Tipps zu Sehenswürdigkeiten und ein Restaurantführer für Berlin

Zwischen Lübbecke und Berlin liegen zwar nur rund 340 Kilometer. Und dennoch trennen die beiden Städte Welten - oder auch nicht. Sicher: Berlin ist deutsche Hauptstadt. Aber im allgemeinen Verständnis wird die Metropole mit deutlich mehr als 3 Millionen Einwohnern auf den Ku-Damm mit Gedächtniskirche, Kaufhäusern und Boutiquen reduziert. Doch Berlin ist mehr - oder auch weniger. Ein paar Seitenstraßen abseits vom Rummel wirkt das Zentrum deutscher Politik kleinstädtisch, sogar provinziell. Gleich hinterm Premierenkino gibt es keine Modenschau. Im Tiergarten gibt es bei gutem Wetter kaum ein Plätzchen, auf dem nicht gegrillt wird. Und trotz aller Baudichte gibt es in den verschiedenen Bezirken viel Grün, pulsiert hier das Leben etwas langsamer als im Zentrum. Dennoch: Berlin steht für Weltoffenheit und verändert sein Gesicht ständig. Das ist spannend zu erleben. Gemeinsam mit Mahan Mosapour Shahi wird Svenja Mattner, die in Lübbecke geboren wurde, hier aufwuchs und jetzt in der deutschen Hauptstadt lebt, von dort berichten - über Menschen und Ereignisse ohne vermeintliches Medieninteresse, über "Geschichten hinter den Geschichten", über ganz persönliche Berlin-Eindrücke und Erfahrungen.


Pergamon-Museum - Ein Tag mit perfekter Illusion

Ferien, schönes Herbstwetter - da packt einen schnell mal die Reiselust. Warum sich also nicht ins Auto oder in die Bahn schwingen und zu einem Kurzbesuch nach Berlin düsen. Die Hauptstadt hat an jedem Tag eine Menge zu bieten, nicht nur das bekannte Chaos auf den Straßen oder mit der S-Bahn. Wer gut zu Fuß ist, erlebt innerhalb eines Tages eine richtige Zeitreise. Beispiel gefällig? Dann auf zum Pergamon-Museum und in die Filmstadt Babelsberg.
Wer den weltweit bekannten Monumentalbau, gelegen auf der Museumsinsel, besuchen will, braucht zweierlei: Zeit und Ausdauer. Zeit deshalb, weil man häufig für die Eintrittskarte lange anstehen muss, Zeit und Ausdauer deshalb, weil das Museum mit seinen verschiedenen Abteilungen sehr weitläufig ist. Da ist man schon mal Stunden unterwegs und muss dafür auch gut zu Fuß sein. Das Pergamonmuseum wurde nach den Entwürfen von Alfred Messel durch Ludwig Hoffmann zwischen 1910 und 1930 als letzter der fünf Museumsbauten errichtet. Als Dreiflügelanlage konzipiert beherbergt das Pergamonmuseum heute drei Museen: die Antikensammlung mit den Architektursälen und dem Skulpturentrakt, das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst.

Abb. Impressionen Pergamon-Museum und Filmstadt Babelsberg in Berlin
Impressionen Pergamon-Museum und Filmstadt Babelsberg in Berlin

Durch die imposanten Rekonstruktionen archäologischer Bauensembles - Pergamonaltar, Markttor von Milet und Ischtar-Tor mit Prozessionsstraße von Babylon und Mschatta-Fassade - ist das Museum weltweit bekannt geworden. Seit wenigen Tagen - aber noch bis zum 30. September 2012 - versperrt ein eher abweisend wirkender Koloss den Blick auf den Museumseingang. Vom Frühjahr 2011 bis Ende September ist aus viel Stahl eine Hülle entstanden, in deren Innern ein monumentales 360-Grad-Pergamon-Panorama entstanden ist. Mit viel Licht, lebensechten Geräuschen und der passenden Musik vermittelt Yadegar Asisi den Eindruck, als würden die dargestellten Menschen und Tiere gleich zum Leben erwachen. Das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, auch bei einem Preis von 13 Euro für das Erwachsenen-Ticket. Nicht zu vergessen: Wer nicht so gut zu Fuß ist, stößt an die Treppe, die in öden Stahlcontainern zur Aussichtsplattform führt, an seine Grenzen.
Die werden auch erreicht, wer nach der 360-Grad-Pergamon-Illusion von Berlin-Mitte rausfährt Richtung Potsdam zu den Filmstudios Babelsberg. Wer hier sehen und staunen will, braucht erstmal ein gut gefülltes Portemonnaie. 21 Euro für eine Erwachsenen-Karte oder 60 Euro für eine Familienkarte sind nun mal kein Pappenstiel. Wer sich dann mit Speis und Trank zurückhält, hat die größte Ausgabe aber auch schon hinter sich. Denn fast alle Attraktionen kann man kostenfrei besuchen. Je nach Wetter- und Produktionsbedingungen gehören dazu eine fantastische Stuntshow in einem Vulkan oder einem echten Fernsehstudio - da wird man als Besucher vielleicht unverhofft zu einem Darsteller -, ein Tierquiz oder das Filmtiertraining. Nicht entgehen lassen sollte man sich den erst 2011 eingeweihten "Dome of Babelsberg". In diesem interaktiven XD-Erlebniskino kann man sogar selbst auf Monsterjagd gehen. Auf dem Weg zum oder vom Vulkan kann man im 4D-Aktionkino Station machen und bebrillt eine unglaubliche Verfolgungsjagd mitmachen. Das alles wird aber überboten von echter Aktion, die die Stunt-Crew im Vulkan abliefert. Verfolgungsjagden, freier Fall aus bis zu 26 Metern Höhe, Explosionen, Feuerbälle, Als-Ob-Schlägereien - bis zu 2.500 Zuschauer erleben hier, wie Aktion-Szenen für Filme entstehen. Und wenn die Warteschlangen nicht so lang sind, kann man den U-Boot-Set besuchen oder sich durch die Filmstadt fahren lassen mit Abstecher zum Original-GZSZ-Außenset. Viel Spaß bei einem ebenso interessanten wie anstrengenden Trip in der Hauptstadt.


Von Big-Mac zu Currywurst? Essen in der Hauptstadt geht auch anders - mit dem etwas anderen "Restaurant-Führer"

Beim Burger spielt die Nationalität des Kochs keine Rolle

Der Burger leidet unter dem Ruf, der ihm durch überwiegend amerikanische Fast-Food-Ketten angehaftet wurde. Kalorienreich, dennoch mit dem Nährwert von Pappe und irgendwie nicht sättigend. Dabei hört sich das Konzept doch eigentlich gesund und gut an: Brot, gutes Fleisch, ein bisschen Salat und Gemüse. Mehr braucht es für einen Burger doch nicht, oder doch?
Um den besten Burger der Stadt zu finden, wurden wieder zwei verschiedene Lokalitäten begutachtet. Eine im tiefsten Berliner Westen, seit jeher bekannt für seinen hohen Anteil an amerikanischen Mitbürgern, die andere im hippen Prenzlauer Berg, bekannt für teure Mieten und Vegan Eis-Läden.

Tipp 1: Uncle Sam's Diner
Abb. Berlin Bester Burger der Stadt - Uncle Sam's Diner

Ein Restaurant unter der Leitung eines ehemaligen amerikanischen GI’s, der selber noch hinterm Tresen steht und die Gäste mit US-Sport (Satelliten-TV) und US-Drinks (alle möglichen Soft-Drinks, die es sonst hierzulande nicht gibt) versorgt. Hört sich eigentlich gut an. Die Einrichtung ist gewöhnungsbedürftig, da mit aller Macht und dem im Berliner Großraum aufgekauften US-Kitsch (Indianer in allen möglichen Farben und Formen) gezeigt werden soll: Wir sind ein Diner mit amerikanischen Spezialitäten! Ok, kapiert!
Bisschen weniger ist manchmal mehr. So lange das Essen aber gut ist, kann man die Einrichtung ja ignorieren. Ist es aber leider nicht. Meine vorurteilsvollen Erwartungen (ein amerikanischer Koch MUSS doch einen guten Burger machen können!!!) wurden auf ganzer Linie zutiefst enttäuscht. Der Burger war vom Geschmack, der Präsentation und der Qualität her eine Zumutung. Labbriges Brot, vorgefertigtes Fleisch aus dem 50-er Pack der Tiefkühltruhe und Pommes (für die man extra zahlt), die man auf einem schäbigen Teller an zwei Händen abzählen kann.
Wer ist nun schuld an diesem Desaster? Nicht der schlechte Koch oder der blinde Innenarchitekt. Nein, ich nehme die Schuld ganz und gar auf meine Kappe. Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Globalisierung! Die Zeiten, in denen nur Italiener Pizza machen konnten, nur Franzosen Café au Lait anboten und das Oktoberfest nur in München gefeiert wurde, sind vorbei. Diesem Amerikaner sollte man den Pass wegnehmen, auf dass nie wieder Kunden aufgrund seiner Nationalität falsche Schlüsse auf das Essen ziehen mögen. Sparen Sie sich die weite Fahrt und fasten Sie. Es wird weitaus befriedigender sein als das Essen im Uncle Sam’s Diner.


