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Mehr Sein als Schein: Bei Verpackung ist weniger mehr

Drei kleine Pralinen verführen, extra eingewickelt in folienverschweißter Hochglanzschachtel, zum Kauf. Bio-Bananen, Äpfel und Birnen - also Früchte mit harter Schale - machen nach Meinung von Händlern mehr her in Folie verpackt. Den Mini-MP3-Player finden Kunden meist im überdimensionierten Versandkarton unter reichlich Füllmaterial. Gesichtskosmetika und Zahnpasta gibt’s häufig nicht nur in Tiegel oder Tube, sondern auch noch von einer Schachtel verhüllt. 

Die politischen Ziele, Verpackungsmüll zu reduzieren, werden bislang verfehlt. 2009 betrug das Aufkommen pro Kopf in Deutschland knapp 184 kg. Im Jahr 2014 lag es bei 219,5 kg – eine Steigerung von 18 Prozent! Rund die Hälfte davon fällt direkt bei Endverbrauchern an. Europaweit ist Deutschland Spitzenreiter beim Verbrauch von Verpackungen. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwas über 150 kg pro Kopf. 

Die politischen Ziele, Verpackungsmüll zu reduzieren, werden bislang verfehlt.

Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c der Gesamtschule Hüllhorst, die sich in diesem Halbjahr mit dem Projekt Müll beschäftigt haben, stand Abfallvermeidung auf dem Stundenplan. Sie erlebten ganz konkret wieviel Müll entstehen kann durch die Nutzung von Einweggeschirr und Besteck sowie verpackungsreichen Materialien und welche abfallarmen Alternativen es gibt. Mit dabei v..l.: Lehrkraft Hildegard Hövels sowie die Umweltberaterinnen Cornelia Franke-Röthemeyer und Ute Schürmann von der Verbraucherzentrale NRW in Minden. (Foto: Verbraucherberatung NRW in Minden)

Unnötige und aufwändige Verpackungen haben ihren Preis: Einerseits gaukeln sie Kunden mehr und besonders exquisiten Inhalt vor. Andererseits müllen sie die Abfalltonnen schnell zu und müssen - passend zum jeweiligen Material - entsorgt werden. 

Im Rahmen der europäischen Woche der Abfallvermeidung, die noch bis 27. November 2016 europaweit mit vielfältigen Aktionen auf ihr Motto “Verpackungsabfälle vermeiden: weniger ist mehr“ hinweist, ist auch die Umweltberatung der Verbraucherzentrale in Minden wieder mit dabei. 

In Kooperation mit der Gesamtschule in Hüllhorst wurde dabei ein Frühstück der besonderen Art durchgeführt. Die Klasse wurde in 2 Gruppen aufgeteilt – ein Teil der Schüler frühstückte abfallarm – die andere Gruppe abfallreich. So konnte am konkreten Beispiel verdeutlicht werden, wie viel oder wenig Müll durch die Auswahl der Produkte schon bei der ersten Mahlzeit des Tages entsteht. 

Die Verbraucherzentrale NRW gibt einige Tipps, wie sich unnötiger Abfallärger beim Einkaufen und unterwegs vermeiden lässt.

Abfallarm ist Spitze

Bei vielen Produkten gibt es Alternativen mit wenig oder ganz ohne Verpackung. Gerade Obst und Gemüse im "Adamskostüm" sind eine gute Wahl zur Müllvermeidung. Auch Reis, Nudeln und Hülsenfrüchte muss man nicht doppelt verpackt – in Tüte und Karton - kaufen. Sogenannte Unverpackt-Läden bieten verpackungsfreie Waren als besonderes Geschäftsmodell im Einzelhandel an. Bislang müssen interessierte Kunden die wenigen Anbieter unter dem Stichwort „unverpackt“ im Internet suchen.

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Was ins Auge fällt, dafür zahlt der Kunde

Kosmetika und Süßigkeiten in verführerischen Verpackungen locken zum Kauf. Prunkvolle Outfits fordern jedoch auch meist einen teureren Preis. Wer den Betrag von schön Verpacktem mit derselben Menge mit einer Standardverpackung des begehrten Produkts vergleicht, erfährt, was das aufwändige Drumherum wirklich kostet.

Überflüssige Verpackungen im Laden lassen

Gibt es den gewünschten Artikel mit einer Verpackung umhüllt, kann das Produkt nach dem Bezahlen ausgepackt und im Laden entsorgt werden. Der Handel ist zur Rücknahme von Verpackungen verpflichtet. Dadurch wird der Abfallberg zuhause ein wenig abgebaut.

Hersteller arbeiten mit Verpackungstricks

Sichtfenster werden gerne im gut befüllten Bereich eines Produkts auf der Verpackung angebracht. Oberhalb des Sichtfensters beginnt oft der Luftraum. Aushöhlungen im Deckel oder Boden lassen eine Verpackung größer erscheinen und gaukeln mehr Inhalt vor. Um beim Öffnen nicht unliebsam überrascht zu werden, sollte man die Verpackung auch von oben und von unten betrachten.

Mehrweg spart Müll

Kunststoff-Flaschen, die nach Gebrauch erneut befüllt werden, sind aufgrund ihres geringeren Materialgewichts beim Transport ökologisch die bessere Wahl im Vergleich zu den Mehrweg-Verpackungen aus Glas. Werden Getränke und Joghurt jedoch regional abgefüllt, sind auch Glasverpackungen empfehlenswert. Wer Wasser aus der Leitung trinkt, kann jegliches Verpackungsmaterial und auch Getränkegeld sparen. Für Wegwerf-Verpackungen gilt: Einweg-Varianten aus Kunststoff sind in der Herstellung energiesparender als Behälter aus Glas oder Metall. Bei Kunststoff-Verpackungen sind Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) aus ökologischer Sicht die beste Wahl.

Weitere Informationen zu unnötigen Verpackungen gibt’s online unter 

www.verbraucherzentrale.nrw/verpackungsaerger

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