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"Nessie" – das "Ungeheuer" auf dem Stand-Up-Paddle-Board

Zugegeben: Es gibt sicher bessere Monate, als zum Jahresende mit Zielen in Nordeuropa zu verreisen.

Zugegeben: Es gibt sicher bessere Monate, als zum Jahresende mit Zielen in Nordeuropa zu verreisen. Aber ist das Ziel Schottland, ist die Jahreszeit eigentlich sowieso egal. Sonnenanbeter kommen hier eh nicht auf ihre Kosten. Und eines lernt man ganz schnell: Wetter ist in diesem Teil des Vereinigten Königreiches nicht von der Jahreszeit abhängig.

Unser Ziel war Edingburgh, Schottlands Hauptstadt und mit rund 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Metropole. Wir erreichten sie mit einem Ryanair-Flug von Düsseldorf-Weeze nach eineinhalb Stunden – pünktlich, wie die übliche Fanfare im Flieger kundtat. Zackig ging’s auch in die Stadt. Man kann wählen zwischen Taxi, Bus und Tram und bezahlt für den Bus 4,75 , für die Tram 5,50 – aber nicht britische, sondern schottische Pfund. Wir lernten: Schottland hat eine eigene Währung, die der weitgehenden Selbstverwaltung geschuldet ist. Umtauschen kann man in Wechselstuben, und an Geldautomaten erhält man automatisch cash in Schottland-Pfund.

Nach rund 30 Minuten waren wir im Herzen der Stadt, an der Princess-Street. Einige Minuten entfernt liegt der Haymarket, wo wir drei Nächte in einem Hub-Hotel gebucht hatten. Klein und eng, aber sauber und sicher hatte es den Vorteil, dass man alle Verkehrsmittel in unmittelbarer Nähe hatte oder die Stadt auch gut zu Fuß von hier aus erkunden konnte – wozu wir uns entschlossen hatten.

Zwölf Stunden durch die Highlands 

Das aber erst am zweiten Tag. Denn der erste war für einen Ausflug in die schottischen Highlands fest reserviert. Und den sollten sich Edinburgh-Besucher keinesfalls entgehen lassen. Wenn man dann noch einen Profi am Steuer des Busses hat wie wir mit Sergio von Highland Experience Tours, hat man ganz klar das große Tourismus-Los gezogen.

Sergio stammt aus Italien, ist in Belgien aufgewachsen, lebt seit 20 Jahren in Schottland und somit dreisprachig unterwegs – Idealzustand für jedes Tourismus-Unternehmen. Seinen Gäste aus Italien, Singapur, China, Korea, Frankreich und Deutschland bot er auf Englisch eine höchst interessante und abwechslungsreiche Highland-Tour.

Die aber, die Busfahren nicht mögen, seien gewarnt: Auf uns warteten an diesem Tag mit meist gutem Wetter rund 600 Kilometer, eine Rundreise von Edingburgh über Sterling, Fort William, Inverness und Perth. Vorbei an zahlreichen Seen, hier Loch genannt. Wobei der legendäre Loch Ness mit einstündiger Bootsfahrt nicht fehlen durfte, der für oder wegen seines angeblich in ihm lebenden Ungeheuers so bekannt ist. Wir bekamen es - natürlich – bei unserer Schiffsfahrt nicht zu Gesicht, dafür aber einen „ungeheuren“ Stand-Up-Paddler. „Ungeheuer“ deshalb, weil es bei kaltem Wind, sehr kaltem Wasser und flottem Wellengang wohl „ungeheuren“ Mut und Willen braucht, sich auf diesen See zu wagen. Aber uns wurde klar, dass die Macher von Loch Ness mit „Nessie“ eine grandiose Marketing-Idee hatten, die für Touristen aus der ganzen Welt sorgt – absolut vergleichbar mit dem Nürnberger Christkindl-Markt...

Bildergalerie

Es wurde eine beeindruckende Fahrt durch eine atemberaubende Landschaft mit Schnee bedeckten Bergen, Tälern, Schluchten und einer Tierwelt von Rehwild über Hirsche und tausenden Schafen bis zu den zotteligen Highland-Rindern. Die gewaltige Natur lockt nicht nur Touristen in Bussen an, sondern auch Wanderer, hill-walker (etwa Bergwanderer) genannt, von unserem Sergio aufgrund eigener Erfahrung aber in „hell-walker“ (etwa Höllenwanderer) umgetauft. Biker finden hier ebenfalls ein anspruchsvolles Revier, und für Skifahrer gibt es in den Highlands immerhin sieben Schneegebiete mit 66 Skiliften und 130,5 Pisten-Kilometer. Kein Wunder also, dass sie gern und oft zu allen Jahreszeiten als Filmkulisse dient: Harry-Potter-Streifen wurden hier in Teilen ebenso gedreht wie zahlreiche James-Bond-Thriller, zuletzt „Skyfall“ im Tal von Glen Coe.