Tipp 2: The Bird
Abb. Berlin Bester Burger der Stadt - The Bird

Es ist ein halbes Jahr ins Land gegangen, bevor ich mich seelisch und körperlich bereit fühle, einen weiteren hochgelobten Laden zu testen. The Bird punktet auf jeden Fall schon mal in Sachen Erreichbarkeit, liegt es doch an der Schnittstelle von Wedding, Mitte und Prenzlauer Berg, direkt am Hintereingang des Mauerparks, der zu einem Verdauungsspaziergang nach dem Essen einlädt. Die Einrichtung ist einfach (im positiven Sinne) und nicht erdrückend, wenn auch ein bisschen dunkel im hinteren Bereich. Gut, dass wir nicht einziehen, sondern nur essen wollen. Die Karte bietet eine gute Auswahl und Übersicht an Steaks und Burgern. Steaks können allerdings nur in größeren „Cuts“ (empfohlen werden 400 Gramm und aufwärts) bestellt werden, um einen saftigen Genuss (und einen höheren Umsatz, mögen böse Zungen behaupten) zu garantieren. Immerhin wird angeregt, sich ein Steak mit mehreren Personen zu teilen oder den Rest mit nach Hause zu nehmen. Bei den Burgern liegt der Fokus ganz klar auf dem Fleisch und weniger auf dem Brot. Interessant angerichtet (Massen an Fleisch, umrahmt von zwei kleinen Brotscheiben) mit einer mehr als ausreichenden Portion selbstgemachter Pommes und Salat inklusive Ketchup, Mayo und einer selbstgemachten Burger-Sauce. Der Geschmack des Burgers ist hervorragend. So wird tatsächlich, wie im Menü beschrieben, nur bestes Steakfleisch durch den Fleischwolf gedreht und für die Burger verwendet. Diese durchaus nicht zu verachtende Charakteristik des Burgers spiegelt sich im Preis (ab 11 Euro plus Pommes und Salat) und in der Qualität wider. Ein absolutes Muss für Burger-Fans, die sich eine massive Basis für eine Partynacht schaffen wollen oder einfach nur viel Hunger mitbringen. Der Koch ist übrigens deutsch. Nicht, dass dies etwas zu bedeuten hätte, ich werde nämlich nach dem Reinfall bei Uncle Sam’s nicht mehr nach Nationalität des Kochs oder der Mitarbeiter entscheiden, wo ich zum Essen gehe.


Mustafa's Gemüse Döner - Schlange stehen wird mit purer Frische belohnt

Laut New York Times gibt es bei Mustafa den besten Döner der Stadt. Aber ist das wirklich so? Die Kollegen aus New York setzen die Messlatte mit dieser Aussage natürlich sehr hoch, doch was wissen Amerikaner über (guten) Döner? Letztlich muss der Döner den strengen Kriterien von Hallo Lübbecke und nicht dem Vergleich mit einem amerikanischen Burger standhalten.
Dieser Test geschah an einem Freitag gegen 12.30 Uhr. Durch die Recherche stieß ich natürlich als erstes auf die Homepage des Ladens. Eine Kuriosität an sich! Wie viele Dönerbuden mit eigener Internet-Homepage kennen Sie? Genau: Ich kannte genau so viele, nämlich gar keine. Die Seite ist lustig aufgebaut, höchst professionell und verleitet mit diversen Funktionen zum Verweilen. Dadurch wird der Magen nicht satter, im Gegenteil, der Hunger meldet sich zu Wort. Aufgrund der Wegbeschreibung auf der Homepage ist es nun allerdings ein leichtes, zu Mustafa zu finden und sich persönlich von den Qualitäten überzeugen zu lassen.
"Mustafas Gemüse Döner" liegt nahezu perfekt direkt an einem Ausgang der Berliner U-Bahnlinie 6, Haltestelle Mehringdamm, unweit vom Checkpoint Charly und der Bergmannstraße, die sich nach dem Essen herrlich zum Bummeln eignet. Nehmen Sie sich also ruhig etwas Zeit mit. Diese wird leider auch für das Anstehen benötigt. Der Begriff Fast-Food trifft also nur indirekt auf diese Dönerbude zu. Wartezeiten von fünf bis zu 20 Minuten während der Wochenenden sind keine Seltenheit.

Abb. Mustafa's Gemüse Döner - Schlange stehen wird mit purer Frische belohnt
Mustafa's Gemüse Döner - Schlange stehen wird mit purer Frische belohnt

Der erste Eindruck von "Mustafa's" ist zwiegespalten. Die Dönerbude - ein einfacher Aluminium-Container - sieht nicht allzu vertrauenswürdig aus. Die Schlange von 20 Metern dagegen umso mehr. So viel Kundschaft kann eigentlich kein schlechtes Zeichen sein, vor allem, wenn sich zumindest für fünf bis 20 Minuten der Yuppie aus der Anwaltskanzlei zur Mutter mit Kinderwagen, dem Bauarbeiter in der Pause und dem Arzt gesellt und man die langen Wartezeiten ohne Murren in Kauf nimmt.
Die Menükarte ist sehr klein. Es gibt Döner und Dürüm (die Döner-Zutaten in einem dünnen Tortilla ähnlichem Brot zusammengerollt) mit und ohne Fleisch plus die üblichen Softgetränke. Man sucht vergeblich nach speziellen Döner-Tellern mit weiteren Zutaten oder Gerichte wie Schnitzel und Currywurst. Die Konzentration liegt hier ganz klar auf dem augenscheinlich sehr gut laufenden Döner-Geschäft.
Bei näherem Betrachten sieht man auch die frischen Gemüseberge hinter der Theke, von der die Dönerbude ihren Namen ableitet. Das Spezielle an diesem Döner ist nämlich neben den üblichen Zutaten eine nicht zu verachtende Menge an leicht frittierten Auberginen, Zucchini, Paprika und Kartoffeln, die mit dem klein geschnittenen Ziegenkäse und dem Schuss (frischen!) Zitronensaft diesen Döner schon äußerlich von seinen vielen Konkurrenten unterscheidet.
Die Preise liegen von 2,50 Euro (vegetarischer Döner) bis 3,90 Euro (Dürüm mit Fleisch) leicht über denen der Konkurrenz, doch ist dies schon wegen des frischen Gemüses zu verkraften. Aufgrund der hohen Frequentierung kann es in dieser Dönerbude unmöglich zu labbrigem Gemüse, trockenem Brot oder kaltem Fleisch kommen, ein unbezahlbares Extra, für das man gerne ein bisschen tiefer in die Tasche greift.


Stark sein wenn der Hunger kommt - und bis Da Giorgio wandern

Die Pizza ist neben dem Döner wohl des Deutschen liebstes Gericht. So mancher bevorzugt die Pan-Pizza (Zubereitung in einer Form oder Pfanne mit einem meist dickerem Boden), andere wiederum die handgemachte, dünne Pizza nach italienischem Vorbild mit krossem Teig. Welches Modell Ihnen nun auch besser gefallen sollte, ist, wie so oft im Leben, Geschmacksache. Was aber nicht offen zur Diskussion steht, ist folgender Tipp:
Sie sind mal wieder in Berlin und laufen über den Ku'damm, weil Sie

  • a) entweder Kleidung kaufen wollen oder
  • b) Ihrer Frau Kleidung kaufen müssen.

Welcher Grund auch immer hinter Ihrem Aufenthalt auf der Berliner Einkaufsmeile steht, der Hunger wird sich anschleichen und Sie überfallen, spätestens auf Höhe der Gedächtniskirche. Nun heißt es stark sein!

Abb. Restaurant Da Giorgio in Berlin
Restaurant Da Giorgio in Berlin

Lassen Sie sich nicht von der Original Berliner Curry Wurst (alle Curry-Wurst Stände der Hauptstadt verkaufen NUR die originale Curry Wurst, welch Wunder... Zu der besten Curry-Wurst in Berlin kommen wir noch im Laufe unserer Gourmet-Serie, bis dahin: Finger Weg von den Straßenständen!) oder dem Mc Donalds in Versuchung führen. Der Weg zur besten Pizza Berlins ist so nah! Lange Rede, kurze Wegbeschreibung: Bei gutem Wetter biegen Sie irgendwann vom Ku'damm in die Uhlandstrasse und schlendern diese 10 Minuten (oder gehen in normalen Tempo 5 Minuten) entlang bis zur Nummer 153. Vor dem Laden stehend ist Ihr erster Gedanke: Super! Der ganze Weg war umsonst, ich geh' zurück und esse bei Mc Donalds. Das Äußere des Ladens wirkt nicht extravagant, aber gehen Sie rein. Innen angekommen, denken Sie nun (ja, Sie haben richtig geraten): Super! Der ganze Weg war umsonst …
Aber folgendes: In Berlin wird understatement groß geschrieben. Viele der von uns empfohlenen Restaurants und Imbisse werden vielleicht an ihrer Einrichtung sparen, aber um umso mehr bei den Speisen zu überzeugen wissen. Das nennt man hier "authentisch sein". "Warum?" werden Sie fragen und ich werde antworten, das ich keine Ahnung habe. Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte: Ich mache hier nur die Restaurant- und Imbissempfehlungen und keine sozialpolitische Analyse mit Fokus auf die Relation der Einrichtung zur Qualität der Speisen.
Nun sind Sie also im Da Giorgio. Und ab jetzt geht es auch mit dem Eindruck in großen, großen Schritten bergauf. Empfehlen kann man die Pizzen in jeglichen Variationen je nach Geschmack, insbesondere aber die Pizza Da Giorgio mit frischem Rucola, Champignons und Parmaschinken (9,50 Euro und damit die teuerste Pizza). Die Pizzen sind nicht nur reichhaltig belegt, sondern auch die größten, die Sie in Berlin bekommen können. Die Pizzabäcker schummeln zwar und rollen den Teig mithilfe einer Teigrollmaschine aus, aber das Ergebnis, nämlich Pizzen mit einem Durchmesser von 35 Zentimeter und mehr, spricht für sich. Wenn Sie dünne, krosse Pizzen mit einem reichhaltigen, frischen und qualitativ hochwertigen Belag bevorzugen, ist das Da Giorgio eine sehr gute Wahl. Bevorzugen Sie hingegen Pizzen mit dickem Boden, so ändern sie Ihren Geschmack. Nach dem Besuch des Da Giorgio werden Sie es ohnehin tun!


