile gibt es das Hauptrestaurant "Atlantik" mit verschiedenen Menüs zur Auswahl, in dem der Gast auf zwei Decks bedient wird. Im Heck des elften Decks sind gleich drei Restaurants untergebracht. Das italienische Bistro "La Vela" bereitet frische Nudeln aus dem Wok, der Spanier "Tapas y Mas" dient nicht nur zum Appetitanregen (besonders toll: Bei Sonnenschein lässt sich das Dach öffnen.) Und natürlich hält auch Sylt hier Einzug mit dem bekannten Fischhaus "Gosch". Das Grillrestaurant "Surf and Turf" und das Feinschmecker Restaurant "Richard's" runden die bunte Restaurant-Palette ab.
Für Nachtschwärmer und den kleinen Hunger zwischendurch bietet der 24-Stunden-Grill reichlich Platz. Ein vielfältiges Abendprogramm begleitete uns in die Nacht zur "Abtanzbar" oder an die Poolbar.
"Mein Schiff" bewältigt die Grätsche zwischen Clubschiff und klassischem Kreuzfahrtschiff mit ungeheurem Charme. Und deshalb können wir nur empfehlen: Lassen Sie "Mein Schiff" auch das Ihre werden!

(Text und Fotos: /Reisebüro Hermsmeier/Debora Knost und Alexander Sannwald)

Vier Wochen in einem unbekannten Land

© Portrait-Bild Svenja Mattner - Reisebericht Iran
Svenja Mattner

Svenja Mattner hatte durch familiäre Beziehungen die seltene Gelegenheit, ein nahezu "verbotenes Land" kennenzulernen: den Iran. 1985 in Lübbecke geboren, absolvierte sie hier ihre Schulzeit mit dem Abitur am Wittekind-Gymnasium. Zehn Monate "Work and Travel" in Australien erweiterten ihren Horizont beträchtlich. Und die dabei erworbenen Englischkenntnisse kamen ihr auch gleich im folgenden Studium zugute. Denn die Vorlesungen und alle Projekte der Fakultät "Arts and Social Sciences" an der Universität Maastricht, wo sie sich eingeschrieben hatte, liefen auf Englisch. Nachdem sie den Abschluss "Bachelor of Arts" erworben hatte, wechselte sie für ihr Master Studium an die "Hertie School of Governance" in Berlin. Und auch hier läuft das gesamte Programm bis zum Master-Abschluss auf Englisch. Lesen Sie hier ihre Reiseeindrücke.

Der Iran - Folge 4: Gastfreundliche Menschen und schwierige Regeln

Wichtigste Regel für Autofahrer: Sich nicht an Regeln halten.
Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass Italiener rasante Autofahrer sind, der ist noch nicht im Iran gewesen. Nach außen sieht alles so aus wie in Deutschland auch, d.h. drei bis vier Fahrspuren, Ampeln und ab und zu Verkehrspolizisten, die den Verkehr lenken.

© Svenja Mattner - Reisebericht Iran - Teheran
© Svenja Mattner - Reisebericht Iran - Teheran