Infos darüber und noch viel mehr hatte Sergio während der zwölfstündigen Tour stets parat. Er erwies sich dabei als profunder Kenner interessanter Einzelheiten aus schottischer Wirtschaft und Historie. Gerade letztere verlief überaus gewalttätig, wie die Schlachtfelder bewiesen, auf die Sergio hinwies und zu denen er viele Details parat hatte. „Schuld“ daran seien die Engländer gewesen, von Sergio und angeblich den meisten Schotten kaum als solche bezeichnet, sondern immer nur als „the enemy“, als „der Feind“. Der Freiheitskampf der Schotten ging zwar verloren. Sie haben sich aber – siehe Währung – eine Menge Freiheiten und Sonderrechte im Vereinigten Königreich erkämpft und gesichert und gehen äußerst selbstbewusst damit um!

Ein Ausflug in die Historie, in der natürlich auch Mary Stuart nicht fehlen durfte, war überaus erhellend für alle, deren Geschichtsunterricht schon lange zurücklag.

Pausen gab es ausreichend, und wer wollte, konnte in den angesteuerten Rasthäusern essen und trinken und auch Souvenirs wie Schottenrock oder Kaschmirschals erwerben... 

Shopping – Kunst – Pubs

Blieb also noch ein Tag für Edingburgh selbst. Weshalb wir sehr strukturiert mit den verbleibenden Stunden umgehen mussten. An erster Stelle stand natürlich die Burg, hoch über der Stadt auf einem Vulkanfelsen erbaut. Sie und ihre Umgebung mit der Royal Mile waren die Keimzelle der heutigen Metropole. Gelegenheiten für Besichtigungen gibt es reichlich: Burg, Whiskyproduktion und –verkostung, The Real Mary Kings’ Close, verschiedene Museen... Doch man muss dabei die Zeit im Auge behalten, die wie im Fluge verrinnt. Denn am Fuße des Burgberges wartet noch so viel: Die Shopping-Meilen Princess-Street, Rose-Street und George-Street. Das „Jenners“ ist – und da folgen wir dem Reiseführer gern – unbedingt einen Abstecher wert mit seiner verwinkelten Architektur, die rund 100 Shops aller Marken beherbergt.

Bei so viel Shopping soll und darf die Kunst nicht zu kurz kommen. Noch in Laufweite in schönen Parks gelegen wartet z.B. die National Gallery of Modern Art / Modern One mit moderner Kunst und Installationen, die ans Marta Herford erinnern. Außergewöhnlich: In Edinburgh ist die moderne Kunst in zwei alten Schlössern untergebracht, ein Gegensatz, der sich fantastisch ergänzt - und ist dazu noch kostenlos.

Wer nach Schottland reist, hat sich allerdings kein billiges Reiseziel ausgesucht. Essen und Trinken sowie öffentliche Verkehrsmittel gibt’s nicht für „Appel und Ei“. Die Preise für Souvenirs, Kleidung usw. können mit anderen europäischen Metropolen durchaus mithalten. Bierfreunde können in den Pubs schwelgen: Die Auswahl an gezapften Bieren, die man an den Theken bestellt und bezahlt, ist groß, viel größer jedenfalls als in deutschen Kneipen. Ob Schottland etwas für Gourmets ist, konnten wir in der Kürze der Zeit nicht feststellen. Das uns von Sergio empfohlene „Haggis“, eine offenbar speziell zubereitete Art Hackfleisch, war jedenfalls keine Küchen-Offenbarung. Weshalb wir auf Punjab-Spezialitäten wechselten. Eine richtige Entscheidung, die köstlich schmeckte. 

Highlands – Besichtigungen - Shopping – Kunst: Zwei Tage sind für Edinburgh eigentlich zu wenig. Weshalb die schottische Hauptstadt auf unserer Liste mit den „Wiederholungsstädten“ nicht fehlt. Dann aber mit An- bzw. Abreise an keinem Tag mit einem sportlichen Großereignis wie Rugby. Denn dann kommt man nämlich kaum durch die Stadt und muss um einen Platz im Pub echt kämpfen.