Im "Don Giovanni" gib es keine Klassik, aber klasse Küche

Sehenswürdigkeiten ziehen Touristen an. Kein Besucher Berlins sollte sich daher das Brandenburger Tor, den Reichstag und das Kanzleramt entgehen lassen. Sehenswürdigkeiten und Touristen sind auch gefundenes, bitte auf das Wortspiel achten, Fressen für Fast-Food-Ketten und fahrende Händler mit Curry-Wurst-Ständen. Big Mac und eine Wurst? Muss das sein? Wir sagen ganz klar: Nein! Und zeigen Ihnen Alternativen auf.
Wenn Sie schon mal vor dem Reichstag stehen, tun Sie sich und Ihrem Gaumen den Gefallen und halten es wie die alten Cowboys: Orientieren Sie sich doch einmal Richtung Westen. Am besten fangen Sie also Unter den Linden an, gehen durch das Brandenburger Tor und durch das Regierungsviertel. Ihr Weg führt Sie automatisch zum Kanzleramt, welches Sie, je nach politischer Gesinnung, rechts oder links liegen lassen und sich auf den Weg nach Moabit machen. Keine Angst, nur fünf Minuten Fußweg führen Sie zum Restaurant Don Giovanni, glücklicherweise noch ein kleiner Geheimtipp der Einheimischen. Zugegebenermaßen, die Einrichtung hat schon bessere Tage gesehen, wahrscheinlich datieren diese auf Zeiten zurück, in denen Sie eben beschriebener Fußweg durch zwei verschiedene Staaten geführt hätte. Die Einrichtung ist also rustikal, aber sauber und sehr gepflegt.

Abb. Restaurant Don Giovanni in Berlin
Restaurant Don Giovanni in Berlin - keine Klassik, aber klasse Küche!

Aber wen interessiert die Einrichtung, wenn die Stärke des Don Giovanni ganz klar die internationale Küche ist? Sie finden in der reichhaltigen Karte des Restaurants italienische, mexikanische und argentinische Spezialitäten in allen Variationen. Insbesondere zu beachten sind die dauerhaft um 50% reduzierten Speisen. So werden der Vorspeisen-Salat mit nur 1,20 Euro, die Nudelgerichte mit bis zu 4 Euro und das Rumpsteak mit Salat und Folienkartoffel (Geheimtip!) mit nur 7,50 Euro zu Buche schlagen. Wenn Sie denken, Sie hätten sich noch nicht reich gegessen, so wird das freundliche Personal, sofern Sie auch Getränke bestellt hatten zu Ihrem Essen, Sie auf einen Absacker einladen (zur Wahl stehen Sambucca, Grappa und Amaretto. Für den freundlich fragenden Gast sogar Ramazotti). Wenn Sie also mal in Berlin sind, in der Nähe des Regierungsviertels schlendern oder am Berliner Hauptbahnhof auf Ihren Zug warten und mindestens eine Stunde aufbringen können, gehen Sie den kurzen Weg zum Don Giovanni. Ein Restaurant, welches sich nach einem Meisterwerk der Operngeschichte nennt, schürt hohe Erwartungen. Das Don Giovanni wird diese in den Kategorien Service, Essen und Preis-Leistungsverhältnis zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erfüllen.


Von den bunten Bären zum "Tränenpalast"

Nach 2002 und 2003, 2006 und 2009/2010 ist die Schau mit rund 140 Buddy Bären unter dem Motto "Die Kunst der Toleranz - Eine Idee auf Welttournee" wieder zu Gast in der deutschen Hauptstadt. Im Bereich Kudamm/Ecke Knesebeckstraße stehen die bunten Bären friedlich sozusagen Hand in Hand und werben für Toleranz und Verständigung zwischen Völkern, Kulturen und Religionen. Seit ihrem ersten Besuch an der Spree in 2002 haben weltweit bereits mehr als 25 Millionen Menschen die Skulpturen aus Plastik gesehen, bewundert - oder aber auch für überflüssig gehalten.
Alle Bären sind gleich groß - zwei Meter -, aber jeder sieht trotzdem anders aus. Denn jeder ist Repräsentant eines anderen - von den Vereinten Nationen anerkannten - Landes und entsprechend von einem dort beheimateten Künstler gestaltet. Neben den bunten Riesen fällt der silbergraue, mit einem Einstein-Bild verzierte Bär auf, denn er steht auf allen Vieren, während sich seine "Kumpels" auf zwei Beinen in voller Höhe zeigen. Der kubanische Bär hat natürlich eine Zigarre im Maul und trägt eine Bauchbinde, der australische erinnert an die Ureinwohner, usw. usw. Klar, die Bären sind beliebte Fotomotive - und wer davon eins für Familienalbum schießen will, hat noch bis zum Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, dazu Gelegenheit.
Weniger fröhlich, lustig und bunt ist es im "Tränenpalast" neben dem Bahnhof Friedrichstraße auf der anderen Seite des Schiffbauerdammes. Wer will, kann hier an der einzigen ehemaligen Grenzübergangsstelle nachvollziehen, was es in Zeiten der Deutschen Teilung hieß, von West nach Ost bzw. zurückzugehen. Hier flossen Tränen - Tränen der Freude, der Trauer, der Erleichterung; sie gaben diesem Bauwerk ihren Namen. Wer einmal durch ihn hindurch musste, durch unter- und oberirdische Labyrinthe, in denen man nach wenigen Metern die Orientierung verlor, wer in einer der schmalen Holzkabinen den DDR-Grenzern hinter der Glasscheibe gegenüberstand, die mit einem Blick in den an der Decke schräg aufgehängten Spiegel den "ganzen" Besucher erfassten und dann vielleicht Minuten intensiv die Ausweispapiere studierten - der weiß, wie sich Ausgeliefertsein anfühlt, das vergisst man nicht …
Kein Wunder also, dass man beim Gang durch die Ausstellung immer wieder Gesprächsfetzen mitbekommt von Menschen, die den "Tränenpalast" selbst erlebt haben. Unterschiedlichste Dokumente, von Pässen über Koffer bis hin zu Filmen geben ein Stück deutscher Geschichte wider, das noch gar nicht so lange her ist, dennoch aber mehr und mehr vergessen wird. Im "Tränenpalast", kostenlos zu besuchen, wird die Erinnerung glücklicherweise festgehalten…


Das "Max und Moritz"" zieht Lübbecker magisch an

Wirtshaus - diese Bezeichnung war lange der Inbegriff urdeutscher Kneipengemütlichkeit, was immer man darunter verstehen mag. Kaum einem Gastronomen würde es heute aber einfallen, diesen Begriff für die eigene Lokalität zu wählen. Ganz anders dagegen Michael Kuhlmann. Der gebürtige Alsweder ist Chef im "Max u. Moritz", Wirtshaus seit 1902 im Berlin-Kreuzberger Kiez. Und er legt gesteigerten Wert darauf, dass das auch so bleibt. "Don Michele", wie Kuhlmann auch gern mal genannt und geneckt wird, hat sich hier eingerichtet. Und will hier auch keinesfalls wieder weg. Was aber am 17. Juni 1987 überhaupt noch nicht absehbar war. An jenem Tag stand der "gelernte Lehrer" ganz einsam und verlassen allein auf einem Bahnsteig im Bahnhof Zoo, nicht so recht wissend, wie es für ihn in der damals noch geteilten Stadt weitergehen sollte. Wobei er eines aber wusste: Als Lehrer wollte er jedenfalls nicht arbeiten. Im Jahre 2001 trat er über die Schwelle des "Max u. Moritz", arbeitete zunächst als "Treser" und im Service - und wartete geduldig auf seine Chance. Die kam, als es mit dem Wirtshaus wirtschaftlich nicht mehr so gut lief. Am 1. April 2006 schlug dann die Stunde von "Don Michele" und seinem Kompagnon David Ryan. An diesem Tag übernahmen sie das Wirtshaus im Kreuzberger Kiez. "Und seitdem ist der Laden explodiert", macht Michael Kuhlmann aus seinem Erfolg keinen Hehl. Dabei ist der Alsweder nach wie vor "bekennender Ostwestfale", dem es eine Herzensangelegenheit ist, seine Gäste mit Spezialitäten aus OWL zu verwöhnen. Was gehört in einem Wirtshaus in erster Linie dazu? Richtig - das passende Bier. Das bekommt er aus der heimischen Privatbrauerei Barre. Insgesamt fünf Bierspezialitäten hat Kuhlmann im Anstich; Barres Pilsener belegt im Beliebtheits-Ranking seit ewigen Zeiten unangefochten Rang 2.