Doch schon die Autofahrt vom Flughafen bis ins Zentrum Teherans hat mich eines besseren belehrt. Es gilt keine Straßenverkehrsordnung, sondern die Regeln werden von den Autofahrern gemacht. Wo die Fahrbahn in drei Spuren geteilt ist, werden im tatsächlichen Straßenverkehrs-Leben mindestens fünf daraus. Fährt ein Wagen auf der linken Spur zu langsam, wird einfach rechts überholt. Hat man zu spät die Ausfahrt gesehen, dann sorgt eine rasante Drehung des Lenkrads dafür, dass das Auto die Ausfahrt doch noch kriegt - und mögen auch vier Fahrspuren dazwischen liegen.
Darüber hinaus könnten persische Autos genauso gut ohne Blinker gebaut werden, da diese niemals betätigt werden. Und wenn sie doch einmal blinken, so scheint dies ein Versehen zu sein, da sie niemals in die Richtung zeigen, in die das Auto abbiegt. Rote Ampeln im Stadtverkehr werden nur selten eingehalten; meist fehlt den Fahrern die Geduld für die langen Rotphasen. Und so wird jede sich bietende Lücke für eine sofortige Weiterfahrt genutzt. Auch was Einbahnstraßen betrifft, so hätte man sich die blauen Schilder mit dem weißen Pfeil auch sparen können, da sich niemand an die vorgegebene Fahrtrichtung hält.
Das Erstaunliche ist nun aber, dass das, was sich für das deutsche Ohr wie das pure Verkehrschaos anhört, im Teheraner Straßenverkehr reibungslos funktioniert. Fast könnte man meinen, dass sich schlicht und ergreifend neue Regeln herausgebildet haben, deren wichtigster Bestandteil die Hupe ist. Kommt ein anderes Auto dem eigenen zu nahe, wird laut gehupt, und schon nimmt besagtes Auto wieder Abstand. Der Blick in den Spiegel wird überflüssig, da einfach jeder für den anderen mitfährt und alle sich im gleichen Maße an das Nichteinhalten der Verkehrsregeln halten. War meine erste Autofahrt im Iran noch ein beängstigendes Ereignis, bei dem ich alle Autofahrer für durchgedrehte Selbstmörder gehalten habe, so muss ich diese Meinung revidieren. Wer sich im Teheraner Straßenverkehr und mit der iranischen Art, Auto zu fahren, zurechtfindet, der muss wahrlich ein meisterlicher Autofahrer sein.

Gastfreundschaft: Bochor, Bochor

Fast zwei Wochen im Iran haben mir gezeigt, dass das Wort Gastfreundschaft hier im ehemaligen Persien eine völlig neue Dimension erhält. Die Iranische Gastfreundschaft stellt alles, was ich bis jetzt erlebt habe, in den Schatten - und kann manchmal auch sehr anstrengend sein. Essentieller Bestandteil der iranischen Gastlichkeit ist Tee, der praktisch in jedem Heim und jedem Geschäft bereit steht und bei jedem Zusammentreffen mit Fremden oder Bekannten gereicht wird. Des Weiteren lieben Iraner viel und gutes Essen. Einem Gast im Iran soll es an nichts mangeln, jegliche Wünsche werden von den Augen abgelesen. Und wenn es keine Wünsche mehr gibt, so werden alle Wunscheventualitäten abgefragt und im Zweifel neue Wünsche kreiert. Vier Tage lang war ich Gast im Heim einer wahren persischen Großfamilie und habe so hautnah die Gastfreundschaft des mittleren Ostens erleben dürfen. "Bochor, bochor!" war die persische Vokabel, die sich in Null-komma-Nichts in mein Gedächtnis eingeprägt hat. Übersetzt heißt "bochor" iss oder auch trink und wird ohne Gnade so lange verwendet, bis der Gast von all den dargebotenen Speisen probiert und auch das fünfte Mal nachfüllen brav aufgegessen hat. Mit "Nein-Sagen" muss man generell sehr vorsichtig und sensibel vorgehen, da iranische Gastgeber den Zufriedenheitsgrad ihres Gastes an der Menge des verspeisten Essens messen.
Nach diesen vier Tagen und gefühlten hunderten von Essenseinladungen später kann ich über weihnachtliche Festtafeln in Deutschland nur lachen. Im Vergleich zu der iranischen Gastfreundschaft wirkt jedes europäische Land hoffnungslos unterkühlt. Obwohl diese vier Tage sicherlich auch sehr anstrengend gewesen sind und ich das Gefühl habe, dass ich das ganze kommende Jahr nichts mehr essen muss, so bin ich unendlich dankbar, dass ich so viele unheimlich freundliche Menschen und so viel absolut ehrlich gemeinte Gastlichkeit erleben durfte.