Abb. Wirtshaus Max und Moritz seit 1902 im Berlin-Kreuzberger Kiez
Wirtshaus Max und Moritz seit 1902 im Berlin-Kreuzberger Kiez

"Als ich vor Jahren mal wieder im Lübbecke war, bin ich einfach ins Barre-Stammhaus marschiert und habe dort gefragt, ob Barre schon reif ist für die deutsche Hauptstadt. Diese Frage kam wohl etwas überraschend - aber man fing sich schnell. Und noch während meines Besuches wurden die Weichen dafür gestellt, dass es im ‚Max u. Moritz' das leckere Barre geben würde", erzählt Kuhlmann. Und weist in der ihm eigenen humorvollen Sprachregelung, aufgepeppt mit ein wenig Theatralik, darauf hin, dass er mit "Barre vom Fass" im gesamten Großraum Berlin ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.
Wer aber nicht nur ein "kühles Blondes vom Wiehen" genießen, sondern auch gut, reichlich und dabei sogar preiswert essen will, kommt ebenfalls am Kreuzberger "Max u. Moritz" nicht vorbei. Der Blick in die mit Szenen aus Wilhelm Buschs gleichnamiger "Bubengeschichte in sieben Streichen" garnierte Speisekarte lässt das Wasser im Munde zusammen laufen. Und wenn man dann noch hört, dass Würstchen aus Lübbecke verarbeitet werden, bestellt man gern eine Eintopf-Terrine.
Wie aber kommen Lübbecker Würstchen in die Hauptstadt. Ganz einfach - per Kurier, aber auf rein privater Basis. Ein solcher ist Rolf Haake aus Lübbecke, seit vielen Jahren "bekennender Berlin-Fan". Er schaute irgendwann mal ins "Max u. Moritz" rein, fand schnell die gemeinsame Herkunft heraus und versorgt Michael Kuhlmann mit heimischen Würstchen, wenn Not am Mann ist. Wie kürzlich, als der Gastronom anrief und fragte, ob er nicht beim nächsten Besuch eine Ladung mitbringen könnte. Gebeten - getan. Gemeinsam mit seinem Begleiter Wolfgang Hanke aus Hüllhorst fuhr Rolf Haake auf den Hof der Fleischerei Reinköster, lud 1.450 vorbereitete Würstchen ein und lieferte sie noch am gleichen Tag ohne Unterbrechung der Kühlkette im "Max u. Moritz" ab. "Das reicht für sechs bis acht Wochen. Und dann kommt wieder jemand, der Würstchennachschub aus der alten Heimat mitbringt", freut sich der Gastronom. "Diese Qualität bekommt man in ganz Berlin nicht", betont er und ist froh, seinen Gästen so hochwertige Zutaten anbieten zu können. "Was jetzt noch fehlt, sind Säfte, wie sie z.B. Regine Brinkmann ‚Up'm Blasheimer Dorfplatz' anbietet. Aber man kann eben nicht alles haben", setzt er hinzu.
Rolf Haake und Wolfgang Hanke jedenfalls fühlen sich, wie alle anderen Gäste auch, im "Max und Moritz" pudelwohl. Wie gut der Ruf ist, kann man auch daran sehen, dass man einen Tisch für abends vorbestellen muss, will man nicht Stunden auf einem Barhocker verbringen. "Hier wird der Begriff Wirtshaus noch gelebt", fasst Haake seine Erfahrung in die richtigen Worten. "Das ist keine Touristenfalle. Hier ist bewirten gleich verwöhnen. Und das wird mit jeder Menge Herzblut getan." Sagt's und freut sich im gleichen Atemzug auf einen Besuch im Quatsch-Comedy-Club im Keller des Friedrichstadt-Palastes - diesmal mit Sprücheklopfer Oliver Pocher.
Im Jahr 2012 feiert "Max u. Moritz" 110-jähriges Bestehen. Gefeiert werden soll schon, bloß das "Wie" steht noch nicht fest, sagt "Don Michele". Doch hat er bereits in diesem Jahr dafür die letzten Weichen gestellt. Vor einigen Wochen, im "Sommer", wurden der Schankraum und die kleine Bibliothek grundlegend renoviert. Dabei wurde die Zahl der Bücher von 6000 auf 1000 "wichtige" verringert und ein schickes Ambiente für Vorträge und Lesungen geschaffen. Hier steht auch eine der ältesten elektrischen Schreibmaschinen als Blickfang. Promis sind dem Gastronomen aus Alswede egal. "Hier waren schon Schauspieler und Politiker. Aber im ‚Max u. Moritz' bin ich Gott", gibt sich Michael Kuhlmann überaus selbstbewusst. Täglich zwischen 17 und 1 Uhr dirigiert er sein je nach Bedarf bis zu 25 Personen starkes Team, steht dabei selbst hinter dem Tresen und zapft, bis der Schweiß tropft…
Bis zu 260 Personen finden im "Max u. Moritz" auf originalen Tourneestühlen oder in Sesseln Platz, hier treffen sich Tango-Freunde ebenso wie Fans von Modell-Eisenbahnen, hier gibt es Live-Musik und Lesungen unter originalen Stuckdecken und Fenstern mit Bleiglas, die während des Krieges im Keller vor Zerstörungen in Sicherheit gebracht wurden. Wer vom Wiehen in die Hauptstadt fährt, sollte neben Kudamm, Friedrichstraße und Unter den Linden auch das "Max u. Moritz" auf seine Besuchsliste setzen. Es lohnt sich…


Von der Bernauer Straße zur East Side Gallery und zum Scharmützelsee

Genau 50 Jahre ist es her, dass das DDR-Regime mit dem Mauerbau in Berlin begann. In der Nacht vom 12. zum 13. August kappten rund 15.000 Polizei- und paramilitärische Kräfte die Verkehrswege zwischen Ost- und Westsektor. In den folgenden Stunden wurden Zäune aufgestellt, Türen und Fenster in direkt an der Sektorengrenze gelegenen Häuser zugemauert - die Vorboten der Mauer samt Grenzbefestigungen, die erst ab November 1989 wieder fielen.
Fernsehen gab es damals - natürlich. Aber nur vergleichsweise wenige hatten schon eins. So saßen die Menschen vor den Radios und wollten den dramatischen Reportagen kaum glauben, die aus Berlin durch den Äther in die Wohnzimmer und Küchen gesendet wurden.
"Nur" ein halbes Jahrhundert ist es also her, dass Berlin durch eine 43 Kilometer lange Mauer getrennt wurde. Die Wiedervereinigung hat inzwischen die meisten Spuren getilgt, es gibt nur noch wenige sichtbare Zeugen von damals. Dazu gehören das Mauermuseum und die Gedenkstätte Berliner Mauer - www.berliner-mauer-gedenkstaette.de - an der Bernauer Straße. Sie bildete die Grenze zwischen den Berliner Stadtbezirken Wedding und Mitte und war ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Hier starben Menschen beim verzweifelten Sprung aus Häusern auf der Ostseite in den freien Westteil, hier wurden Fluchttunnel gegraben, hier entschied sich der Grenzsoldat Conrad Schumann im Kampfanzug für den Sprung über den Stacheldraht - dieses Foto schrieb Geschichte und ist eines von vielen Dokumenten, auf das man in Klein-, aber auch in Großformat an einer Hauswand im Bereich der Gedenkstätte trifft.
Von einem Aussichtsturm aus blickt man auf die Gedenkstätte mit einem Stück erhaltener Sperranlage samt Park mit Infoständen. Und genau hier, zwischen Bernauer Straße und Eberswalder Straße, wurden vom 10. auf den 11. November 1989 die ersten Mauerstücke entfernt, um einen neuen Übergang zwischen Ost- und Westberlin zu schaffen.
Geschichtswissen auffrischen kann man auch bei einer erholsamen Spree-Tour auf einem Ausflugsschiff. Wer dabei bis zu O2-Arena fährt, kommt zur East Side Gallery. Hier haben 100 Künstler aus aller Welt die bis dahin weißgraue Mauer gestaltet und so zu einem weltweit bekannten Kunstobjekt gemacht. Nach so viel Historie drängt sich Erholung regelrecht auf. Rad- und Rikschafahrten bieten sich da an. Aber warum nicht mal auf einen Segway steigen - nicht unbedingt in Berlin, aber vielleicht am nur 50 Kilometer entfernten Scharmützelsee. Bei Segway 3000 - www.segway3000.de - kann man Touren buchen - Geschichte, Idylle und Abenteuer inklusive. Nach Intensiv-Einweisung geht's los ein Stück am See entlang, durch das schick restaurierte Bad Saarow, vielleicht vorbei an der Kirche, in der Max Schmeling heiratete, vorbei am "Eierhaus" und an einer schwimmenden Sauna. Segway fahren: Das macht Spaß und ist auch für Technikmuffel leicht und schnell erlernbar. Wer dann noch will, kann im Kletterpark gut zwei Stunden in den Bäumen turnen. Viel Spaß…
Zum Abschluss eines überaus interessanten, aber auch anstrengenden Berlin-Wochenendes bietet sich am Sonntag ein Bummel über den Flohmarkt im Mauerpark an, nur wenige Meter entfernt von der Gedenkstätte Bernauer Straße. Hier trifft sich nicht nur ganz Europa - hier trifft sich sozusagen die ganze Welt. Denn dieser Flohmarkt ist offenbar in Mexiko ebenso bekannt wie in Tokio. Das Angebot ist ebenso bunt wie die Besucherschar: Gutes Altes gibt es durchaus, doch braucht man Erfahrung und ein gutes Auge, um es im Wust von "Schrott" zu entdecken. Aber es gibt viel zu sehen und viel zu handeln: Flohmarktfans kommen hier in jedem Fall auf ihre Kosten.