Tarouf

Tarouf ist der Name für den anstrengendsten Kulturunterschied zwischen Deutschland und dem Iran. Tarouf bezeichnet die persische Art und Weise der Höflichkeit und die Regeln für das persische Miteinander. Für mich als Deutsche, die ich eine offene und sehr direkte Art im täglichen Miteinander gewohnt bin, ist der Tarouf manchmal eine sehr anstrengende und oft völlig unverständliche Angelegenheit.
Unter dem Begriff Tarouf werden viele verschiedene Aspekte des täglichen Lebens zusammengefasst. Sehr oft hat es mit Geldangelegenheiten zu tun, über die aber natürlich niemals offen gesprochen wird. Auf unseren Reisen nach Isfahan, Shiraz, Kish und durch den Norden des Irans haben wir unsere Unterkünfte ausschließlich über private Kontakte organisiert, da ein unverheiratetes Pärchen im Iran nicht in Hotels wohnen darf. Trotz all der Gastfreundlichkeit, die wir auf diese Art und Weise erfahren haben, stellt sich im Sinne des Tarouf immer die Frage: "Wie entschädige ich die jeweiligen Gastgeber, ohne auf direkte Art und Weise finanzielle Dinge ansprechen zu müssen?"
Oft werden in solchen Fällen Goldmünzen im Wert von 200 Euro gekauft, was meistens teurer ist, als hätte man einfach ein Hotelzimmer angemietet. Solange man weiß, dass die Unterkunft "umsonst" ist, sind die Regeln des Tarouf relativ einfach zu befolgen, da man sich auf die eine oder andere Art und Weise in Form eines Geschenkes und/ oder einer Essenseinladung bedankt. Kompliziert wird es allerdings, wenn man sich nicht sicher ist, wer einem die Unterkunft besorgt hat, wie viel sie kostet und ob sie tatsächlich umsonst ist - eine Situation, die sich uns auf der Urlaubsinsel Kish so präsentiert hat.
In solchen Fällen läuft man Gefahr, dass man, nachdem man den Gastgeber mit samt Familie zum Essen eingeladen hat, mit einer Zimmerrechnung von 200 Euro für zwei Nächte präsentiert wird. Eine Situation, welche sich umgehen ließe, könnte man die Kontaktperson ganz direkt auf die zu erwartenden Kosten ansprechen. Leider ist dies jedoch nach den Regeln des Tarouf nicht möglich.

Der Iran - Folge 3: Andere Länder, andere Sitten

© Svenja Mattner - Reisebericht Iran - Andere Länder, andere Sitten
© Svenja Mattner - Reisebericht Iran
Andere Länder, andere Sitten

Dass im Iran so einiges anders ist zeigt sich jeden Tag aufs Neue bei völlig banalen alltäglichen Dingen. Brot holen, zum Beispiel, will gekonnt sein. In Deutschland geht man zum Bäcker und kann zwischen 30 bis 50 Brotsorten seine Favoriten wählen.
Im Iran gibt es insgesamt vier oder fünf Brotsorten, alles verschiedene Sorten von Flachbroten, die auf die eine oder andere Art und Weise im Steinofen gebacken werden. Mein Favorit zum Beispiel ist ein Flachbrot, das an den Innenseiten des Steinofens gebacken wird. Je nachdem, welches Brot man möchte, muss man zu einem unterschiedlichen Laden gehen. Brot holen kann sich so zu einer ziemlich zeitaufwändigen Angelegenheit entwickeln, da die Brote kontinuierlich frisch gebacken werden und meist eine Schlange von 20 Leuten vor einem schon auf frisches Brot warten. Von diesen 20 Leuten holen 15 Leute Brot für die Großfamilie daheim, was bedeutet, dass sie nicht weniger als 10 Brote bestellen. Geduldig stehen wir also bei unserem ersten Brotholausflug in der Schlange und warten, bis wir endlich an der Reihe sind, um unsere Minibestellung von 2 Broten aufzugeben.
Als wir endlich an der Reihe sind, guckt der Kassierer uns voller Unverständnis an, lacht und sagt, dass wir unsere 2 Brote schon eine halbe Stunde früher hätten haben können. Wie sich daraufhin herausstellte, gibt es bei den Brotläden nämlich ein Zwei-Schlangen-System: eine für die Großbestellungen und eine für kleinere Bestellungen von bis zu 3 oder 4 Broten. Beide Schlangen werden im Reißverschlussverfahren bedient, so dass Leute mit einer kleinen Bestellung nicht zu lange warten müssen. Sicherlich ein System das Sinn macht, aber man muss eben wissen, wie es läuft. Die persische Küche ist eine ziemlich deftige Angelegenheit und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Die persische Küche widerspricht all den kulinarischen Standards, die gerade in Deutschland en vogue sind, sprich multinationale leichte kalorienarme und Figur bewusste Küche. Darüber hinaus wären Vegetarier oder gar Veganer im Iran zum Hungern verdammt, da der Iran eine Fleischnation ist und es kaum Gerichte ohne Fleisch oder Fisch gibt.
Das iranische Nationalgericht, welches jeder ausländische Reisende nach spätestens 10 Tagen nicht mehr sehen, geschweige denn essen kann, ist der Kebab. Der persische Kebab hat nichts mit dem Döner Kebab zu tun, den man in Deutschland an jeder Ecke haben kann. Ganz im Gegenteil bezeichnet der persische Kebab gegrillte Fleischspieße, von Lammfilet, von gehacktem Lammfleisch oder von Hühnchen. Diese Fleischspieße werden mit einem Berg von Reis, einer gegrillten Tomate und einem Päckchen Butter serviert. Die Butter ist gedacht, um den trockenen Reis aufzulockern, und die Tomate wird ebenfalls unter den Reis gemischt. Zu einem solchen Fleischgericht wird immer ein Teller mit frischen Kräutern gereicht, die einfach zu dem Fleisch gegessen werden.
Gehen Iraner auswärts essen, wird sehr oft ein solcher gegrillter Kebab bestellt, da ein solches Essen zu Hause schwer zuzubereiten ist. Wird man bei Bekannten zum Essen eingeladen, kann man in den Genuss kommen, von einem oder mehreren der vielen verschiedenen Arten von Eintopf zu kosten, die es in der persischen Küche gibt. Fesenjun zum Beispiel ist nicht nur ein Eintopf, sondern auch ein Zeichen der Ehrerweisung gegenüber dem Gast. Es besteht aus Hähnchenschenkeln und einer Soße von Walnüssen und Granatapfelsirup. Durch langes Kochen setzt sich das Öl, das in den Walnüssen enthalten ist, an der Oberfläche ab und lässt das ganze Gericht sehr fettig erscheinen.
Ein weiterer Eintopf, den man des öfteren serviert bekommt, besteht aus gelben Linsen, Auberginen und Lammfleisch und ist ebenfalls sehr mächtig. Eine private Essenseinladung im Iran beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Mahlzeit. Bevor das Essen serviert wird, gibt es den unabdingbaren Chay und den unvermeidlichen Obstteller. Dann wird gegessen, bevor es nach dem Essen wieder Chay und wieder Obst gibt, bevor man 5 bis 6 Stunden später den Heimweg antreten darf.