Der Spreepark - Naturidylle und ideale Filmkulisse

Die Hauptstadt hat viel zu bieten - und viele Gesichter. Nicht zuletzt deshalb geben sich hier Filmteams aus aller Welt sozusagen die Klinke in die Hand. Denn hier finden sie die Kulissen, die sie brauchen. Ob es Parks sind, modernste Bauten oder gar Ruinenlandschaften. Wie bei Aufnahmen für den gerade anlaufenden Film "Wer ist Hannah", in dem u.a. Cate Blanchett zu sehen ist. Einige Szenen entstanden im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick, und zwar im "Spreepark" und im Plänterwald.
Und darum geht es kurz gefasst in diesem Aktion-Thriller: Der vor Jahren abgetauchte CIA-Agent Erik Heller hat in der skandinavischen Wildnis seine nunmehr 16-jährige Tochter Hanna zu einer schier unbesiegbaren Mordmaschine ausgebildet. Sie soll CIA-Agentin Marissa Wiegler ausschalten, die für den Tod von Hannas Mutter verantwortlich ist. Doch vorerst erwischt sie nur eine Doppelgängerin und wird auf ihrer Odyssee quer durch Europa von Wieglers Schergen gejagt. Und für verschiedene "Jagdszenen" boten der mehrere Hektar große Plänterwald mit dem "Spreepark" genau die idealen Bedingungen, die Filmemacher eben brauchen.

Abb. Der Spreepark - Naturidylle und ideale Filmkulisse
Der Spreepark - Naturidylle und ideale Filmkulisse

Berlin ist wahrlich nicht arm an Parks. Im Plänterwald, an der Spree gelegen, vergisst man nach wenigen Minuten, dass man sich in der deutschen Hauptstadt befindet. Zwitschernde Vögel begleiten Wassersportler, Jogger und Spaziergänger tanken jede Menge frischer Luft. Lediglich die durch Unterholzlücken in weiter Ferne auftauchenden Bauten wie der Fernsehturm lassen die Großstadt erahnen.
In diesem Naherholungsgebiet erobert sich - unzugänglich umschlossen von einem rostigen hohen Zaun - seit einem Jahrzehnt die Natur das zurück, was ihr der Mensch zuvor entrissen hat. Es ist das Gelände des ehemaligen "Spreeparks", ein Vergnügungspark, mit dem die DDR-Bosse ihren eingeschlossenen Bürgern so etwas wie Spaß und Großstadtflair bieten wollten. Eröffnet am 4. Oktober 1969 mit dem Namen "VEB Kulturpark Plänterwald", erlebte er eine wechselvolle Geschichte. 1990 ging das Areal im Zuge der Wiedervereinigung an den Berliner Senat über. Dann kaufte die Spreepark GmbH einige Attraktionen aus einem insolventen Freizeitpark bei Paris heraus, baute sie im Spreepark auf und investierte im Laufe der nächsten Jahre kräftig in weitere Attraktionen und Themengebiete. 2001 meldete die Gesellschaft Insolvenz an und schloss den Park am 4. November 2001.
Seitdem macht sich hier die Natur wieder breit. Die verbliebenen Fahrgeschäfte sind überwuchert, Dinos stehen einsam herum, die Gleise der Parkbahn sind kaum zu sehen. In den Bäumen und Sträuchern kaum zu erahnen sind die Teile des Geisterschlosses, das für 10 Mio. DM entstehen sollte, aus Finanznot aber nie fertiggestellt wurde.
Zehn Jahre nach der Schließung herrschte jetzt wieder richtig Leben im Spreepark. Zu vier Tagen Lunapark hatte das Theater "Hebbel am Ufer" eingeladen - und Tausende strömten in den so lange verschlossenen Park. Für dieses Ereignis war er natürlich "stadtfein" gemacht worden: Die Wege frei geschnitten, die Gleise für die Parkbahn, mit der man für 2 Euro 15 Minuten langsam und wackelig durch das Gelände kutschiert wurde, ebenso, in einer leer stehenden Halle wurde ein Videofilm mit Bildern aus Vergangenheit gezeigt, und wie die Spreeparkzukunft aussehen könnte. "Spreezone - der kommende Park" ist ein Transmedia Game, das es im "Hebbel am Ufer" zu ersten Mal in einem deutschen Theater gibt und von der Mitwirkung der Besucher im Internet bei der Gestaltung eines Vergnügungsparks Spreezone lebt. Es gab Speisen und Getränke wie auf jedem Rummel - und es gab in der ehemaligen großen Arena und auf den Wegen Unterhaltung und Konzerte für alle Altersgruppen. Sogar ein Mud Wrestling-Wettbewerb fehlte nicht, Installationen und - so nahe an der Natur - eben auch Infos über Naturkunde und Parkgeschichte. Lachende Musikapparate, eine von Parkbesuchern aufgebaute riesige Holzfigur ging in Flammen auf: Diese vier Spreepark-Tage waren angesichts der Unterhaltung- und Erholungswertes jeder Shopping-Tour auf dem Ku-Damm meilenweit überlegen.
Auf die Spuren der Geschichte des Parks - und ein bisschen "Hannah"-Filmgeschichte - kann man sich bei einem Berlin-Besuch begeben, wenn man Führungen durch den Spreepark bucht. Infos und Anmeldungen: im Netz unter Spreepark Berlin. Aber Achtung: Die Touren sind beliebt - und deshalb schon früh ausgebucht.


Es weihnachtet … auch an der Spree

Neben den Sommermonaten, wenn Berlin in zartem Grün erstrahlt, ist die Weihnachtszeit für mich die schönste Zeit in der Hauptstadt. Von Mitte November bis Ende Dezember erstrahlt und erleuchtet Berlin in ungewohntem Glanz. Und nicht nur die Friedrichstraße und der Ku-Damm sind für knappe zwei Monate hell erleuchtet von immer kreativer werdender Weihnachtsdekoration.
Dieses Jahr wird dieses winterliche Flair durch den anhaltenden Schnee noch verstärkt. Und da in Berlin die Straßen und Gehwege so gut wie nie geräumt werden, bleibt die Stadt fast dauerhaft unter einem weißen Schleier. Das einzige Problem entsteht, wenn der Schnee sich mancherorts doch zu Matsch wandelt, aber das ist ein Thema für eine andere Geschichte.

Impressionen Weihnachten 2010 in Berlin
Impressionen Weihnachten 2010 in Berlin

Weihnachtsmarktfans kommen in Berlin voll auf ihre Kosten, denn es gibt nicht nur einen Weihnachtsmarkt, sondern unzählig viele; für jeden Geschmack ist sozusagen etwas dabei. Für die kleinen Kinder mit den "alternativ angehauchten" Eltern ist der Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg das Richtige, die Touristen zieht es alle Jahre wieder entweder auf dem etwas "ramschigen" Weihnachtsmarkt am Ku-Damm bei der Gedächtniskirche oder auf den Weihnachtsmarkt der gehobenen Klasse auf den Gendarmenmarkt. Allerdings muss der Tourist für letzteren einen Euro Eintritt zahlen, getreu dem Motto Berlins "Arm - aber sexy".
Wer aber in der Tat ein bisschen abseits der Touristenweihnachtswege wandeln möchte, der kann noch so manche Weihnachtsüberraschung erleben. Der etwas weniger bekannte Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg zum Beispiel gehört zu meinen persönlichen Favoriten. Die Kulisse ist wunderschön, und auch die Buden auf dem Markt sind gut gemischt, denn es gibt nicht nur billigen Glühwein, Bratwurst und gebrannte Mandeln, sondern in der Tat auch schöne Geschenkideen, kreative Keramik und Schmuck. Ebenfalls einen Besuch wert sind die kleinen Weihnachtsmärkte in Zehlendendorf, an der Domäne Dahlem und am Mexikoplatz. Die Budenzahl ist beschaulich, doch gibt es viele Produkte, die es auf den großen Weihnachtsmärkten nicht zu kaufen gibt. Auch der Glühwein kommt nicht aus dem 40-Liter-Eimer, sondern aus eigener Herstellung, und die Bratwurst kommt vom regionalen Bauern.
Alles in allem ist Weihnachten in Berlin eine schöne Zeit. Doch möchte ich an dieser Stelle noch ein warnendes Wort loswerden. Denn es gibt auch Weihnachtsmärkte in Berlin, die man auf keinen Fall besuchen sollte, wenn man sich die weihnachtliche Stimmung nicht kaputt machen lassen möchte… Zu diesen Märkten gehört der Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz - für mich in der Tat der schlimmste Weihnachtsmarkt Berlins.