Der Iran - Folge 2: Mann und Frau, Sittenwächter

© Svenja Mattner - Reisebericht Iran - Mann und Frau, Sittenwächter
© Svenja Mattner - Reisebericht Iran
Mann und Frau, Sittenwächter

Bevor man sich entscheidet, mit seinem Partner in den Iran zu reisen, sollte man sich über gewisse Unterschiede (zwischen Deutschland und dem Iran) im Umgang zwischen Mann und Frau bewusst sein. Obwohl mir viele Dinge schon im Voraus ansatzweise klar gewesen sind, hat sich mir das volle Ausmaß dieser Unterschiede erst im Iran selbst erschlossen.
Zu allererst sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein unverheiratetes Pärchen im Iran kein Hotelzimmer bekommt und man dadurch auf seiner Reise auf das Wohlwollen von ggf. Verwandten und Bekannten angewesen ist. Weiter wusste ich zwar im Vorfeld, dass ich im Iran ein Kopftuch tragen muss, dass ich einen Mantel tragen muss, der zumindest den Po bedeckt, dass ich jegliche Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit in Form von Händchen halten, küssen etc. zu unterlassen habe, und dass Männer Frauen niemals per Handschlag oder Küsschen rechts links begrüßen. Doch die Geschlechtertrennung ist viel tiefer in der Gesellschaft verankert, als ich mir das im Vorhinein vorgestellt habe. Will Frau mit dem Bus fahren, so ist der hintere Eingang des Busses für Frauen und der vordere für Männer vorgesehen, wobei beide Bereiche durch eine Absperrung voneinander getrennt sind. Ähnliches gilt für das Fahren in der U-Bahn, wo es ganze Abteile gibt, die nur für Frauen vorgesehen sind. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass diese räumliche Trennung nicht gezwungenermaßen eingehalten werden muss, sondern dass es oft auch als Schutz für die Frauen gedacht ist, die sich so den Blicken der Männer entziehen können.
Hinzu kommt außerdem, dass es große Unterschiede im Umgang zwischen Mann und Frau zwischen der Metropole Teheran und den ländlichen Regionen gibt. So ist gerade in Teheran ein Wandel zu verspüren. Nicht selten kommt es vor, dass man in der U-Bahn Frauen sieht, die extrem zurecht gemacht sind, die die Haare zu kunstvollen Türmen auf dem Hinterkopf drapiert haben und die das oftmals quietsch pinke Kopftuch nur noch zur Zierde des Hinterkopfes verwenden. Auf dem Land ist ein solcher Anblick eher selten. Im Gegensatz zu Teheran häuft sich in den ländlichen Regionen der Anteil an Frauen, die den Tschador tragen und generell eher konservative Kopftücher bevorzugen.
Da es gerade im Winter im Iran und auch in Teheran sehr kalt ist, empfand ich hier die islamische Kleidervorschrift für Frauen nicht als allzu störend. Am Kaspischen Meer im Nordwesten des Irans angekommen, genossen wir hier wunderschöne sommerliche Temperaturen mit einer leichten warmen Brise und viel Sonnenschein. Das erste Mal habe ich einen Vorgeschmack davon bekommen, wie sich die persischen Frauen im Sommer fühlen, wenn sie sich trotz Hitze nur verschleiert und verhüllt in der Öffentlichkeit bewegen dürfen. Denn spätestens dann wird das Kopftuch, das ich bisher noch als angenehmen Schutz vor der Kälte empfunden habe, zu einer unangenehmen Last.
Die Zeichen des Wandels sind gerade in der jüngeren Generation der Teheraner Elite zu bemerken, die im reichen Norden der Stadt wohnt. So scheint es tatsächlich nötig zu sein, die Einhaltung der strikten islamischen Regeln stichprobenartig zu kontrollieren. Vor ein paar Tagen wurde unser Wagen bei einer spätabendlichen Rundfahrt durch den Teheraner Norden von einer Gruppe junger Revolutionsgarden gestoppt. Nach einem kurzen persischen Wortwechsel konnten wir weiterfahren. Auf meine Frage hin, was diese Kontrolle zu bedeuten hat, wurde mir erklärt, dass die jungen Revolutionsgarden damit beauftragt sind zu kontrollieren, dass es keine unerlaubten Annäherungen zwischen Männern und Frauen gibt und dass kein Alkohol mitgeführt wird.
Praktisch bedeutet dies, dass diese jungen Revolutionsgarden vorliebend Autos anhalten, in denen sie nur Mann und Frau ohne weitere Begleitung sehen. Diese Autos werden dann auf verdächtige Anzeichen und verbotene Tätigkeiten kontrolliert, zu denen körperliche Annäherungen gehören und natürlich auch das Mitführen von Alkohol. Interessant zu beobachten war die Tatsache, dass die Revolutionsgarden, die die Kontrollen durchführen, im gleichen Alter oder sogar ein wenig jünger sind als die jungen Menschen, die sie zu kontrollieren haben. Es stellt sich die Frage, was Jugendliche dazu veranlasst, Gleichaltrige zu kontrollieren und im schlimmsten Falle zu verraten.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Revolutionsgarden und der jungen Teheraner Elite ist wohl, dass sich die Revolutionsgarden hauptsächlich aus armen Familien aus dem Teheraner Süden oder vom Land rekrutieren. Für diese Jugendlichen ist die Arbeit als Revolutionsgardist und Sittenwächter eine willkommene Möglichkeit, sich an den reichen gleichaltrigen Reichen zu rächen und ihnen manchmal auch eins auszuwischen.