Moabit: Hässliches Entlein wird zum Schwan

Denkt man an Berlin und seine Stadtviertel, so fallen einem Namen ein wie das "türkische Kreuzberg", das "hippe Prenzlauer Berg" und das "sozial schwächere Neukölln". Auch der Begriff Kreuzkölln, der für die momentan sehr angesagte Grenzregion zwischen Kreuzberg und Neukölln steht, ist den meisten Leuten bekannt.
Weniger bekannt hingegen ist der Ortsteil Moabit, der jedoch zu den zentralsten Gegenden Berlins gehört und offiziell noch dem Bezirk Mitte zugerechnet wird. Fragt man einen Berliner nach seiner Meinung über Berlin-Moabit, so kann es durchaus passieren, dass man Begriffe hört wie "asoziale" oder "gammelige" Gegend. In der Tat ist sowohl die Justizvollzugsanstalt als auch das größte Kriminalgericht Europas in Moabit zu finden, und die Zahl der türkischen Gemüseläden auf der Turmstraße kann denen in Kreuzberg durchaus das Wasser reichen. Doch wird darüber oft die unschlagbare Lage Moabits vergessen, die Nähe sowohl zum Hauptbahnhof, zur Friedrichstraße als auch zum Kuhdamm und die Tatsache, dass sich das Bundesinnenministerium im Herzen Moabits, im Spreebogen nebst dem edlen Hotel Abion, befindet.

Impressionen Moabit - Berlin
Impressionen Moabit - Berlin

Moabit wird (noch) unterschätzt, das Potenzial wurde noch nicht überall erkannt. Mir soll es recht sein, wenn die "hippen Ökomamas" im Prenzlauer Berg, dem kinderreichsten Bezirk Europas, viel zu teure Mieten zahlen wollen; ein Schicksal, welches unlängst auch Kreuzberg erreicht hat, wo die Mietpreise derzeit drastisch ansteigen. Moabit hingegen ist der Stadtteil Berlins, wo man in wunderschönen Altbauten mit Stuck und Dielenboden zu moderaten Preisen wohnen kann und dennoch nicht auf Stadtnähe und Großstadtatmosphäre verzichten muss.
Betrachtet man die Entwicklungen, die Moabit in den letzten Wochen und Monaten erlebt hat, so scheint sogar die Aussage gerechtfertigt, dass Moabit langsam aber sicher eine Wandlung hin zum "In-Stadtviertel" durchlebt. Wahrscheinlich aufgrund der niedrigen Mietpreise ziehen immer mehr Studenten nach Moabit, was nicht ganz ohne Folgen geblieben ist. Wer genau hinschaut, der kann erleben, wie ein Stadtviertel dabei ist, sich zu verändern. Gab es früher hauptsächlich Dönerbuden, Currywurststände und ranzige Italiener, so gibt es mittlerweile ein zertifiziertes Bio-Restaurant, ein Café mit integriertem Buchladen, welches jeden Sonntagabend den Tatort auf der Großbildleinwand zeigt und schicke Restaurants mit einem großen Cocktailrepertoire.
Zusätzlich gibt es seit Anfang November auch noch ein riesiges neues Einkaufszentrum in einem Neubaukomplex mit angegliedertem Hotel. Das wahre Highlight wurde jedoch am 20. November 2010 wiedereröffnet: die Arminius -Markthalle an der Arminiusstraße 2 bis 4 in Berlin Moabit. Die Arminius- Markthalle ist ein wunderschönes denkmalgeschütztes Gebäude, das schon 1891 zum ersten Mal eröffnet wurde und Platz für rund 425 Stände bot. Nachdem die Markthalle im zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, wurde sie in den 50-er Jahren aufwendig restauriert. Letzte Arbeiten wurden in den 90-er Jahren unter Berücksichtigung historischer Stilelemente vornehmlich an der Außenfassade durchgeführt.
Nach der jetzigen Wiedereröffnung der Markthalle wird dem Besucher nun auf rund 8.000 Quadratmetern eine vielfältige Auswahl an Obst und Gemüse, Wein und Brot geboten. Auch ein qualitativ hochwertiges und bodenständiges Mittagessen lässt sich zu günstigen Preis finden.


Auf dem neuen Boulevard der Stars von Star zu Sternchen schlendern

Der Potsdamer Platz in Berlin ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Zumindest ergibt sich dieser Eindruck nach Gesprächen mit sowohl "echten Berlinern" als auch mit Zugezogenen. Der Potsdamer Platz scheint demnach hauptsächlich Touristen-Ausflugsziel und Business-Zentrum zu sein. Seit September diesen Jahres haben Touristen einen Grund mehr, den Potsdamer Platz aufzusuchen, denn seit dem 9. September 2010 hat Berlin seinen eigenen Walk of Fame...pardon, Boulevard der Stars natürlich.
Zwischen Cinemaxx und Cinestar, zwischen Dunkin' Donuts und Billy Wilders, zwischen Potsdamer Platz Arcaden und Sony Center können Touristen - und natürlich die Berliner selbst, wenn sie denn wollen, in Messing gegossene Stars bestaunen. Auf dem roten Mittelstreifen, der die rechte und die linke Spur der Potsdamer Straße teilt, gibt es derzeit 40 Sterne. Vorausschauend wurde Platz gelassen für mindestens 150 weitere. Und schon kann der mitdenkende Leser grübeln, wer von der großen Bandbreite an deutscher B-Prominenz es wert ist, in dem roten Berliner Asphalt verewigt zu werden.

Impressionen Boulevard der Stars - Berlin
Impressionen Boulevard der Stars - Berlin

Der Boulevard der Stars ist nun also ein Ort, an dem deutschsprachigen Filmschauspielern Ehre erwiesen werden soll. Wem die Autos und die Busse, die links und rechts an einem vorbeirauschen, nichts ausmachen, der kann sich nun an namhaften Messingsternen erfreuen. Doch wer gehört zu den Auserlesenen 40? Ganz ehrlich, viele der Namen, die auf dem Boulevard der Stars verewigt sind, sind mir nicht bekannt. Zu denen, die ich kenne, gehören u.a. Doris Dörrie, Hildegard Knef, Armin Müller-Stahl und Götz George, der als Tatort-Kommissar "Schimi" Horst Schimanski TV-Geschichte geschrieben hat. Warum das Experten-Komitee, das die Sterne Auswahl getroffen hat, Persönlichkeiten wie Heinz Rührmann nicht bedacht hat, das steht in den Sternen. Da es aber noch Platz für mindestens 150 weitere Sterne gibt, so bleibt abzuwarten, ob diese Namen noch nachgereicht werden …
Doch will ich der Berliner Bemühung, sich durch eine Kopie des Hollywood'schen Walk of Fame zur Weltstadt aufzuschwingen, natürlich nicht Unrecht tun. Zugegebenermaßen bietet der Boulevard den Touristen mehr, als nur auf Messingsterne mit eingraviertem Namen zu starren. Wer Lust und Kleingeld hat, der kann durch spezielle fest installierte Kameras gucken, die neben dem jeweiligen Stern das Abbild des Verewigten erscheinen lässt.
Eine kritische Bemerkung kann ich mir dennoch nicht verkneifen. Den Walk of Fame in Hollywood gibt es bereits seit 1958. Ob Berlin im Jahre 2010 eine schnöde Kopie dessen noch nötig hat, das bleibe mal dahingestellt. Die nicht pingelige "Berliner Schnauze" hat denn auch ganz schnell aus dem Walk of Fame einen "Walk of Shame" (Boulevard der Schande) gemacht. Doch das ist wohl ein wenig zu viel des Negativen …
Ich bin kein großer Fan des Boulevards der Stars und werde wohl auch keiner werden, ganz egal, welche Namen noch dort verewigt werden. Für mich gehört diese "neue Attraktion" nicht zu den verpflichtenden Sehenswürdigkeiten eines Berlin-Besuches. Wer shoppen möchte, der ist in den Potsdamer Platz Arcaden gut aufgehoben; wer ins Kino möchte, der geht ins Cinestar im Sony Centre. Doch an Kulturellem hat Berlin sicherlich einiges mehr zu bieten als knapp vier Dutzend in Messing gegossener Namen deutscher A- und B-Prominenz, von denen die meisten Namen den meist ausländischen Touristen sowieso nicht geläufig sind.


World Press Photo: Dramatik auf 167 Bildern

Ausstellungen brauchen Räume. Ob Bilder oder Objekte - ihre Wirkung auf den Betrachter hängt nicht unwesentlich vom Ort der Präsentation ab. Wobei die Standorte wiederum bei vielen Menschen die Entscheidung beeinflussen, ob sie eine Ausstellung besuchen oder nicht. Diese Frage stellt sich bei der Bilderschau "World Press Photo" nicht, die noch bis zum 25. Oktober zu sehen ist. Wo? Im Bahnhof Friedrichstraße in Berlin.
Das ist ein durchaus ungewöhnlicher Ort für eine Ausstellung - allerdings ein angemessener für ungewöhnliche Bilder. Und ungewöhnlich sind die 167 Fotos allemal, die zwischen den Säulen im Erdgeschoss dieses stark frequentierten S- und U-Bahnhofes, in unmittelbarer Nähe von Body Shop und Edeka, auf Stellwänden ausgestellt sind. Spätestens dann wird dies dem unbefangenen Betrachter klar, wenn er auf schockierende Darstellungen vorbereitet wird - und Eltern deshalb gebeten werden, sich genau zu überlegen, ob ihre Kinder alt genug sind für eine Konfrontation mit teilweise wirklich bestürzenden Fotos. Präsentiert wird eine Auswahl prämierter Bilder aus Kriegsgebieten, Naturaufnahmen und Fotos aus Sport oder Kultur, die das Weltgeschehen des vergangenen Jahres dokumentieren - und dieses Geschehen war bekanntlich durchaus nicht immer "Friede, Freude, Eierkuchen".

Impressionen World Press Photo - Berlin
Impressionen World Press Photo - Berlin - Weitere Infos: worldpressphoto.org

Beeindruckend ist es in der Tat sich die Absicht und die Wirkung dieser Ausstellung bewusst zu machen, die es tatsächlich schafft, den täglichen Konsumalltag der Menschen für sich zu nutzen und sie halt machen lässt, mit Wurstbrötchen in der Hand, auf dem Weg zur U-Bahn oder zum nächsten H&M. Und eines wird schnell klar: Die großformatigen Fotos sprechen auch vermeintlich eilige Reisende an, veranlassen sie zum Innehalten - und plötzlich haben sie sogar Zeit, sich die Erklärungen zu den Bildern durchzulesen. Und beides - Bilder und Erklärungen - machen oft betroffen. Wenn man z.B. auf eine verdurstete Giraffe blickt und liest, dass es in diesem afrikanischen Landstrich seit vielen Jahren nicht mehr geregnet hat und Menschen und Tiere dem Tod ausgeliefert sind. Oder wenn man auf eine Szene blickt, in der ein Ehebrecher nach islamischem Recht gesteinigt wird. Oder wenn noch einmal die Zeit des Aufruhrs nach der - umstrittenen - iranischen Präsidentenwahl lebendig wird. Oder wenn man mit nachdenklich stimmenden Bildern aus dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern konfrontiert wird. Und das Mitgefühl für leidende Menschen, Tiere und Natur, aber auch Wut auf Regelverstöße wie Doping im Sport geht schnell einher mit der Hochachtung für die Fotografen, die bei Leid, Tod, Ignoranz und Intoleranz nicht weggeschaut haben, sondern mit ihren Bildern zum Nachdenken anregen.
Der Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ist die letzte Station der Foto-Ausstellung von World Press Photo, die seit Wochen in verschiedenen deutschen Bahnhöfen zu sehen war. Wer noch in dieser Woche die deutsche Hauptstadt als Reiseziel hat, am Bahnhof Friedrichstraße aus- oder einsteigt, sollte sich für diese ungewöhnliche Präsentation ein wenig Zeit nehmen. Und sie lohnt auch einen Besuch, wenn der Bahnhof nicht direkt auf dem Reiseweg liegt.
Wer ist World Press Photo? Word Press Photo ist eine Organisation mit Sitz in Amsterdam, gegründet 1955, die bekannt dafür ist, jährlich den weltweit größten und prestigeträchtigsten Wettbewerb für Pressefotografie zu organisieren. Mehr als zwei Millionen Menschen sehen die Wanderausstellung in rund 45 Ländern. World Press Photo will hohe professionelle Standards in Fotojournalismus und einen freien und ungehinderten Informationsaustausch fördern. World Press Photo zielt darauf ab, professionelle Presse-Fotografie auf einer breiten internationalen Skala zu unterstützen. Werbeaktivitäten umfassen einen jährlichen Wettbewerb, Ausstellungen, pädagogische Programme für den Fotojournalismus und die Verbreitung der Presse-Fotografie durch eine Vielzahl von Publikationen.


Was ist eigentlich Lacrosse

Sport ist für viele Menschen ein Thema, in welcher Form auch immer. Berlin hat da eine Menge zu bieten. Erstliga-Handball, Zweitliga-Fußball… - und dann gibt es da noch Lacrosse. Die Hauptstadt ist in jedem Jahr Schauplatz eines der größten Lacrosse-Turniere Europas, den "Berlin Open". Bei dem einen oder anderen könnte nun die Frage aufkommen, was, zum Teufel, ist eigentlich Lacrosse?

Impressionen Lacrosse - Ballsportart - Berlin
Impressionen - Ballsportart Lacrosse

Zumindest ging es mir bis noch vor einiger Zeit genauso. Mittlerweile habe ich dazugelernt und kann sagen, dass Lacrosse, obwohl noch relativ unbekannt in Deutschland, eigentlich eine weltweit bekannte, praktizierte und vor allem eine sehr traditionsreiche Sportart ist.
Laut Wikipedia ist "Lacrosse eine Ballsportart, bei der zwei Mannschaften mit je zehn Spielern bzw. zwölf Spielerinnen gegeneinander antreten und versuchen, mit einem Netzschläger den Ball in das gegnerische Tor zu befördern". Soviel zu den Basics. Was mich aber wirklich überrascht hat, ist, dass Lacrosse ursprünglich schon vor über vier Jahrhunderten von Indianern an der Ostküste der USA und im heutigen Kanada gespielt wurde. In dieser ursprünglichen Form diente Lacrosse als Kriegsvorbereitung für Kämpfe mit anderen Stämmen und endete oft sogar tödlich. Wenn man sich dieser historischen Ursprünge bewusst ist, so erklärt sich zumindest das Grundmaß an Brutalität, welches dieser Sportart zu eigen ist.
Zurück zu den Berlin Open: Zugegebenermaßen war ich ehrlich erstaunt über den internationalen Charakter des Events; so waren zum Einen die großen Lacrosse-Nationen der Welt vertreten, wie zum Beispiel die USA, die gleich mit mehreren Mannschaften antraten, oder die Australier, die für das Turnier einmal um die ganze Welt geflogen waren. Zum anderen nahmen aber auch Lacrosse-"Zwerge" wie zum Beispiel Litauen an dem Turnier teil, das sich insgesamt über drei Tage erstreckte und am Sonntagnachmittag in einem großen Finale seinen Höhepunkt fand. Bei den Männern hatte es überraschenderweise die deutsche Lacrosse-Nationalmannschaft in das Finale geschafft und traf dort auf die B-Mannschaft des amerikanischen Teams Gatorade. Leider wurden dem deutschen Team schnell seine Grenzen aufgezeigt. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die deutsche Nationalmannschaft verlor gegen die Amerikaner 16:5. Doch für mich Lacrosse-Neuling war das Ergebnis nur Nebensache. Viel wichtiger waren all die kleinen Episoden rund um diese irgendwie exotische Sportart, welche den Tag für mich so interessant und unterhaltsam gemacht haben.
Fußballfans schimpfen gern und ausgiebig über Entscheidungen der Schiedsrichtiger, die nicht selten mit Karten jeder Farbe nicht geizen. Auch beim Lacrosse gibt es Fouls. Die Regel an sich ist relativ eindeutig: So darf ein Spieler seinen Gegenspieler prinzipiell durch Schläge mit dem so genannten Stick behindern und aufhalten. Allerdings sind Schläge auf den Kopf, in den Rücken und unter die Gürtellinie verboten. Wenn man so am Spielfeldrand steht und dem Spielfeld zuschaut, so hört man des öfteren frustrierte Rufe von den Anhängern auf der Tribüne "Ey, das ist doch eine Flagge gewesen." In Fußballsprache übersetzt ist dies soviel wie die Forderung nach einer gelben Karte. Im Lacrosse gibt es statt der Karte eine kleine gelbe Flagge, die im Falle eines Fouls vom Schiedsrichter aufs Feld geworfen wird und so das geahndete Foul für alle sichtbar macht. Die Forderung nach der Flagge war aber nicht das einzige Kuriose, was ich am Spielfeldrand zu hören bekam. "Got the ball.. got your left... got your right" (zu deutsch "Ich habe den Ball...hab dich links....hab dich rechts..") war nur eine von vielen weiteren Äußerungen, die zum Lacrosse-Slang gehören und von der Defensive einer Mannschaft gerufen wird, wenn sie versucht, sich beim Angriff der gegnerischen Mannschaft zu sortieren und zu positionieren.
"Höhepunkt" des Lacrosse-Turniers war allerdings am Nachmittag gegen Ende des Finals. Das Spiel war gerade in vollem Gange, doch aus dem Augenwinkel sah ich, wie am linken äußeren Spielfeldrand zwei Mädels und zwei Jungs standen. Die Jungs hatten sich ihrer Shirts entledigt und standen mit blankem Oberkörper am Spielfeldrand. Da das Wetter nun wirklich nicht zum Sonnenbaden einlud, war dieser Anblick doch etwas erstaunlich. Aber das war noch nicht alles: Auf einmal ging alles sehr schnell, die Jungs schlüpften aus ihren Hosen, die Mädels zogen sich ihre Kleider über den Kopf, und dann rannten alle vier splitterfasernackt quer über das Spielfeld auf die andere Seite..... So absurd die ganze Aktion auf mich gewirkt hat, so normal war sie für die meisten anderen Lacrosse-Anhänger auf der Tribüne. Denn anscheinend gehört die Nackedei-Einlage zu dem Finale der Berlin Open dazu und wird jedes Jahr von anderen Freiwilligen, stets selbst aktive Lacrosse-Spieler, ausgeführt.