Der Iran - Folge 1: Ankunft in einem unbekannten Land

© Svenja Mattner - Reisebericht Iran - Ankunft in einem unbekannten Land
© Svenja Mattner - Reisebericht Iran
Ankunft in einem unbekannten Land

Der Geruch von Tränengas hängt noch in der Luft, als wir um fünf Uhr morgens das Gebäude des internationalen Imam-Khomeini-Flughafens in Teheran verlassen und uns auf den Weg in den alten Teil der iranischen Hauptstadt machten. Auf der rasanten Autofahrt erzählt man uns, dass es in den letzten zwei Wochen wieder diverse Ausschreitungen zwischen Anti-Ahmadinedschad-Demonstranten und den Revolutionsgarden der islamischen Republik gegeben hat. Fünfzehn Menschen sollen dabei am Vortag ums Leben gekommen sein. Meine ersten Eindrücke von Teheran sind auf die Dinge beschränkt, die ich in der Dunkelheit wahrnehmen kann. So scheint der Teheraner Straßenverkehr von keinerlei Verkehrsordnung geleitet zu werden. Die Menschen halten sich zwar an rote Ampeln, aber ansonsten wird kreuz und quer über die Fahrbahn geheizt, als gäbe es keinen Morgen. Todmüde vom anstrengenden Flug gilt unser erster Gedanke ein paar Stunden Schlaf. Doch auch das Schlafen im Iran gestaltet sich etwas anders als in Deutschland, da es in iranischen Haushalten kaum Betten gibt und sich das Schlaflager stattdessen auf dem Boden befindet. Generell gehört der Iran zu einem der vielen Länder der Welt, in dem sich viele Bereiche des Lebens auf dem Boden abspielen. So wird nicht nur auf dem Boden geschlafen, sondern auch gegessen, Fernsehen geguckt, etc.... Am nächsten Tag gewinne ich meine ersten Eindrücke von der Teheraner Innenstadt bei Tageslicht. Obwohl ich auf die Tatsache, dass alle Frauen in Teheran Kopftuch tragen, eingestellt bin, ist der Anblick von all den Kopftuch tragenden Frauen und vor allem auch das Kopftuchtragen selber gewöhnungsbedürftig. Heutzutage sind circa fünf Prozent der Iraner fundamental-islamistisch. Und so kommt es auch häufig vor, dass man auf der Straße voll verschleierten Frauen mit Tschador begegnet. Den Abschluss meines ersten Tages in Teheran bildet das Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Demonstranten und Revolutionsgarden, als ein U-Bahnschacht in Flammen aufgeht und die Schlägertrupps der Revolutionsgarden angefahren kommen.