Schulter an Schulter mit Ilse …

Impressionen Schulter an Schulter mit Ilse in Berlin
© Text und Fotos: Svenja Mattner

Wie viele Bundesministerien gibt es in Berlin? Wie hieß noch mal die deutsche Agrarministerin? Und was hat die amtierende Europameisterin im Degenfechten, Imke Duplitzer, mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu tun? All das und noch viel mehr kann derjenige beantworten, der am vergangenen Wochenende dem Aufruf des Bundes zum Tag der offenen Tür in den Ministerien gefolgt ist.
Unter dem Motto „Einladung zum Staatsbesuch“ wurde den Besuchern im Bundeskanzleramt, im Bundespresseamt und in den 14 Bundesministerien, von Ernährung und Landwirtschaft bis Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ein vielfältiges Programm geboten. Fast in allen Ministerien gab es Life Musik, kleine Leckereien und ein kreatives und liebevoll gestaltetes Rahmenprogramm für die Kinder. Das Informative kam natürlich auch nicht zu kurz, denn zahlreiche Stände informierten die Besucher darüber, was sich hinter den Kulissen der Ministerien tagtäglich so ereignet. Um den Besuchern das Pendeln zwischen den einzelnen Ministerien zu erleichtern wurden extra kostenlos Busse bereitgestellt, die im zehn Minuten Takt den Weg zwischen den doch recht weit verstreuten Ministerien zurücklegten.
Bei schönstem Sommerwetter begann mein persönlicher Ministerienrundgang mit dem Besuch des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Vorsichtig formuliert kann man sagen, dass das Ministerium wohl eher zu denen gehört, die in der Öffentlichkeit weniger Aufmerksamkeit genießen. Das Ilse Aigner etwas mit dem Verbraucherschutz zu tun hat, ist wohl spätestens seit der Debatte um Google’s Street View fast jedermann bekannt. Aber wer weiß, dass ihr Ministerium auch für Ernährung und Landwirtschaft zuständig ist? Umso positiver überrascht war ich daher von dem sehr liebevoll und interessant gestalteten Tag der Offenen Tür im Ministerium von Agrarministerin Ilse Aigner. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die lilafarbenen Möhren mit den exotischen Namen „Purple Haze“ oder „Deep Purple“, die am Stand des Bundessortenamts zu bestaunen waren. Gleichzeitig konnte ich lernen, dass das Bundessortenamt eine selbstständige Bundesoberbehörde unter dem Dach des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist und dafür zuständig zu prüfen, dass die violetten Kartoffeln und Möhren auch wirklich ungefährlich für den Verbraucher sind. Denn was im Moment nur vom Züchter in Hildesheim zu bekommen ist, wird wohl in absehbarer Zukunft der herkömmlichen Möhre in orange im Supermarkt Konkurrenz machen.
In all den Ministerien, die ich besucht habe, ist mir besonders das liebevoll und kreativ gestaltete Programm für die Kleinen als sehr positiv in Erinnerung geblieben. Im Familienministerium wurden Luftballons verteilt und auf der Bühne wurde ein Kinderprogramm geboten. Im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft konnten sich die besonders mutigen an einer Kletterwand empor hangeln, eine ruhige Hand am heißen Draht beweisen oder auf Tuchfühlung mit lebenden Schafen gehen. Dennoch kam bei all den Aktivitäten und dem ausgiebigen Unterhaltungsprogramm auch das Informative nicht zu kurz. So wurde man im Familienministerium über die vom Bund geförderten Austauschprogramme für Jugendliche zwischen Deutschland, Tschechien, Russland und Frankreich informiert und durch Umfragen wie zum Beispiel „Welches Kinderrecht ist am wichtigsten“ zum Nachdenken animiert.
Besonders positiv am Tag der offenen Tür in den Bundesministerien war für mich, dass sich tatsächlich auch die Bundesminister persönlich um ihre Gäste kümmerten. So stand ich im Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft völlig unerwartet neben Ilse Aigner, was ich nur durch das plötzliche Klicken der Kameras um mich herum realisierte. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales traf ich dann leider nicht auf Ursula von der Leyen, doch stand ich dort plötzlich neben Imke Duplitzer, amtierende EM-Goldmedaillen Siegern im Degenfechten, die mit ihrem prominenten Namen gegen Armut und soziale Ausgrenzung kämpft.
Mein Fazit zum Tag der Offenen Tür bei den Bundesministerien ist durchweg positiv. In der Tat hat der Normalbürger einen Einblick hinter die Kulissen der Ministerien erhalten und mit ein bisschen Glück sogar die Bundesminister persönlich treffen können. Mein einziger Wehmutstropfen ist, dass ich leider auf den Besuch bei Angela Merkel verzichten musste, da die Wartezeit aufgrund der gigantischen Besuchermassen einfach zu groß gewesen wäre.


Auf 28 Pfoten durch die Hauptstadt

Berliner Schnauze, Berliner Luft, Spree und Wannsee - die Hauptstadt war und ist immer eine Reise wert. Feiern und flanieren, gammeln und genießen: Berlin ist ein Schmelztiegel von Menschen und Kulturen, hier werden heute Trends gemacht und morgen schon wieder beerdigt. Ein Kurzbesuch der Metropole gerade jetzt in der Ferienzeit lohnt sich immer. Und es gibt viele Möglichkeiten, in dieses pulsierende Großstadtleben mit Kleinstadtcharakter einzutauchen - z.B. mit einem Schlittenhund-Gespann. Um die Metropolen unserer Zeit kennenzulernen, sucht man sich am besten einen sonnigen, nicht zu heißen Tag aus, steigt für gewöhnlich in einen oben offenen Doppeldeckerbus und lässt sich durch die Gegend chauffieren. Das geht natürlich in Berlin genauso. Man löst ein Städtetourenticket bei einem der zahlreichen Anbieter, steigt ein oder aus, wo es gefällt und lässt sich mit Zahlen, Daten und Fakten berieseln. Oder man steigt aufs Rad. Kaum zu glauben, wie viele Radfahrer - und glücklicherweise auch Radwege - es mittlerweile in der Stadt an der Spree gibt. Bei gutem Wetter sind die Radler in Massen unterwegs - einzeln, im Familienverband oder in Großgruppen, die schon mal an die Teilnehmerzahl radsportlicher Großveranstaltungen erinnern. Rikschafahrer reihen sich ebenfalls noch ein. Und wer dann Straßen und Wege überqueren will, braucht Geduld. Aber man ist ja nicht auf der Flucht …

Und dann gibt es noch eine ganz besondere Art, Berlin zu erleben. Und zwar mit einem Schlittenhund-Gespann. Daniel Hurst ist Chef des Rudels von sieben Tieren und dirigiert sie per Zuruf, ganz gleich, ob er im Sommer hinten auf einem Rollwagen steht oder im Winter bei Schnee auf einem Schlitten. Es ist schon ein Erlebnis, wenn man in den Katakomben tief unter dem Potsdamer Platz endlich eine Parkplatz gefunden hat, wieder ans Tageslicht kommt - und dann auf Hurst's Schlittenhunde stößt, die hier faulenzen, bis der "Rudelführer" einen Passagier gefunden hat und es wieder losgeht - im 10-Kilometer-Tempo. Mit Hurst als versiertem Stadtführer im Rücken werden die Attraktionen angelaufen; gern geht's dabei auch durch den weitläufigen Tierpark.
Menschen können sich überanstrengen - Hunde dürfen nicht überfordert werden. Und so gab es während der hochsommerlichen Tage jede Menge hitzefrei für die eher Kühle liebenden Vierbeiner. Das gilt auch für die Tourlänge. 20 bis 30 Kilometer an warmen Tagen, aber bei Kälte auch bis zu 150 Kilometer. Da wird klar, was die Schlittenhunde wirklich mögen …
Doch nicht nur auf den Berliner Straßen ist das Gespann zu sehen und zu Hause. "Mit meinen Hunden in die Natur ist Abenteurer Freiheit pur", reimt Daniel Hurst und bietet Abenteuerfahrten in die Schorfheide und direkt in den Wildpark an. Wobei Wünsche individuell berücksichtigt werden. Weitere Touren führen nach Zepernik, zum Kletterpark Hobrechtsfelde und Gutsarnow, wo die Möglicheit zur Übernachtung besteht.
Die Hunde von Daniel Hurst sind Multitalente. Mit ihnen besucht er Kitas, Schulen, Senioreneinrichtungen und Krankenhäuser. Bei Kindergeburtstagen sind sie, neben dem Geburtstagskind, selbstverständlich die Stars. Und der "Rudelführer" gibt Herrchen und Frauchen Tipps, wenn's mit dem eigenen Schnuppi in Sachen Ernährung und Erziehung mal nicht so klappt.

Wer mit Daniel Hurst und seinen Hunden Berlin und mehr erleben will, erreicht ihn unter Telefon 0171-9420659 oder per E-Mail: